Bitte, bitte! Glaubt wenigstens dem “Economist”

"Stand back, I'm a central banker!"

Der “Economist”, für mich der Goldstandard in Sachen Wirtschaftsberichterstattung, hat in dieser Woche den Kampf der Notenbanken gegen die Finanzkrise zum Titelthema gemacht: “Central banking and the crisis - Emergency manoeuvres”.

Der Text – wie eigentlich das gesamte Heft, jede Woche – ist Pflichtlektüre für jeden, der sich irgendwie für die Wirtschaftskrise interessiert.

Vor allen die Herren Frank Schäffler, “Finanzexperte” der FDP-Bundestagsfraktion und auch Klaus-Peter Flosbach, finanzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sollten diesen Text bitte lesen – und dann endlich aufhören, ihre gefährliche und haltlose Kritik an der EZB zu verbreiten.

Die “Economist”-Kollegen vertreten – natürlich wie immer viel eleganter – ähnliche Thesen wie ich in meinem Anfang der Woche veröffentlichten Blogpost “Euro-Krise: Auf welchem Stern lebt Berlin?”

Zwei Passagen sprechen mir besonders aus dem Herzen:

“European leaders have consistently fallen short of what is required. The doleful pattern has been to do as little as possible as late as possible after prolonged and often heated diplomacy that spills out messily in public, sowing confusion rather than delivering reassurance.”

Mit Blick auf die in Deutschland heftig kritisieren Aufkäufe von italienischen und spanischen Staatsleihen durch die EZB schreiben sie:

“Inaction risked a buyers’ strike that could have turned fundamentally solvent public finances insolvent by pushing up yields to unsustainable levels. In this sense, intervening in the Italian and Spanish markets was more defensible than the earlier support operations for Greece, which had been clearly insolvent. And a crisis in Italy or Spain would matter a lot more, since both economies are far bigger than those of Greece, Portugal and Ireland, the countries rescued so far. Their failure would have stretched even a beefed-up bail-out fund.”

Genauso ist es.

Dass ihr mir das nicht glauben wollt, ok, damit kann ich leben.

Aber glaubt ihr vielleicht dem “Economist”? Bitte, bitte!

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Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

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Alle Kommentare [25]

  1. Volkswirtschaften wie Italien und insbesondere Spanien mit einem strukturellen Leistungsbilanzdefizit können langfristig nicht solvent bleiben. Sie häufen solange Nettoauslandsschulden an, bis sie pleite sind. Die einzigen Auswege sind Umkehr der Leistungsbilanz, permanente Transferzahlungen, Finanzkasinogewinne (USA, UK) oder eine Pleite.

  2. Wen verwundern eigentlich die Vertrauenskrisen in die Staaten ernsthaft? In den meisten Ländern wurden mehr oder weniger große Summen zur Stützung des Finanzsektors aufgenommen. Und inzwischen gibt es mal hier mal dort einen Vertrauensverlust und mal hier mal dort eine Blase. Neuster Auswuchs: Wenn alle ihr Geld in Schweizer Franken anlegen wollen, würgt das die Realwirtschaft der Schweiz ab….

    Es scheint mehr Geld auf dem Markt zu sein als wirklich rentable Anlagemöglichkeiten.

  3. Also ich versteh das Ganze nicht. Warum läßt sich bezüglich Griechenland kein Einverständnis zwischen den großen institutionellen Kapitalgebern und der griechischen Regierung herstellen, welches dem Land das finanzielle Überleben sichert? Umschuldungen hat es immer gegeben, bspw. in Südamerika. Was soll das denn hier so sehrviel anders sein?

  4. @ Thommy

    Sie haben vollkommen Recht, die Strukturpolitik der EU – zweitgrößter Posten im EU-Haushalt – existiert schon seit Jahrzehnten. Und mehr noch: Das zentrale Ziel dieser Politik ist es, die wirtschaftlichen Disparitäten innerhalb der Gemeinschaft abzubauen!

    Infolge der Finanzmarktkrise zeigt sich nun, dass das Modell, nach dem dies zu erreichen versucht wurde, nicht nachhaltig war. Die Ungleichgewichte sind heute größer als je zuvor, weil die betroffenen Volkswirtschaften in der Peripherie durch Krise stärker gelitten haben als die großen Staaten im Zentrum und die Austeritätspolitik ein Ürbiges dazu getan hat, die Situation zu verschlechtern.

    Das ist das zentrale, aber leider – wie jüngst interessanterweise derpensionierte Industriekommissiar Günter Verheugen in einer Diskussion im WDR feststellte – von den Verantwortlichen weitestgehend ausgeblendete Problem der EU. Dass wir eine Debatte über die Transferunion haben, zeigt, dass uns dieses Problem nun wieder auf die Füße gefallen ist. Dass dies jedoch aktuell gar nicht thematisiert wird, zeigt, wie weit die Debatte von einer sachgerechten Lösung wirklich noch entfernt ist. Es geht eben keineswegs allein um die Schuldenproblematik. Es geht um ein Wachstumskonzept für die EU als Ganzes. Denn ein solches existiert seit der Schuldenkrise im Grunde nicht mehr.

  5. Möglicherweise ist dieser Kommentar im Spam-Filter hängen geblieben. Ich hatte ihn gestern sehr spät gepostet.

    @ Olaf Storbeck

    Der „Economist“ ist eine erstklassige Adresse, aber glauben muss man ihm deshalb noch lange nicht. Man muss sich vielmehr die Fakten klar machen und auf die richtigen Begründungen verweisen.

    Der Economist:

    “European leaders have consistently fallen short of what is required.” The doleful pattern has been to do as little as possible …”

    Der erste Satz ist richtig, der zweite ist falsch. Er ist falsch, weil zumindest die deutsche Regierung nicht anders konnte. Der Deutsche Bundestag hatte am 16.03.2011 beschlossen, dass eine Erhöhung des Kreditvolumens des ESFS und des auf ihn folgenden ESM nur mit seiner Zustimmung möglich ist. Da ein solcher Beschluss nicht vorlag und wohl auch nicht zu erlangen war, konnte Frau Merkel beim letzten Treffen in Brüssel am 21.07. auch keiner Erhöhung zustimmen, unabhängig davon, ob sie eine solche überhaupt gewollt hätte. Demokratie, Demokratie pur – das ist der Grund für die fehlende Lösungskompetenz der Regierung, nicht der angeblich fehlende ökonomische Sachverstand, fehlendes Problembewusstsein oder die unterstellte Zufriedenheit der Kanzlerin mit Minimallösungen.

    Der Economist:

    “Inaction risked a buyers’ strike that could have turned fundamentally solvent public finances insolvent by pushing up yields to unsustainable levels.

    Das ist m. A. n. nicht die richtige Begründung für das Eingreifen der EZB. Gewiss, die Renditen für spanische und italienische Anleihen hätten in astronomische Höhen steigen können. Daraus kann man aber nicht ohne weitere schließen, dass hier „public finances“ insolvent geworden wären. Es gibt Akteure, die auch bei exorbitanten Zinsen darauf wetten, dass am Ende ein bail out erfolgt und sie mit dem Kauf und Verkauf solcher Anleihen ordentliche Gewinne einfahren können. Meines Wissens hat es auch bei Höchstzinsen einen Handel mit griechischen Anleihen gegeben. Allerdings bestand auch im Falle Spanien und Italien die Gefahr – und ganz richtig, eine viel größere Gefahr als im Falle Griechenland- , dass es zu einer Liquiditätskrise hätte kommen können, wenn die Banken wegen untereinander fehlenden Vertrauens sich nicht mehr im Interbankenhandel Liquidität verschaffen konnten.

    Wie auch immer, der Kauf von spanischen und italienischen Staatsanleihen lässt sich begründen, wenn man andernfalls eine weitreichende Finanzkrise unterstellt. Klar ist aber auch, dass die EZB nicht freiwillig und mit Überzeugung kauft, sondern durch das Unvermögen der Politik dazu gezwungen wurde. Gegen den Kauf durch die EZB zu argumentieren, heißt demnach von der Politik Lösungen einfordern, d. h. ein Votum von den Parlamentariern zu verlangen, wie zu verfahren sei: weiterhin vertragswidriges bail out in welcher Form auch immer oder letztendlich Aufgabe der Währungsunion.

  6. Ich weiss nicht ob man als Ökonom den Goldstandard so gut heissen sollte, aber ich weiss wies gemeint ist ;-).
    Aber wenn der Economist der Goldstandard ist, so gibt es darüber noch den Diamantstandard.
    Wer könnte den besser repräsentieren als ein Ex-EZB-Chefvolkswirt, der die EZB nicht nur von aussen sondern auch von innen kennt.

    Gemeint ist natürlich Prof. Otmar Issing.
    Bitte, bitte Hr. Störbeck lesen Sie dieses aufschlussreiche Interview in der FAZ.
    http://www.faz.net/artikel/C30638/otmar-issing-eine-umschuldung-im-euro-waere-der-gau-30467917.html

    Ausserdem möchte ich auf einen m.E. ganz hervorragenden Artikel von Holger Steltzner hinweisen, der den Vorteil hat, nicht nur an
    der Oberfläche zu kratzen – also Verschuldung ist keine plötzlich hereingekommene Naturkatastrophe … – und auch gangbare Wege aus
    der Schulden-Misere aufzeigt.
    http://www.faz.net/artikel/S30638/europa-nur-ueber-das-geld-30484470.html

    Zu den Kosten sprich welches Szenario kostet wieviel: ich denke, dass man das über die Zeitachse z.B. 5+x Jahre analysieren müsste.
    Also der Weg der jetzt beschritten wird erinnert sehr stark an Salamitaktik wo man nicht genau weiss wie gross die Salami am Ende ist/sein wird.

  7. Danke für die vielen Kommentare. Mir ist gerade leider beim Freischalten der Kommentare ein Fehler passiert, der dazu geführt hat, dass ein Kommentar (der glaube ich sogar eher meine Position stützte) wider Willen im Nirvana gelandet ist.

    Viele Kommentare werden von unserem leider sehr schlecht funktionierenden Span-Filter zunächst als “Spam” betrachtet. Der Button “kein Spam” liegt direkt neben “endgültig löschen”, und ich habe mich leider gerade in seinem Fall verklickt.

    SORRY! Offenbar lässt sich das dann nicht mehr wiederherstellen – oder weiß jemand einen Rat? (Unser Blog läuft mit WordPress.org)

    Im Moment hängen keine Kommentare mehr in der Moderations-Warteschleife. Wenn ihr vor Sonntag vormittag abgegebener Kommentar trotzdem nicht erscheint, dann war das der, den ich irrtümlich gelöscht habe. Ich bitte um Entschuldigung, bitte schreiben Sie ihn nochmal….

  8. In Sachen EZB hat der “Economist” völlig Rechrt. Interessant ist aber auch eine Nebenbemerkung: Er warnt davor, eine engere Verzahnung der Euroländer durch die Hintertür einzuführen. Genau in diese Richtung bewegen wir uns aber möglicherweise…

  9. Nochmals der Hinweis zur Fundamentalanalyse von Wilhelm Nölling “Die EURO-Höllenfahrt” und der Umsetzung seiner Utopie. Verfassungsgerichtsurteil ist für Mitte September erwartet.

    Austritt der nicht eurofähigen Staaten, gemeinsame Finanzpolitik und Anpassungsmechanismen wie bei Keynes mit dem Bancor angedacht bei Leistungs-, Kapitalbilanzungleichgewichten implementieren.
    Die Welt geht nicht unter, weil GB, Dk und andere noch eigene Währungen neben einem Kerneuro und einem Anwartsschaftseuro halten oder ?

    Haushaltsdisiplin beruht auf nachvollziehbarer Ehrlichkeit ohne Ausnahmen !
    Stabilitätsrat als Überwachungsorgan zum Vollzug.

  10. Die Transferunion gibt es doch schon seit Jahrzehnten! Was ist denn der Agrar- und Struturförder-Etat der EU? Richtig, Umverteilung! Ob diese Umverteilung an und für sich gut oder schlecht ist, will ich gar nicht beurteilen… aber die Transferunion besteht faktisch schon seit JAHRZEHNTEN!

  11. @ Lisa Contiu

    Sie haben Recht. Die Euro-Bonds sind keine Lösung, weil die Finanzmärkte auch deren Bonität infrage stellen können. Seit Beginn der Griechenland-Krise haben die Politiker immer wieder aufs Neue das getan, was “die Finanzmärkte” angeblich forderten. Und jedesmal verschärfte sich die Situation anschließend aufs Neue. So lassen sich die Probleme folglich nicht beheben.

    @ alle

    Was unsere Politiker und die EZB de facto tun, ist schlicht, sich ein ums andere Mal Zeit zu kaufen.

    Insofern muss man doch die Frage stellen, warum sie das tun. Denn kaum jemand wird annehmen, dass die Verantwortlichen und ihre Ratgeber ausnahmslos alle geistig unterbelichtet sind.

    Und vor diesem Hintergrund muss man dann schlicht auch in die Rechnung miteinbeziehen, dass es hier eben nicht allein um ökonomische Probleme sowie solche der Haushaltsführung geht, sondern dass an den Finanzmärkten durchaus gegen die Schuldenstaaten und gegen den Euro spekuliert wird und zwar recht massiv. Wer so tut, als spiele das keine Rolle bei der ständigen Verschärfung der EU-Schuldenkrise, der hat ein ernstes Wahrnehmungsproblem. In diesem Zusammenhang ist schon auch zu sehen, in welchen Staaten das Gros der Finanzindustrie (einschließlich Ratingaagenturen) beheimatet ist.

    Fakt ist: Um die USA und den Dollar steht es erheblich schlechter als um die EU und den Euro. Das stimmt sowohl für die Höhe der Staatsverschuldung als auch für die Verfassung der Gesamtwirtschaft, inklusive Arbeitsmarkt, Essensmarkenempfänger, ganz zu schweigen vom Zustand etwa des Immobilenmarktes (Privat UND Gewerbe). Zudem wird in den USA anders als in der EU bisher REIN GAR NICHTS unternommen, um die – permanent weiter steigende – Staatsverschuldung zu reduzieren oder wenigstens zu bremsen. Mehr noch hat die US-Politik nicht einmal ein grobes Konzept, wie sie der vielen eklatanten Probleme Herr werden kann. In Europa ist mittlerweile immerhin zumindest erkannt worden, dass sich die EU-Schuldenstaaten nicht gesundsparen können, sondern dass es eines Wachstumskonzepts bedarf.

    Der Dollar ist drauf und dran, seine Status als Leitwährung zu verlieren und der Euro ist die einzige ernsthaft infrage kommende Währung, die stattdessen die Rolle der Leitwährung übernehmen könnte. Kommt es soweit, dann ist das Geschäftsmodell der USA am Ende und die USA verlieren ihre Hegemonialstellung. Scheitert indes die Europäische Währung, bleibt das Geschäftsmodell mangels Alternativen zum Dollar intakt.

    So gesehen macht das “Auf Zeit spielen” der EU Sinn, selbst wenn es zunächst teuer erscheint. Eine Alternative zur Stabilisierung des Euro gibt es gegenwärtig nicht, jedenfalls keine, bei der man nicht einen Crash der Finanzmärkte als Konsequenz riskieren würde.

  12. Steigende Zinsen sind eine natuerliche, weil marktwirtschaftliche Schuldenbremse. Es hat nie einen einheitlichen Zinssatz fuer Euroland gegeben. Zinssaetze steigen mit dem Investitionsrisiko, wie wir ja auch in den letzten Monaten sehen konnten. Dass die Zinssaetze fuer die heutigen Problemlaender nicht von Anfang an hoeher lagen ist dem Anlagedruck infolge hoher Liquiditaet geschuldet, lag an Fehlanreizen durch falsch definierte Boni fuer Banker und hauptsaechlich daran, dass Investoren den bail-out antizipiert haben. Bail-out und Eurobonds werden das marktwirtschaftliche Prinzip endgueltig aushebeln, denn der Kreditnehmer haftet nicht mehr selbst fuer seinen Kredit.

    Verschuldung darf niemals dauerhaft schneller steigen als das Einkommen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert koennen wir aber beobachten dass in allen Industrielaendern die Schulden staendig gestiegen sind. Ich habe die gewichtete Schuldenquote fuer Euroland gerade nicht im Kopf, aber sie ist bestimmt weit ueber 60%. Die Schuldenquote ist unser wichtigster Indikator fuer den Erfolg beim Kampf gegen die Schuldenkrise. Sie wird weiter steigen bis zum bitteren Ende. Und trotzdem macht es einen Unterschied, ob wir Eurobonds bekommen oder nicht. Wir sollten darauf achten, dass im Truemmerhaufen, den die Deutschen einmal wegrauemen muessen nicht auch noch der Schutt der Nachbarn ist.

  13. Das Problem der Transferunion ist dass Geld fliesst und man kann nichts tun. Gut, in Wirklichkeit gibt es schon ein Mitspracherecht und Einflussnahme, aber das glaubt keiner der nicht will. Und die HB-Poster wollen fast alle nicht, da hilft weder Bitten noch Flehen. Andererseits, es ist auch egal, ein paar Widerwillige wird es immer geben.

  14. Das Thema ist komplex. Sehr sogar. Einer Zeitschrift/Einem Autor blind zu glauben in einer Welt voller Lobbyisten ist ehrlich gesagt ziemlich dumm. Zu so etwas aufzurufen noch dümmer oder sogar gefährlich. Dem Bürger bleibt ohnehin nur alle Jahre an anderer Stelle das Kreuz zu tätigen. Wir jammern hier über den Verlust an Geld das wir zuviel haben.

    Ein Lösungansatz für Griechenland wäre sicher der mögliche Verkauf von Staatsteritorium, mindestens jedoch als Bürgschaft für Kredite einzubringen! Ich bin mir sehr sicher alleine mit der Idee würden die Griechen beginnen über den Ernst der Lage nachzudenken. Im Moment wollen alle sparen aber keiner will verzichten; wie im Rest der Welt übrigens auch.

    Unabhängig der Staatsverschuldung wäre ein hilfreicher Schritt Leerverkäufe weltweit vollständig zu verbieten.

    Im Grunde genommen müssen die Finanzsysteme zurück zum soliden und anständigen Handeln gezwungen werden.

    Wenn ich heute eine Aktie kaufe, will ich Teihaber einer Gesellschaft sein und am Erfolg partizipieren. Das war im Ursprung der Gedanke an Beteiligungen. Was wir heute finden sind die Krebsgeschwüre der Finanzwelt, die nun nicht mehr sich selbst und einzelne Gierige, sondern Staaten und Völker auffressen wollen.

  15. Es gibt soviele verschiedene Argumentationsketten und niemand kann prognostizieren welche die beste ist. Prognosen sind schwer,… (Phrasenschwein?) Hinterher kann jeder sagen er hätte es schon vorher gewusst.
    Aufgabe der Politik ist nicht die Beste Lösung zu finden, sondern eine demokratisch legitimierte! Wenn das Euro-Bonds sind, dann bitte. Ich bin kein Freund davon. Ich denke aber inzwischen, dass jede Lösung besser ist, als das monatelange zögern. Unsere Politiker sind mit dem Problem überfordert, was verständlich ist. Wenn man sich die zahlreichen Experten ansieht mit ebenso zahlreichen Meinungen, kann man es der Politik nicht übel nehmen. Denn die “Wissenschaft” hat ja offensichtlich auch keine objektiv _beste_ Lösung parat.
    Wer für sich beansprucht die richtige Lösung parat zu haben möge mir seine Kristallkugel vorstellen.

  16. Hallo Herr Storbeck,

    gleich vorweg: ich muss gestehen, dass ich nur ein einziges Post aus Ihrem Blog kenne – nämlich dieses hier. Ich habe mir also keine Meinung darüber gebildet, was Sie sonst für Thesen vertreten und wie Sie z.B. zum Thema Euro stehen.
    Was mich aber in diesen Blog gebracht hat, war die gewählte Überschrift, warum die Anleiheankäufe der EZB angeblich richtig sind – und dass sich bei der Argumentation jemand auf den “Economist” stützt, denn: ich gehe nicht davon aus, dass der Economist die Weisheit mit Löffeln verspeist hat! Auch die Autoren dort haben nicht _die_ einzig richtige Lösung für den Schuldenschlamassel parat.

    Mir scheint, dass sie im Prinzip ja auch auf einer ganz passablen Fährte sind, denn Sie schreiben ziemlich am Ende auf die Frage, ob es denn nicht unsinnig ist, mit einer einzigen Geldpolitik so unterschiedliche Volkswirtschaften zu “steuern”:

    “Mag ja sein, aber diese Diskussion hätten wir 1997/98 führen müssen (da habe ich meine Zeit noch in Hörsälen vergeudet).”

    Das ist schön. Sie ziehen sich zurück mit dem Hinweis, dass das (der Geburtsfehler des Euro) ja alles “vor Ihrer Zeit” als Journalist passiert ist. Mag sein, dass das den Tatsachen entspricht – trotzdem sollte genau dieser Geburtsfehler den Leuten erklärt werden – und das könnten Sie heute doch noch genauso machen, anstatt diese Erkenntnis quasi versteckt in einem kleinen Satz zu erwähnen!

    Haben Sie hier im Blog jemals über die Klagen von Prof. Dr. Hankel & Co. gegen die Euro-EINFÜHRUNG von 1997 berichtet? Wenn ja, dann tun Sie es bitte wieder – wenn nein, warum nicht? Wie oft haben Sie darüber berichtet, dass diese Rettungen geschickt die “No-Bailout” Klausel umgehen – und sich Christine Lagarde (die aktuelle frz. IWF-Chefin) seinerzeit als frz. Finanzministerin mit diesem Vertragsbruch auch noch profilierte. Sinngemäß:

    “Wir verletzen die Rechtsvorschriften, weil wir einig auftreten und wirklich die Euro-Zone retten wollen”

    In welchen Zeiten leben wir, wo Politiker Vertragsklauseln einfach mal nach belieben außer Kraft setzen können? Es gab wahrscheinlich gute Gründe, solche Klauseln in das Vertragswerk aufzunehmen… Und ob diese ganzen “Rettungs”gelder den gebeutelten Staaten überhaupt helfen, steht ja noch auf einem ganz anderen Blatt – das sind ja auch nur “Kredite” und wie man ein Überschuldungsproblem mit neuen Schulden lösen kann, frage ich mich als dummer, kleiner Angestellter dann schon…

    Interessieren würde mich aber noch folgendes – Sie schreiben:

    “Jetzt kommen wir aus der Nummer nicht mehr raus, und ich bin sicher.”

    Könnten Sie das näher erläutern – oder auf ältere Posts verlinken, wo Sie dazu Stellung beziehen?

    Danke im voraus & Gruß!

  17. @Storbeck: Sie sagen, die Diskussion um einen gemeinsamen Zinssatz hätte 97/98 geführt werden müssen, wieso erkennen sie dann nicht (bzw. schreiben nicht), dass dies ein Armutszeugnis für den Euro und die sogenannten europäischen Insitiutionen ist. Solch eine zentrale Frage einer Währung zu verschlafen, was soll man dazu als Bürger sagen? Vllt war es ja auch Kalkül diese Diskussion nicht zu führen.
    Im übrigen, wieso soll man die Diskussion heute nicht mehr führen und das Versäumnis nachholen? Hier fehlen mir die Gegenargumente, das hört sich nach TINA an.

    Bezugnehmend auf Ihrer Anmerkung zur Spieltheorie:
    Kennen sie auch den Ausspruch: “Man soll schlechtem Geld kein gutes Geld hinterherwerfen”?

    Zum Thema Aufwerten der Währung/eigene deutsche Währung:
    Wir waren auch schon zu DM-Zeiten Exportweltmeister, da hatten wir auch zeitweise mit Währungsaufwertungen zu kämpfen. Ich denke, wir hatten das ganz gut gemeistert…
    Währungsaufwertungen verursachen vllt kurzfristig Schmerzen in der Exportwirtschaft, aber längerfristig können sich die Handelspartner darauf einstellen.
    Zudem vergessen Sie, wie viele andere auch, dass bei Währungsaufwertungen, die Importpreise führ Rohstoffe, Waren und DLs aus dem Ausland fallen. Was wiederum die Konkurenzfähigkeit der inländischen Wirtschaft fördert. Weiterhin freut sich der Bürger, weil er mehr Waren und DLs für sein Geld bekommt….(i.e. fallende Energiepreise.) Denn diesen sollte man in der ganzen Diskussion nicht vergessen, schließlich sollte die Wirtschaft dem Menschen dienen… und nciht umgekehrt
    Weiterhin ist D Nettozahler in die EU, die Gelder könnten auch im nationalen Haushalt für Steuersenkungen/Schuldentilgung/Investitionen verwendet werden. Dies führt wiederum zur Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit. Ebenso wie der frühere Gewinn der deutschen Bundesbank, da inzwischen auch nur noch marginal vorhanden ist.

    Jeder Euro der aus D ablfließt, steht hier für Konsum/Investition/Schuldenabbau nicht mehr zur Verfügung.
    Letztendlich sind wir DEUTSCH und nicht EUROPÄISCH.

    Ich fühle bei der ganzen Diskussion an den früheren Satz erinnert: “Am deutschen Wesen, soll die Welt genesen!”
    Wirklich???? Nein!

  18. Wir haben keine weltweite Wirtschaftskrise. Es ist eine weltweite Vertrauenskrise, und die Menschen begreifen immer mehr das sich die Probleme auf unserem Planeten nicht mehr in den Griff bekommen lassen. Angst frisst Gier. Und das Zeitalter grenzenloser Angst hat soeben erst begonnen.

  19. Die Meinung des „Economist“ ist eine von vielen Außenstehenden und auch als solche zu betrachten. Sie berücksichtig nicht (kann es naturgemäß nicht) die internen nationalen Befindlichkeiten innerhalb der Euro-Zone und die EU-Verträge, die ein solches Vorgehen der EZB de facto verbieten. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, Notsituationen opportun anzugehen und auf (EU-)Verträge, Vereinbarungen und Tabus zu pfeifen. Die Frage ist, was passiert danach? Ist die EZB wieder glaubwürdig, nachdem sie Fehler der Politik ausbügelt? Wird das Auseinanderbrechen der Euro-Zone durch eine Transfer- und Haftungsunion verhindert? Mitnichten! Es regiert auch in diesen Fragen lediglich das Prinzip Hoffnung, denn wissen tut’s keiner – auch nicht der „Economist“!

    Die Euro-Politiker sind und bleiben Getriebene einer fehlgeleiteten Europa-Politik, die darin ihren Anfang nahm, als die Maastrichts-Stabilitätskriterien aufgeweicht wurden und die Demokratie-Defizite des Brüsseler Steuerungsapparats nicht behoben wurde. (Mit Verlaub, das EU-Parlament hat in diesem zu einer Soap-Opera degenerierten Politik-Zirkus lediglich eine Statisten-Rolle.)

    Fakt ist, dass eine Transfer- und Haftungsunion nur auf Basis von Euro-Bonds implementiert werden kann, wofür aber die bestehenden EU-Verträge (namentlich der von Lissabon) geändert werden müssten. Es ist fraglich, ob sich die 17 Euro-Staten dieser Mammut-Aufgabe begeistert stellen wollen. Was auf den ersten Blick als Notlösung und ultimativer Rettungsanker daher kommt, dürfte sich bei näherer Betrachtung als Damoklesschwert erweisen, denn die Euro-Bonds wären auf den Goodwill der Finanzmärkte angewiesen. Jede Prognose über die Bonität dieser Euro-Bonds wird sich als Irrtum erweisen, da die Finanzmärkte im Gegensatz zu 17 verschiedenen Bonitäten und 17 verschiedenen Angriffsflächen nur noch eine einzige, große Angriffsfläche hätten, die sie genau so gnadenlos an die Wand prügeln können, wie zurzeit die Bonds der Euro-Schuldnerländer.

    Wenn die 17 Euro-Länder in eine Haftungsunion eintreten und sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass die üblichen Verdächtigen nicht ihre Hausaufgaben machen, werden die Finanzmärkte angreifen! Dann werden nicht einzelne Euro-Staaten angegriffen, sondern die gesamte Euro-Zone als Gesamtschuldner! Genau dieser Punkt scheint den Haftungsunion- und Euro-Bond-Befürwortern nicht klar zu sein. Das wissen die anglo-amerikanischen Finanzleute nur zu gut und werden ihren Vorteil auszuspielen wissen. Die Euro-Länder wären komplett ausgeliefert. Und Deutschland würde alles verlieren: seine Wirtschaftsmacht, seinen Wohlstand und seine Bonität. Mit Euro-Bonds würde Deutschland mindestens das Doppelte an Zinsen zahlen als heute und könnte die Schuldenbremse in 2016 nicht mehr einhalten. Spätestens dann wird dieses Euro-Kartenhaus zusammenbrechen.

    In einem Europa der Vaterländer und Nationalstaaten würden wir aber selbstverständlich Italien und Spanien aus einer finanziellen Notsituation helfen! Allerdings wären das dann bilaterale Kredite, die über einen längeren Zeitraum zurück gezahlt werden. Beide Staaten würden ihre Souveränität behalten sowie ihre finanzielle und ökonomische Unabhängigkeit. So wird ein Schuh draus! Alles andere wäre Wahnsinn und innenpolitisch wie finanziell auf die Dauer nicht durchzuhalten.

  20. Was ich in all diesen Diskussionen und Problem-Lösungssuchen bisher völlig vermisse, ist das Einbrigen der Möglichkeit, daß zu einem gewissen Grad die überschuldeten Staaten sich vielleicht ihrer immensen staatlichen Goldvorräte temporär bedienen könnten, besonders bei diesem hohen Goldpreis aktuell – denn wozu hat man die – um die eigene Stabilität in Krisenzeiten zu gewährleisten, um damit nicht anderen Staaten in Gänze zur Last fallen zu müssen.
    Oder aber auch könnte man diese Goldvorräte wenigstens als Bürgschaft für eine Leihe zu hinterlegen, ohne daß ANDERE Staaten bürgen müßten.
    In besseren Zeiten könnte man die Goldspeicher ja wieder auffüllen.

    Wenn ich eine Hypothek auf ein Haus aufnehme, wird eine Grundschuld eingetragen als Sicherheit für den Geldgeber. Wieso sollte das zwischen Staaten nicht genauso funktionieren können. Später kann man wie in vielen Fällen der Uneinbringbarkeit in Gänze immer noch über einen Schuldenerlaß diskutieren, wei seinerzeit bei Rußland. Aber blanco Gelder in dieser Größenordnung zu vergeben oder dafür zu bürgen, ist einfach unverantwortlich dem Volk und deren erbrachter Steuerleistung gegenüber, dessen Staat man als Geber vertritt.

    War es nicht in Italien einmal so, daß man sich wehrte, den notleidenden Süden zu unterstützen und sich sogar separieren wollte- wohlgemerkt vom eigenen Volk?! Damals kam Berlusconi an die Regierung…

    Dieser Zwang des Transfers ist ein Irrläufer und wird von solchen Leuten vertreten, die uns (Deutsche) ganz gerne hinstrecken möchten wie der Großspekulant Soros, dem kein Finanztrick zu schäbig war, Staaten in die Kniee zu zwingen ( man denke an die Währungsspekulationen gegen Asien/Indonesien und sogar England, daher rekrutiert sein Vermögen). Das Handelsblatt online hat zu Soros Meinung zur Eurokrise einen Artikel eigestellt, die Kommentare dazu sind eindeutig.
    Die Abschreibungen zu Griechenland sind jetzt in vielen Bilanzen evident mit hohen 3-stelligen MIO Beträgen. Ist das hinnehmbar?

    Und so lenkt man bereits sogar in USA von der eigenen Problematik ab, indem man auf die Verunsicherung durch die europ. Schuldenproblematik hinweist – doch nicht wir, obwohl genau SIE die Verursacher der letzten Finanzkrise waren.
    Das ist doch einfach lächerlich, gerade USA war das Vorbild, alles mit niedrigen Zinsen abzufedern und weiter in Schulden zu laufen, weil Kredite ja so günstig sind. Und die selbst von Greenspan im Nachhinein als Fehler bedauerte Niedrigzinspolitik als Allheilmittel, wird genauso wieder jetzt fortgesetzt.
    Die Kritik, die jetzt aus China kommt, warum die USA in das Dilemma der exorbitanten Verschuldung hineingeraten sind, ist übrigens voll zutreffend. Und die ganz Welt, eben nicht nur die USA, hat die Folgen zu tragen und die sind Inflation in erheblichem Maße, die Welt muß mitziehen.

    Übrigens hat sich Italien heute, Dank seines hartnäckigen Finanzministers und des Drucks der EZB (Berlusconi hat das zunächst auch abgewehrt, aber wohl Einsicht gezeigt), auf die Hinterbeine gesetzt und einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht, sogar eine Reichenabgabe ist eingeplant, etwas, was Obama in USA wohl nicht durchsetzen kann. Immer mehr Menschen dort leben in Zelten und gehen zu den Suppenküchen, von dem Geld einer Drohne könnten sie menschenwürdig leben.

    Also bitte zuerst mal an die großen Goldspeicher denken und nicht nur an “fiat money” durch Gelddrucken auf Papier, sondern REALE SCHULDEN auch durch REALE WERTE begleichen.

    Wenn die Staaten sich nur im Wesentlichen auf Sparmaßnahmen im Sozialbereich besinnen und Personalabbau mit noch mehr Arbeitslosigkeit als Folge, dann haben wir in Kürze einen Aufstand der Benachteiligten, dann bekommen wir Krieg auf den Straßen, wie zur Zeit der Weimarer Republik.
    Einige Länder in Deutschland sind auch quasi pleite, wer kümmert sich eigentlich um die? Die Kommunen können nicht die Straßenschäöden des letzten Winters flicken usw., wo sind wir gelandet und transferieren MRDs in andere Länder, weil die Politik das so will?

    Der Staat verwaltet die Steuergelder seiner Bürger, SEINER BÜRGER, die aus deren Leistung eingebracht wurden. Deutschland kann weder ganz Europa retten noch können die multinationalen Hilfsgelder Afrika retten, wenn man ihnen nicht nur ausnahmslos Hilfe zur Selbstrettung gibt.
    Indien und China schaffen das aus eigener Leistung, also es geht doch, allerdings nicht mit ständiger Schuldenschöpfung.

    Man könnte verzweifeln, wen man an die Folgen dieser Unsinnigkeiten denkt, die sich da abspielen,denn die treffen uns Bürger unverschuldet alle.
    Wer spart und nicht Weltreisen mit Traumschiffen macht, nicht alles auf den Kopf haut, um für sein Alter vorzusorgen ist genauso dumm dran, denn hätte er alles verlebt, würde der Staat eintreten für seine Versorgung.
    Genauso ist das jetzt zwischen den Gebern und Empfängern.

  21. @O. Storbeck: Worauf Ihre Ansicht beruht, daß der Bailout und eine Transferunion (genau das war bei Gründung der Währungsunion ausgeschlossen worden) die billigste Lösung sei, ist schwer nachzuvollziehen. Auf den Fakten sicher nicht. Der erste Bailout sollte auf 3 Jahre angelegt sein, dann wurden die Kredite auf 7 Jahre verlängert und die Zinsen gesenkt, nach nur einem Jahr kam das 2. Rettungspaket und die Laufzeit der Hilfskredite wurde auf 15 bis 30 Jahre verlängert sowie die Zinsen nochmals gesenkt. Zieht man dabei noch in Betracht, daß praktisch seitens Griechenland zwar immer harte Sparmaßnahmen verkündet werden, aber praktisch regelmäßig alle vereinbarten Ziele weit verfehlt werden (Steuereinnahmen, Staatsausgaben, Wirtschaftswachstum usw.), kommt man zu dem Schluß, daß die Bailout-Strategie gescheitert ist und es sich um ein Faß ohne Boden bei Griechenland handelt. Das liegt ganz wesentlich an den geschaffenen Fehlanreizen, die es Griechenland für die nächsten Jahrzehnte ermöglichen, sich zu Konditionen zu refinanzieren, die es vielleicht zu seinen besten Zeiten am Kapitalmarkt erhalten hat. Warum sollte Griechenland bestrebt sein an dieser Situation etwas zu ändern? Es wird genauso weitermachen wie bisher. Außerdem ist die Signalwirkung auf die übrigen Krisenländer verherrend. Eine Währung hat einzig und allein einen wirtschaftlichen Zweck und eine Währungsunion ist nur dann sinnvoll, wenn sie allen Mitglieder wirtschaftliche Vorteile bringt. Eine Währungsunion ist eben kein politisches Projekt, daß man um jeden Preis retten muß. Wenn sie, wie die Eurozone, nicht funktioniert, muß man sie ändern oder auflösen.

  22. Haben Sie schon mal was von Anreizproblemen gehört???

    Wenn wir Italien und Spanien sofort Blankoschecks ausgestellt hätten, würde es in beiden Ländern niemals so schnell zu den völlig überfälligen Einsparungen kommen. Dann hätte sich Berlusconi wieder hingestellt und verkündet: “Ach, so schlimm werden die Einsparungen am Ende doch nicht ausfallen…”

    Im Gegenteil: Italien konnte sich überhaupt nur so weit verschulden, da es durch die vom Markt antizipierte Haftungsgemeinschaft mit Deutschland (=Euro) viel zu lange zu günstige Finanzierungsbedingungen bekommen hat. Und als Lösung jetzt vorzuschlagen, diesen Fehler noch zu steigern erscheint mittel- und langfristig völlig absurd und realitätsfern!!! (Klar in einer Traumwelt werden alle Euro-Staaten nicht mehr ausgeben als einnehmem und eine solide Finanzpolitik betreiben – also in der Zukunft, sprich immer so in 3-5 Jahren. Hat ja bisher auch so toll funktioniert.)

    Nebenbei gefragt: Wissen Sie eigentlich wie unsinnig und wohlstandsvernichtend ein und dieselbe Geldpolitik für verschiedene Volkswirtschaften ist? (Der gleiche Zinssatz für völlig unterschiedliche Wirtschaften und Konjunkturphasen?)

    Und sich auf die Meinung von irgendjemand anderem zu berufen kann ja wohl nicht ernsthaft der Anspruch eines halbwegs ernstzunehmenden Journalisten sein.
    Und dann berücksichtigt (oder versteht) diese Quelle auch nur einen Teil des Problems und verkauft darauf basierend Lösungen ohne das große Ganze zu berücksichtigen (oder zu verstehen)…

    Traurig!

    • @ VWLer: Ich habe nicht nur schonmal was von Anreizproblemen gehört, sondern sogar schon mal drüber geschrieben (klick). Das Paper von Boysen-Hogrefe hat sicherlich seine Schwachstellen, aber durchaus auch gute Argumente.

      Wir haben in der Euro-Zone zwei Probleme – ein akutes, das uns seit Herbst 2009 immer näher an den Abgrund bringt, nämlich die von Griechenland ausgehende Panik, die sich immer mehr von der Peripherie der Euro-Zone zum Kern durchfrisst und eine existenzielle, unmittelbare Bedrohung für den wirtschaftlichen Wohlstand DEUTSCHLANDS geworden ist. Wenn der Euro auseinanderfliegt, war die Zeit nach Lehman ein Kindergeburtstag. Selbst, wenn der Übergang zu einer neue D-Mark kontrolliert möglich wäre (ist er nicht), wäre das nicht zwangsläufig positiv. Die Währung würde wahrscheinlich unkontrolliert aufwerten und unserer Exportwirtschaft das Leben schwer machen. Und selbst ohne gemeinsame Währung wären wir wahrscheinlich gezwungen, Italien oder Spanien aus der Patsche zu helfen. Fragen Sie mal David Cameron, warum er beim Irland-Bailout mit etlichen Milliarden dabei ist.

      Zudem haben wir das mittel- bis langfristige, nämlich die Anreizprobleme. Ich schlage vor, dass wir erstmal verhindern, dass uns das kurzfristige Problem umbringt und wir uns dann um die mittel- bis langfristigen Gedanken machen.

      “Wissen Sie eigentlich wie unsinnig und wohlstandsvernichtend ein und dieselbe Geldpolitik für verschiedene Volkswirtschaften ist? (Der gleiche Zinssatz für völlig unterschiedliche Wirtschaften und Konjunkturphasen?)”

      Mag ja sein, aber diese Diskussion hätten wir 1997/98 führen müssen (da habe ich meine Zeit noch in Hörsälen vergeudet). “Think before you jump”, lautet eine zentrale Erkenntnis der Spieltheorie. Jetzt kommen wir aus der Nummer nicht mehr raus, und ich bin sicher.

      Wenn sie meinen anderen Post lesen, werden sie sehen, dass ich mich keineswegs nur auf andere berufe.

      Übrigens dürfen Sie ihre freundliche Kritik auch gerne nicht-anonym vortragen.

      @ Wirtschaftsphilosoph: Ich kenne die Zahlen Griechenlands im Detail zu wenig, ob sie nur extrem illiquide oder faktisch insolvent sind/waren, kann ich selbst nicht seriös beurteilen. Wahrscheinlich haben die Kollegen vom Economist recht. Na und? Auch hier bin ich überzeugt, dass der Bailout (und im Zweifel die Transferunion) immer noch die billigste Lösung für Deutschland und den Rest der Euro-Zone ist.

  23. Lieber Herr Storbeck,

    glauben Sie selbst dem Economist? “Greece, which had been clearly insolvent.” Darunter schrieben Sie: “Genauso ist es.” Dem stimme ich zu. Aber sind Sie bereit, die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen?

    Ich stimme auch zu, dass die Lage von Spanien und vor allem Italien anders ist. Wenn die EZB-Anleihenkäufe nicht zur Gewohnheit werden, kann man sie hier als kurzfristige Krisenmaßnahme rechtfertigen.

    Schönes Wochenende!

    Wirtschaftsphilosoph