Der Copy-and-Paste-”Journalismus” bei* “Spiegel Online”

Normalerweise freue ich mich ja, wenn andere Medien Themen und Studien aufgreifen, über die wir in der Ökonomie-Rubrik des Handelsblatts berichtet haben.

Ende vergangener Woche jedoch fiel mir ziemlich die Kinnlade runter: “Spiegel Online” hat einen Text aus der Handelsblatt-Printausgabe nahezu eins zu eins übernommen. Ein “Spiegel Online”-Journalist mit dem Kürzel “fdi” hat unseren Text über eine Studie zum Gehaltsbonus für verheiratete US-Baseballspieler nur ein bisschen redigiert.

Die journalistische Eigenleistung des Kollegen beschränkte sich darauf, einen Faktenfehler in seinen Text einzubauen. (Den die Kollegen inzwischen behoben haben.)

Kein Plagiat im juristischen Sinne

Um ein Plagiat im juristischen Sinne scheint es sich nach einer ersten Einschätzung unserer Rechtsabteilung dennoch nicht zu handeln – vermutlich vor allem deshalb, weil “fdi” auf den Handelsblatt-Text verweist. Zudem hat er seine Sätze sprachlich so weit umgeschrieben, dass es sich nicht mehr um direktes „Copy und Paste“ handelt.

Die Struktur und Aufbau des SPON-Textes jedoch sind quasi identisch – „fdi“ spricht nur die Aspekte an, die in unserem Text diskutiert werden, und das auch noch in genau der gleichen Reihenfolge, wie diese Gegenüberstellung beider Artikel zeigt. Auch die wörtlichen Zitate, die wir aus dem Englischen übersetzt haben, sind exakt die Gleichen. Das ist schon ziemlich dreist, finde ich.

Hier drei Beispiele: Wir schreiben

“Anders als bei Beschäftigten in normalen Branchen lässt sich die individuelle Leistung von Profi-Sportlern recht genau messen.”

Bei “Spiegel Online” wird daraus:

“Bei Profisportlern lässt sich die Leistung besser messen und damit vergleichen als bei anderen Berufen.”

Wir schreiben:

“Ihr Jahresgehalt lag 2007 laut Studie bei rund 4,3 Millionen Dollar – ein gleich talentierter Junggeselle dagegen verdiente rund 690 000 US-Dollar weniger.”

“Spiegel Online” macht daraus:

“Sie verdienten im Schnitt 4,3 Millionen Dollar im Jahr – gleich starke Junggesellen mussten sich mit 690.000 Dollar weniger begnügen.”

Wir schreiben:

„Auch die Vermutung, dass Spieler mit guten Gehaltsaussichten auf dem Heiratsmarkt besonders attraktiv sind und sich der statistische Effekt alleine dadurch erklären lässt, konnten die Ökonominnen ausschließen.“

“Spiegel Online” redigiert es zu:

“Ebenso konnten die Wissenschaftlerinnen die Erklärung ausschließen, wonach es gerade die guten Gehaltsaussichten seien, die Männer auf dem Heiratsmarkt besonders begehrenswert machten und Gutverdienende deshalb öfter in einer Ehe lebten.”

(Eine vollständige Gegenüberstellung beider Texte findet sich hier.)

Unkollegial und gegen die guten Sitten

Selbst, wenn es sich nicht um ein Plagiat im juristischen Sinne handelt – nicht alles, was legal ist, auch legitim. Aus meiner Sicht haben die Kollegen hier in mehrfacher Hinsicht gegen die guten Sitten des Journalismus verstoßen – und sich zugleich extrem unkollegial verhalten.

Johannes Pennekamp, der Autor des Handelsblatt-Originals, ist selbst freier Journalist; er betreibt mit mehreren Kollegen in Köln das Journalistenbüro “Weitwinkel”. Neben dem Handelsblatt arbeitet Johannes unter anderem auch für “Brand Eins” und “Zeit Online”. Er muss von den Honoraren, die er mit seiner journalistischen Arbeit verdient, sein Büro bezahlen, seine Telefonrechnungen und seinen Internet-Zugang. Und manchmal muss er sogar auch was essen.

Wenn die Kollegen von “Spiegel Online” seine Texte so spannend finden – warum fragen sie dann nicht bei ihm an, ob eine Zweitverwertung des Artikels möglich ist?

Johannes hätte problemlos eine neue Fassung schreiben können, sie sich vom Aufbau und von den angesprochenen Aspekten deutlich von seinem Text für das Handelsblatt unterschieden hätte – und hätte dafür von “Spiegel Online” ein Honorar verdient. (Johannes war in der Vergangenheit auch bereits mehrfach Autor bei den Kollegen – ironischerweise schrieb er unter anderem den Artikel “Lehrer arbeiten monatelang ohne Lohn” für SPON)

Update: Wie die “Weitwinkel”-Kollegen auf ihrer Facebook-Seite berichten, hat SPON-Chefredakteur Rüdiger Ditz heute mittag Johannes Pennekamp angerufen und den Vorfall bedauert. Er habe das Vorgehen als “legal, nicht aber legitim” bezeichnet und Johannes ein ein angemessens Zweitverwertungshonorar angewiesen. “Schnelle und faire Reaktion”, kommentiert Johannes – ich sehe das genauso. Chapeau! (Und inzwischen verlinken die Kollegen sogar auch auf unseren Originaltext und die Studie selbst.)

Viel unsichtbare Vorleistungen

Beim Handelsblatt berichten wir jetzt seit fast sechs Jahren über Forschungstrends in der VWL und BWL – die zentrale Herausforderung dabei besteht nicht darin, fertige Artikel ein bisschen zu redigieren, wie es „Spiegel Online“ mit dem Text von Johannes gemacht hat.

Es kommt darauf an, die spannenden Studien zu finden, zu lesen, gedanklich zu verarbeiten. Dafür fahren wir jedes Jahr zu einer Reihe von wissenschaftlichen Konferenzen, interviewen Forscher, hören uns ihre Vorträge an. Wir verfolgen Dutzende wissenschaftliche Fachzeitschriften und haben ein halbes Dutzend verschiedener “Working Paper”-Reihen im Blick, in denen Forscher neue Studien veröffentlichen.

Wenn man eine spannende Studie wie das Baseball-Papier einmal gefunden ist, wir sie gelesen und verstanden haben, nehmen wir danach oft noch Kontakt zu den Autoren auf, um offene Fragen zu klären oder zusätzliche Informationen zu recherchieren. Auch bei der Baseball-Studie, die „SPON“ so interessant fand, haben wir das gemacht. Das durchschnittliche Jahresgehalt der Baseball-Spieler, das wir zitieren und das auch „SPON“ gerne erwähnt, steht nicht in der Studie. Johannes hat es bei den Autorinnen recherchiert.

All diese unsichtbaren Vorleistungen nehmen mindestens 80 Prozent unserer gesamten Arbeit ein – auch, weil auf jede Studie, über die wir schreiben, etliche kommen, die wir uns anschauen, lesen und dann aber doch verwerfen. Das Schreiben der Artikel ist im Vergleich zu all dem vergleichsweise schnell erledigt.

(Die Ergebnisse kann man Montags und Freitags auf der Seite “Wirtschaftswissenschaften” im Handelsblatt nachlesen, in der Ökonomie-Rubrik auf Handelsblatt.com und auch in unserem einmal pro Woche verschickten kostenlosen Ökonomie-Newsletter.)

Natürlich kommt es vor, dass uns Berichte aus anderen Medien inspirieren. Selten ist es „Spiegel Online“, häufiger aber der „Economist“ und die „Financial Times“ und manchmal auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“.

Es kommt vor, dass wir über spannende Studien berichten, die uns durch die Lappen gegangen sind und die zuerst in anderen Medien standen. Immer lesen wir die Studie dann aber im Original und im Detail – und haben den Anspruch, einen anderen, besseren Artikel zu schreiben, dem man unsere Eigenleistung deutlich ansieht – zum Beispiel durch eigene Zitate, eine eigene Einordnung und die Thematisierung anderer Aspekte.

All diese Mühe haben sich die Kollegen von “Spiegel Online” nicht gemacht. Sie haben das Endprodukt im Handelsblatt gefunden und sich daraus wie aus einer Agenturmeldung bedient.

Ganz offenkundig hat der SPON-Kollege “fdi”, der den Spiegel-Text “geschrieben” hat, noch nicht einmal einen flüchtigen Blick in die Original-Studie geworfen. Ansonsten hätte er nicht einen Faktenfehler in seinen Text eingebaut. „fdi“ schreibt, Grundlage der Studie seien “die Bruttogehälter von 5000 Profi-Baseballspielern der nordamerikanischen Liga MLB aus dem Jahr 2007”.

Das allerdings ist falsch – Grundlage sind Daten eines “ sample of professional baseball players from 1871–2007”, wie der erste Satz (!) der Kurzzusammenfassung der Studie klarstellt. Nur das von Johannes zitierte Zahlenbeispiel zu den Jahresgehältern der Profis bezog sich auf das Jahr 2007.

Respektlose Arbeitsweise  von “Spiegel Online”

Die Arbeitsweise von “SPON” ist aus meiner Sicht journalistisch extrem fragwürdig – und respektlos gegenüber der Arbeit des Kollegen Pennekamp. Selbst, wenn solche copy-past-rewrite-Methoden juristisch wirklich in Ordnung gehen sollten, finde ich sie berufsethisch verwerflich.

Das Beispiel spricht Bände über die Qualitätsansprüche, die das führende deutsche Online-Nachrichtenportal an seine eigenen Inhalte stellt. Im Print-Journalismus ist mir ein ähnliches Beispiel bislang nicht über die Weg gelaufen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Handelsblatt, “ZEIT”, “FAZ” oder ein anderes Qualitätsmedium in Print so arbeitet. (Zumindest will ich es nicht hoffen …)

Der Qualitätsjournalismus steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise – zumindest den Tageszeitungen bricht durch das Internet das alte Geschäftsmodell weg. Aufmerksamkeit für Anzeigen zu schaffen, kann Google leider in vielen Fällen besser. Die Quersubventionierung des Journalismus über Anzeigenerlöse wird also immer schwieriger, und nur sehr wenige Verlage konnten bisher wirtschaftlich erfolgreiche Paid-Content-Modelle im Internet etablieren. In vielen Verlagen – angefangen bei den britischen Traditionsblättern “Times” und “Guardian” – ist Qualitätsjournalismus schon lange ein Verlustgeschäft.

Aus meiner Sicht ist es in erster Linie die Aufgabe der Verlagsmanager, ein neues Geschäftsmodell zu finden. Wir Journalisten müssen erstklassige Inhalte liefern – und stehen nach meiner Überzeugung unter einer ganz besonderen Verantwortung.

Wenn wir unsere Gehälter rechtfertigen wollen – und wie auch immer in Zukunft von unserem Beruf leben wollen – müssen wir besonders gute und gründliche Arbeit liefern. Voraussetzung dafür wiederum ist, dass wir Respekt vor unseren eigenen Leistungen haben – und vor der Arbeit unserer Kollegen.

“Spiegel Online” lässt diesen Respekt zumindest im vorliegenden Fall vermissen – mit ihrem „Copy, Paste, Rewrite“-Journalismus à öa “fdi” beuten sie das Endprodukt eines langen und mühseligen Produktionsprozesses für ihre eigenen wirtschaftlichen Zwecke aus, ohne selbst auch nur einen kurzen Blick in die Original-Studie zu werfen.

Leider handelt es sich dabei im deutschen Online-Journalismus offenbar nicht um eine seltene Ausnahme. Stefan Niggemeier erschütterte im Mai die Branche, als er einen Tag lang die Webseite von stern.de auswertete und feststellte: Das Portal hatte demnach 367 Artikel veröffentlicht – doch darunter waren gerade einmal neun eigenständige, von der Redaktion geschriebene Stücke. Das Online-Angebot von stern.de, so das zutreffende Fazit von Niggemeier, gleiche einer „Attrappe“. Und Focus Online-Geschäftsführer Oliver Eckert sagte dem Branchendienst Meedia: “80 Prozent der Inhalte deutscher Nachrichtenportale bestehen aus identischem Agenturmaterial.”

Mir ist bewusst, dass quasi alle Online-Redaktionen in Deutschland unterbesetzt sind und die meisten Kollegen dort wie die Stiere arbeiten. Mangelnde Ressourcen können aber keine Rechtfertigung dafür sein, die guten Sitten unserer Branche über Bord zu werfen.

Wer so arbeitet wie „SPON“-Kollege „fdi“, untergräbt meiner Meinung nach auf Dauer den Qualitätsjournalismus. Wenn man so einfach fast gleich gute Ergebnisse erzielen kann, warum sollte sich dann irgendeine Redaktion überhaupt noch die Mühe machen, eigene originäre Recherche zu betreiben?

Statt „fdi“, liebe Kollegen in Hamburg, gilt “diy” – “do it yourself”.

Update: Mein “Wirtschaftswoche”-Kollege Michael Kroker hat bei Google Plus eine interessante Diskussion über den Fall ins Rollen gebracht.

*Update II: Ursprünglich stand in der Überschrift “von” statt “bei”. Sebaso monierte in einer privaten Twitter-Diskussion, das sei etwas überzogen, schließlich handele es sich ja nur um einen schlechten Artikel es sei nicht fair, das mit dem gesamten redaktionellen Angebote der Kollegen gleichzusetzen.  Da ist wahrscheinlich was dran.

Update III: Wie die “Weitwinkel”-Kollegen auf ihrer Facebook-Seite berichten, hat SPON-Chefredakteur Rüdiger Ditz heute mittag Johannes Pennekamp angerufen und den Vorfall bedauert. Er habe das Vorgehen als “legal, nicht aber legitim” bezeichnet und Johannes ein ein angemessens Zweitverwertungshonorar angewiesen. “Schnelle und faire Reaktion”, kommentiert Johannes – ich sehe das genauso. Chapeau! (Und inzwischen verlinken die Kollegen sogar auch auf unseren Originaltext und die Studie selbst.)

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Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine neue Facebook-Seite (über “likes” freue ich mich natürlich).

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Alle Kommentare [45]

  1. Wie war das nochmal mit den Haien: der eine Haifisch frisst den Anderen…
    Wenn man sich heutzutage den deutschen Journalismus anschaut, dann stellt man fest, daß die amerikanische Medien nicht viel schlechter sind. Schade. Selbst bei den Öffentlichen stellt man immer mehr Meinungsmache und Sensationsaufmachung fest. Da leistet man sich z.B. immer weniger Auslandskorrespondenten (Geld sparen und in Wetten Das? und co. stecken…) und denen die man noch hat, werden vorher von der Hauptredaktion die Inhalte ihrer Beiträge diktiert. Fast alle Privatmedien die früher selbständig waren sind mittlerweile von grossen Konzerene ‘geschluckt’ wurden. Da gibt es einmal politische Agendas der Konzerne die über ihre Meidien verbreitet werden und zur inhaltlichen und wirtschaftlichen Optimierung werden die Fachreaktionen auf eine einizige zusammengeschrupft, da macht die Familie nur noch copy paste! Nur der Name beispielsweise der Zeitung heisst dann unterschiedlich – mit regionalem Anspruch versteht sich… Ansonsten wird ja auch unendlich viel von den Nachrichtenagenturen 1zu1 übernommen ohne irgdwelche inhaltliche Hinterfragung. Dies ist unsere zeitgenössische Medienkultur: Traurig!
    Ja, denn inevestigativ zu arbeiten – wer macht das schon heutzutage…
    Übrigens: zum eigentlichen Artikel – “werteten sie Daten von 5000 Sportlern aus, die in der amerikanischen Profi-Baseballliga MLB unter Vertrag waren.”
    Auf Seite 15 steht sinngemäß: es wurden die Daten von 5.000 Spieler zufällig gewählt, die 27.500 Spielerjahre representieren.” Unterschieden wurde zwischen “Batter” und “Pitcher”. Pitcher sind aus der Analyse rausgenommen wurden, und übrig blieben 3.404 Batter – also nicht 5.000.
    Auf Seite 14 steht übrigens, daß die Datenbasis 16.000 Spieler waren: ein Spieler ist definiert durch mindestens einen Spieleinsatz in der MLB: die Spieler haben keinen Vertrag mit der MLB, dies ist der Ligaverband, die Spieler haben einen Vertrag mit einem MLB Klub. Da ein Spieler einen Vetrag mit einem Klub hat heisst dies wiederum nicht, daß er zwangsläufig in einem Spiel in der MLB spielt, stattdessen in der Minor League spielt. Übrigens ist die MLB nordamerikanisch und nicht amerikanisch, da auch ein Team aus Kanada am Spielbetrieb teilnimmt…
    Der Satz müsste richtigerweise heissen: Die Autoren analysierten Daten von professionellen Baseballspielern der nordamerikanischen MLB Ligen, aus dem Zeitraum zwischen 1871 und 2007. Von 16.000 Spielern wurden per Zufallsprinzip 3.404 ausgewählt. Als Leistungsdaten wurden die Schlagstatistiken der einzelnen Spieler herangezogen.
    Wie Sie schon andeuten: Wer lesen kann ist im Vorteil…
    adieu…

  2. Meine Kritik bezog sich nicht auf die in der Tat differenzierte Darstellung, sondern knüpfte an Ihren Satz an: “Es kommt darauf an, die spannenden Studien zu finden, zu lesen, gedanklich zu verarbeiten.” Ich würde vermuten, dass es jeden Tag ein neues Dutzend interessanterer und eindeutigerer Studien gibt, doch das ist vielleicht auch Geschmackssache.

    Ja, für das Alter wird kontrolliert, indem es als eigene Kontrollvariable aufgenommen wurde (in einige der Schätzungen). Das schließt jedoch nicht aus, dass das Alter mit dem Ehestatus interagiert oder diesen sogar überlagert. Jüngere Spieler dürften seltener verheiratet sein als ältere, von denen jedoch viele bereits aus der höchsten Liga ausschieden. Wenn ältere Spieler, die noch in der Major League Baseball spielen, durchschnittlich besser sind als jüngere (vgl. die Abbildungen S. 44, aber auch S. 55), einfach weil die schlechteren schon ausschieden, und ältere eher verheiratete sind als jüngere, könnte dies das Ergebnis treiben. Hier müssten eigentlich Subsamples mit Spielern gleichen Alters vergliechen werden.

    Die Abbildungen (S. 43 f.) deuten außerdem darauf hin, dass bei gleicher Erfahrungsdauer (die stark mit dem Alter korreliert), die unverheirateten Spieler mehr leisten und verdienen als die verheirateten, besonders im leistungsstärksten Drittel, für das allein der gefundene Verheiratetenzuschlag signifikant ist. Das lässt sich dann aber ganz einfach damit erklären, dass der Zusammenhang zwischen Leistung und logarithmiertem (!) Gehalt nicht linear ist. Die leistungsschwächeren Verheirateten verdienen also weniger als die besseren Unverheirateten, aber nicht nach der logarithmierten Gehaltsfunktion (bei der ein Sinken des Leistungsindikators um knapp 0,7 Einheiten für eine Halbierung des Gehalts ausreicht), was dann als Gehaltszuschlag für die Verheirateten erscheint. – Würde man das denken, wenn man den Artikel im Handelsblatt oder sogar nur die Überschrift “Heiraten macht Männer reich” liest?

  3. In meinem Blog habe ich geschrieben: “Die plakative These, dass verheiratete Baseballspieler 16 % mehr verdienen als unverheiratete, selbst wenn man für ihre Leistung kontrolliert, relativieren die Autorinnen (und Herr Pennekamp) dann selbst wieder, indem sie über unbeobachtete Unterschiede spekulieren, z. B. dass die Verheirateten bessere und verlässlichere Teamspieler sein könnten. Was lernen wir daraus? Bringt das Heiraten selbst mehr Gehalt (vermutlich nicht), unterstützen die Ehefrauen ihre Männer oder ist es doch ein Selektions- bzw. Alterseffekt?” Zusätzlich könnte man noch hinterfragen, ob der Verheiratetenzuschlag überhaupt besteht oder vielleicht nur ein statistisches Artefakt ist. Wenn man sich im Anhang die Ergebnisse und Graphiken anschaut, verdienen und leisten je nach Spezifikation oft gerade die Unverheirateten mehr.

    • @ Wirtschaftsphilosoph: Wie sie selbst schreiben, nennt auch Pennekamp das Argument, das sie anführen – und wir schreiben auch, dass sich der Effekt nur auf das oberste Drittel bezieht. Insofern finde ich ihre Kritik, bei seinem Artikel handele es sich nicht um Qualitätsjournalismus, ein bisschen daneben – ich sehe das eher als ein Beispiel dafür, dass wir differenziert berichten.

      Ich habe die Studie selbst nicht im Detail gelesen, aber zumindest für das Alter wird doch kontrolliert, oder nicht? Und was für einen Selektionseffekt sollte es geben? Wenn leistungsstärkere Spieler häufiger heiraten, müssten doch Verheiratete auch bessere Leistungen erbringen als unverheiratete. So, wie ich die Sache verstehe, verdienen aber doch Verheiratete bei gleicher Leistung mehr als Unverheiratete.

  4. Inhaltlich handelt(e) es sich um ein Plagiat und die Aufdeckung finde ich gut. Weiter so! Ob der ursprüngliche Artikel von Herrn Pennekamp großartiger Qualitätsjournalismus war, kann man allerdings bezweifeln. Bei genauer Betrachtung ist der referierte wissenschaftliche Beitrag von Francesca Cornaglia und Naomi E. Feldman dann doch nicht so eindeutig, wie es im Handelsblatt (und dann abgeschrieben bei Spiegel Online) erschien.

  5. Es ist schon einige Zeit her, als ich mich über mehrere, schlichtweg falsche Artikel (zumindest falsche Überschriften, inhalsmäßig war es nämlich reichlich Ebbe) bei SpOn beschwert habe. Immerhin: Im Gegensatz zu ARTE (“Haben es nicht selber produziert, wir haben es nur ausgestrahlt – Sie haben aber natürlich recht”*) oder ZDF (“Wir wissen nicht, was Sie wollen.”*) kam bei SpOn immerhin eine ehrliche, dafür umso erschreckendere Antwort des zuständigen Redakteurs.

    Er wisse, dass er falsches schreiben würde. Durch die falsche Wahrnehmung in der Öffentlichkeit wäre dieses “falsche” aber dennoch korrekt-verständlich für den normalen SpOn-Leser (sic! – das kam wirklich so!!). Der ordinäre SpOn-Leser müsse doch schon in der Überschrift erfahren, warum es denn ginge, auch wenn die Überschrift offensichtlich falsch ist. Darauf kam mir dann eigentlich nur in den Sinn, dass ich kein Mensch mit einer Intelligenz irgendwo unter der Grasnabe bin, die Wahrheit nicht hinter der Wahrnehmung einer (angeblichen) mehrheit zurückstecken könne und das intensive Lesen von SpOn lieber einstellen sollte – ab und an gehe ich noch dort hin, wenn jemand denn darauf verlinkt.

    Wenig später kam dann bei Spiegel Offline ein qualitativ ebenfalls minderwertiger Beitrag über Schießsport in Deutschland, wo dem Durchschnitts-Schützen (1,46 Mio. allein im DSB) ohne Tatsachenbericht, ohne Wiedergabe irgendwelcher Zeugen, sondern wohl einfach anhand von Disziplinen und der subjektiven Meinung des (offensichtlich, da weder in Technik noch im Recht kompetenten, schießwaffensportfernen) Autors darüber entschieden wurde, dass der Schütze in Deutschland “rumballern” will und “schießwütig” ist, so irgendwo zwischen Jack the Ripper und (jetzt) Breivik.

    Im Übrigen, zur taz: Die taz ist eine der wenigen Blätter, die sich (meistens) noch Gedanken darüber machen, was sie schreibt. Abseits des Medienmainstreams wird dabei nicht nur parteiisch operiert, ganz im Gegenteil: Nach dem sich der Berliner FDP-Politiker Björn Matthias Jotzo etwas direkter an die grünen Kollegen im Abgednetenhauses wandte war die taz eine der wenigen Blätter, die hieraus kein FDP-Bashing betrieb sondern seriös berichtete, was nicht nur mir sondern auch dem Betreffenden positiv auffiel. Auch ist bei der taz oftmals in gesellschafts-, innen- und justizpolitischen Themen auffällig, dass dort nicht der Mainstream verbreitet wird, der sich in Agenturmeldungen befindet und wortwörtlich übernommen wird oder zumindest inhaltlich übernommen wird, höchstens noch Politiker wieder gegeben werden, die der eigenen Meinung am nähesten kommen. Bei der taz findet man kontroverse Meinungen aus Politik und von Experten oder Leuten, die mit den Entscheidungen wirklich zu tun haben, es werden offensichtlich auch Studien selber gelesen und ausgewertet.

    Letztlich schwingt bei der taz zwar oft reichlich persönliche Meinung mit, so wie in fast jedem anderem Medium auch, letztlich kann ich aber nur sagen, dass dort diese Meinung immerhin meistens auf Fakten beruht – und nicht wie bei anderen auf spontane Bauchentscheidungen.

    *Keine Original- sondern Inhaltszitate, die den Originalzitaten aber sehr nahe kommen…

  6. Hallo,

    die Handelsblatt-Redaktion hat aber wohl nicht den kompletten Überblick über die eigene Zeitung. Im täglichen Newsletter “Finance today” von Handelsblatt gibt es ganz am Schluß eine Rubrik “worüber die Finanzwelt schmunzelt” … und hier hat Handelsblatt den SPON-Artikel verlinkt (und soweit ich mich erinnern kann ohne Hinweis auf copa&paste aus dem Handelsblatt)

    • @ Frank

      Das wäre ärgerlich, kann aber gut sein – wir haben auch durchaus mehr als eine Handvoll Redakteure (ich wüsste zum Beispiel gar nicht aus dem Stand, wer diesen Newsletter macht), und nicht jeder liest jeden Tag das eigene Blatt von der ersten bis zur letzten Seite (online stehen unsere Artikel i.d.R. erst nach einigen Tagen).

      Bei SPON dagegen gucken viele routinemäßig darauf – die haben online eine enorme Reichweite (u.a. deswegen habe ich mich über die Sache ja so geärgert, für den flüchtigen Leser, der erst SPON und dann ein paar Tage später HB.com liest, entsteht der Eindruck, wir hätten bei denen abgekupfert)

      Immerhin zeigt der Link in Finance Today, dass wir keine Hemmungen haben, auf externe Angebote zu verlinken ;-) , ein Theme, das in der Google-Plus-Diskussion bei dem WiWo-Kollegen Kroker (klick) groß diskutiert wurde, und wo m.E. alle etablierten Medien noch Nachholbedarf haben.

  7. Ich glaub nicht das das “Handelsblatt” über Spiegel Online herziehen sollten, denn seinen wir mal ehrlich wie schlecht war den ihre Recherche, im Bezug auf die Panzerlieferung ins Ausland.
    Sie haben irgendwelche nicht im Zusammenhang stehenden Aussagen aus einem Video bei YT genommen und daraus die groß Schlagzeile gemacht und dabei noch offensiv die Unwahrheit erzählt wo zu dieser Panzer denn genutzt bzw gebaut worden ist. Vorallem rotzfrech zu behaupten der Hersteller des Videos sei nicht zu ermitteln gewesen ist ja ein Witz schlecht hin.
    Also bitte wenn schon dann sollte man wohl doch mal vor seiner eigenen Haustür kehren, denn keiner (oder nur wenige) von ihnen machen ihren Job so wie es sich gehört.

    • @ Aktiv mit Helm

      Wie schon in einem anderen Kommentar geschrieben: Ich spreche nicht für “das Handelsblatt”, sondern für mich selbst. Den von ihnen geschilderten Fall kenne ich nicht. Aber in jeder Redaktion, auch der besten der Welt, passieren Fehler. Was SPON-CEO Katharina Borchert in Michael Krokers wirklich lesenswerter Google Plus-Debatte über den Fall (klick) zu den SPON-Kollegen geschreiben hat (“sind auch nur Menschen”) gilt für die Handelsblatt-Redaktion genauso.

      Ansonsten ist mir nicht ganz klar, in welchen Zusammenhang eine mutmaßlich schlechte Recherche bei Handelsblatt.com dazu steht, dass “Spiegel Online” einen Text von uns übernimmt, ohne uns zu fragen und dem Autoren ein Zweitverwertungshonorar zu zahlen. Dass das nicht OK war, haben die Kollegen ja selbst eingeräumt – der Chefredakteur hat sich bei unserem Autoren entschuldigt und SPON zahlt ihm ein Zweitverwertungshonorar.

  8. Das Problem wird von Blogger-Redakteuren auch seit “Jahren” ignoriert. Ein Meldesystem für Schlampigkeiten wollte ich schon länger. Dafür brauche ich keine 700.000 Euro wie das Lebensmittel-Portal von letzter Woche. Ein paar Tausend Euro für google-summer-of-code oder Eigenleistung und Webserver sind aus dem “Taschengeld” bezahlt.
    Die nachfolgenden Abmahnungen und Rechtskosten allerdings nicht. Daher kann eine Privatperson das leider nicht aufziehen. Vielleicht gibt es ja Länder wo Meinungsfreiheit noch möglich ist.
    Oder Redakteure welche die Idee aufgreifen, aber von überteuerten IT-Dienstleistern (siehe neuliche Untreue-Verurteilungen mit überteuerten IT-Rechnungen) abgekocht würden.

    Man sollte Fachartikel (z.b. von den ct-Redakteuren) als Ergänzung zu den Agentur-Meldungen anbieten und als Zeitung kaufen können. Je mehr Zeitungen kaufen, desdo billiger wird es. Der Redakteur kriegt mehr Geld als Rückfluss, die Zeitungen bezahlen hoffentlich etwa gleich für (dann aber bessere) Artikel und sparen eigenes copy-paste-Personal (“Redaktions-Praktikanten” in Kommentar-Foren-”Slang”) bzw. dessen Betreuung. Sowas ginge schon – wirtschaftlich und zum Vorteil für alle.

    Leider interessiert es keinen und wie man an VroniPlag sieht, möchte man auch nicht schikaniert werden und daher anonym bleiben, obwohl man ja nichts böses tut und transparenter arbeitet als die steuerbezahlten Politiker und ÖR-Manager oder Staats-Betriebe.

    Man könnte dank Internet mit ein paar anständigen Journalisten problemlos praktisch und ohne Budget (ausser Zeit) den Journalismus deutlich verbessern. Leider interessierte das Thema ausser mir bisher niemanden und es wurde in den Blogs oder Berichten nur gejammert oder Einzelfälle beschrieben, aber nicht über simple/praktikable Lösungsmöglichkeiten nachgedacht.

  9. Wenn ein äußerst bekanntes und als seriös geltendes Magazin schon von einem anderen ebenso seriösen und bekannten Blatt Texte aufnimmt und diese offensichtlich so umschreibt, dass juristisch nichts dagegen unternommen werden kann, dann muss man sich schon die Frage stellen, wie weit die Sitten verroht sind. Dass die Sitten im allgemeinen Wirtschaftsraum total verroht sind, zeigt das dreiste Copy&Paste, das im überwiegend geklauten Teil buchstabengetreu übernommen wurde. Dass aber das LG Stuttgart in einer neuerlichen Entscheidung (04.11.2010) dies auch noch zulässt, schlägt dem Fass den Boden raus. Der Tatbestand und die Entscheidung ist in umserem Blog hier nachzulesen: http://www.roben-shop.de/blog/2011/06/15/lg-stuttgart-erlaubt-textklau-unter-direkten-mitbewerbern/

  10. Oh Gott, als ob sowas nicht alle Journalisten machen würden. Wie selbstkritisch geht denn das Handelsblatt in dieser Hinsicht mit sich selbst um. Journalismus ist in Zeiten des Internets um so mehr eine Sache des Voneinander-Recherchierens, Copy & Paste und Umschreibens. Man sollte es halt nur nicht übertreiben.
    Wenn sich Journalisten gegenseitig ihre Korinthen um die Ohren hauen …

    • @ Traugott Wember:

      Ich kann nicht für “das Handelsblatt” an sich sprechen, sondern nur für mich selbst und meine eigene Arbeit. Und da versuche ich schon, so selbstkritisch wie möglich zu sein. Ich habe in meinen Text ja versucht zu beschreiben, wie ich damit umgehe, wenn ich von anderen Medien inspiriert werde.

      Es ist gut möglich, dass ich in den 20 Jahren, in denen ich als Journalist tätig bin, auch nicht immer in jedem Einzelfall das 100% richtig gemacht habe – wir alle machen Fehler. Aber mein Anspruch ist es, so wenig wie möglich zu machen, und so sauber wie möglich zu arbeiten.

      Wir hatten, was ja ein anderer Kommentator schon angesprochen hat, bei uns den Fall, dass der ehemalige Online-Chef Sven Scheffler mehrere Kommentare aus anderen Artikeln über Copy-und-Paste zusammengebastelt hat (link). Das wurde erst bekannt, als er das Haus schon verlassen hatte, (und er hat seinen neuen Job als Online-Chef bei Gruner & Jahr Wirtschaftsmedien deswegen verloren. Eine andere Kollegin wurde, weil sie sich in einem Artikel bei einem Text aus einem Konkurrenzblatt bedient hat, vor einiger Zeit gefeuert, und nach dem Veröffentlichen meines Blogposts hier habe ich mit etlichen Kollegen Diskussionen über die Arbeitsweise geführt.

      Selbstverständlich gibt es eine Grauzone: Muss man bei jedem Zitat, das man aus einem anderen Medium übernimmt, deutlich machen, dass man es nicht selbst recherchiert hat? (vermutlich ja, ist aber in keinem Medium üblich) Wie geht man damit um, wenn man Themen aus internationalen Blättern übernimmt, die man gar nicht nachrecherchieren kann? (Quelle nennen, und eigenen Text schreiben, keinesfalls einfach übersetzten).

      Die Frage, wie viel Eigenleistung in einem Artikel stecken sollte, kann man nicht mit 0 oder 1 beantworten. Aber klar ist meiner Meinung nach: Die Eigenleistung sollte darüber hinaus gehen, die Wortstellung in den einzelnen Sätzen ein bisschen durch den Mixer zu drehen und einen Faktenfehler in den Text einzubauen. Und SO arbeiten ganz sicher nicht “alle Journalisten”.

  11. Das ist ja nicht SPON, das ist ja nicht Re-Engeneering: das ist Mode.

    Mehr oder kaschiert wird mit Urheberrechten umgegangen, daß die Schwarte kracht.

    Was für ein unoriginelles Zeitalter.

  12. Man kann sich die Welt auch zurechtschreiben wie man möchte, liebster Thomas.
    Eine Googlesuche nach Psychologe über zu Guttenberg: “Extremes Machtmotiv verzerrt Realität” wirft ihr Blog als obersten Link aus.

  13. Die großen Marken gewinnen in dem Spiel immer. Hier schreiben die “Kleinen” gegen die Vergehen der “Großen”. Und den Großen ist es tendenziell egal. Mir wurden mal ein paar Texte von den Guttenplag-Mitmachern geklaut. 1:1 einfach rübergeschoben. Seitdem denkt Google, dass Guttenplag der Urheber ist und meine Seite gilt als Contentfarm. Leserzahlen halbiert. Und abseits des medieninternen Aufregers, dass ausgerechnet die Plagiatejäger was kopiert haben, sind die Konsequenzen gleich 0. Der Leser merkt es nämlich nicht. Und wenn er es merkt, welche Konsequenzen soll er ziehen? Bedeutet doch Ihr Fall letztlich auch nur, dass Spiegel.de lesen reicht.

  14. Auf jeden fall danke fuer eure kommunikation wissenschaftlicher ergebnisse. Des weiteren hat dein ranking erheblich zur professionalisierung der deutschen vwl beigetragen.

  15. Nur eine Kleinigkeit: bitte korrigieren Sie doch “montiert” zum richtigen “moniert”. Nur ein kleiner Vertippser.

    Sonst finde ich es richtig und gut, wenn Journalisten aus dem Nähkästchen plaudern dürfen. Gut möglich, dass man sich früher ohne Aufsehen unter der Hand geeinigt hätte. Dank des Internets erhält man nun Einblick in den Redaktionsalltag.

  16. Mit steigendem gefühlten Druck in immer kürzerer Zeit mehr Inhalte produzieren produzieren zu müssen, steigt die Versuchung Copy&Paste zu betreiben gewaltig. Je mehr eine Zeitung der Versuchung jedoch erliegt, desto mehr macht sie sich überflüssig. Abonennten- und Onlineleser-Zahlen brechen ein. Also noch mehr Copy&Paste? Ein Teufelskreis….

  17. Als Büro-Kollege (www.weitwinkel-reporter.de) des Autors (Johannes Pennekamp) poste ich hier mal den neuesten Stand: “Schnelle und faire Reaktion: SPON-Chefredakteur Rüdiger Ditz hat mich gerade angerufen und den Vorfall bedauert. Richtigerweise hat er das Vorgehen als “legal, nicht aber legitim” bezeichnet und mir ein angemessenes Zweitverwertungshonorar gutgeschrieben.”

  18. Dann kopiere ich mich mal gerade selbst und haue hier meinen Kommentar rein, den ich schon drüben bei G+ abgegeben habe.
    Ich äußere mich hier mal als Medienkonsument und Wirtschaftsblogger (www.blicklog.com), der die Beiträge der Ökonomieredaktion verschlingt und gern gekennzeichnet weiter verarbeitet und als Aufhänger einsetzt.
    Ich bin erschrocken über die Dreistigkeit in der Spon-Redaktion, von der ich geglaubt habe, sie suche nach eigenen Qualitätsansprüchen. Spon, ohnehin nicht erste Wahl bei der Wirtschaftsberichtserstattung, hat sich damit nun vorläufig disqualifiziert.

    Erschreckend aber auch der Trend zur Oberflächlichkeit, denn “fdi” hat sich ja offensichtlich nur auf die Teile des Textes gestürzt, wie etwa die Aussagen zu den Spielergehältern, die nach populärer Nachricht klingen. Sehen die Journalisten uns Leser als so große Flachpfeifen an?

    Irrig wohl auch die Annahme, beim SPIEGEL könne man es sich leisten, freien Autoren ein Honorar zu zahlen.

    @egghat Deine Einschätzung von Business Insider teile ich natürlich gar nicht. Die Kollegen dort aggregieren zwar viel aus anderen Blogs, kennzeichnen dies aber stets namentlich und verlinken. Ob sie dafür immer bezahlen, weiß ich natürlich nicht. Aber so holen sie dort doch so manche Beiträge ans Tageslicht, die man sonst nicht gesehen hätte.

    • @ Timm: Die Plagiate von Sven Scheffler haben mich in der Tat sehr erschüttert, zumal ich ihn auch privat ganz gut kenne. Was Sven da gemacht hat, ist atemberaubend und noch deutlich krasser als der SPON-Fall – er hat sich ja offenbar in zwei Fällen seine Kommentare ohne jede Quellenangabe aus fremden Texten per Copy und Paste zusammengebastelt, ohne auf seine Quellen zu verweisen. Das ist nicht nur unethisch, sondern – anders als im SPON-Fall – auch ein klares Plagiat im juristischen Sinne.

      Klar ist aber auch: Bei Svens Vorgehen handelt es sich um ein individuelles Fehlverhalten (das er selbst eingeräumt hat und für das er deutlich die Quittung bekommen hat), nicht um ein in irgendeiner Form institutionalisiertes System bei Handelsblatt.com.

  19. Ich find’s gut, dass Olaf Storbeck die Sache öffentlich macht. Und ich hoffe, dass solche öffentlichen Vorwürfe in Zukunft ein bisschen abschrecken. Angesichts der wirtschaftlichen Zwänge habe ich aber daran Zweifel.
    Man sollte die Sache allerdings auch richtig benennen. @AlterPirat, es geht nicht um Urheberrechte, die sind nicht verletzt (und insofern @Olaf Storbeck geht es auch nicht um “copy and paste”), es geht um grottenschlechten Journalismus.

    • @ Wirtschaftswurm: Du hast Recht, die Überschrift ist (bewusst) etwas zugespitzt – 100% exakt ist es, von “copy, paste, re-write” zu sprechen, wie ich es im Text mache.

  20. Der Fehler mit den 5.000 Spielern in 2007 hätte dem Spiegel-Autor auch auf andere Weise auffallen können. Die 30 Teams haben einen Kader von je 25 Spielern. Selbst mit Wechseln nach Verletzungen etc. und der Kadererweiterung im September kommt man nicht annähernd auf eine Zahl von 5.000 Profis in einem Jahr.

  21. Ach so: Vor ein paar Wochen waberten Gedanken über ein deutschsprachiges Business Insider durch die Blogos/Twittersphäre. Da habe ich behauptet, dass das in Deutschland keine Chance habe und zwar aus zwei Gründen: Der deutsche Markt ist zu klein und zweitens gibt es mit SPON schon einen deutschen Business Insider Clone. Da ich nicht sonderlich viel von BI halte, bestätigt mich die SPON Vorgehensweise …

  22. Der Hinweis auf die Analogie zur asymmetrischen Verlinkung kam ja auch schon.Das ist am Ende ähnlich. Die einen zitieren und verlinken, die anderen schreiben “Quelle Internet” oder kupfern gleich ganz dreist ab.

    SPON ist leider ziemlich bekannt dafür. Allerdings hat das für den Leser auch etwas gutes: Der SPON Feed ist ziemlich komplett und da kommt eigentlich fast alles Interessante (auch wenn Trüffelschweine wie ich das meistens woanders eher finden). Das zweite Positive an SPON für mich als Blogger: Die Artikel versacken da nicht hinter einer Paywall oder in einem Archiv. Das ist ein Riesenplus bei der Verlinkung.

    Aber ich stimme natürlich zu: Artikel so frech von einem freien Journalisten abzukupfern und diesen um seine verdiente Bezahlung zu bringen, ist unterirdisch. Der Arme hätte bestimmt auch keine 5.000 Euro für den Artikel haben wollen …

  23. Spannend finde ich immer wieder, dass die “Qualitätsmedien”, die am lautesten für ein Leistungsschutzrecht für Verlage eintreten, sich am wenigsten selber ans Urheberrecht halten.

  24. @Olaf: Ich meinte die gängige SpOn-Praxis, daß – mit wenigen Ausnahmen – über einen Beitrag eines anderen Blatts berichtet und dieser auch genannt, aber nicht verlinkt wird. Von den Textübernahmen, auf die eh nicht verlinkt wird, zu schweigen …

  25. Leicht OT, aber die weitgehend fehlende Verlinkungspraxis zielt in dieselbe Richtung. Übrigens sind auch bei Hardy Prothmann ähnliche Beispiele, allerdings überwiegend von SpOn, nachzulesen.

    • @ Vera: Stimmt, wobei es in Sachen Verlinkungspraxis m.E. auch bei Handelsblatt.com noch “room for improvement” gibt. Im konkreten Fall konnten die Kollegen gar nicht auf uns verlinken – der Text war am Donnerstag in der Printausgabe, steht aber erst seit Sonntag im Netz (was u.a. dazu führt, dass flüchtige Leser den Eindruck bekommen könnten, wir hätten bei SPON abgeschrieben. Allerdings wäre zumindest ein Link auf die Startseite von Handelsblatt.com im SPON-Artikel nett gewesen…

  26. Das Vorgehen von Spiegelonline ist erklärbar: Der Redaktionsnachwuchs kommt immer häufiger von der TAZ, der man nun wahrlich keine besodere herausragende Kompetenz nachsagen kann. Der Spiegel hat gewaltig an journalistischer Kompetenz verloren, deshalb sollte man sich beim HB nicht zu viel ärgern, aber dennoch juristische Schritte erwägen.

    • @ Jean Baier: Danke für Ihren Kommentar. Mit Blick auf die “taz” bin ich nicht ganz ihrer Meinung – das Blatt gilt seit vielen Jahren als “Journalistenschule der Nation” und macht m.E. unter dem Strich einen guten Job, auch wenn ich politisch nicht immer hinter allem stehe (was mir aber bei der FAZ durchaus ähnlich geht).

  27. 100% Zustimmung. Die flüchtige, oft faktisch falsche oder unpräzise Berichterstattung auf Sp0n stößt mir selbst langsam auf. Ich beobachte dies vor allem bei außenpolitischen Themen und auch gelegentlich unter Wirtschaft.

    Danke für die offene Darstellung! Eine solch offene Kritik ist auch nicht immer üblich…

  28. Es ist doch schon seit Jahren gängige Praxis der “großen” Newsseiten reichlich Artikel der kleinen Blogger zu “verwerten” – natürlich ohne Quellenangabe. Da kräht aber kein Hahn danach…

    2 Klassengesellschaft oder Doppelmoral?

    • @ Patrick: Das ist natürlich genauso verwerflich, und ich arbeite so nicht. Wie verbreitet das insgesamt ist, kann ich nicht beurteilen. Generell gilt: Die kleinen Blogger sollten sich das nicht gefallen lassen.

  29. Ähnliches habe ich bereits bei sueddeutsche.de im Fall der Hamburg-Mannheimer-Recherche wahrgenommen. Lasst euch in diesen Punkten nicht die Butter vom Brot nehmen!

    Und nach wie vor muss auf beiden Seiten gelten: Jedes neue Faktum nur mit präziser, fairer Quellenangabe. Gerne auch mehrfach (warum auch nicht?!).

  30. Ja, das passt zu meiner Erfahrung mit Spiegel Online. Wenn zwischen den vielen unterirdisch schlechten Beiträgen (nicht nur Artikel, insbesondere auch die von Spiegel Online selbst produzierten Videos) doch mal ein gehaltvoller ist, ist der wahrscheinlich nur abgekupfert.