Die besten deutschen Wirtschaftsblogs

Die Kollegen von der Süddeutschen Zeitung haben heute eine wirklich sehr gute Übersicht über deutsche Wirtschaftsblogs veröffentlicht: “Viel los im Affenkäfig”.

Hätte ich die Liste zusammengestellt, hätte sie so ähnlich ausgesehen.

Dass die Kollegen unser  ruhmreiches  Handelsblog nicht erwähnen, ist nachvollziehbar. Wir waren lange im  Dornröschenschlaf und erst seit kurzem wieder richtig  aktiv.

Dafür erwähnt die SZ dankenswerterweise  mein englisches Ökonomieblog “Economics Intelligence” und meine Liste der Twitter-Ökonomen.

Durch die Lappen gegangen ist der SZ  aber auf jeden Fall das  Wirtschaftswunder der FTD-Kollegen. Das ist zwar in mancher Hinsicht ein bisschen selbstverliebt – der geschätzte Kollege Thomas Fricke betreibt eine Rubrik namen “Frickonomics” – aber trotzdem  oft sehr lesenswert.

Und die Ökonomenstimme wäre noch eine Erwähnung wert gewesen: Nach dem Vorbild von Vox schreiben dort deutschsprachige Ökonomen über ihre eigene Forschung. Eine Super-Idee, und deshalb ist das Handelsblatt auch  einer der Medienpartner der Ökonomenstimme.  Leider ist die Qualität der von in der Ökonomenstimme veröffentlichten  Beiträge – sagen wir es vorsichtig – bislang ziemlich durchwachsen.

Inhaltich sind die Sachen meist top, aber sprachlich zieht es einem oft die Schuhe aus. Da gibt es Beiträge mit Sexy-Überschriften wie “ Eine neue IWF Reservewährung ohne die Probleme des Substitution Accounts” oder “Die Reaktion der Arbeitsbesteuerung auf Änderungen der Staatsverschuldung“. In vielen Beiträgen strotzt es vor Fachchinesisch und Bandwurmsätzen – das bestätigt meine These, dass Ökonomen massive Probleme haben, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Wer einen Faible für die gute, alte deutsche Ordnungspolitik hat (ich eher weniger), ist bei der Wirtschaftlichen Freiheit richtig.

Wer sich für deutsche Wirtschaftsblogs interessiert, sollte auch einen Blick in die  fabelhafte Mindmap des Blicklogs werden, das eine Übersicht über quasi alle deutschen Wirtschaftsblogs gibt.

An englischen Ökonomie-Blogs kann ich neben Vox noch Felix Salmon (Blog-Editor bei  Reuters), Free Exchange vom Economist und Greg Mankiw empfehlen. Außerdem lohnt sich immer ein Blick beim Undercover Economist  Tim Harford (kein klassisches Blog, Tim veröffentlicht dort seine oft brillanten FT-Kolumnen) .

Speziell zur Euro-Krise betreibt die Economist Intelligence Unit noch ein hervorragendes Blog.

Die hoch gelobte “Marginal Revolution” finde ich übrigens nicht so toll – im Zeitalter von Twitter hat sich das Konzept der Marginal-Revolutionäre etwas abgenutzt, finde ich.

Besuchen Sie auch meinen englischen Ökonomie-Blog “Economics Intelligence” – aktuelle Beiträge:
>> One year on – Top 10 posts on “Economics Intelligence”
>> Economists of the World, unite! You have Nothing to lose but your  models
>> What our driving reveals about our character

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Alle Kommentare [8]

  1. “The Monkey Cage” ist schon seit einer ganzen Weile in meinem Feed Reader ein “Must Read”, da gebe ich Ihren schreibenden Kollegen von der SZ vollkommen recht.

  2. @Ökonomenstimme

    Ich habe eben Ihren letzten Artikel (Link) gelesen und kann Storbeck zustimmen. Ich mache Ihnen ein Beispiel aus dem Fazit dort:

    Allerdings stellen Lohndifferentiale innerhalb und zwischen verschiedenen Sektoren den wichtigsten Erklärungsfaktor für die zunehmende Lohnungleichheit dar.

    Zehn zu eins das bei diesem Satz vielleicht einer aus 100 “normal”-Lesern etwas mit dem Inhalt anfangen kann. Angemerkt sei noch das ich inhaltlich Verbesserungsvorschläge anzubringen hätte. ;) Aber das steht auf einem anderen Blatt/Blog.

    Grüße
    ALOA

    • @aloa5: Danke für deinen Beistand. Aber dein Beispiel ist doch noch eher harmlos ;-)

      Schön ist das hier aus dem Artikel “Die Reaktion der Arbeitsbesteuerung auf Änderungen der Staatsverschuldung” (klick). (Schon die Überschrift ist eine Katastrophe – vier Substantivierungen, aber kein Verb…)

      Regierungen formulieren üblicherweise keine bindenden langfristigen Haushaltspläne. Daher ist unklar, auf welche Budgetposten die langfristige Anpassungslast hauptsächlich entfallen wird. Legt man jedoch die in der Vergangenheit beobachteten Anpassungsmuster zugrunde, wäre in den kommenden Jahren in vielen Industrieländern eine merkliche Erhöhung der Arbeitsbesteuerung nicht auszuschließen.

      An sich ist das ein Ergebnis, dass jeden Bürger interessieren sollte: Wahrscheinlich müssen wir demnächst mehr Einkommensteuer zahlen. Das ist politisch relevant und hat Bezug zum eigenen Geldbeutel. Es ist nur so formuliert, dass es kaum jemand versteht….

  3. Gute Frage, woran das liegt. Hauptgrund ist glaube ich, dass es im deutschen Sprachraum unter Fachleuten einfach als unschick gilt, sich mit einfacher Sprache verständlich auszudrücken. Komplizierte Sachen müssen auch kompliziert klingen, oder etwa nicht?

    Möglich. Wobei es m.E. aber eventuell weniger darum geht gegenüber dem Bürger als Leser kompliziert zu klingen. Es könnte meiner Ansicht am Elfenbeinturm liegen. Wer möchte das er innerhalb der Ökonomenriege als “ernsthaft” und “wissend” wahrgenommen wird sieht sich u.U. genötigt kompliziert zu schreiben.

    Als “Ökonomen-Blogger” erinnern wir uns vermutlich noch alle an Kartik Athreyas Äußerungen letztes Jahr welche (in Deutsch von Strobl aufgeschrieben) wie folgt lauten:

    “In diesem Aufsatz argumentiere ich, dass weder bloggende Nicht-Ökonomen noch solche Ökonomen, die die Makroökonomie als einfaches Unterfangen mit simplen Schlussfolgerungen darstellen, dazu in der Lage sind, die wirtschaftliche Debatte um neue Einsichten zu bereichern. Als Konsequenz sollten sie daher von der fachfremden Öffentlichkeit nicht beachtet werden.”

    Der Umkehrschluss dessen ist, das die “fachfremde Öffentlichkeit” nur Seiten von
    - Bloggenden Ökonomen lesen sollten welche die
    - Makroökonomie als kompliziertes Unterfangen mit
    - komplexen Schlussfolgerungen

    darstellen.

    Das wird es für die fachfremden(!) Leser etwas schwierig was das Verständnis angeht. Nicht das Atreya Unrecht hätte – Makroökonomie ist komplex und Lösungen sind nicht so einfach wie manche denken. Nur kommt die Realität nicht ohne eine Vermittlung aus. Und – das kann ich mir nicht verkneifen – sind diese hochgelobten Ökonomen welche es in der Vergangenheit verstanden haben alles komplex darzustellen offenbar mit den Inhalten etwas auf die Nase gefallen. Das macht es zwar nicht weniger komplex, aber von einem Elfenbeinturm heram andere herabzuwürdigen geht manchen zu einfach von der Hand. Daher halte ich es durchaus für möglich das sich viele Ökonomen aus elitären Gründen und Angst nicht mehr dazu zu gehören von der profanen Bloggerei fernhalten. Dazu benötigt man ggfs. ein standing wie Krugman.

    Grüße
    ALOA

  4. Darf man fragen, ob es sich bei der festgestellten Grausamkeit um den Inhalt oder die Form handelt?

    Wir versuchen, unseren Autorinnen und Autoren etwas mehr Pointiertheit und Einfachheit nahe zu legen.

    Freundliche Grüsse
    Die Ökonomenstimme

    • @Ökonomenstimme

      Aber das hatte ich doch schon geschrieben:

      Inhaltlich sind die Sachen meist top, aber sprachlich zieht es einem oft die Schuhe aus. Da gibt es Beiträge mit Sexy-Überschriften wie “ Eine neue IWF Reservewährung ohne die Probleme des Substitution Accounts” oder “Die Reaktion der Arbeitsbesteuerung auf Änderungen der Staatsverschuldung“. In vielen Beiträgen strotzt es vor Fachchinesisch und Bandwurmsätzen – das bestätigt meine These, dass Ökonomen massive Probleme haben, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

  5. Schöne Übersicht, danke dafür.

    Die Startseite der Ökonomenstimme bildet die ganze Grausamkeit deutscher Forscher ab.
    Kommuniziert es sich in der englischen Sprache also besser? Fehlen uns Wörter? Oder strengen sich deutsche Volkswirte einfach nicht an?

    • @ Isabell. Gute Frage, woran das liegt. Hauptgrund ist glaube ich, dass es im deutschen Sprachraum unter Fachleuten einfach als unschick gilt, sich mit einfacher Sprache verständlich auszudrücken. Komplizierte Sachen müssen auch kompliziert klingen, oder etwa nicht? ;-) Viele haben es nicht gelernt, sich klar in fachlichen Dingen zu artikulieren. Und Vereinfachung beudetet auch immer, was wegzulassen. Da macht man lieber keine Fehler und schreibt gleich zu Beginn alle Wenn’s und Aber’s rein, um ja auch der sicheren Seite zu sein…