Hans-Werner Sinn und die Demagogie

Vor gut einer Woche habe ich Hans-Werner Sinn vorgeworfen, er bewege sich streckenweise mit seiner Argumentation

gefährlich nah an Demagogie, die mit seriöser Wissenschaft nicht mehr viel zu tun hat.

Jetzt hat Sinn die Demagogie-Karte an mich zurückgespielt. In seiner Replik auf meine Handelsblatt-Analyse (die EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark zur Lektüre empfohlen hat) von vergangenem Freitag schreibt er:

Ein guter Demagoge kann ein Argument semantisch so verdrehen, bis er den Widerspruch provoziert. Ich kenne auch unter Journalisten demagogische Talente, die das bei meinen Aussagen zu den Target-Salden getan haben

Meine Kritik bezog sich auf eine Passage  in Sinns Text “Targetsalden, Außenhandel und Geschöpfung”, in der er die Target-Transaktionen am Beispiel eines irischen Bauern diskutiert, der einen deutschen Traktor kaufen will. Am Ende seiner Argumentation schreibt Sinn:

“…  der Traktor [ist] gegen einen erzwungenen, kontokorrentähnlichen Kredit der Bundesbank an den irischen Bauern geliefert worden, der zu Lasten der Kreditvergabe an deutsche Kreditkunden geht. Der Traktor ackert in Irland statt in Deutschland.”

Mein Kritikpunkt war, dass Sinn an dieser Stelle  eine Annahme (ein irischer Bauer will einen deutschen Traktor kaufen)  als Ergebnis (wegen der Target2-Transaktionen können uns die Iren unsere Traktoren wegnehmen) zu verkaufen. Das halte ich für eine – sagen wir es vorsichtig – sehr fragwürdige Argumentationskultur.

Sinns Demagogie-Vorwurf bezieht sich auf meine Darstellung seiner Thesen zu Target2. Ausführlicher als im gedruckten Handelsblatt habe ich meine Punkte hier im Handelsblog und in meinem englischen Ökonomie-Blog “Economics Intelligence” ausführlich und mit vielen Beispielen dargelegt habe.

Verschiedene Banken- und Hochschulvolkswirte haben Sinn genauso verstanden wie ich und ihn mit ganz ähnlichen Argumenten zurückgewiesen – zum Beispiel der Citi-Chefvolkswirt und ehemalige LSE-Professor Willem Buiter, der Dubliner VWL-Prof. Karl Whelan und die London-Businss-School-Professoring und ehemalige EZB-Forschungschefin Lucrezia Reichlin. Auch das Wall Street Journal, das “Financial Times”-Blog “FT Alphaville” und der “Economist” weisen Sinns Argumente zurück.

Und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sagt mit Blick auf Sinns Target2-Thesen:

Unglücklicherweise werde die öffentliche Debatte über Details der Finanzhilfen derzeit von “nicht gut informierten” Menschen beherrscht, sagte Stark am Rande der Tagung “The ECB and its Watchers” in Frankfurt. “Das scheint für akademische Zirkel ebenso zu gelten wie für Finanzjournalisten.” In der akademischen Welt “gehen einige das Risiko ein, ihren guten Ruf zu verlieren”, fügte der EZB-Chefvolkswirt hinzu. Namen nannte er nicht.
Die Zahlungsströme zwischen Notenbanken und Geschäftsbanken im “Target 2″-System seien ein technischer Vorgang, sagte Stark. Wer die Forderungen, die die Bundesbank hier gegen Notenbanken der Peripherieländer habe, als Maßstab für finanzielle Risiken nehme, verzerre die Fakten. “Wir sollten hier nicht nationalistisch argumentieren”, warnte er.

Sind das alles Demagogen, Herr Sinn?

Besuchen Sie auch meinen englischen Blog “Economics Intelligence”

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Alle Kommentare [40]

  1. Vielen Dank !
    den bit.ly habe ich jetzt auch selber gelernt.

    Und wie man das noch schöner kann:
    http://www.slideshare.net/genauer/cds-europe-government-history

    Das beinhaltet CDS und Zinssätze für die relevanten Länder, mit einem kleinen groben Modell, und einer kleinen einfachen Formel.
    Auf die schnelle gestrickt, so wie ich mir Zulieferung von interessierten Lesern wie mir vorstellen könnte. Es hat nur indirekt mit TARGET zu tun, unter normalen Umständen würde ich es als borderline on topic ansehen.

  2. Hmm,

    um bei der aktuellen Debatte etwas in meinem Sinne mitzuhelfen, ein link zu meiner Auftragung welche öffentlichen Schulden auf der CIA world factbook Seite im laufe der letzten 10 Jahre gezeigt wurden:

    Für Ratschläge wie man diesen grausig langen link (bei slideshare) mit wenig Aufwand kürzer bringen kann, bin ich sehr offen neugierig

    http://bit.ly/iDSCFW

    (Anmerkung von Storbeck: Ich habe ihren Link über Bit.ly mal in eine mundgerechtere Form gebracht…)

  3. Dass die Geldschöpfung ausländischer Zentralbanken des Euro-Raumes nicht die Fähigkeit deutscher Geschäftsbanken zur Kreditvergabe einschränkt, sehe ich auch so (vgl. auch meinen Kommentar – leser2003 – zu Sinns Handelsblatt-Gastbeitrag (http://www.handelsblatt.com/politik/international/ezb-laedt-schuldenstaaten-zur-selbstbedienung-ein/v_detail_tab_comments,4282388.html).

    Aber wenn ich das, was ich an Ausführungen von und gegen Prof. Sinn bisher gelesen habe, richtig verstehe, stehen wir vor folgender Situation:

    In (nur als Beispiel) Irland könnte (wieder nur als Beispiel) die Geschäftsbank dem Bauern für seinen geplanten Traktorkauf in Deutschland zunächst einmal keinen Kredit geben. Irländische Einleger haben ihre Einlage abgezogen, und Interbanken-Kredite von deutschen Banken sind nicht zu bekommen, weil den Deutschen Banker [lernfähig?] zu riskant.
    Also holt sich die irische Geschäftsbank das Geld von der irischen Zentralbank.
    Stellt sich zunächst die Frage, welche Sicherheit sie dafür hinterlegt? Die irischen Staatsanleihen, die sie vielleicht im Portfolio hatte, gehen ihr ja irgendwann mal aus. Akzeptiert dann die irische ZB sagen wir mal die Sicherungsrechte der Bank am Traktor als Sicherheit für die Vergabe von Zentralbankgeld? Oder wo sonst verläuft die Grenze für die Geldschöpfung der irischen ZB?

    Angenommen, die irische ZB rückt immer Geld raus, solange nur die irische Geschäftsbank (GB) einen Kredit vergibt (und sich beim Kreditnehmer dafür irgendetwas geben lässt, was als Sicherung dienen kann).
    Besteht dann nicht das gleiche Risiko, das wir vom US-Hypothekenmarkt kennen? Leistungsbilanzdefizit; kreditfinanzierte unproduktive Investments? Letztlich Ponzi-Finanzierung, nur dass dann die Notenbanken die Geschädigten wären.

    Wer zahlt? Inflationsopfer oder Steuerzahler?

    Was wäre mit der Geldmenge, wenn die Geschäftsbanken der Exportländer (Deutschland) die eingehenden Gelder nicht bunkern, sondern zur Kreditvergabe nutzen würden?

  4. Eine zentrale Erfahrung ist: Vieles, was so kompliziert erscheint, ist in Wirklichkeit einfach. Es wird erst kompliziert durch selbstgefällige intellektuelle Darstellung. Und wer etwas nicht einfach erklären kann, hat es meist selbst nicht verstanden.
    Was soll das ganze akademische Gefasel von ‘Zentralbankgeld’ und ‘Targetsalden’? Was wir Geld nennen, ist eine staatlich verbürgte Forderung hinsichtlich eines Gegenwertes. In Euroland werden die Geldnoten jedoch nicht von der EZB, sondern nach wie vor von den nationalen Zentralbanken herausgegeben, weil es sich eben nicht um eine Einheitswährung handelt, wie oft fälschlicherweise dargestellt, sondern um einen Währungsverbund. Da es den Geldgegenwert in vielen Euroländern nicht ausreichend gibt, hat das Folgen, die BERND KLEHN auf den Punkt gebracht hat:
    Die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands bleiben in der Bilanz der Bundesbank bestehen, werden von der EZB aber genutzt, um die Leistungsbilanzdefizite der PIGS Länder und, wovon niemand spricht, auch Frankreichs auszugleichen und das zu einem Zins von 1% p.a. Wenn man das keinen erzwungenen Kredit nennen darf, was dann?
    Das hat nichts mit nationalistischer Argumentation zu tun, wie jemand schnell einwarf, sondern mit Fairneß.
    Ob die Deutschen ihr Geld wiedersehen, wenn der Währungsverbund aufgelöst würde, ist fraglich angesichts der Kredithöhe. Aber wen interessiert das schon, wenn es die Deutschen selbst kaum kümmert und ihre Experten in den Wolken diskutieren, anstatt die Menschen verständlich zu informieren.
    So dient das Euro-System der Verschleierung einer gigantischen Vermögensumschichtung von den Leistungsträgern hin zu den Verschwendern. Und hier hat Sinn Recht: Die Traktoren akkern in Irland anstatt in Deutschland – Schlimmer noch: Deutschland kann sich seine eigenen Produkte immer weniger leisten und ist gezwungen, sie zu exportieren.
    Um welche gigantische Summe es in dieser Vermögensverschiebung geht, hat Herr Klehn sachkundig dargelegt: 325 MRD EURO zu 1% verliehen an die PIGS Länder und Frankreich zwecks Leistungsbilanzausgleich.
    Von wegen unbedeutender technischer Vorgang, wie Stark es darstellt.
    Der Euro hat sich zum Lügensystem entwickelt, in dem die einen zunächst unbemerkt und von der EZB takräftig verschleiert, die guten Leistungen der anderen nutzen können, um sich ein schönes Leben zu machen. Wenn dann die Leistungsträger und Gläubiger aufwachen, haben die Verschwender und Schuldner schon soviel Geld verjubelt, daß auch die Existenz der Gläubiger gefährdet ist und diese sich selbst gegen unverschämte Forderungen der Schuldner nicht mehr zur Wehr setzen können, wie jüngst Portugal nochmal unter Beweis stellte.
    Daß Stark und andere, die sich Ihrer Verantwortung rühmen, dieses Lügensystem verteitigen und die deutsche Bevölkerung nicht wirklich über die Risiken aufklären, halte ich für einen Skandal.
    HW Sinn hat sich in diesem Punkt verdient gemacht.

    Die Frage bleibt: wo geht das ganze Geld hin? Antwort: Das Meiste in Gehälter und Privilegien des öffentlichen Dienst, der sich in allen Euro-Ländern fleißig selbst bedient – auch in Deutschland. Dort nur nicht so hemmungslos wie in Griechenland und Portugal.
    Für den Euro ist aber nicht Griechenland das Problem, sondern Frankreich. Aber, wie gesagt, darüber redet niemand. Daß Frankreich sich an dieses System klammert und es moralisch erhöht, ist klar; denn dieses Land würde ohne den EURO-Währungsverbund nicht nur den zinsgünstigen Ausgleich seiner Defizite via EZB verlieren sondern auch sein AAA-Rating und damit wieder in der Zweitklassigkeit versinken.
    Was ich nicht verstehe: Wie kann ein nachgewiesener Maßen intelligentes Volk wie die Deutschen sich derart ausnutzen und in ein Kreditjoch unvorstellbaren Ausmaßes zwingen lassen. Ist die politische Klasse (einschließlich der Zentralbanker) tatsächlich so inkompetent, wie Spethmann es schon lange vermutet.
    HP Malter

    • @hp malter: sorry, aber wenn Sie sich nicht auf “Targetsalden” und “Zentralbankgeld” einlassen wollen, warum diskutieren Sie dann hier mit? Und ihr Einleitungssatz, dass komplizierte Dinge ja doch ganz einfach sind, stimmt zwar oft, aber eben auch nicht immer. Bei. Thema Targetsalden definitiv nicht.

      Ich werde ab sofort mit den Kommen taren anders verfahren – um ein gewisses Grundniveau der Diskussion zu gewähleisten, werde ich tumbe nationalistische und per se Euro-feindliche Kommentare nicht mehr freischalten. Das gleiche gilt für Verschwörungstheorien jeder Art.

      Und bevor hier jemand “Zensur!, Zensur!” ruft: Geht zur WordPress.com oder einem anderen Anbieter, macht ein eigenes Blog auf und verbreitet eure Gedanken dort.

  5. Wer Herr Sinn einmal live erleben durfte, wundert sich über nicht mehr. Es gibt wohl wenig Menschen die selbsverliebter und arroganter agieren, jeden konstruktiven Widerspruch als schlichte Dummheit abtun und weniger an Sachargumenten denn an purer Selbstprofilierung interessiert sind. Vielleicht hilft an dieser Stelle, sich einmal sich mit der Reputation von Herrn Sinn bei seinen US-Kollegen zu beschäftigen …

  6. @Olaf Storbeck

    …das wäre doch ein Posten für HWS:

    Nun will Papandreou, dessen Vater und Großvater bereits als griechischer Ministerpräsident fungierten, die Wut offenbar dadurch abmildern, dass er Nicht-Politiker in sein Kabinett einbringt. Gerüchten zufolge soll er Professoren von internationalem Renommee Ministerposten angeboten – aber schon Absagen kassiert haben.

    http://tinyurl.com/6xnn6zz

    runter vom ivory tower :-) hinein in die Realität des Wirtschaftslebens

  7. @ genauer sagt

    “Dann wäre wohl der Verlust bei Bankrotten unsere Hauptsorge in Bezug auf TARGET2″

    Nicht vergessen, die Finanznung der 325Mrd. via Bundesbank zu 1% und die sinkenden Zinseinahmen auf die 1000Mrd. Nettoauslandsguthaben stehen in einem direkten Zusammenhang.

  8. @aloa5
    Nachdem die deutschen Wirtschafts Nobelpreisträger (weit gegriffen: Selten, Aumann) ja nie was von sich hören lassen, ist Sinn ja in der DEUTSCHEN Diskussion tatsächlich sowas wie der top dog. Und Storbeck hat ja noch ein paar Jahre vor sich : – )

    Die Einkommensungleichheiten in DE sind ja jetzt wieder, wo sie 1992 auch waren:
    http://diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.357505.de/10-24-1.pdf
    und wenn man sich die entsprechende Arbeit macht, und die Daten für US und früher (ab 1913, z.B. Krelle 1957, früher Nestor der deutschen Volkswirtschaft genannt, und Abwickler der marxistischen Wirtschaftslehrstühle nach 1990 : – ) mit Steuer, Haushaltsgröße, etc. runterrechnet, ist das ja sehr erstaunlich stabil und vergleichbar, hat jemand Interesse ?, sollten wir wo separat machen)

    (@luebberding)
    So ist ja die mäßige Nachfrage in DE aus sehr begrenzten Lohnsteigerungen und nach wie signifikanten privaten Schulden, zumindest für mich, sehr gut verständlich.

    @Storbeck
    Heute morgen sind auch die CDS für PT und IE (Ireland) über 800 points geklettert, also Credit event Wahrscheinlichkeit > 50 %

    Zu ihrem IE link:
    Was das für Capital Controls bedeuten könnte, habe ich dort in
    http://www.irisheconomy.ie/index.php/2011/06/15/he-hasnt-gone-away-you-know/#comment-152688

    mit dem link zu
    interesting Reinhart / NBER / IMF paper
    http://www.imf.org/external/np/seminars/eng/2011/res2/pdf/crbs.pdf
    kommentiert.
    Ich möchte keine deutsch / englischen Paralleldiskussionen starten.

  9. aloa 5

    Wobei mich deucht das gewisse Dinge (wie die Nachfrage oder Einkommensungleichheiten) eben aus gewissen Gründen nicht Schuld sein darf…. was die Suche nach anderen Gründen beschleunigt und den Variantenreichtum an Argumentationen ausweitet.\n
    Eine schöne Beobachtung. Aber man kann natürlich auch versuchen, den Sinn vom Kopf auf die Füße zu stellen. Bemühungen gibt es ja in dieser Hinsicht.

  10. @genauer
    Olaf Storbeck hat dem derzeitigen top-dog (sinn) erfolgreich mit starken Worten ans Bein gepinkelt, ….
    Das ganze erinnert sehr daran wie sich Hayek ca 1935 in London etabliert hat, in dem er Keynes ans Bein gepinkelt hat. Eine offensichtlich sehr erfolgreiche Vorgehensweise.

    Ohne Olaf Storbeck oder HW Sinn herabwürdigen zu wollen hat es nicht ganz diese Dimension. ;)

    Es ist eine äußerst anregende Diskussion welche läuft. Grundsätzlich hat Sinn einen Punkt gefunden an welchem er eine Diskussion anzetteln konnte, u.a. Olaf hat dagegen gehalten und sich mit seinen Kontakten und dem Blog Unterstützung und Stimmen eingeholt und veröffentlicht. Das ganze finde ich sehr positiv, wertet insgesamt den Bereich in Deutschland auf.

    Investionslimitierungen…Dann ist a) natürlich Kapital ein limitierender Faktor,….was mich deutlich zu dem Schluss drängt, das bei reichlich vorhandenem Kapital und Labor (vor 2008) die limitierten Absatzerwartungen das Invest volumen in Deutschland begrenzt haben,…

    Der Auffassung bin ich auch wie ich in meinem Blog ausgeführt habe – wobei die Gründe für diesen Grund zu beachten sind. Sinn hat aus der trivialen Tatsache das Kapital an sich ein limitierender Faktor ist bzw. sein kann einen Fakt gemacht und erklärt dem wäre so gewesen. Grundsätzlich scheinen Sinn, das Ifo und auch andere (wie Werner Franz) auf der Suche nach Schuldigen dafür zu sein warum Investitionen in Deutschland nicht stattfinden. Wobei mich deucht das gewisse Dinge (wie die Nachfrage oder Einkommensungleichheiten) eben aus gewissen Gründen nicht Schuld sein darf…. was die Suche nach anderen Gründen beschleunigt und den Variantenreichtum an Argumentationen ausweitet. Nur wird es damit nicht schlüssiger sondern gerät ins beliebige.

    Grüße
    ALOA

  11. @Lentz

    >Seit Jahren bezahlt Deutschland in EU-Kassen<

    Natürlich zahlen wir, wie alle andere EU Länder auch!!

    Wenn hier immer davon die Rede ist das wir zahlen und angeblich die anderen EU Länder nicht, dann sollten doch einmal Beweise geliefert werden.

    Hier ein paar Fakten:

    Deutschlands Beitrag
    Der deutsche Beitrag zum EU-Haushalt betrug im Jahr 2009 (vor Korrekturen) etwas mehr als 20 Mrd. €. Mit knapp 20 % aller Beiträge der Mitgliedstaaten trug Deutschland vor Frankreich (17,5%) den größten Anteil.
    Allerdings flossen 2009 auch knapp 12 Mrd. € an EU-Zahlungen nach Deutschland, so dass ­der deutsche Netto-Beitrag 2009 vor Korrekturen etwas weniger als 9 Mrd. € betrug. Durch sog. Einmaleffekte (verringerter deutscher Anteil an den Mehrwertsteuer-Eigenmitteln) reduzierte sich der Netto-Beitrag für 2009 nochmals auf ca. 6,4 Mrd. €. 2008 hatte der deutsche Netto-Beitrag noch bei rund 11 Mrd. € gelegen. Aus Deutschland flossen damit zwar netto auch 2009 mehr in den EU-Haushalt als aus jedem anderen Mitgliedstaat. Legt man den Beitrag zum EU-Haushalt jedoch auf die Bevölkerung um (2009: 82 Mio. Einwohner), ergibt sich ein anderes Bild. Der deutsche Pro-Kopf-Anteil am EU-Budget betrug demnach 2009 netto ca. 78 € je Bürger. Pro-Kopf-Spitzenreiter war 2009 Dänemark mit 211 € pro Kopf, gefolgt von Finnland (114 €), Italien (102 €), Frankreich (100 €) und den Niederlanden (90 €). Die anderen Nettozahler waren Großbritannien, Österreich, Schweden, Irland und Zypern.
    Aus:

    http://tinyurl.com/64mzesz

    Und was letztlich HWS in den Medien treibt ähnelt zusehens dem Biedermann und den Brandstiftern.

  12. und nun geb ich auch noch meine 2 cents dazu:

    1. vom Stil her
    Olaf Storbeck hat dem derzeitigen top-dog (sinn) erfolgreich mit starken Worten ans Bein gepinkelt, und damit eine Diskussion angezettelt, die diesen deutschen blog etabliert hat mit technisch gutem Niveau und im grossen und ganzen gutem Stil, ich habe zumindest im deutschen nichts besseres gesehen. Das hat auch Sinn genötigt, sich zu äussern, der Antwortstil hat zur Herausforderung gepasst, und damit Storbeck öffentlich zur Kenntnis zu nehmen.
    Das ganze erinnert sehr daran wie sich Hayek ca 1935 in London etabliert hat, in dem er Keynes ans Bein gepinkelt hat. Eine offensichtlich sehr erfolgreiche Vorgehensweise.

    2. Bankrott Folgen
    Natürlich geht es Sinn sehr stark darum, wo die deutschen Target konten bleiben, wenn GR, PT, IE bankrott gehen. Dann werden die im wesentlichen weg sein, so zumindest zur Hälfte. also halber Punkt plus, für Sinn.

    3. Konkurrenz um knappe Güter
    Nachdem Sinn aber das Wort Bankrott nicht in den Mund nehmen wollte, wurde der “crowding out” Effekt betont, das also bei knappen Gütern (guter Konjunktur) der Euro nur in Irland oder in Deutschland consumiert / investiert werden kann, klassiches Makro also. Storbeck weisst darauf hin, das bisher die EZB immer noch flutet (niedriger Zins), in vielen EU Ländern noch nicht die Konkurrenz ums Kapital da ist, weil dort die Konjunktur noch unten ist. Der Meinungsunterschied besteht also darin, wo wir uns als EU im Business Cycle gerade befinden (DE nahe top, GR, IE kurz nach dem bottom, konsenszahl = ???) Ich bin mir voll im klaren, das diese Beschreibung ein erheblicher geistiger Transfer vom formalen TARGET ist, aber die Auswirkungen sind sehr ähnlich zur klassischen Diskussion Austrians vs Keynes Geldmengenausweitung zur Krisenbekämpfung, oder nicht.
    Storbeck hat mit dem derzeitigen Zinsniveau (eher) recht, Sinn hat mit DE und Weltkonjunktur (eher) recht, beide jeder einen halben Punkt, in dieser Holzschnitzer Beurteilung.

    4. Investionslimitierungen
    Wenn ich mal die heute einfachst gebräuchliche Cobb-Douglas Funktion hernehme: Output Y = A * Kapital ^ a * Labor ^(1-a)
    Dann ist a) natürlich Kapital ein limitierender Faktor, b) Labor, und das ist zumindest für Westdeutschland jetzt wohl wesentlich eher der Fall, oder c) mangelnder Glaube, das mein Output auch dauerhaft nachgefragt wird, zumindest bevor meine alten Maschinen aufgrund der steigenden Produktivität A relativ weniger effizient werden. Bei mäßiger Konsumbegeisterung in DE, weniger verfügbarem Konsumgeld in vielen anderen EU Staaten, und einer bevorstehenden China/Commodity Abkühlung durchaus ein gewichtiges Argument.

    5. Wenn man sich den deutschen Current Account über die letzten 30 Jahre anguckt, aber speziell die letzten 10 Jahre (zusammen mit Wechselkursen relativ zu fair value), stellt man fest, das dieser seit den Steuersenkungen massiv angezogen hat, deutlich vor der 2008 Krise, was mich deutlich zu dem Schluss drängt, das bei reichlich vorhandenem Kapital und Labor (vor 2008) die limitierten Absatzerwartungen das Invest volumen in Deutschland begrenzt haben, und das wohl auch heute wieder zum Teil tun.

    6. Dann wäre wohl der Verlust bei Bankrotten unsere Hauptsorge in Bezug auf TARGET.

    7. als nun wirklich letztes, eine Referenz zu diesem Ausgleichsmechanismum der FED Banken untereinander würde mich schon sehr interessieren. Wer also eine hat, bitte posten !
    Irgendwie habe ich da ein komisches Bauchgefühl

  13. Den Ausführungen der Bundesbank im Monatsbericht März 2011 Seite 34/35 ist nichts hinzuzufügen, man braucht nur noch über die Konsequenzen zu diskutieren. Ergänzt werden sollte nur, dass selbstverständich über ELAs nationale Extraliquidität bereit gestellt werden kann, die auch über Target2 verrechnet werden. Zitate:

    “Eine Zunahme der TARGET2-Forderungen ist in der Betrachtung der Zahlungsbilanz ein Netto-Kapitalexport.
    Von den seit Anfang 2007 verzeichneten Netto-Kapitalexporten Deutschlands entfallen etwa die Hälfte auf TARGET2.”

    und

    “Die bei den nationalen Zentralbanken aufgelaufenen TARGET2-Salden spiegeln demnach auch die seit dem Beginn der Finanzkrise veränderte Verteilung der Refinanzierungsgeschäfte im Euro-Raum wider. Erleichtert wurde dies durch die reichliche Liquiditätsbereitstellung des Eurosystems infolge der Vollzuteilung aller Gebote in den Refinanzierungsgeschäften seit Oktober 2008, die zum Ziel hatte, den Verwerfungen am Geldmarkt entgegenzuwirken. Eine darüber hinausgehende Liquiditätsschaffung durch TARGET2 ist aber nicht möglich, da das in sich geschlossene System lediglich der Übertragung von Liquidität dient.”

    “Die Salden werden sich in dem Maße wieder abbauen, in dem die Anspannungen an den Geldmärkten abklingen und sich die Lage in den nationalen Bankensystemen entspannt. Allerdings ist die Unsicherheit insbesondere in den Peripherieländern der EWU immer noch groß, sodass eine rasche Rückführung derzeit nicht zu erwarten ist.”

  14. Hallo Herr Storbeck,

    ich verfolge die Diskussion über die Target-Salden bereits länger. Ihre Argumentation finde ich sehr interessant, den von Sinn befürchteten Crowding-Out-Effekt kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. In meinen Überlegungen bin ich jedoch ebenfalls zu der Auffassung gelangt, dass die Leistungsbilanzdefizite aktuell durch die Zentralbanken finanziert werden und dies negative Auswirkungen hat:

    Sie zitieren in Ihrem englischen Blog die Bundesbank:

    \In contrast, prior to the crisis private banks in Germany lent significant sums abroad. According to the Bundesbank (p. 35), in those days:

    “credit institutions’ (short-term) net external position in particular acted as a kind of “offsetting item” in the balance of payments. (…) [M]ost years saw outflows of funds (net capital exports) in banks’ short-term credit business. Hence temporary Target2 positions were quickly reduced by private capital flows.”\

    Im letzten Satz beschreibt die Bundesbank selbst, dass Nettosalden in der Vergangenheit immer wieder schnell durch private Kapitalströme ausgeglichen wurden. Diese privaten Kapitalströme müssten Kapitalexporte für Länder mit Leistungsbilanzüberschuss und positivem Target-Saldo gewesen sein und vice versa Importe für die Länder mit Defizit und negativem Target-Saldo. Aktuell fehlen diese privaten Kapitalströme (also die Kapitalexporte in die Länder mit negativem Target-Saldo), da die Salden sich nicht wieder ausgleichen. Der Grund: private Investoren (auch die Banken) in Ländern mit positivem Target-Saldo sind mit Krediten an GIPS Länder im Moment sehr zurückhaltend. Logische Erklärung hierfür sind die Risiken von Staatspleiten und damit zusammenhängenden Bankpleiten in den GIPS- Ländern. Dies ist vermutlich ein weiterer Grund für die „Hortung von Liquidität der deutschen Banken.

    Trifft dies zu, finanzieren die Zentralbanken mit Netto-Gläubiger Position im Target2-System tatsächlich das Leistungsbilanzdefizit der GIPS- Länder, weil die privaten Investoren schlicht weggefallen sind. Es wurden also indirekte Forderungen gegen die nationalen Zentralbanken aufgebaut. Sie argumentieren nun, dass selbst eine Staatspleite Griechenlands keine zu schlimmen Folgen habe, da aus dem Default entstehende Verluste entsprechend der Anteile der jeweiligen Länder an der EZB verteilt werden.
    Bei den aktuellen Salden beliefen sich im Worst-Case die von Deutschland zur tragenden Ausfälle auf knapp 60 Mrd. Eur (ca. 18% Anteil am Kapital *ca. 325 Mrd. negatives Saldo der GIPS- Länder). Ein Totalausfall aller vier Länder scheint jedoch im Moment unwahrscheinlich. Sollten die Salden allerdings weiter wachsen würden auch diese Risiken mitwachsen.

    Bedenklich ist außerdem der Umstand, dass nicht die Entscheidung privater Gläubiger zur Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten beiträgt, sondern ein sich aus dem Euro-System ergebender Automatismus. Hier verhindern geldpolitische Instrumente Bereinigungseffekte.

    Über Ihre Antwort freue ich mich.
    Viele Grüße

  15. @ f.luebberding

    Auch die USA, kann wie jeder anderer Staat auch, nicht durch den Aufkauf seiner Staatsanleihen die Leistungsbilanzdefizite und Nettoauslandsschulden finanzieren. Dieses müssen immer ausländische Kapitalgeber tun, die die Kreditkonditionen bestimmen. Da kann eine Zentralbank gar nichts gegen ausrichten. Bei dieser Finanzierung hatte die USA, besonders wegen ihrer geringen Nettoauslandsschulden bisher keine Schwierigkeit. Die USA hat ca. 24% Nettoauslandsschulden die Eurozone ca. 19%. Betracht man die Sachlage innerhalb der Eurozone differenziert so findet man in Griechenland, Portugal und Spanien Nettoauslandsschulden von über 100%. Ab ca. 70% erhält man bei eigener Währung selbst bei Abwertung und hohen Zinsen keinen Kredit mehr am internationalen Finanzmarkt. Irland ist ein Sonderfall mit kaum Leistungsbilanzdefizit, einem funktionierenden Wirtschaftsmodell und kaum Nettoauslandsschulden. Irland hätte als Befreiungsschlag, die Banken pleite gehen lassen sollen. Und hätte mit einem positiven Leistungsbilanzüberschuss und Nettoauslandsguthaben reibungslos weiter machen können. Die Quittung hätten diejenigen bezahlen müssen, die sie auch hätten bezahlen können und sollen, vorwiegend Banken in UK und im geringen Umfang in Deutschland.

  16. Interessierter Leser

    Der Verweis auf die FED ist lächerlich. Die hat mittlerweile einen wesentlichen Teil der amerikanischen Staatsfinanzierung übernommen. Nur taucht das im Eurosystem halt unter Target 2 auf, weil es einen europäischen Staat bekanntlich nciht gibt. Aber wie hätte man Irland ansonsten mit Liquidität versorgen sollen? Die Alternative wäre gewesen, dass wir die irischen Banken hätten Pleite gehen lassen. Kann man machen, war ich schon vor vier Jahren der Meinung. Fand aber dummerweise keine Verbündeten, außer Strobl … . Das Problem der EZB ist, dass sie etwas anderes propagiert als sie tatsächlich macht. Fuest will ja das auch ausdrücklich unterstützen.

    Thomas Ernst

    “Wir sind nach wie vor an dem Punkt, ob und wie monetäre Ungleichgewichte zwischen Ländern der Eurozone über monetäre Maßnahmen ausgeglichen werden können. Offenbar kratzt Sie ein Schuldsaldo nicht. Der gleicht sich ja angeblich von selbst aus, aber zu dem Mechanismus schweigen Sie sich aus.”

    Das ist der Punkt. Dieser Mechanismus ist nämlich nicht ewig durchzuhalten, vor allem aus politischen Gründen. Wir brauchen statt Sinns Trecker eine Debatte über die Frage wie innerhalb des Eurosystems ein dauerhafter Ausgleichsmechanismus gefunden werden kann, der einerseits der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der einzelnen Staaten Rechnung trägt, aber nicht zum free lunch einlädt. In der Hinsicht hat nämlich Sinn einen Punkt gemacht. Das Absurde an der heutigen Debatte ist die Tatsache, dass der Euroraum insgesamt wesentlich besser aufgestellt ist als etwa die USA und Japan, aber die politische Unsicherheit dazu führt, dass wir nicht über die USA oder GB reden, sondern über den Euroraum.

    Storbeck

    Also der Vorwurf der Demagogie ist natürlich Unsinn. Aber so ist das in der Politik … – und um darum geht es jetzt. Und nicht um Target 2 Salden.

  17. Wer Sinn ans Bein pinkel will, der soll zuerst selbst mal etwas Vernünftiges auf die Beine stellen. Den Dänagogen, der sich mit Kritik an Sinn bekannt machen will, sollte man schnell vegessen

  18. @ Storbeck

    Sie haben richtig darauf hingewiesen, daß Sinn mit seinem Gerede von irischen Traktoren und fehlenden deutschen Brötchenfabriken daneben liegt.

    Aber dann ritt Sie offenbar der Teufel, hier und anderwo den Quark von Sinn mit den unterbliebenen Investitionen in der BRD in mehreren Kommentaren breit zu treten. Schon Goethe wußte: Getretener Quark wird breit, nicht stark.

    Jetzt sind Sie – unschuldig blickend – erstaunt, daß die Debatte kindisch wird. Aber daran waren Sie nicht unbeteiligt.

    Wir sind nach wie vor an dem Punkt, ob und wie monetäre Ungleichgewichte zwischen Ländern der Eurozone über monetäre Maßnahmen ausgeglichen werden können. Offenbar kratzt Sie ein Schuldsaldo nicht. Der gleicht sich ja angeblich von selbst aus, aber zu dem Mechanismus schweigen Sie sich aus.

  19. @Olaf Storbeck: wenn Ihnen der Ausdruck ” finanzielle Abhaengigkeit” besser gefaellt, ok, bedeuted jedoch genau das gleiche… Noch eine Frage: sollen Begriffe oder Woerter, nur weil sie “historisch vorbelastet” sind, nun aus unserem Wortschatz gestrichen werden??? Freie Meinungsaeusserung??? Armes Deutschland………….

  20. @ Olaf Storbeck

    Ich finde die Debatte alles andere als kindisch, sondern sie sollte ihren aufklärerischen Charakter bewahren. Ich fasse die wichtigsten Punkte aus meiner Sicht zusammen:

    Die Nettoauslandsguthaben der Bundesrepublik betrugen Ende 2010 1.049.052Mio Euro.
    Kumuliert man die Leistungsbilanzendifferenzen minus den Zinseinnahmen seit 1951 und verzinst diese mit dem jeweiligem fünfjährigen Bundesanleihenzinssatz so stellt man fest, dass die Bundesrepublik bisher ca. 1.5Bio. Euro am internationalen Finanzmarkt verloren hat. Davon alleine 2007 und 2008 ca. 400Mrd. Fernerhin, dass mittlerweile ca. 50% des Nettoauslandsguthaben (524.695 Mio Euro, Ende 2010) von der Bundesbank gehalten werden. Wovon wiederum ca. 325 Mrd. über Target2 exportiert wurden und mit einem 1% verzinst werden. Fernerhin, dass bei Auflösung des Eurosystems diese Forderungen in der neuen Eröffnungsbilanz der Bundesbank in sehr kurzfristig fällig werdende ca 640 DM bilaterale Devisenforderungen hauptsächlich gegenüber Zentralbanken der notleidenden Euroländern und Frankreich umgewandelt würden. Dieses ist schon alles was an Aufklärung notwendig ist, die Schlussfolgerungen mag jeder selber ziehen.

  21. Sehr geehrter Herr Storbeck, leider geht Ihrer Argumentation jetzt etwas die Luft aus. Ich glaube im uebrigen nicht, dass es darum geht, Deutschland oder anderen Herstellern Traktoren wegzunehmen. Aber der Verweis auf den erforderlichen Gold- bzw. Sicherheiten-gedeckten Ausgleich negativer Interdistrict Settlement Account Salden in den USA ist doch relativ schlagend. Etwas zum Schmunzeln regt schon an, wenn Herr Stark von der EZB jetzt meint, dass nun ploetzlich eine immer weiter sich verstaerkete europaeische Integration justament ihren Niederschlag in EUR-Zahlungslawinen von Sued nach Nord findet. Wahrscheinlich sind das alles Direktinvestitionen. Nee, nee – chapeau fuer Herrn Sinn, der wie aus meiner Sicht logisch und richtig argumentiert.

  22. Das Hauptproblem liegt derzeit daran, dass wir in der EU ein bedeutendes Schuldenproblem haben. Die Lösung dieses Problems ist eine Herausforderung, die in jedem Falle massive politisch/wirtschaftlich/finanzielle und menschliche Konsequenzen haben wird. Da es unterschiedliche Lösungsansätze gibt, die objektiv von vornherein als nicht falsch einzuschätzen sind, versucht jeder \Diskussionsteilnehmer\ seinen Ansatz mehr oder weniger lautstark und mit allen argumentativen Aspekten darzustellen. Das ist doch etwas wunderbares, nur durch Einbeziehung aller Argumente werden die Märkte / die Politik einen Weg finden. Dabei um das Wörtchen \Demagogie\ zu streiten halte ich für nicht richtig, für eine \Volksverführung\ sind Argumente im Rahmen der Lösung der Schuldenkrise nicht geeignet.

  23. @Karl Betz: “Sicher, das kann ein Problem werden (wenn die Forderungen ausfallen). Aber es ist ein Problem der Geldpolitik, des ESZB, nicht der Bundesbank. ”

    Sinn argumentiert einfach um das Kernproblem herum, ich vermute mal weil er keine schlafenden Hunde wecken will.

    Das Problem sind nicht die Target2 Forderungen, sondern die Qualität der “Sicherheiten”, die für die Target Kredite geliefert werden.

    Ist es denkbar, dass die Bundesbank via Target2 gerade zu einer Bad-Bank gemacht wird? Dass es also nicht darum geht, ob die Schuldner ihren Target2-Zahlungsverpflichtungen mit EZB Geld nachkommen können können, oder nicht, sondern darum, dass sie lieber “Sicherheiten” liefern, die sie selbst und die EZB nicht in ihren Büchern haben wollen?

    Siehe Artikel: Staatsanleihen – Oekonomen bezweifeln Bewertung von Sicherheiten

  24. ja, ja…. wehe es schlaegt derzeit jemand, wie z.B. Herr Sinn, irgendwelche “nationalistischen” (mittlerweile zu einem Unwort mutiert, es darf ja nur noch ueber die EU als ganzes gesprochen werden) Toene an, wird er sofort von allen Seiten angegriffen, wo sind wir eigentlich hingekommen? Zaehlt die eigene Nationalitaet ueberhaupt nichts mehr, darf man nicht mehr versuchen seinem eigenen Land zu helfen? Sollen wir uns weiter noch mehr fuer andere Laender verschulden, ist unser eigener Schuldenberg nicht schon hoch genug? Es kommt mir langsam so vor als waere das “schoene” Europa eine Herde Lemminge, die sich kontinuierlich auf eine Klippe zubewegen und sich dann gemeinsam in den Tod stuerzen…….
    Kann es das sein? Wann wird diesem Irrsinn endlich ein Ende gemacht? Von der Politik kann man das nicht erwarten, wann ist endlich das Volk bereit sich zu erhaben, gegen die Finanzknechtschaft in der wir uns befinden…
    Ich habe derzeit ein sehr, sehr ungutes Gefuehl…

    • @Weltenbürger: Bitte passen sie bei ihrer Wortwahl aus. Politisch und historisch eindeutig vorbelastete Begriffe wie “Finanzknechtschaft” will ich hier nicht mehr lesen!

  25. Sinns Welt ist eine sehr einfache: Ihr seid alle viel schlechter und ich hab alles begriffen.

    Auch ein Standpunkt.

    Und natürlich gibt es keine Sinnkrise des Kapitalismus solange alles, rein theoretisch zumindest, alles im Fett ist.

    Immer überlege ich, wie das auf jene Menschen wirken muß, die die Party hier eigentlich mit Fleisch und Blut, mitunter dem eigenen, bezahlen.

  26. warum droht er Sinn mit dem Verlust seiner Reputation?
    (natürlich ohne namen zu nennen)

    vielleicht sind das nicht alles Demagogen, aber Stark macht auf mich den Eindruck.

  27. Daß Prof (Un)Sinn demagogischen Präferenzen zu frönen wünscht ist, darüber gbt es hier keinen Zweifel. Erstaunlich nur, daß auf seine Wichtigtuerei auch noch eingegangen wird.
    Seine Kassandra-Auftritte bleiben degoutant und sein ifo Laden bleibt, aus hiesiger Sicht, wenig mehr als ein Einständnis, daß man wenig zu verstehen wünscht – stattdessen lieber der Welt auch noch seine (ifo-Sinns) Belassenheit buchstabieren möchte.

  28. “Der Kredit, den die Bundesbank in Deutschland hätte vergeben können, wird damit letztlich durch den Kredit verdrängt, den sie über den Weg über das Zentralbanksystem den GIPS Staaten gab.”
    Ok, als Neoklassiker muß man einen vollständigen crowding out postulieren: Wenn nicht mehr Güter hergestellt werden können (Märkte führen zu Vollbeschäftigung, also kann der Output nicht steigen), dann stehen die Güter, die netto exportiert werden, nicht mehr für die inländische Verwendung (seien es Investitionen oder Konsum) zur Verfügung. Das Blöde ist nur, daß Sinn den Mechanismus nicht angeben kann, über den diese Verdrängung funktionieren soll: Die Banken könnten sich zwar Geld bei der BuBa leihen, wollen aber nicht … “Der Kredit,den die Bundesbank in Deutschland letztlich hätte vergeben können, wird damit letztlich durch den Kredit verdrängt, den sie über das Zentralbanksystem den ´GIPS Staaten gab.”
    Und was ändert das am Kreditvolumen in Deutschland? Nix: Die Banken können so viel Kredit vergeben, wie sie gerne möchten, nur mögen sie halt nicht.
    Der Punkt, der allerdings stimmt ist:
    Hatte die Exportfinanzierung früher dazu geführt, daß die Bundesbank mehr Devisen (statt Forderungen gegen Banken) in der Bilanz hatte, so führt sie jetzt (zum Teil) dazu, daß sie mehr Target-Forderungen statt Kredite gegen Banken in der Bilanz hat. Sinn möge einmal die Frage beantworten, was für einen Unterschied die Bilanzstruktur (im Unterschied zum Bilanzvolumen) der Notenbank für das Kreditangebot der Banken machen soll.
    Sicher, das kann ein Problem werden (wenn die Forderungen ausfallen). Aber es ist ein Problem der Geldpolitik, des ESZB, nicht der Bundesbank. Das Kreditvolumen in Deutschland berührt es hingegen nicht, so lange die EZB nicht dadurch gezwungen wird, ihren geldpolitischen Kurs zu ändern. Und das beträfe dann alle €-Länder gleichermaßen.

  29. Wie sollen wir denn argumentieren?

    Seit Jahren bezahlt Deutschland in EU-Kassen. Wir dürfen dann zuschauen, wie mit unserem Geld eine Party nach der anderen gefeiert wird. Seit Jahren nimmt man dem Arbeiter die Beteiligung am Aufschwung fort und setzt ihn auf griechisches Niveau, genauso wie unseren Staat.

    Ich halte die Diskussion in Teilen in den Elfenbeinturm gehörig.

    Fakt ist, dass sich seit der Finanzkrise Außenstände aufgebaut haben, die nicht so ohne weiteres abgebaut werden können! Wenn an dieser Situation von Sinn Kritik geübt wird, finde ich das gut und richtig. Vielleicht ist das Traktor-Beispiel ja auch schlecht, aber das ist nicht das wesentliche.

    Aber sich daran festzubeißen? Insbesondere wenn ich vom Autoren des Blogs lese, dass dieser sehr wohl QE-Maßnahmen für Griechenland befürwortet?! Wie objektiv ist dann seine Veröffentlichung eigentlich?

    Dies gilt, die Frage nach der Objektivität, auch den anderen Stellung nehmenden Personen. Ich nenne hier nur mal den Begriff der “Hidden Agenda”. Für wen streiten Sie eigentlich?

    Fakt ist ferner, dass der sich hier äußernde akademische Zirkel zwar sehr ausführlich über die Feinheiten auslassen kann, aber die Kosten der Veranstaltung nicht übernehmen wird. Das dürfen nämlich die Bürger. Man redet also über OPM, “other peoples money”.

    Zur Seriösität und Unabhängigkeit der Bundesbank verweise ich nur ganz kurz auf ihr Verhalten im Falle Sarrazins.

    Im Übrigen haben aus meiner Sicht eine ganze Reihe von “Fachleuten” im Verlaufe der Wirtschaftskrise ihren guten Ruf verloren. Nicht zuletzt ein Herr Steinbrück, der wenn es nach Lautstärke ginge, den Nobelpreis für VWL verdient hätte, aber tatsächlich die Finanzkrise in ihren Anfängen für ein rein amerikanisches Problem gehalten hat, sich jetzt aber schon wieder ganz noch vorn mogelt, um uns demnächst als Kanzlerkandidat zu nerven.

    Interessantes Thema und Grüße

  30. HANS WERNER SINN ist der einzige der die Interessen des
    Volkes vertritt. Dafür wird er in den Medien immer wieder angegriffen, warum nur?

    Werden in den Medien absichtlich die falschen Fragen gestellt???

    Sind Politiker, Konzern- und Medienbosse nur Marionetten der globalen Hochfinanz?

    Sind die privaten Konzernmedien da um uns zu informieren oder um uns abzulenken und eine bestimmte Meinung einzutrichtern?

    Wem gehören eigentlich weltweit die Medien AGs???

    Wer die Information kontrolliert, kontrolliert alles!!!

    Wer die Grundursache unserer Probleme verstehen will sollte unser Schuldpapiergeldsystem analysieren.

    Wie entsteht Geld?

    Schaffen die Banken Schuldgeld aus dem nichts??

    Hat der Staat den Geschäftsbanken das Monopol der unendlichen Geldschöpfung erteilt?

    Spielt es eine Rolle was die Welt kosten, wenn Banken unendlich viel Geld aus dem nichts schöpfen können?

    Gehört die Welt ( Medienkonzerne, Energiekonzerne, Lebensmittelkonzerne, Pharmakonzerne, etc. ) den Banken?

    Welches Problem entsteht, wenn die Geldmenge verzinst wird und es keine neuen Schuldner gibt die die Zinsen zahlen?

    Ist die weltweite Verschuldung Systembedingt?

    Ist unser Zinsgeldsystem die Ursache für die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich?

    Werden die Bürger vom Staat und den Banken ausgebeutet?

    Wer wissen will in was für einer manipulierten Scheinwelt wir leben, sollte folgende Filme sehen:

    1.) http://video.google.com/videoplay?docid=6433985877267580603#

    2.) http://www.youtube.com/watch?v=fXIE_lUPyrU&playnext=1&list=PL334B536FF28194DC

    Dieser Kommentar wurde von FAZ.net / welt.de nicht veröffentlicht!!!

    [Anmerkung von Olaf Storbeck: Ich kann gut verstehen, warum die Kollegen von FAZ und Welt Ihren Kommentar nicht veröffentlicht haben, schalte ihn aber dennoch schweren Herzens vorerst frei, obwohl er nur noch sehr entfernt mit dem Thema hier zu tun hat. Ich möchte Sie - und alle Leser hier - bitten, in Zukunft nur noch Kommentare, die konkret auf das Thema der hier veröffentlichten Blogbeiträge bezogen sind, zu veröffentlichen. Wenn sie ihre Verschwörungstheorien verbreiten wollen, suchen sie sich bitte eine andere Plattform, oder machen Sie doch ein eigenes Blog auf. Und noch ein Hinweis an alle Leser: Bitte argumentieren Sie sachlich!]

  31. Klar, Herr Storbeck, Sie können nicht ertragen, dass Herr Prof. Sinn Recht hat. Dass seine Prognosen zielführend sind – wie auch diejenigen der Euroskeptiker erster Stunde.
    Sie wollen weiterhin Nebelkerzen werfen – an denen sich die EUrokraten benebeln und die EUSSR ausrufen.
    Aber: WIR SIND DAS VOLK. Der Aufstand wird in Athen losbrechen und diesem ganzen größenwahnsinnigen Zirkus beenden. Gut so! Gut so, das die Demagogen eines “Bundesstaats Europa” an den Tatsachen scheitern. Sozialistische Projekte sind bislang immer gescheitert. Ich hab nicht dagegen!

  32. Nebenfrage wer hilft, warum ist die Bestimmung über die Zentralbankliquidität verwässert worden und mit welcher Konsequenz?:

    BESCHLUSS DER EUROPÄISCHEN ZENTRALBANK vom 13. Dezember 2010 über die Ausgabe von Euro-Banknoten

    \Die Differenz zwischen dem Wert der Euro-Banknoten, die jeder NZB gemäß dem Schlüssel für die Verteilung der Banknoten zugeteilt wurde, und dem Wert der Euro- Banknoten, die diese NZB in Umlauf setzt, sollte zu Intra-Eurosystem-Salden führen. Früher hieß es: ……, führt zu Intra-Eurosystem-Salden.\

  33. Vorsicht: allmählich sind wir in dem Stadium angekommen, in dem der unbefangene Leser denkt, da werfen ein paar Kinder mit Sandschäufelchen um sich.

    Und dann stellt er fest: die zankenden Kinder sind diejenigen, denen die Gesellschaft die Aufgabe übertragen hat (ja, das ist gezielt pathetisch) die Wirkmechanismen der Wirtschaft zu verstehen, zu bewerten und dadurch der Öffentlichkeit Lösungswege aufzuzeigen.

    • @Torsten: Du hast vollkommen Recht, die ganze Debatte wird langsam ziemlich kindisch. Einerseits. Andererseits wäre die Alternative, Sinn einfach unkommentiert seine – wie ich und zahlreiche Ökonomen finden – falschen und gefährlichen Thesen einfach unkommentiert durchgehen zu lassen. Das kann es auch wirklich nicht sein….