“Professor Sinn Misses the Target”

Das ist wirklich bemerkenswert: Karl Whelan, VWL-Professor in Dublin, hat am Wochenende genau das gleiche gemacht wie ich – er hat sich detailliert mit den Thesen von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zum angeblichen Geheim-Bailout der Europäischen Zentralbank auseinandergesetzt.

Das Ergebnis ist der Text “Professor Sinn misses the target“, in dem er mit ganz ähnlichen Argumenten zu einem ganz ähnlichen Fazit kommt wie ich (deutsche und englische Fassung)

“Unfortunately, Professor Sinn’s analysis is incorrect and his policy prescriptions extremely dangerous.”

In einem zweiten Beitrag nimmt Whelan direkt bezug auf meinen Text:

“I wrote my post before seeing Storbeck’s but hopefully my arguments back his up to help counter Professor Sinn’s somewhat wilder claim.”

Whelan widerspricht Sinns These, die Bundesbank vergebe de facto Kredite an die Irische Notenbank:

“[Sinn] also (incorrectly) interprets these balances as representing bilateral claims of the Bundesbank on other central banks.  He says “it is as if the Bundesbank had lent money to the Irish Central bank for the purposes of extending a loan to an Irish bank.”  It’s not.  If I loan you money, that means that I lose money if you don’t pay back. The Bundesbank is not owed money by the Central Bank of Ireland. It is owed money by the ECB and it can only lose money if the ECB refuses to pay it back.”

Auch Sinn’s Analyse, unter den Target2-Vorgängen  würde die innerdeutsche  Kredit-Vergabe der Bundesbank leiden, hält Whelan – wie ich – für falsch. Sinns Ausführungen zur Kreditvergabe von EZB und Bundesbank kommentiert er so:

“These are highly misleading claims.  The ECB are not currently auctioning off credit via limited tenders. Instead, they are providing the full amount of liquidity requested by banks provided they have sufficient eligible collateral. So no German bank is being denied funds from the ECB because of the lending operations to Ireland or other countries.”

Das Fazit von Whelan ist für Sinn ziemlich vernichtend:

“The Eurosystem has serious problems and the citizens of its member states have many reasons to question the wisdom of the decision to adopt a single currency. However, this situation isn’t helped by respected public figures making incendiary and specious claims about how the system works.”

In einem zweiten bemerkenswerten Beitrag hat sich heute der Reuters-Blogger Felix Salmon zumindest halb von den Sinn’schen Thesen und einem Text des FT-Kolumnisten Martin Wolf, den Salmon zitiert hatte,  distanziert:

I’ll be the first to admit that I’m no expert on any of this, and that when I blogged Martin’s piece I didn’t know how controversial his position was, and that many if not most central bankers would consider him simply factually incorrect on many counts. I thought his piece was excellent as analysis; as argument, I’m not fully persuaded.

Mehr zu der Debatte – auch die Einschätzungen von der Banken-Volkswirte Elga Bartsch (Morgan Stanley) und Holger Schmieding, finden Sie im Beitrag On target – what’s really going on in the Euro area banking system? in meinem englischsprachigen Blog “Economics Intelligence”.

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Alle Kommentare [7]

  1. Zitat französiche Medien nach der DM Abschaffung/Euro Einführung: “Wie Versailles ohne Krieg”

    Jetzt ist genug an transfers geleistet. Lieber aus dem Euro aussteigen als wirklich wieder Krieg. Wenn ich sehe, dass mein Anteil an den PIIGS Bürgschaften mittlerweile bei ca 1/3 meines Jahresgehalts ist (das ist für jeden AN ungefähr so) sind mir viele Dinge lieber… Die Schwelle für Krieg ist da bei einigen sicher auch bald erreicht.

    Also weg mit der EZB, dem Euro und dem Umverteilen!

  2. Ja, genau. Wir steigen sofort aus dem Euro aus, bevor \?erneut? ein Krieg gegen Deutschland\ geführt wird.

    Hört Ihr euch reden? Soll der \Krieg\ irgendeine peinliche sprachliche Figur sein?

    Am besten treten wir nicht nur \SOFORT\ aus dem Euro aus, sondern setzen auch gleiche die Segel und setzen uns über die Nordsee in den Atlantik ab. Von da aus können wir dann wieder in Ruhe Exportweltmeister sein!

  3. Extrem gefährlich sind nur die Aussagen von Karl Whelan. Ein weiterer Grund für Deutschland, SOFORT aus dem Euro auszutreten – egal ob vertraglich möglich oder nicht. Schließlich handelt die EZB mit dem Aufkauf von Staatsanleihen illegal.

  4. Ja Rotbart, sehe das genau so wie Sie. Allerdings frage ich mich, warum so viele andere sich den status quo hartnäckig schönreden. Dummheit oder Feigheit oder einfach nur individuelle Nutzenmaximierung bis zuletzt? Wenn letzteres, dann bin ich mal gespannt, ob insbesondere die vielen un- und dennoch eingebildeten Journalisten den “Absprung” am Ende noch schaffen werden…. :-) Spanndende Zeiten, die da kommen…

  5. Das ist ziemlich schwach von Euch, Freunde. Erstmal lernen, die ökonomischen Fakten von den politischen Empfehlungen und den mit politischen Interessen verknüpften Interpretationen zu trennen und dann weiterhupen. Das unterschiedet den echten Wissenschaftler vom politischen Journalisten. Schon allein die von keinerlei ökonomischen Sachverstand geprägten Auslassungen zur Saldenmechanik eines Whelan reichen als Begründung für die aktive Abschaffung des Euro und des ihn tragenden politischen Systems aus. Der Euro ist tot. Spannend ist nur noch die Frage, welche politische Strömung als erstes neue Mehrheiten für den Systemreset mobilisieren wird und ob sie dafür erneut einen Krieg gegen Deutschland führen wird.

    [Anmerkung von Olaf Storbck: Ich diskutiere gerne mit Ihnen über Geld- und Wirtschaftspolitik, aber solch geschichtsverdrehenden Formulierungen wie die, dass "erneut ein Krieg gegen Deutschland" geführt wird, möchte ich hier nicht mehr lesen!]

  6. Sinn wird die Thesen weiter vertreten, damit durch die TalkShows tingeln und ein Buch drüber schreiben. Egal, ob er die endgültige Haftung (durch die EZB) richtig dargestellt hat oder nicht.

    Bin ich froh, dass ich die Kiste in meinem Blog nach der Stellungnahme der Bundesbank zugemacht habe. Denn da lag der Meister Sinn ja (mal wieder) deutlich neben der Spur …

  7. Die Bundesbank hat also der irischen Zentralbank nicht direkt Geld geliehen, sondern der EZB. Puh, da bin ich ja beruhigt.

    Wer finanziert aber die EZB zum größten Teil? Und wenn z.B. Griechenland ausfällt, wer muss die EZB dann wieder zum größten Teil rekapitalisieren (weil die EZB in diesem Fall sofort pleite wäre, da sie sich mit griechischem Schrott unserer Banken hat vollstopfen lassen)? Bestimmt nicht Irland. Und auch nicht Griechenland.

    So langsam erinnert mich die Argumentationslinie hier an den \Schwarzen Kanal\. Was nicht sein darf, das nicht sein kann. Danke liebes Handelsblatt für den Beitrag zur Volksverdummung.