Ist das die Wende?

Der Euro-Gipfel hat diese Woche nahezu alle weiteren wirtschaftsrelevanten Ereignisse und Veröffentlichungen in den Schatten gestellt. Da konnte Bundeskanzlerin Merkel die Erwartungen im Vorhinein noch so sehr dämpfen – angesichts der Bedeutung der Beschlüsse stand der Gipfel im Fokus. Zu Recht.

Es lohnt sich dennoch, einige Konjunkturdaten, die in dieser Woche fast unbemerkt veröffentlicht wurden, hier einmal zu thematisieren. Denn sie transportieren eine wichtige Botschaft: Die Weltwirtschaft verliert an Fahrt – und das deutlich.

Erst wurde bekannt, dass die Einkaufsmanagerindizes stark gesunken sind, weltweit. Schon wieder, muss man zumindest im Hinblick auf die europäischen Zahlen sagen. Und heute folgte das Ifo-Geschäftsklima. Nachdem das Barometer für die deutsche Konjunktur im Monat zuvor noch überraschend gestiegen war, ging es nun auf Talfahrt. Nicht nur die Erwartungen der Unternehmen, die das Institut Monat für Monat befragt, sind im Juli weniger gut als im Juni ausgefallen. Nun hat sich auch ihr Urteil über die aktuelle Lage verschlechtert.

Angesichts des hohen Niveaus, auf dem zumindest dieses deutsche Stimmungsbarometer noch immer ist, besteht kein Grund zum Schwarzmalen. Aber die Frage steht im Raum: Ist das die konjunkturelle Wende?

Viel spricht dafür, diese Frage mit “Ja” zu beantworten.

“Die Risiken bleiben auf beiden Seiten des Atlantiks klar nach unten gerichtet.”

Das schreiben die Volkswirte von Unicredit dazu heute und fassen damit den wenig ermunternden Stand der Dinge zusammen. Ihre Argumente sind stichhaltig: die Sorge vor einer harten Landung Chinas – und die weltweite Schuldenkrise.  Denn auch wenn das Rettungspaket “bestmögliche Bedingungen” schafft, wie die Bankvolkswirte schreiben, weisen sie zu Recht darauf hin, dass der Schuldenabbau mit “beträchtlichen Umsetzungsrisiken” verbunden ist.

Die Deka-Bank hat einen Hinweis mehr darauf gegeben, dass die Konjunktur drehen dürfte: In 15 von 16 Fällen habe eine Trendwende der Geschäftserwartungen – also einer der beiden Teilkomponenten – auch zu einer Trendwende des gesamten Geschäftsklimas geführt. Und: Die Erwartungen sind bereits fünf Mal in Folge gesunken!

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Alle Kommentare [6]

  1. @Ulrich Zimmermann. Stimme vollkommen mit der klaren Darstellung der Ursachen für “drehende Konjunkturen” überein. Angesichts der kausalen Zusammenhänge für die Frequenz der Krisen in den letzten 20 Jahren, ist der Begriff “drehend” ein Euphemismus. Wir drehen in Richtung einer Trader-Republik, wo nur noch die Interessen der Finanzmärkte gesellschaftliche Relevanz besitzen.

  2. Ich würde sogar behaupten, dass ein inhomogener Wirtschaftsraum mit gemeinsamer Währung kein natürliches Korrektiv mehr hat, welches Kapitalabflüsse aus schwachen Regionen stoppt.

    Denn Produkte aus den starken Regionen wären stets billiger. Die armen Regionen hätten nur noch die Chance massiv Löhne zu senken, aber sowas wäre kaum durchsetzbar. Ohne Wechselkurse muss man hier also zwangsweise mit Transferleistungen aktiv gegenwirken. Die Euro-Transferunion ist daher unausweichlich.

    Selbst in Deutschland haben wir diese Probleme zwischen Nord, Süd und Ost. Auch hier gab es zu D-Mark Zeiten keine Wechselkurskorrektive und Lohnsenkungsspielräume gab es auch kaum. Deshalb haben wir ja auch einen Länderfinanzausgleich und Soli eingeführt.

    Und wie ineffizient solche Transferprozesse sind sieht man ja an Ländern wie Bremen, die durch jahrzentelange Transferzahlungen kaum wettbewerbsfähiger geworden sind. Man hat dort lediglich den Lebensstandard stabilisiert. Auf die Eurozone übertragen ist das doch zum Scheitern verurteilt. Die Transfersummen wären viel zu groß.

    Insgesamt muss man daher zu dem Schluss kommen dass eine Gemeinschaftswährung seine Vorzüge nur entfalten kann wenn der Wirtschafsraum homogen ist. Ansonsten hat man extrem ineffiziente Transferprozesse.

    Wir sollten das aber dennoch entspannt sehen. Das Euro-Projekt ist in dieser Hinsicht eine Neuheit und am Ende wird man wichtige Lehren daraus ziehen. Wissenschaft und Politik stecken in Fragen der Ökonomie und Geldtheorie schon seit Ewigkeiten in einer theoretischen Sackgasse fest und benötigen dringend neue Erkenntnisse aus der Praxis. Das Euro-Projekt könnte daher langfristig unbabsichtigt zu einer Renaissance der kleinen Währungsräume führen und so indirekt das Prinzip der Subsidiarität in der EU fördern. Die EU wäre dann wieder auf Kurs zu einem echten Erfolgsmodell.

  3. Die Euro-Zone muss sich nach und nach zu einer Fiskalunion entwickeln. Europa wäre dann für jeden sichtbar eine Transferunion. Oder besser gesagt: Europa bliebe eine Transferunion, es wäre nur für jeden sichtbar.

  4. Rezessionen wird es immer wieder geben, auch bei uns. Vielleicht schon bald. Und daher muss man die Beschlüsse vom Euro-Gipfel wirklich kritisch hinterfragen! Denn das Kernargument für alle Rettungspakete lautete bislang:

    “Wir profitieren vom Euro und das sollte uns etwas wert sein!”

    Aber mit der nächsten Rezession wird dieses Argument zwangsweise entkräftet. Wenn bei uns die ersten Arbeitsplätze verloren gehen, werden die Bürger alles in Frage stellen.

    Und dann dürfte Ratlosigkeit einsetzen. Die Märkte würden einpreisen dass neue Hilfsgelder politisch nicht mehr durchsetzbar sind. Die Folgen kann sich jeder selber ausmalen.

    Man wird sich dann fragen warum man die “guten Zeiten”, in denen man noch konjunkturellen Rückenwind hatte, nicht genutzt hat um die Risiken und Schuldenlasten deutlich zu reduzieren.

    Und vielleicht ist das wirklich jetzt die Wende. Dann wäre der Euro-Gipfel tatsächlich die letzte gute Chance gewesen.

  5. Die Konjunktur dreht immer irgendwann, mal gewinnt man, mal verliert man, nur sind viele das nicht mehr gewoehnt, in den 90gern hat man solche Profite eingefahren, dass man es schon nicht mehr glauben konnte und das ist jetzt die Norm geworden. Grund dafuer war der “deregulierte” Markt, der aber schon in den 70gern begann, der Begriff ist irrefuehrend, eine “Deregulierung” haette bedeutet, dass es keinerlei Regulierung mehr gegeben haette. Eigentlich muesste man es eine Umregulierung nennen, denn die Maerkte wurden von den Corporations uebernommen und hatten als Ausgangspunkt keine sozialen Verpflichtungen mehr, sondern ihnen stand die Tuer zum Raubbau an Mensch und Umwelt weit offen, besonders die Forderungen der Republikaner in der US Schuldenfrage, zeigen den Verlauf dieses Trends weiterhin an. Man moechte erhalten und, wenn moeglich, noch erweitern was man sich “erschaffen” hat und das ist die totale Profitmaximierung. Was immer noch als demokratisch in manchen Staatssystemen erscheinen mag, die Corporates sind es mit Sicherheit nicht, sie sind totalitaere Systeme die es soweit gebracht haben, dass demokratische Prinzipien nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Das ein Kapitalfluss der nur in eine Richtung geht, irgendwann auf Grund laufen muss, kann nicht erstaunen, die Maerkte sind leer, die Koffer weniger uebervoll und dies ist der derzeitige Status Quo, die Frage die sich stellt ist, wie kann noch mehr Profit gemacht werden, ohne dass man auch nur einen “Pfenning” abgegen muesste. So etwas zahlt sich auf lange Sicht gesehen nicht aus und fuehrt zu “Schuldenkrisen”, welche aus diesem oder jenem Grunde enstanden sind, wie man versucht zu erklaeren. Die Maerkte haben sich nach oben verschoben, in einigen Laendern gibt es keine nennenswerte Produktion von Guetern mehr, “offshoring” wird es genannt, die eigene Bevoelkerung hat man dabei ausser acht gelassen und wundert sich dann, dass die Landeskonjunktur nicht mehr laeuft, nachdem man Lohn- und Gehaeltsentwicklung bewusst vernachlaessigt und unterbunden hat was natuerlich eine Veroedung des Inlandmarktes nach sich zog. Das System hat sich nach 40 Jahren geschlossen und dies vielleicht weltweit, die Niedriglohnpolitik reacht sich, die Maekte hoppeln von einem Hoch ueber ein Tief, zum naechsten Hoch, dabei duerfte auffallen, dass sich der Zeitraum zwischen diesen Extremen immer kurtzfristiger gestaltet. In den vergangenen rund 20 Jahren traten mehrere Finanzkrisen ein, welche an Laufzeit und Gewicht zunahmen, die fundamentalen Gruende dafuer hat man nie wirklich beseitigt, man hat einfach mit geschlossenen Augen weiter gespielt und aufs beste gehofft, das kann ins Auge gehen.

  6. mit 4 % Arbeitslosigkeit im Süden muss das Wachstum ja jetzt langsam saturieren. Jetzt gibt es nur noch Zuwächse der TFP (total factor productivity) und das mühsame Ausschöpfen der verbleibenden Reserven im Norden und Osten, mal so ganz fundamental gesehen : -)