Stirbt das Wirtschaftsbloggen aus?

Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr sich die Debatte über das Bloggen von Volkswirten und Wirtschaftsjournalisten in Deutschland und in den USA unterscheidet.

Hierzulande geht die Sache gerade erst richtig los – auf der anderen Seite des Atlantik dagegen diskutieren   ernstzunehmende Leute dagegen schon, ob die Zeit der Blogs von Einzelautoren nicht langsam wieder vorbei ist.

“Is blogging dead?”, fragt der Reuters-Blogger Felix Salmon heute und bekennt:

“I’ve felt for a while now that the kind of blogging I do — one person writing a series of blog posts in reverse-chronological order — is dying, even if it’s not quite dead.”

Wer in den USA als einzelkämpfender Blogger unterwegs ist, habe es zunehmend schwer, sich gegen die großen Plattformen zu behaupten, die von zahlreichen Autoren schrieben werden, ist Felix überzeugt. Er diskutiert diese Frage in einem Video-Interview mit Alexis Madrigal, Blogger bei The Atlantic. (Ein bisschen kurios ist, dass Felix nicht auf das Blog von Alixis verlinkt.)

Wie wichtig diese großen, neuen Mehrautoren-Plattformen werden, hat Dirk Elsner neulich im Blicklog beschrieben: Das Blog “Business Insider” ist dabei, online das “Wall Street Journal” einzuholen.

In Deutschland dagegen erleben Wirtschaftsblogs gerade erst einen wirklichen Entwicklungsschub: “Sie werden mehr, sie werden besser”, schrieb Bastian Brinkmann vor kurzem  in der Süddeutschen Zeitung.

Und die Target2-Debatte zu den Thesen von Hans-Werner Sinn ist eine der ersten wirtschaftspolitischen Debatten in Deutschland, die hauptsächlich in Wirtschaftsblogs geführt wurde – von Egghat,  Mark Schieritz im Herdentrieb, Thomas Strobl bei Weissgarnix, Henry Kaspar bei Kantoos Economics und Lostgen . Auch ja, und ich habe auch ein bisschen was geschrieben dazu.

Die Debatte  - und vor allem Hans-Werner Sinns Reaktion auf die Kritik aus den Blogs inspirierte Dirk Elsner vom Blicklog zu einem klugen und lesenswerten Reflektion  über Ökonomen und das Bloggen.

Dirk schreibt:

“In Deutschland hat die “Funktionselite” noch nicht wirklich verstanden, was die Blogosphäre ist. Sie halten Blogger im besten Fall für esotherische Gutmenschen, die nach Aufmerksamkeit dürsten und die Welt verändern wollen. Im schlimmsten Fall sind sie illegale Hacker, die der “Machtelite” an den Kragen wollen. Mag sein, dass es solche Blogger auch gibt. Mir sind die nicht bekannt, dabei kenne ich mittlerweile viele Wirtschaftsblogger auch persönlich. Alle, egal ob aus Medien, Unternehmen oder der Wissenschaft, sind ganz bodenständige Personen mit viel Sachverstand und noch mehr Engagement. Sie schreiben meist über Themen, die sie gut kennen und bieten oft Informationen und Hintergrund, die deutlich über das hinaus gehen, was Medien liefern können ohne dabei in einer Sprache oder Beweisführung zu ersticken, wie man es von wissenschaftlichen Fachaufsätzen oder Arbeitspapieren kennt.”

Zumindest in Deutschland haben Wirtschaftsblogs von Einzelpersonen nach meiner Einschätzung noch längst nicht ihren Zenit überschritten – und der Aufstieg von “Kantoos Economics”, das innerhalb weniger Monate trotz der Anomymität der Autoren aus dem Nichts zu einem der besten deutschen Wirtschaftsblogs aufstieg, zeigt, wie viel Raum  in Deutschland noch für gute Wirtschaftsblogs vorhanden ist.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence”.

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Alle Kommentare [22]

  1. Die Frage was eigentlich einen Blog characterisiert ist ein mittelschweres Abgrenzungsproblem. Bei der Ökonomenstimme kann man immerhin kommentieren wenn man angemeldet ist. Gut – das kann man natürlich bei Zeitungsartikeln auch. Bei Seiten wie denen von Jahnke oder den Nachdenkseiten von Müller und inzw. Berger (vom Spiegelfechter) ist auch die Frage zu stellen was diese eigentlich darstellen.

    Ich bin aber gleicher Auffassung. Ein Blog wird auch für mich darüber definiert das ich mit den Autoren über den Inhalt reden kann. Ansonsten erhält es einen one-way-character – eben eher wie ein Journal oder eine Zeitung.

    BTW: an dieser Stelle ist dann noch bemerkenswert wie bei einer durchaus überschaubaren Anzahl größerer Econ-Blogs (auch in den USA) Lücken bei der Aufzählung entstehen. Ich hatte schon aufgrund Deiner Auflistung der Twitter-Ökonomen Tim Harford bei seiner Auflistung auf Zerohedge aufmerksam gemacht. Die SZ hat bei der Aufzählung auf Businesswek verlinkt da diese auch eine Liste erstellt hatten. Gleiche Lücke:
    http://www.businessweek.com/magazine/content/11_23/b4231066924183.htm
    Dabei hat zerohedge lt. compete.com (der Datenquelle für diese Liste) fast drei Mal so viel unique visitors wie der auf Platz 1 genannte Paul Krugman (nämlich rd. 500.000).

    Und mit Krugman hat man auch wieder so einen Fall. Es läuft unter “Blog”. Jedoch ist es imho so, das er sich wohl mit anderen Bloggern wie De Long austauscht bzw. diese kommentieren sich gegenseitig, aber Krugman antwortet imho nicht innerhalb seines Blogs auf Kommentare (kann mich jedoch täuschen). Damit imho ebenfalls ein Grenzfall.

    Grüße
    ALOA

  2. Immerhin bloggen bekannte Ökonomen auch schon einmal. Und die Gründungsmitgliederliste der Ökonomenstimme ist beachtlich:
    http://www.oekonomenstimme.org/autoren/

    Neben Herrn Frey sind dort auch HWS, Bofinger u.a. zu finden.

    Sicherlich werden Veröffentlichungen dort nicht als High-Class gelten. Da verschwimmt der Unterschied zwischen Blog und Journal. Es könnte in der Tat aber ein Versuch sein eine Art Fach-Journal aufzubauen. Jedenfalls sind sich die genannten nicht zu schade, offen zu bloggen.

    Auf dem Gebiet der Juristen ist es arg dünn. Aus dem Stand fallen mir der Blog des Verlages C.H.Beck, der Österreicher Lehofer und die Bemühungen von Telemedicus ein. Bloggende Anwälte aus Kanzleien gibt es natürlich eine ganze Reihe.

    Womöglich liegt es aber auch nur an der Materie.

    Grüße
    ALOA

    • @ Aloa

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Ökonomenstimme wirklich als Blog im engeren Sinne verstehen würde – dort wird zumindest weder auf andere Blogs verwiesen, noch diskutieren die Autoren mit ihren Lesern. Sehe das eher als Portal, in dem die Volkswirte versuchen, ihre aktuelle Forschung nichttechnisch zu erklären, so dass sie auch von Laien verstanden wird. Beim großen Vorbild Vox klappt das ja sehr gut, bei der Ökonomenstimme sehe ich noch “room for improvement”.

      Was die Juristen betrifft: Sehr gut ist auf jeden Fall das Verfassungsblog meines von mir sehr geschätzten Ex-Handelsblatt-Kollegen Max Steinbeis: http://verfassungsblog.de/

  3. vor allem diejenigen, die sich etwas gründlicher und tiefgehender informieren möchten

    Das sind m.E. zwei unterschiedliche Blogger-Zweige. Die einen möchten Fachleserschaft ansprechen, die anderen möchten den Bürgern qualitativ hochwertigeres liefern als es die mit Journalisten besetzte 3000-Zeichen Mainstream-Presse anbietet.

    Es gibt auch Juristen welche erreichen möchten das Artikel welche über einen Fachblog veröffentlicht werden Zitierfähig werden. Manche denken das wird generell so werden:
    http://logicorum.wordpress.com/2010/07/29/kann-die-blogosphare-die-journal-sphare-ersetzen/
    http://economistsview.typepad.com/economistsview/2010/07/canshould-the-blogosphere-replace-the-journalsphere.html

    Bei Juristen noch ein Zahn konservativer ausgelebt als bei Ökonomen. Siehe aus dem Kartellblog:

    Zu 4.: Mir hat ein Jura-Professor kürzlich gesagt, Blogging sei “low class”. Da gibt es v.a. ein kulturelles (Elfenbeinturm-)Problem.

    Bei Ökonomen besteht das Problem imho etwas weniger.

    Grüße
    ALOA

    • @ Aloa: Bin mir nicht sicher, ob dich deine Einschätzung mit Blick auf die Ökonomen wirklich teile. Ich glaube, die meisten sind ähnlich konservativ wie die Juristen, zumindest in Deutschland.

      Sinn und das Ifo-Institut haben meine Target2-Argumente erst in dem Moment erstgenommen, als sie kapierten, dass ich nicht “nur” drüber blogge, sondern auch für das Print-Handelsblatt was darüber schreibe. Vorher hatte die Ifo-Pressestelle zwei Anfragen von mir mit Rückfragen zu Sinns Thesen fast eine Woche lang unbeantwortet gelassen – als ich wegen des Textes für die Zeitung anfragte, hatte ich HWS innerhalb von einer halben Stunde am Telefon.

      Bei Frey war es ähnlich – die Debatte wurde in US-Blogs ja schon seit Ende April geführt, war aber zumindest im deutschen Sprachraum noch nicht angekommen. Die Uni Zürich hat erst nach meiner Anfrage angefangen, sich mit den Themen zu beschäftigen.

      Und Kantoos (http://kantooseconomics.com) , dem ich immer wieder auf die Nerven gehe, warum er anonym bloggt, sagt mir immer, seine wissenschaftliche Karriere sei noch nicht in trockenen Tüchern und er fürchte, dass das Betreiben eines wirtschaftswissenschaftlichen Blogs den Karriereaussichten an einer VWL-Fakultät eher abträglich sein dürfte….

  4. Es ist sicherlich eine Krux, dass die Masse die Details wirklich nicht versteht und diese auch nicht interessiert verfolgt. Über Wirtschaftsblogs oder kleine Online-Magazine wie http://www.cleanthinking.de erreicht man daher aus unserer Sicht vor allem diejenigen, die sich etwas gründlicher und tiefgehender informieren möchten.

    Daher pflegen und hegen wir unser “CleanTech Lexikon”, das ein zartes Pflänzchen ist, aber in einigen Monaten ein richtig spannendes Werk sein dürfte.

    Klar ist: Der Zusammenschluss von Bloggern oder Online-Journalisten zu Netzwerken muss und wird erfolgen. Ich denke, dass es gerade für spezialisierte Wirtschaftsmagazine im Online-Segment eine Leserschaft gibt. Eine Leserschaft, die ausreicht, um ein solches Magazin mit unterschiedlichen Autoren zu betreiben.

  5. Einzelblogs haben für die Leser den Nachteil, die Suchkosten und den sonstigen Zeitaufwand zu erhöhen. Naja, das ist natürlich weniger wichtig, wenn man sich das ganze über RSS-Reader organisiert, aber im Großen und Ganzen seh ich den Vorteil der Blogmultiplizierung nicht, wenn eh alles die gleiche Community ist. Mit Konzentration würde auch das gegenseitige Verlinken unnötiger.

  6. Mein primäres persönliches Interesse ist an einer Diskussionsplattform, wie es sich hier zu entwickeln scheint, relativ wenige, aber zivilisierte und gut durchdachte Äusserungen, ohne ideologisches Gesülze, und wo man auch mal eine Formel über die 4 Grundrechenarten hinaus bringen kann.

    Wie das mit einem Massenblog mit schnellem Umsatz und vielen Clicks zusammengehen soll, erscheint etwas schwierig

    Stimmt leider. Die Masse interessiert sich für Details nicht, verstünde sie auch größtenteils nicht wenn sie es lesen würde. Und so muss eine Äußerung eines Fachmannes regelmäßig von einem Journalisten (oder Polit-PR-Strategen) übersetzt=simplifiziert und zum Teil auch überspitzt/populistisch überzeichnet werden. Und nach der Prozedur wird aus einem größeren Blogartikel ggfs. den massentauglichen Informationswert eines Zweizeilers.

    Grüße
    ALOA

  7. Nachtrag zu “Buchhaltungsschlamperei”:
    Auch unnötig komplizierte Verfahren / Strukturen sind eine Einladung zu “kreativem Verhalten”

  8. Ich sehe Target 2 auch noch nicht vom Tisch. Eher im Gegenteil. Wieso sollten sich da nicht HB, FAZ, ifo-Sinn, und meinetwegen auch die grätzige Zeit zusammentun, und die kontinuierliche Offenlegung der Target 2 Salden öffentlich fordern: Zeitungsartikel, Aufruf zum Abgeordnete anschreiben, so ein bischen mehr amerikanisch. Das ist unser aller Interesse.
    In den USA kommen ich an viele Daten sehr viel leichter ran, und es gibt sehr oft Zeitreihen bis zurück zur Revolution, und zwar langzeit stabil im gleichen Format an der gleichen Stelle (schöne Übersicht: Bernard Baumohl: Economic Indicators). Wenn ich Fragen habe, z.B. wieviel Leute haben jetzt an dieser Arbeitslosenumfrage in welchen Monat teilgenommen (da gab es im Dezember eine Anomalie, die der Bob Herbert in der NYTimes zum Anlass nahmen, deren Glaubwürdigkeit in Frage z u stellen, und ich habe versucht es jemanden zu erklären), kriege ich in der Regel am gleichen Tag eine akkurate, präzise und vollständige Anwort, mit Name, Dienstgrad, und Telefonnummer.

    Die EU ist dagegen ein gnadenloser Verhau im Vergleich, und das muss sich ändern.

    Und es ist immer das gleiche, fahrlässige oder vorsätzliche Buchhaltungsschlamperei führt auf die Dauer immer zu Betrug. Ich habe in meinem Leben mehrmals Bücher geprüft (kein formales Audit, sondern eher “forensic accounting”, wenn klar wurde das in einem Laden irgendwo Geld verschwindet). Und mir stellen sich zunehmend die Fussnägel auf, wenn ich das Wort Target 2 auch nur lese.

    Ich bin eher so ein ruhiger, zahlenorientierter Typ, der vesucht seinem Senf nur sparsam dazuzugeben, und insbesondere in der Form: guckt mal, ich hab mir hier die Arbeit gemacht, dieses zu kompilieren, und die links, wo andere das dann später weiter nachgucken können, sind mit dabei.

    A la:
    http://ftalphaville.ft.com/blog/2011/06/29/608956/waiting-for-a-chinese-local-debt-disaster/#comments

    Mein primäres persönliches Interesse ist an einer Diskussionsplattform, wie es sich hier zu entwickeln scheint, relativ wenige, aber zivilisierte und gut durchdachte Äusserungen, ohne ideologisches Gesülze, und wo man auch mal eine Formel über die 4 Grundrechenarten hinaus bringen kann.

    Wie das mit einem Massenblog mit schnellem Umsatz und vielen Clicks zusammengehen soll, erscheint etwas schwierig (kleiner EU-phemismus : – )
    Es müsste trendy sein, sich, z.B. über eine Android App / Online Unterschriftenaktion / … relativ regelmäßig über die “οἰκονομία “household management” unterrichten zu wollen. Es gab mal so Ansätze von Nerd-Durchbruch mit “Ghost busters”, während “And then came Polly” nicht so der große Hit war.

  9. @ f.luebberding

    Target2 ist nicht vom Tisch. Und es wird langfristig wirtschaftlich so kommen wie es kommen muss. Schade nur, dass die Brisanz des Themas des Kapitalexports im Eurosystem von 325Mrd. zu 1% zwischen 2007 und 2010 von bestimmten Wirtschaftsjournalisten und Wissenschaftlern in Deutschland (Horn, Lindner, aber leider auch Storbeck) unter den Teppich gekehrt worden ist, damit werden diese der Aufklärungsfunktion, derer wir bedürfen nicht gerecht. Dieses hatte ich auch schon 2006 bei anderen Akteuren bezüglich der Konsequenz des US und UK Leistungsbilanzdefizits kritisiert. Denn beide Krisen sind durch strukturelle Leistungsbilanzdefizite ausgelöst worden, die in einem Kapitalmarkt, der eine optimale Ressourcenallokation vornimmt gar nicht auftreten kann, insbesondere auch nicht in einer Währungsunion (Zentralbankliquiditätsverknappung und steigende Zinsen in den Defizitländern). Auf diese Marktverwerfungen hinzuweisen wäre wissenschaftliche und journalistische Pflicht gewesen um den Charakter des Finanzkasinos und dem Spiel mit der Währung bloßzulegen.

  10. Das Wirtschaftsbloggen stirbt noch lange nicht aus. Es geht doch gerade erst richtig los (und wohl nicht nur in meinem Fall). Für kommerzielle Blogs dürfte der deutsche Markt jedoch recht klein und eng sein. Das spricht für unbezahlte Einzelkämpfer und deren Vernetzung, worunter die Qualität nicht leiden muss.

  11. Zunächst einmal: Die Wirtschaftsbloggerei in Deutschland kommt meines Erachtens nach erst so richtig in Fahrt. Wieviele Blogs in den letzten 1-2 Jahren neu entstanden sind, ist bemerkenswert. Das schiebe ich jetzt auch nicht nur auf das Dauerthema Euro/Griechenland etc, sondern vor allem auch auf den Bedarf sowohl von Autoren-, als auch von Leserseite.

    Während VWL-Themen inzwischen breit diskutiert werden (Target2 lässt grüßen) bleiben Finanz- und Börsenthemen aber eine Randerscheinung. Insofern erwarte ich, dass hier in den kommenden Monaten noch mehr passieren wird, zumal die führenden Finanzportale ja durchaus noch jede Menge Spielraum für guten Bloggercontent hätten. Abseits des Agentur-Einerleis gibt es da schließlich nur wenig interessantes…

    Aber wie Lothar Lochmeier so schön schrieb, professionalisierte Blogger werden ihren Weg gehen, der vorsichtige Trend ist da. In einem Jahr werden wir an dieser Stelle sicher noch einmal ganz anders über dieses Thema diskutieren – und dann hoffentlich mit noch mehr Mitdiskutanten.

  12. Wir sind kein klassischer Wirtschaftsblog, denke ich. Wir können uns auch mit den sexuellen Aktivitäten von IWF Direktoren beschäftigen … . Wie misst man Bedeutung? Sicherlich nicht nur mit der Reichweite. Relevant ist eher, ob die eigene Peer Group einen wahrnimmt, dass sind in unseren Fällen etwa Wirtschafts- und Politikjournalisten. Die Relevanz bezieht sich dabei auf die Debatten, weil nur in und über blogs ein Austausch von Argumenten stattfinden kann – und ein Thema dabei entsprechend ausgeleuchtet wird. Das nimmt am Ende auch auf die sonstige Berichterstattung Einfluss. Die Target 2 Debatte war dabei eher untypisch: Sie wurde zu einem klassischen Insiderthema, das für Nicht-Ökonomen wohl nur noch begrenzt nachvollziehbar war. Nur hat es zwei interessante Effekte gehabt, auch politisch: Einerseits mussten EZB und BuBa ihre Politik legitimieren, was sie ohne Sinns Attacken und ohne die Diskussion in den Medien (sic hier eben blogs) so nicht nötig gehabt hätten. Andererseits ist Sinns Versuch, über die Target 2 Debatte einen politischen Druck in Richtung der Bundesregierung aufzubauen, am Ende gescheitert. Wenn er mit seiner These durchgekommen wäre, hätte das durchaus Einfluss auf die Meinungsbildung in den Regierungsfraktionen nehmen können. So wenigstens mein Eindruck. Nur ist am Ende ja eher deutlich geworden, dass Target 2 vor allem beim Auseinanderbrechen der Eurozone zum Problem wird. Das ist aber das genaue Gegenteil von dem was Sinn wohl beabsichtigte. Er wollte ja mit den Risiken seine Option, haircut und Austritt aus dem Euro, begründen.

  13. Eine gemeinsame Plattform würde wirklich erst für eine Kommerzialisierung interessant. Dann hätte sie natürlich Vorteile, weil man Spezialisten für Vermarktung und für Gestaltung anheuern könnte. Ob das Wirtschaftsbloggen in Deutschland aber jemals soviel abwerfen wird, dass sich das lohnt, wage ich zu bezweifeln. Da bin ich im Prinzip auf derselben Linie wie egghat.
    Im Übrigen ist Bloggen meiner Meinung nach auch nichts anderes als das Schreiben einer Kolumne (plus einige Internetfeatures). Sind also Kolumnen tot?

  14. Bin mal gespannt, wann sich die ersten Medienhäusern den (unabhängigen) Bloggern öffnen werden (Zaunpfahl ;-)) Ich mach den Wirtschaftsranter Don Moneto oder so ;-)

    Dass ich beim Bloggerforum Wirtschaft nicht mitgemacht habe oder bei Sharewise oder beim Weissgarnix (habe da glaube ich immer noch ein funktionierenden Account), liegt einfach daran, dass man dort auch nicht wesentlich mehr bekommen kann, als in seinem eigenen Blog. Klar, ein paar Leser mehr, aber ehrlich gesagt ist unsere Nische doch relativ klein. Da treiben sich doch überall die gleichen Leute rum. Außerdem ist die Blogosphäre im Wirtschaftsbereich (im Gegensatz zu früher) inzwischen wirklich gut untereinander vernetzt und verlinkt. Hier wird viel retweetet, verlinkt, empfohlen. Das macht es Neulingen wie Kantoos (dickes Lob an dieser Stelle auch mal von mir) viel einfacher als es früher war. Am Ende ist das aber ein Grund weniger, eine gemeinsame Plattform zu bauen. Leser bekommt man bei gutem Content auch so. Das einzige, was eine gemeinsame Plattform reizvoll machen würde, wäre mehr Vermarktung. Dazu müsste man sich an ein Medienhaus hängen, auch wenn sich selbst deren Anzeigenabteilung wahrscheinlich über die Anzahl der erzielbaren Abrufe kaputtlachen würden. Für externe Vermarkter wäre das komplett uninteressant.

    Was will man da erreichen? Selbst Vorzeigeblogger wie DonAlphonso erreichen “nur” 30.000 Abrufe im Schnitt pro Artikel. Wir in unserer Nische werden wohl selbst bei Monsterartikeln in der Vierstelligkeit hängen bleiben. Finanzaffine Nutzer gibt es auch bei Onvista, Finanztreff und anderen vollautomatisierten Angeboten. Und die erzeugen ihre Reichweite viel viel preiswerter als man das je über Artikelschreiben erreichen könnte. Den besonderen Wert von Artikeln müsste man den Werbekunden vermitteln können. Aber seien wir ehrlich: Das juckt die nicht. Und wenn ich mir die Flattr-Klicks auf den einschlägigen Seiten anschaue, vermitteln wir nicht einmal unseren Lesern diesen Wert …

    • @ Egghat:

      “Bin mal gespannt, wann sich die ersten Medienhäusern den (unabhängigen) Bloggern öffnen werden (Zaunpfahl ;-))”

      Einen Kommentator hier habe ich schon angesprochen, ob er nicht auch Autor werden will, er überlegt noch. Ein paar andere Leute kriegen vielleicht von mir eine Email in den nächsten Wochen. Zwingende Voraussetzung wichtig wäre mir persönlich nur, dass externe Autoren nicht anonym hier bloggen.

      Wer sich berufen fühlt, schicke mir eine Mail.

  15. Ich gehe mal davon aus, dass Olaf die Überschrift rein rhetorisch meint. Natürlich stirbt das Wirtschaftsbloggen nicht aus. Zumindest so lange nicht, wie die hier genannten und kommentierenden und viele weiteren Blogs weiter Lust verspüren, Beiträge zu produzieren.

    Ich für meinen Teil bin jedenfalls weit von meinem Zenit entfernt. Dafür gibt es einfach zu viele Steilvorlagen aus der Wirtschaftspraxis, der Wissenschaft und den Medien selbst.

    Und ich stimme Lothar Lochmaier zu, dass wir, zumindest, wenn wir nicht zu einem Medienhaus gehören, eher Einzelkämpfer sind. Ich führe das u.a. darauf zurück, dass wir, die solche Blogs ja nur in der meist wenigen arbeitsfreien Zeit betreiben, einfach von diesem knappen Zeitbudget nicht noch Ressourcen abzwacken will, um einen gemeinsamen Blog organisieren.

    Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht mit der Gründung des Bloggerforums Wirtschaft (http://www.bloggerforum-wirtschaft.de/). Das sollte ja eine Art Portal werden für Wirtschaftsblogger. Hoch motiviert haben Detlef Korus, Markus Gärtner und ich es gegründet und ich nutze es kaum noch als Plattform. Würde sich Detlef nicht so großartig engagieren, wäre es längst eingeschlafen.

    Einen wirklichen Zusammenschluss kann es eigentlich nur auf einer professionellen Basis geben, wenn eine Blogplattform durch einen Träger und/oder Einnahmen finanziert wird. So etwas fehlt hier. Das Potential für eine Plattform, wie Zerohedge, Business Insider oder Alphaville ist aber in jedem Fall vorhanden. So lange wir das aber privat machen, bleiben wir wohl eher Einzelkämpfer.

  16. Man darf gespannt sein, wieweit sich die deutschen Medienhäuser dem Trend öffnen werden, oder aber Blogs nur mit eigenen Autoren oder den üblichen Experten bestücken. Letztlich hält man ja daran fest, so dass die Wirtschafts- und Finanzblogger (die kreativen Einzelkönner, die keine Werbung posten) noch in der Warteschleife hängen.
    Aber der vorsichtige Trend ist da, die Berliner Mauer ist auch nicht über Nacht gefallen. Auf der anderen Seite müssen sich auch die Blogger weiter professionalisieren. Hinderlich ist vor allem die Einzelkämpfer-Mentalität, die die isolierte Binnenwarhnehmung weiter verstärkt. Aber es ist auch schwer, eigenständige Formate mit klarem inhaltlichen Fokus zu kreieren.
    Und genau da liegt das Problem, selbst ein Poolmodell wie Carta, Bürgerjournalismus-Projekte xy sind im Ansatz erstickt worden, bzw. finden kein tragfähiges Geschäftsmodell. Im Prinzip feilt hier in Deutschland jeder an seinem eigenen Ruhm und Profil. Einerseits gut, aber so entsteht nie ein eigenständiges neues Wirtschaftsformat. Davon sind wir, mit Blick auf einen fundierten Businessplan und mutige, pragmatisch vorausblickende Investoren, immer noch Lichtjahre entfernt.
    Ach, wie wohl fühl ich mich doch in der Suppe, die ich nur selbst angerührt habe!

  17. Na ja. Er hat ja nicht wirklich geschrieben das es ausstirbt, sondern nur das die one-man-shows aussterben.

    Das ist imho überall der Fall. Strobl/WEissgarnix hat ja auch Luebberding an seiner Seite, Kantoos hat Gastautoren etc.. Das liegt m.E. auch daran das Einzelkämpfer begrenzte Ressourcen und Spezialgebiete haben. So können sie auch nur selten hochwertige Artikel am Fließband schreiben während ein Team sich ergänzen kann und häufiger Blogpostings hervorbringt.

    Oder natürlich einzelne welche damit Geld verdienen und viel mehr Zeit investieren können. Alleine ist es auf Dauer mühsam sowohl Masse als auch Qualität zu bringen.

    Fakt dürfte nämlich m.E. sein, das man fast schon ein gewisses Quantum an Artikeln benötigt um Lesermassen zu halten und die Qualität nicht darunter leiden darf wenn man nicht in die Sparte der Zeitungen rutschen und damit nur noch platt kommentieren möchte.

    Oder von einer anderen Seite: begonnen hat es damit das nur Zeitungen existierten. Dann kamen Einzelkämpfer vom Fach hinzu mit längeren (Fach)Kommentaren in Blogs. Und nun kommt die Variante in welcher sich viele Fachkommentatoren gewissermaßen zu Fachjournals (=Fachzeitungen) zusammenschließen/mausern.

    Und da wären wir dann durchaus bei einer veritablen Online-Konkurrenz für aktuelle Fachzeitungen bzw. dem was Fachzeitungen vermutlich machen/anbieten müssen. Dem mangelt es noch etwas und imho haben das die amerikanischen Zeitungen teilweise verschlafen.

    Grüße
    ALOA