Mark Schieritz zur Griechenland-Rettung

Mein geschätzter Zeit-Kollege Mark Schieritz hat am Sonntag noch eine Nachtschicht einlegt und im Herdentrieb das neue Rettungspaket für Griechenland kommentiert – unter der Überschrift “Bravo, Frau Merkel!”

In den meisten Punkten spricht er mir aus der Seele:Deutschlands Verhandlungstaktik war realitätsfremd, riskant und von vorne herein zum Scheitern verurteilt.

Mark schreibt:

Gibt es eigentlich niemanden, der vorher einmal checkt, ob ein Vorschlag durchsetzungsfähig ist, bevor dieser von der Politik auf die Marktplätze getragen wird? Oder gibt es so jemanden (was ich vermute) und die Politiker hören nicht auf ihre Berater, weil sie Angst vor dem Stammtisch haben? Das ist alles andere als klug. Erst den Dicken machen und dann klein beigeben – damit macht man sich dort keine Freunde.

Auch seine Bewertung des gefundenen Kompromisses erscheint mir vernünftig:

Nun kommt es auf die Umsetzung an. Mit Zuckerbrot und Peitsche, so sagt es Finanzminister Wolfgang Schäuble, sollen der Privatsektor dazu gebracht werden, sich an der Finanzierung des nächsten Hilfspakets für Griechenland zu beteiligen. (…)

Das klingt auf den ersten Blick nach einer geschmeidigen Idee. Aber nur auf den ersten Blick. Denn wenn die neuen Anleihen Vorrang haben, wird automatisch die Wahrscheinlichkeit sinken, dass die alten bedient werden. Die Regierung in Athen kann jeden Euro schließlich nur einmal ausgeben. (…)

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ratingagenturen bei einer solche Lösung untätig blieben, und sie hätten vollkommen recht damit.

Ich würde noch ergänzen: Auch wenn es in Deutschland politisch kaum vermittelbar ist – einiges spricht meines Erachtens dafür, die Sparauflagen für die Griechen zu lockern. Die Konsolidierungsleistung, die EU und IWF von dem Land fordern, ist zu hoch und nicht darstellbar.

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Alle Kommentare [2]

  1. Ich würde noch ergänzen: Auch wenn es in Deutschland politisch kaum vermittelbar ist – einiges spricht meines Erachtens dafür, die Sparauflagen für die Griechen zu lockern. Die Konsolidierungsleistung, die EU und IWF von dem Land fordern, ist zu hoch und nicht darstellbar.

    Ich stimme voellig zu dass die Konsolidierungsleistung nicht darstellbar ist. Anderereseits ist die Konsolidierungsleistung aber bereits jetzt (viel) zu gering um Griechenland’s public debt sutstainable zu machen.

    Welcher Ausweg bleibt dann?

    Offensichtlich mehr Schaeuble (oder Steinbrueck), nicht weniger.

  2. Den Augias-Stall Griechenland kann ” ich” nicht mehr ausmisten. Dafür ist es zu spät. Macht es nach der Methode, wie Alexander der Große den Gordischen Knoten gelöst hatte, mit dem Schwert. Im Fall Griechenland heißt das, mit der Staatsinsolvenz. Das wäre ein Ende mit Schrecken, so aber habt ” ihr” Europäer ein Schrecken ohne Ende. griechenland ist eine arme kirchenmaus und bleibt es auch auf Jahrzehnte. Deutschland geht mittelfristig in die Knie.