Bruno Frey – jetzt ermittelt die Uni Zürich

Die Leitung der Universität Zürich hat heute ein offizielles Verfahren gegen Bruno Frey eingeleitet – wegen des “Verdacht der Unlauterkeit in der Wissenschaft”, teilte mir soeben die Pressestelle mit. “Um die Unabhängigkeit des Verfahrens zu garantieren, werden externe Gutachter eingesetzt”, schrieb mit der Pressesprecher der Hochschule.

(Hintergründe zu den Vorwürfen gegen Frey hier und – ausführlicher, aber auf Englisch,  hier und hier.)

Das Einschalten externer Gutachter ist insofern bemerkenswert, weil es sich dabei offenbar um eine Ermessensentscheidung der Hochschulleitung handelt  – ich interpretiere das als ein Indiz dafür, dass man die Vorwürfe in Zürich ernst nimmt.

Joseph Falkinger, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich, schrieb mir dazu gestern: “Wird ein Verfahren eingeleitet, beauftragt sie Vertrauenspersonen mit der Ermittlung und setzt bei Bedarf externe Gutachter ein. Dies stellt die Unabhängigkeit des Verfahrens sicher.”

Die Debatte um die Eigenplagiate von Bruno Frey wird seit Ende April in der angelsächischen Ökonomenzunft geführt – die Hochschulleitung wurde aber erst darauf aufmerksam, weil Dekan Falkinger sie gestern nach einer Handelsblatt-Anfrage informierte. (Mehr dazu auch hier: “University of Zurich takes a look at Frey’s conduct”)

Weitere Neuigkeiten in Sachen Bruno Frey:

- Bruno Frey sagte mir gestern am Telefon, er habe die Sache mit den Eigenplagiaten mit den Herausgebern der Fachzeitschriften geklärt und sich entschuldigt. Er räumte allerdings ein, dass er sich nur beim “Journal of Economic Perspectives”, dem “Journal of Economic Behaviour and Organization” und “Rationality and Society” entschuldigt habe, nicht aber bei PNAS, dem vierten betroffenen Journal. Dort hätten sich die Herausgeber offenbar nicht an seinem Vorgehen gestoßen. Heute jedoch teilte mir der PNAS-Herausgeber mit, dass sie bisher schlicht nichts von der Sache wussten und Frey jetzt kontaktieren werden. (Mehr dazu hier: “Bruno Frey, PNAS and a missing apology”

- Das 1986-Paper von Wayne Hall, das erstaunliche Ähnlichkeiten zu den Papieren von Bruno Frey, Benno Torgler und David Savage aufweist, ist jetzt online kostenlos zum Download verfügbar. (Die Frey-Paper sind hier verlinkt.)

- Alle meine deutschen Blogbeiträge zu diesem Thema sind hier gesammelt.

- Morgen wird im gedruckten Handelsblatt ein großer Artikel in der Sache Bruno Frey erscheinen.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence”.

http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/07/04/sitzt-bruno-frey-auf-der-titanic/

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