Hans-Werner Sinn ist einer der einflussreichsten deutschen Volkswirte, und er hat sich große Verdienste um seine Disziplin erworben. Als Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik hat er in den 90er Jahren die vermuffte Standesorganisation der deutschen Ökonomen modernisiert. Als Ifo-Chef hat er ein vor dem Aus stehendes Institut auf Vordermann gebracht und mit CESifo ein großes, international beachtetes Forschungsnetzwerk gegründet. Seine wissenschaftlichen Publikationen können sich für einen deutschen Ökonomen seiner Generation mehr als sehen lassen, und es gibt nicht viele deutsche Volkswirte, die zu ihrem 60. Geburtstag eine wissenschaftliche Konferenz veranstalten und zwei Nobelpreisträger als Redner gewinnen können.
In der wirtschaftspolitischen Diskussion ist Sinn das, was Medienforscher einen Agenda-Setter nennen.
Wie kein anderer seiner Fachkollegen in der Bundesrepublik zieht er regelmäßig mit eigenen Kampagnen durch die Medien. Dabei spielt er ür meinen Geschmack immer wieder eine fragwürdige Rolle.
Sinns Kampagnen funktioniert stets nach dem gleichen Muster: Er hat einen im Kern durchaus richtigen Gedanken, den er dann aber so weit zuspitzt und ins Extreme überspannt, dass nur noch ein Zerrbild übrig bleibt – Sinn aber verkauft das der Presse und der Politik als nahezu ewige Wahrheit und einzig richtige Sicht auf die Wirklichkeit. Er arbeitet wie ein Schnapsbrenner, der seinen Alkohol wieder und wieder destilliert, bis nur noch die pure Essenz übrig bleibt – ungenießbar, von Dr. Sinn aber als einzig wirksames Arzneimittel verschrieben. “Unbedingt unverdünnt trinken.”
Die Medien jedoch greifen Sinns steile Thesen immer gerne und größtenteils unkritische auf – je schräger, desto besser.
Einige seiner großen Themen in den vergangenen Jahren waren:
Basarökonomie und “pathologischer Exportboom” (ca. 2002 bis 2005): Sinn vertrat die These, dass die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft ein Problem offenbarten. Denn “Made in Germany” sei gar nicht mehr “Made in Germany”. Sinn argumentierte:
“Deutschland spezialisiert sich auf die kundennahen Endstufen der Industrieproduktion und verlagert die arbeitsintensiven Vorproduktstufen in andere Länder. Das Land, das schon heute zwei Drittel der großen Industriemessen der Welt beherbergt, entwickelt sich weiter auf seinem Weg in Richtung Basar-Ökonomie.”
Die Export-Erfolge Deutschlands seien kein Ausdruck von Stärke, sondern von Schwäche, schrieb Sinn:
[A]uf dem Titel des Vizeweltmeisters [liegt] insofern ein Schatten, als er nicht nur auf die Stärke der deutschen Wirtschaft zurückzuführen ist. Er kam auch zustande, weil eine über Jahrzehnte währende Hochlohnpolitik für einfache Arbeit viele arbeitsintensive Binnensektoren vernichtet hat.
Viele seiner Fachkollegen haben ihm vehement widersprochen, ich habe sein Buch damals unter der Überschrift “Sinns Märchen vom Basar” rezensiert.
Natürlich hatte Sinn insofern Recht, als dass das Outsourcing stattfand – er übertrieb die Sache aber meines Erachtens maßlos, indem er es zum alles erklärenden Phänomen erklärte. Wenn Sinns These richtig wäre, würde das bedeuteten, dass
- entweder die Handelsstatistiken falsch sind .Ansonsten müssten die Vorprodukte, die wie importieren und auf die wir nur noch “Made in Germany” draufschreiben, zu steigenden Einfuhren führen. Importe und Exporte müssten dann also parallel steigen – tatsächlich ist aber die Lücke zwischen beiden immer größer geworden.
- und/oder das Ausland dumm sein. Warum sollten sie Preisaufschläge bezahlen für Produkte, auf denen “Made in Germany” draufsteht, aber nicht drin steckt.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat aus meiner Sicht den Basar-Kritikern Recht gegeben (Sinn wird das ganz sicher anders sehen, er fühlt sich bestimmt bestätigt …): Der industrielle Kern Deutschlands ist nicht verglüht, sondern so stark wie seit langem nicht mehr. Die deutsche Volkswirtschaft – und insbesondere die Industrie – ist bemerkenswert gut durch die mit Abstand tiefste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression gekommen, obwohl gerade der Welthandel massiv einbrach.
Sinn selbst hat das nicht kommen sehen (ich übrigens auch nicht), sondern warnte im Juni 2009:
“Deutschland wird von den Schockwellen der US-Finanzkrise in besonderem Maße erschüttert. Durch unsere Exportlastigkeit sind wir unfreiwillig in die Rolle des Stoßdämpfers der Welt geraten.”
Tatsächlich kam Deutschland und unser Arbeitsmarkt so gut durch die Krise, dass Ökonomen wie IAB-Chef Joachim Möller längst von einem “Arbeitsmarktwunder” sprechen. Möller betont:
“Klar ist, dass die Abdämpfung des Schocks nicht durch Reduktion der Belegschaften, sondern durch innerbetriebliche Anpassung erfolgte. Nicht die externe, sondern die interne Flexibilität war dementsprechend entscheidend.”
Das grüne Paradoxon (ca. 2007 bis 2009): Sinn vertrat die These, Energiesparen bringe nichts im Kampf gegen den Klimawandel. Wenn die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen in bestimmen Teilen der Welt sinke, gebe auch der Preis dafür nach. Deshalb würde dann woanders mehr Öl und Kohle verbraucht. Zudem würde eine glaubwürdige Klimaschutzpolitik dazu führen, dass die Förderstaaten ihre gesamten Öl-Vorkommen schneller erschließen, um doch noch Kasse zu machen. Sinn:
Umweltpolitik, die im Laufe der Zeit immer grüner wird, wirkt wie eine angekündigte Enteignung, die Fluchtreaktionen hervorruft. Sie veranlasst die Besitzer der Ressourcen, die fossilen Kohlenstoffvorräte schneller abzubauen und beschleunigt damit den Klimawandel.
Die Klimaschutz-Bemühungen Europas seien nutzlos und teuer:
Nicht das Klima, sondern der Rest der Welt profitiert von der europäischen Politik. Weil die Umweltpolitik die Weltmarktpreise für fossile Ressourcen im Laufe der Zeit immer mehr unter Druck setzt, extrahieren die Ressourcenbesitzer ihre Bestände nur noch schneller, als es sonst der Fall gewesen wäre. Das freut die Amerikaner, die Chinesen und all die anderen Sünder. Sie kommen in den Genuss niedrigerer Energiepreise und können ihren Ressourcenkonsum um mehr als das hochschrauben, was wir einsparen.
Auch hier haben ihm viele Fachkollegen zum Teil heftig widersprochen.
DIW-Umweltökonomin Claudia Kemfert zum Beispiel betont: “Es gibt kein grünes Paradoxon”. Beim von Sinn veranstalteten “Munich Economic Summit” im Jahr 2009 widersprach auch Henk Folmer, Ökonom an der niederländischen Universität Wageningen. Der Weltmarktpreis für Öl sei zuletzt nicht gesunken, sondern habe sich mehr als verdoppelt – und das, obwohl die Europäer in den letzten Jahren deutlich weniger Öl gekauft hätten. “Es gab also keinen Grund für die Ölscheichs, mit sinkenden Preisen zu rechnen und deshalb mehr zu fördern.”
Die Umweltorganisation NABU ernannte Sinn wegen seiner Klimaschutz-Thesen 2009 zum “Dinosaurier des Jahres”.
Update (2. Juni 2011): Mehrere Leser haben nach meiner eigenen Position zum Grünen Paradoxon gegfragt. Ich mache es mir etwas zu leicht, wenn ich einfach nur auf Claudia Kemfert verweisen und den Nabu.
Da ist wahrscheinlich was dran.
Was also denke ich zum Grünen Paradoxon?
Einerseits hat der Gedanken – wie alle Sinn’schen Thesen – einen wahren Kern. Wenn die EU morgen oder in einem Jahr nur noch halb so viel Öl und Kohle verbrauchen würde, hätte das zweifellos Auswirkungen auf den Weltmarktpreis. Wegen der geringeren Nachfrage würde Öl und Kohle billiger, die Chinesen und die Amerikaner könnten das Zeug billiger kaufen.
Andererseits übertreibt Sinn meiner Meinung nach maßlos, vor allem mit Blick auf die intertemporale Komponente. Sein Argument ist ja, dass eine glaubwürdige Klimaschutzpolitik, die den Verbrauch fossiler Energie mittel- bis langfristig redutiert, die Ölscheichs dazu bringt, jetzt ihre Fördermenge hochzufahren, um nicht auf ihren Ressourcen sitzen zu bleiben, wenn wir alle hier nur noch erneuerbare Energien benutzen.
Das mag im ersten Moment plausibel klingen, aber wenn man etwas länger darüber nachdenkt, ist es meiner Meinung nach ziemlich bizarr. Das Argument würde nur dann ziehen, wenn die Erschließung neuer Ölquellen kostenlos möglich wäre. Das ist aber nicht der Fall – im Gegenteil, es sind immer höhere Investitionen nötig. (Die Internationale Energieagentur hat schon 2009 gewarnt, dass die Investionen zur Erschließung neuer Fördergebiete zu gering sind, um die Nachfrage zu bedienen.) Weil die leicht zugänglichen Ölquellen langsam aber sicher erschöpft sind, wird die Erschließung neuer Ölquellen zudem immer teurer – die Tiefseebohrungen und die Förderung in der Arktis sind extrem aufwendig.
Wenn die Ölscheichs so agieren würden, wie Sinn argumentiert, würde die Aussicht stark sinkender Ölpreise in der Zukunft dazu führen, dass sie jetzt in ganz großem Stil investieren. Absurd, oder?
Ist allerdings genau das, was HWS sagt. Hier nochmal zur Erinerung sein Schlüsselzitat:
Umweltpolitik, die im Laufe der Zeit immer grüner wird, wirkt wie eine angekündigte Enteignung, die Fluchtreaktionen hervorruft. Sie veranlasst die Besitzer der Ressourcen, die fossilen Kohlenstoffvorräte schneller abzubauen und beschleunigt damit den Klimawandel.
Das erscheint mir doch reichlich kontraintuitiv. Normalerweise zumindest investieren Unternehmen so dann, wenn sie auf steigende Preise und einen wachsenden Markt spekulieren….
Die Empfehlungen, die Sinn aus seiner Analyse für die Wirtschafts- und Umweltpolitik ableitet, halte ich daher nicht nur für falsch, sondern für hochgeradig gefährlich.
Ende des Updates zum Grünen Paradoxon
Keine Hilfe für die Pleite-Griechen (seit ca. 2010): In der Euro-Krise ist Sinn einer der Ökonomen, die am lautesten gegen einen Bailout für Griechenland und die anderen Euro-Problemländer argumentieren. O-Ton Sinn:
„Der Rettungsschirm ist für Deutschland ein unkalkulierbares Abenteuer und eine sichere Wachstumsbremse.“
Wenn Deutschland den Problem-Ländern aus der Patsche helfe, würde dies hier zu Lande zu weniger Investitionen führen:
“Gravierender als mögliche Lasten aus der Haftung Deutschlands ist die Fehlsteuerung von Investitionen und die damit zu erwartende Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Deutschland.” An anderer Stelle schreibt Sinn: “Durch die Kapitalexporte wurde deutsches Sparkapital ins Ausland verschoben und fehlte für Investitionen im Inland.”
Sinn argumentiert ernsthaft, es sei im “deutschen Interesse”, den Problem-Staaten der Euro-Zone nicht zu helfen :
Deutsche Ersparnisse sind jahrelang nach Südeuropa und in die USA geflossen. Im Inland wurde kaum noch investiert und Deutschland rutschte auf einen der letzten Plätze beim Wirtschaftswachstum. Dann erschütterte die Griechenlandkrise den Glauben an die Bonität der Schuldenländer, was zu einer Korrektur der Zinsstrukturen führte. Für Deutschland war diese Korrektur vorteilhaft, denn es war zu erwarten, dass ein Großteil der deutschen Kapitalexporte von zuletzt 166 Mrd. Euro im Jahr in Zukunft im Inland verblieben wäre und hier wieder für mehr Wachstum gesorgt hätte, wie man es aus der Vor-Euro-Zeit kannte. Das Gewährleistungsgesetz verhindert jedoch diese notwendige Korrektur, lenkt das Kapital weiter ins Ausland und verhindert so dringend notwendige Investitionen in Deutschland. Selbst mit massiven Steuererleichterungen für Investoren wird man nicht in der Lage sein, dagegen anzuhalten.
Ich persönlich halte die Position für hochgeradig gefährlich. Würde Deutschland so agieren, wie es Sinn empfiehlt, würde vermutlich nicht nur Griechenland pleite gehen, sondern auch der Euro und womöglich gar die Europäische Union auseinanderfliegen. Die Lehman-Pleite wäre im Vergleich dazu nur eine Fußnote in der Geschichte.
Mein Kollege Mark Schieritz von der “Zeit” hat sich im Herdentrieb-Blog in mehreren Beiträgen (Die Irrtümer des Hans-Werner Sinn, Folge I und Folge II sowie hier) mit den Schwächen von Sinns Thesen auseinander gesetzt. Inhaltlich geht es um komplizierte technische Details des Zahlungsverkehrs im Euro-System. Schieritz kommt zu dem Schluss:
“dass Hans-Werner Sinn eine Art Carl Schmitt der Ökonomie ist: Die oder Wir. Wenn es den Iren oder den Portugiesen gut geht, geht es uns schlecht – und umgekehrt. So gesehen wäre das Hilfsprogramm für Portugal also falsch. So denken viele in Deutschland, so einfach ist die Sache aber nicht.”
Den Vergleich mit Carl Schmitt halte ich für überzogen, da schießt Schieritz über das Ziel hinaus. Schmitt war “Kronjurist des Dritten Reichs” (Walemar Gurian) und gilt als ”geistiger Quartiermacher des Nationalsozialismus” (Ernst Niekisch). Auch wenn in Sinns Argumentation verstörende Untertöne drinstecken, ist es weder angemessen noch fair, ihn in die Nähe eines Nazi-Wissenschaftlers zu rücken.
Davon abgesehen gebe ich aber Schieritz recht: Sinn argumentiert in einer Nullsummenökonomie, und überspitzt seine Argumente so sehr, dass sie mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun haben. Schieritz hat Recht, wenn er schreibt:
“Weil er um jeden Preis seine Behauptung retten will, dass es Deutschland schadet, wenn in Irland oder Griechenland mehr Kredite vergeben werden, muss Hans-Werner Sinn äußerst kreativ mit Empirie und Theorie umgehen.”
Update (3. Juni): Die letzten Tage habe ich damit verbracht, mich selbst detailliert in die Target-Thesen von HWS einzuarbeiten. Herausgekommen ist dabei der Beitrag “Traktoren, Targetsalden, Trugschlüsse – HWS hat sich verrannt“.
Dass er seine Thesen extrem überspitzt, hat Sinn im Vorwort seines Buch “Basarökonomie” vor Jahren selbst eingeräumt:
“Natürlich ist der Begriff der Basar-Ökonomie eine Karikatur, und natürlich ist Deutschland heute noch keine Basar-Ökonomie.”
Von Professoren der Volkswirtschaftslehre – noch dazu von solchen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit der Medien stehen – würde ich eigentlich erwarten, dass sie keine Karikaturen zeichnen und mit schrillen Thesen durch die Medien tingeln. Was wir brauchen sind Ökonomen, die differenziert, sachlich und uneitel argumentieren. Ist das zu viel verlangt?
P.S.: Richtig schmunzeln (und gleichzeit den Kopf schütteln) musste ich übrigens, als ich im Oktober 2008 das Interview las, das Hans-Werner Sinn den Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) gegeben hatte, und zwar über folgende Passage:
FAS: In den Lehrbüchern der Ökonomen konnten wir nicht lesen, was da auf uns zukommt.
Sinn: Vielleicht lesen Sie die falschen Lehrbücher. Es gibt eine umfangreiche, kaum noch zu überschauende Literatur zu den Finanzkrisen. Ich selbst habe über den Laschheitswettbewerb bei der Bankenregulierung geschrieben, und die Analyse der überhöhten Risikobereitschaft, die durch zu geringes Eigenkapital verursacht wird, war ein zentrales Thema meiner Dissertation aus dem Jahr 1977.
FAS: Auch wenn sich die Krise angekündigt hat, an einen derartigen Sturm hat niemand gedacht.
Sinn: Gedacht schon, aber keiner wollte die Krise herbeireden. Ich selbst bin seit langem überzeugt, dass die Regulierung zu lasch ist. Ob Asien-Krise, Weltschuldenkrise oder andere Krisen: stets kamen die Krisen zustande, weil den Banken erlaubt wurde, mit zu wenig Eigenkapital zu operieren. Die Weltgemeinschaft wird lernen müssen, dass Marktwirtschaft nicht Anarchie bedeutet – in der jeder tun und lassen kann, was er will. Man braucht strikte Spielregeln – auch für den Finanzsektor
Mein erster Gedanke damals war: Wenn er das alles schon in seiner Doktorarbeit hat kommen sehen, warum hat er dann in den letzten Jahren nicht durch die Medien gezogen und unaufhörlich über die riesigen Risiken, die das Finanzsystem aufgehäuft haben, geredet und gewarnt, statt über die Basar-Ökonomie und das grüne Paradoxon zu predigen?
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39 Kommentare zu “Die fragwürdigen Kampagnen des Hans-Werner Sinn”
die basar-ökonomie hat die agenda 2010 mit sich gebracht. das war nen geschenk an die politik.
bei griechenland bin ich für nen haircut, auch wenn seine argumente nicht die meinen sind. und seine ausführungen zur lücke im target 2 system haben zumindest mich auf die fährte geführt, dass die ezb ihre risiken immer stärker immer weiter verteilt.
man kann ja die art und weise wie er das alles aufzieht nicht mögen… aber er stößt die debatten an, die es braucht. und schlussendlich liegt es doch an der gesellschaft, was sie daraus macht… denn die rein ökonomische betrachtung ist auch nicht die einzig wahre im menschlichen dasein.
deswegen mag ich den sinn eigentlich ganz gerne. oftmals sinnlos, aber mit effekt.
dass inflationäre geldsysteme krisen produzieren… naja. welch wunder. schon galbraight machte da nen 20 jahres-rhytmus aus. klappern gehört zum handwerk. ;) das schlimme ist doch, dass journalisten so nen kram auch noch einfach weiterplappern in dem sinne, dass sie diese aussagen dann als ihre eigenen behauptungen übernehmen.
ach und das grüne paradoxon ist im kern nun wahrlich nicht falsch, wenn man der theorie zuneigt, dass die fördermengen offizieller natur nach unten frisiert werden. dass nun zeitgleich zu sinns theorie die ölmarktpreis-manipulationen so richtig “fett” zu werden begannen.. zeigen die aktuellen untersuchungen in den usa.
wie auch immer man diesen punkt sehen mag. das war ein wunderbarer konter ggü. den gängigen peak-oil-phrasen seinerzeit.
ich kann das alles nicht so verbissen sehen.
mfg
mh
[...] Hans-Werner Sinn mach in seiner Argumentation zu den Leistungsbilanzen einen Denkfehler. Olaf Storbeck sieht es im Handelsblatt ähnlich und Frank Lübberding ist mit anderer Stoßrichtung auch on the [...]
Als hochgradig gefährlich ist der Euro einzustufen! Dieser Währungswahnsinn hat Deutschland bisher 2500 Milliarden gekostet
(link)
Dem schlechten Geld noch gutes hinterher zu werfen, ist so ziemlich das Dümmste, was man machen kann. Der Euro hat ausgedient.
Wann schreibt die Presse über Papandreous Betrug? Diese Sozialisten sind doch wirklich das allerletzte. Dem Volk Wasser predigen und selbst die Spitzenweine trinken.
Papandreou hat seiner Familie klammheimlich 23 Mrd. Euro auf Steuerzahlers Kosten zukommen lassen. (link)
Ich bin nicht bereit, für irgendwelche Bail-outs zu bezahlen. Eine Regierung, welche das befürwortet gehört sofort abgesetzt.
Der Euro ist eine Fehlentscheidung! Das sollten die Politiker lieber mal zugeben als ständig auf einen Fehler noch einen Fehler drauf zu setzen.
Es widert mich nur noch an!
[Anmerkung von Olaf Storbeck: Bitte argumentieren sie sachlich. Forderungen, dass eine Regierung, die einen Bailout beschliesst, "sofort abgesetzt" gehört, möchte ihr hier nicht mehr lesen. Solange die Regierung demokratisch gewählt ist und über eine parlamentarische Mehrheit verfügt, kann sie jeden Bailout der Welt beschließen. Die Zeiten, in denen eine Regierung "sofort abegesetzt" wird, sind zum Glück seit ein paar Jahrzehnten in Deutschland und Dem Rest Europas Geschichte.]
Ist doch schön, dass wenigstens Prof. Sinn zur richtigen Einsicht gekommen ist. Das würde ich mir auch von den Politikern wünschen. Außerdem gab es genug Warner. Aber auf die wollte niemand hören. Politiker glauben immer, sie wüssten alles besser. Dabei sind sie oft dümmer als irgendein Schafhirt (ohne die Schafhirten beleidigen zu wollen, denn die haben meistens mehr gesunden Hausverstand als die sogenannten Eliten).
Grossartiger Kommentar!
Warum kann ich hier nicht 5 Sterne hinterlegen!
Bernd Henry
Hallo Herr Storbeck
Also vielleicht verstehe ich es ja nicht. Und vielleicht kann es mir mal bitte jemand (vielleicht Sie Herr Storbeck?) erklären: Warum haben wir eine “Euro-Krise” also eine Währung-Krise und warum würde der Euro pleite gehen?
Eine Währung kann doch garnicht pleite gehen oder?
Sie kann nur wertlos werden. Und der einzige Grund warum der Euro wertloser wird, also die Geldmenge anwächst und somit früher und später die Inflation steigt ist allein das tun der EZB. Also der Zentralbank. Ob nun jemand pleite geht welcher diese Währung nutzt hat überhaupt nichts damit zu tun erstmal.
Nur das jetzt die EZB Staatsschulden von Griechenland gekauft hat. Was somit eine Erhöhung der Geldmenge darstellt solange die EZB das Geld nicht irgendwann wieder “einsammelt”.
Somit also nochmal die Frage. Warum hat eine Schuldenkrise etwas mit einer Euro-Krise zu tun? Soweit ich das sehe überhaupt nichts, der Euro ist nicht in einer Krise. Oder zumindest erheblich weniger als der US Dollar dessen Geldmenge um das vielfache erhöht wird als die des Euros.
Mit freundlichen Grüßen und der Hoffnung auf einer Antwort
Thorsten Biegner
“Solange die Regierung demokratisch gewählt ist und über eine parlamentarische Mehrheit verfügt, kann sie jeden Bailout der Welt beschließen.”
Ach wirklich? Ist das so?
Auch wenn sie dabei gegen die (deutsche UND europäische Verfassung und ihren Amtseid verstösst (“Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.”)?
Man braucht weder “rechts” noch “links” zu sein, um zu erkennen, dass hier ein Parlament nahezu und die Regierung komplett das begehen, was man jedem Normalsterblichen als Hochverrat vorwerfen würde.
@ Thorsten Biegner: Ich werde es versuchen. Euro-Krise bedeutet nicht, dass der Euro Pleite geht. Auch die EZB kann nicht zahlungsunfähig werden, da sie ja jederzeit neues Geld drucken könnte.
Eine Währung kann entweder wertloser werden durch Inflation (im Euro-Raum meines Erachtens kein Thema, die Preisanstiege, die wir im Moment haben, sind weitgehend exogenen Faktoren geschuldet wie den Rohstoffpreisen, auf die die Geldpolitik keinen Einfluss hat), und / oder der Wechselkurs kann abstürzen. Volkswirte sprechen von der „internen“ und der „externen Stabilität“.
Die Euro-Krise ist anders geartet. Das Problem ist, dass Regierungen bzw. Staaten in einer Währungsunion können Regierungen deutlich eher pleite gehen können, als wenn sie ihre eigene Währung hätten. Wenn es noch die Drachme gäbe (und sich der griechische Staat in der eigenen Währung und nicht in Dollar, D-Mark oder irgendeiner anderen Fremdwährung verschuldet hätte), könnte Griechenland seine Staatsschulden einfach damit zurückzahlen, indem die Notenbank neues Geld druckt. Dann würde die Drachme an den Devisenmärkten abwerten, und Griechenland würde evtl. ein Inflationsproblem kriegen.
In der Währungsunion geht das nicht mehr, da die griechische Regierung keinen Zugriff auf die Notenbank hat. Ihre Zinsen müssen die Griechen in Euros zahlen, und die kriegen sie entweder über die Steuereinnahmen, neue Staatsschulden oder Hilfen von EU und IWF.
Warum können wir die Griechen nicht einfach pleite gehen lassen? Erstens müssten wir danach vermutlich zahlreiche Banken, die griechische Anleihen gekauft haben und die erhebliche Zahlungsausfälle hinnehmen müssten, retten. Wenn wir diese Banken auch Pleite gehen lassen würden, hätte das massive negative Folgen für die Realwirtschaft, die auf ein funktionierendes Finanzsystem angewiesen ist.
Zweitens – und das ist vermutlich wichtiger – würde auf den Finanzmärkten Panik ausbrechen. Es käme zu einem Domino-Effekt: Wer Anleihen anderer Euro-Peripherie-Staaten wie Irland, Portugal, Spanien usw. besäßen, würde diese verkaufen. Die Kurse dieser Anleihen würden fallen, die Länder hätten kaum eine Möglichkeit, neue Kredite aufzunehmen und wären ziemlich schnell ebenfalls zahlungsunfähig. Hilft man ihnen auch nicht, wären weitere Banken-Pleiten die effektiven Zinsen massiv steigen – auch diese Länder wären dann ziemlich schnell pleite. Ob solch ein Chaos schon bei einem Haircut oder einer anderen Restrukturierung auftreten würde, darüber streiten sich die Gelerten. Die EZB meint: ja, manche Ökonomen meinen nein.
Aus dem Euro auszutreten, wäre für Griechenland keine Alternative – vorher würde jeder, der in Griechenland Bankguthaben in Euro hat, sein Geld abziehen, da die neue Drachme ja massiv abwerten würde. Außerdem wäre auch die Regierung de facto pleite, weil sie ja ihre Staatsanleihen in Euro hat und die dann erst recht nicht mehr bedienen könnte. Und die Panik auf den Finanzmärkten wäre umso größer.
Aus meiner Sicht gibt es daher zu einem Bailout erster Klasse keine Alternative – aus „deutschem Interesse“. Sehr helfen würde meiner Meinung nach, wenn die EZB in großem Stil Staatsanleihen aus den Problemländern aufkaufen würde – so, wie es die Fed mit den Subprime-Schrottkrediten gemacht hat. Das würde kurzfristig den Markt stabilisieren, und Inflationgefahren sehe ich dabei nicht.
Geld zu drucken führt keineswegs immer zu mehr Inflation. So hat der Chicagoer Ökonom Harald Uhlig in einer Studie festgestellt:
Parallel zum Bailout muss man sich natürlich was einfallen lassen, wie man vermeidet, dass Regierungen in Zukunft auf Bailouts vertauen und sich hemmungslos verschulden.
Ich empfehle ihnen, mal nachzulesen, was man unter Hochverrat versteht: klick Und wieso sollte ein Hilfspaket für Griechenland gegen das Grundgesetz verstoßen? (Eine europäische Verfassung gibt es meines Wissens noch nicht.)
Vorsicht! Olaf Storbeck ist gekauft!
Genau – vom Handelsblatt :-)
[...] entsetzt bin ich, wie HWS dann von Olaf Storbeck kritisiert wird für seine Gegnerschaft zur Griechenlandrettung. Natürlich sind HWS Thesen zur Geldschöpfung der [...]
Es wurde Zeit, die mitunter irritierenden Auftritte Herrn Prof. Dr. Sinns in öffentlichen Diskursen sachlich wie fachlich auf den Prüfstand zu stellen: Das ist Herrn Storbeck zumindest aus hiesiger Sicht gelungen.
“Bailout”, “Haircut”, etc.pp.: was aus Sicht eines politikaffinen indes erstaunt bleibt eine Art Naivität, hinsichtlich damit verbundener, auch politischer, Konsequenzen. Nun mag man beklagen, daß es allenthalben an ökonomischem Sachverstand mangelt, was ja auch geschieht. Die politischen Konsequenzen, das wird imao doch schon noch unterschätzt, hat ein Gemeinwesen insgesamt zu tragen.
Das rechtfertigt vielleicht nicht die zögerliche Haltung vieler Beteiligter in der Politik, erklärte sie jedoch.
Werter Herr Storbeck,
im wesentlichen stimme ich Ihnen bei der Beurteilung von HWS zu. Vieles ist überspitzt und einseitig präsentiert, manchmal sogar unrichtig und unvollständig.
Bezüglich Ihres PS kann man HWS durchaus fragen, weshalb er nicht viel klarer und häufiger die Probleme des Gebarens im Finanzsektor an die Öffentlichkeit gebracht hat. Allerdings stimmt es, wenn er sagt, daß für den Bereich der financial intermediaries reichlich wissenschaftlicher Lesestoff vorhanden war. Das sogar schon 1970 – damals hatte ich meine Diplomarbeit zu dem Thema verfasst.
Die Gefahren und Probleme für das Geldwesen wurden bereits vor 40 Jahren aufgezeigt. Allerdings wollte das außerhalb der Universitäten wohl kaum jemand zur Kenntnis nehmen.
Wunderbarer Artikel.
Insbesondere beim Punkt mit der Basarökonomie habe ich mich auch immer immer gefragt, wie Sinn die internationale Supply-Chain zu einer Schwäche des Standorts Deutschland gemacht hat, obwohl es gleichzeitig immer weiter steigende Handelsbilanzüberschüsse gab. Und wieso jemand so lange mit dieser These durch die Medien tingeln kann, ohne dass die entscheidende Frage (“Sie sagen also, die Statistik zur Handelsbilanz ist falsch?”) gestellt wird.
Man müsste doch eigentlich als Journalist an jeden Artikel zu dem Thema einen Disclaimer setzen: Achtung, Sinn ignoriert die Handelsbilanz und kann nichts darauf antworten.
Generell kann ich voll zustimmen: Sinn hat eine gute These, eine gute Anmerkung, die die Betrachtung durchaus erhellt ( i die deutsche Wirtschaft wäre wahrscheinlich wirklich schwächer, wenn es nicht preiswerte Werkbanken im (nahen) Ausland gäbe. ii Durch den Euro ist massiv Geld in die PIGS Länder abgeflossen. iii Und auch der Gedanke, dass der Energiemarkt weltweit ist und unsere Mindernachfrage nach Öl den Preis senkt und damit Öl für China interessanter macht, ist ja richtig. Nur zieht Sinn daraus fast immer ziemlich falsche Schlüsse)
@Olaf Storbeck
Hall Herr Storbeck
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Es freut mich, dass Sie auch der Meinung sind, dass wir keine Währungskrise haben; dem Euro selbst geht es ziemlich gut.
Aber in den Medien wird immer von Euro-Krise gesprochen und ich denke “der normale Bürger” denkt der Euro selbst, die Währung, wäre gefährdet was ja nicht der Fall ist. Und solche welche von einer Euro-Krise sprechen meinen glaube ich auch oft den Euro und nicht die EU an sich.
Ich teile Ihre Meinung, dass man erst mal versuchen musste Griechenland so zu helfen. Aber das scheint nicht zu funktionieren. Und der nächste Schritt ist nun langsam gekommen, dass wir eine Umschuldung brauchen. Denn nach meiner Meinung sollten wir nicht zu einer Transferunion verkommen. Wir können ja nicht auf ewig den Griechen auf diese Weise helfen. Denn wem helfen wir aktuell wirklich?: den Banken (Französische und Commerzbank) den Gläubigern von Griechenland. Grundsätzlich ist es falsch Verluste zu verstaatlichen und Gewinne dann zu privatisieren doch genau das geschieht gerade. Und ich denke das kann nicht so weiter gehen, solche Maßnahmen sind grundlegend ungerecht. Es ist die Entscheidung eines Gläubigers ein Risiko zu tragen und einzugehen, dass ist das Grundprinzip des Kapitalismus und unserer Marktwirtschaft. Diese Prinzipien dürfen nicht gebrochen werden. Denn so verlieren die Regierungen das Vertrauen der Bevölkerung.
Ich stimme Ihnen zu: Es ist keine Option, dass Griechenland den Euro verlässt. Aber Deutschland könnte mit anderen starken Ländern den Euro verlassen und eine “Euromark” gründen. Persönlich mag ich den Schritt auch nicht denn auch mir liegt der Euro und die EU die Gemeinschaft zu sehr am Herzen aber: es wäre eine Möglichkeit.
Ich teile Ihre Meinung, dass es durch eine erhöhte Geldmenge nicht direkt zur Inflation kommen muss. Aber am Ende ist und bleibt ein solcher Schritt eine Augenwischerei und eine Umverteilung von den Armen zu den Reichen. Denn wer bekommt das Geld zuerst? Die Banken und Regierungen. Da halte ich mich ganz an Ron Paul: Die Geldmenge sollte grundsätzlich überhaupt nicht erhöht werden.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Biegner
[...] Olaf Storbeck gestern in einem Blog-Artikel meines Ex-Arbeitgebers “Handelsblatt”: Er mag den Ökonomen Hans-Werner Sinn nicht. Und so recherchiert er ihn mit Verve nach. Auch er ist nicht komplett unvoreingenommen – doch [...]
@ egghat: Danke für die Blumen. Ich habe Sinn die Frage nach der Handelsbilanz tatsächlich vor Jahren, als die Basar-Debatte kochte, mehrfach gestellt; und er hat sie nicht schlüssig beantwortet.
@ Thorsten Biegner: Unabhängig davon, dass ich einen Ausstieg der Nord-Staaten aus dem Euro europapolitisch für eine absolute Katastrophe halten würde – er würde aus meiner Sicht auch wirtschaftspolitisch keinen Sinn machen. Die Griechen wären dann trotzdem pleite, und unsere Banken würden trotzdem Probleme kriegen.
Sie haben natürlich vollkommen Recht, dass es “grundlegend ungerecht” ist, die Verluste zu verstaatlichen und die Gewinne zu privatisieren. Ich fürchte nur, dass es in der derzeitigen Situation dazu kaum eine vernünftige Alternative gibt. Alles andere wäre so ähnlich, als würden wir einem übergewichtigen Kettenraucher, der einen aktuten Herzinfarkt hat, die Behandlung verweigern – mit dem Argument, der hätte halt gesünder leben sollen. (Der Vergleich hinkt insofern, als dass wir bei der Schuldenkrise das Ableben des Herzinfarkt-Patienten nicht nur für ihn selbst, sondern auch für uns extrem unangenehmt wäre.
Das Problem müssen wir lösen, indem wir vernünftige Institutionen schaffen, die die Wahrscheinlichkeit, dass sowas in der Zukunft passiert, reduzieren. (Zum Teil wird das nicht möglich sein – die Iren zum Beispiel sind ja nicht wegen einer unvernünftigen Haushaltspolitik in der Grütze, die hatten vor Ausbruch der Krise mit die solidesten Staatsfinanzen.)
Wenn man das Moral-Harzard-Problem nicht in den Griff kriegt und Angst hat, dass ein Griechenland-Bailout alle möglichen Euro-Länder zu einer laschen Haushaltspolitik animieren würde, wäre aus meiner Sicht eine Extrem-Variante theoretisch denkbar: Wir geben Griechenland einen Bailout erster Klasse (der ist in unserem ureigenen Interesse, weil sonst eine Kernschmelze auf den Finanzmärkten droht) und schmeißen die Griechen danach aus Euro-Zone (und ggf. der EU) raus – als Warnung an alle anderen, dass es so nicht geht.
Europa-Politisch wäre das natürlich extrem fragwürdig, und juristisch natürlich unmöglich…
Es ist falsch, wenn behauptet wird, Sinn wolle den Griechen nicht helfen. Sinn ist ja für einen Schuldenschnitt, für eine Entschuldung. Ist es keine Hilfe für die Griechen, wenn man ihnen einen großen Teil ihrer Schulden erlässt?
1. ….entweder die Handelsstatistiken falsch sind .Ansonsten müssten die Vorprodukte, die wie importieren und auf die wir nur noch “Made in Germany” draufschreiben, zu steigenden Einfuhren führen. Importe und Exporte müssten dann also parallel steigen – tatsächlich ist aber die Lücke zwischen beiden immer größer geworden…..
2….
…
Na ja, Herr Storbeck. Ob das so richtig ist?
Wir leben in einer Welt der Heckscher-Ohlin-Problematik. Wir haben nicht nur die “kundennahen” Endstufen sondern auch diejenigen mit der höchsten Wertschöpfung, dem höchsten Kapitalbedarf und Kapitalabhängigen Umgebungsvariablen (Bildung, Infrastruktur etc.). Die Preisentwicklung der Vorstufen ist u.a. abhängig von der Lohn/Preis-Entwicklung (des Exportsektors) im Ausland. Die Wertschöpfungsentwicklung bei uns ist dementgegen von der Lohnentwicklung im Exportsektor hier bei uns abhängig – und von den Kapitalkosten. Und das nicht mit relativen Werten zu messen sondern nominal. Also nicht 1% höhere Löhne in China mit 1% höheren Löhnen bei Siemens gleichsetzen, denn das würde trotzdem ein weiteres auseinander gehen des Saldos bei gleichbleibenden Gütermengen bedeuten.
Und es ist mir schon fast etwas peinlich wenn ich hier ausgerechnet Sinn etwas beipflichten muss. Aber ich habe neben meinen Ansichten gute Ausreden in Form von Personen wie Levy, Cochan, Hanson, Dorn (alle vom MIT) dafür welche u.a. die Wirkung des Handels mit China für die USA untersucht haben. Ich verweise einmal frech auf einen Blogbeitrag von mir von vor 10 Tagen dazu: (link)
Ich würde daher die Basarökonomie nicht so weit wegschieben. Man kann es tatsächlich dem Heckscher-Ohlin-Problem zuordnen. Wobei ich davon ausgehe das Sinn dies so nicht tun würde, denn dies würde ganz andere Dinge als Maßnahmenpakete beinhalten welche einem marktliberalen wie ihm vermutlich ganz und gar nicht schmecken würde.
Grüße
ALOA
@ aloa5
Oh je, hätte ich geahnt, dass ich hier eine Debatte über diese elende Basar-These an der Backe habe….
So wie ich das Heckscher-Ohlin-Modell und die Basar-These verstehe, hat beides nur begrenzt miteinander zu tun. Heckscher-Ohlin sagt, dass sich ein Land auf die Produktion der Güter spezialisiert, für die es reichlicher an Produktionsfaktoren ausgestattet ist.
Darum geht es bei der Basar-These doch nur indirekt. Archetypisch wird die Basar-These – und ihre Schwäche – doch an China und dem Beispiel dies iPhone deutlich.
Die Asien Development Bank hat das in einer faszinierenden Studie (Link zur Studie und zu meinem Artikel darüber deutlich:
- Alle Einzelteile werden außerhalb Chinas produziert, dann nach China gebracht und dort zu einem fertigen iPhone zusammgengebaut.
- Der Wert der von China importierten Einzelteile ist $172.46.
- Das iPhone in China zusammenzubauen kostet $6.50
- Wenn das iPhone nach in die USA exportiert wird, taucht es in den Export-Statistiken mit einem Wert von $ 178.96 auf.
Das iPhone beschert der chinesischen Handelsbilanz also einen Überschuß in Höhe von $6.50, nicht aber von $178.96.
Das ist mein Punkt: Wenn wir den Wert der importierten Vorprodukte abziehen und trotzdem einen steigenden Export-Überschuß haben, dann:
- veredeln wir die Vorprodukte entweder so gut, dass das Ausland bereit ist, dafür einen höheren Preis zu zahlen als wenn sie die Vorprodukte ohne Umweg über Deutschland kaufen würden
- oder das Ausland ist dumm, und zahlt mehr für ein Produkt, wo “Made in Germany” draufsteht, obwohl es die gleichen Sachen auch ohne Umweg über Deutschland kaufen kann
- die Statistiken simmen nicht, weil wir den Wert der Vorprodukte nicht richtig erfassen.
Sehe nicht, was das alles mit Heckscher-Ohlin zu tun hat. Die klassische Handelstheorie, die sich auf komparative Kostenunterschiede konzentriert, ist für den heutigen Welthandel aber ohnehin nur von sehr begrenztem Wert: Ein Großteil des Welthandels findet ja zwischen den Industrienationen statt, die alle über eine sehr ähnliche Faktorausstattung verfügen, nicht zwischen Industriestaatenn und Entwicklungsländern. Die Economies of Scale, die Krugman in die Handelstheorie eingebracht hat und für die er den Nobelpreis bekam, können das viel, viel besser erklären.
@ Wirtschaftswurm
Nach der Logik wäre ja das Zulassen eines Komplett-Defaults die größte Hilfe, die wir Griechenland leisten könnten ;-)
[...] Olaf Storbeck: Die fragwürdigen Kampagnen des Hans-Werner Sinn [...]
@Olaf Storbeck
Das ist mein Punkt: Wenn wir den Wert der importierten Vorprodukte abziehen und trotzdem einen steigenden Export-Überschuß haben, dann:
- veredeln wir die Vorprodukte entweder so gut, dass das Ausland bereit ist, dafür einen höheren Preis zu zahlen als wenn sie die Vorprodukte ohne Umweg über Deutschland kaufen würden
Das ist unbenommen. ;)
Was ich “kritisiert” habe ist Ihre Bemerkung das Import und Export parallel verlaufen müssten, respektive die Differenz zwischen Import und Export ebenfalls parallel verlaufen müsste. Das alleine(!) reicht für eine Kritik an von Sinn nicht aus (Ihre jetzigen Ausführungen gehen ja über das von mir ktitisierte hinaus).
Heckscher-Ohlin ist etwas spezieller als Ricardo und stellt auf den Unterschied der Produktionsfaktoren Kapital vs. Arbeit ab. Diese können (und werden ggfs.) unabhängig voneinander Teuerungen bedeuten und können (müssen nicht) damit auch ein auseinanderdriften zwischen Import- und Exportwerten bedeuten.
Das Beispiel mit dem Ipad ist nicht schlecht. Nur das es bei uns ggfs. (-Kapitalbedingt-) anders herum läuft. Wir erwerben Einzelteile zu 6,50 Euro aus China und setzen es in Wolfsburg mittels High-Tech zusammen. Das kann aber (und das ist mein Punkt) durchaus ein auseinander driften bedeuten. Wenn die Endmontagearbeiter am Band mit Ihren Robotern hier 5% mehr erhalten, der Kapitalmarkt höhere Renditen haben möchte und hohe Investitionssummen notwendig sind, dann kann(!) diese Steigerung dazu führen das die Leistung hier sich unabhängig bewegt.
Beispiel:
Ankauf aus China 3.000 Euro
Endmontage hier: 5.000
Ausfuhr: 8.000
Überschuss/BIP: 5.000
Bekommen Chinesen 3% mehr Lohn sind das 90 Euro. Bleiben die Kosten hier konstant verringert sich der Überschuss. Steigen sie ebenfalls um 3%, dann sind wir schon bei einem steigenden Überschuss. Erhöhen sich die Kosten hier jedoch um 4% driftet es schnell auseinander, denn das Endprodukt wird wesentlich teurer im Verkauf.
Was gegen Sinn spricht ist, das wir viele Dinge/Produktionen (geringer Kapitalintensität) nicht nur teilweise sondern komplett ins Ausland verlagern und gegen hochwertiges eintauschen. Das ist im übrigen die Kernthese von Heckscher-Ohlin.
Grüße
ALOA
@aloa5: ah, dann haben wir letztlich über unterschiedliche Dinge gesprochen, und meine Formulierung war nicht klar genug. Kern der Basar-These, so wie ich sie verstehe, ist: Deutschland verlagert immer mehr Wertschöpfung ins Ausland.
Ein Beispiel mit Ihren Zahlen: Die heimische Wertschöpfung fällt – wegen der hohen Kosten im Inland – von 5000 auf z.B. auf 3500 Euro, die importierten Vorleistungen steigen von 3000 auf 4500 Euro. Wenn wir das Endprodukt (ohne Gewinn) wieder für 8000 Euro wieder exportieren, ist der “Made in Germany”-Anteil von 62,5% auf 43,75% gefallen. In den Handelstatistiken stehen die Exporte aber mit 8000 Euro drin.
Ich will gar nicht wegdiskutieren, dass das stattfindet – die Frage ist nur, ob man damit den steigenden Export-Überschuß Deutschlands erklären kann. Wenn die Handelsstatistiken stimmen, dann nicht. In Ihrem Beispiel lag der Handelsüberschuss bei 5000 (Ex-Im) Euro, in meinem SINKT er auf 3500 (Ex=8000, Im=4500).
Was ich also meine ist: Wenn wir Teile der Wertschöpfungskette ins Ausland verlagern und die Produkte dann importieren, müssten dadurch parallel auch die Importe steigen und das Handelsbilanz-Saldo schrumpfen.
Wenn ich mich richtig erinnere, lautete Sinns Einwand, dass dieser Effekt überkompensiert wird dadurch, dass die Nachfrage nach deutschen Produkten auf der Welt absolut steigt, und dass daher trotz sinkender relativer inländischer Wertschöpfung der Exportüberschuss durch den Mengeneffekt
absolut steigt.
Im Beispiel würde das bedeuteten: Statt Waren im Wert von 8000 Euro exportieren wir zum Beispiel welche im Wert von 12.000 Euro. Bei 43,75% heimischer Wertschöpfung stecken da 5250 Euro “Made in Germany” und 6750 Euro ausländischer Wertschöpfung drin. Dann steigt der Handeslbilanz-Überschuss trotzdem auf 5250 Euro.
Aber: Wenn der Basar-Effekt wirklich relevant ist, müssten dann unsere Importe im Vergleich zu den Exporten überproportional stark steigen. Das war, wenn ich die Handelsbilanzzahlen von vor der Krise richtig im Kopf habe, nicht der Fall.
Un selbst wenn das alles so ein sollte, erschließt sich mir daran nicht, was an dieser Entwicklung schlecht sein sollte, wie Sinn suggeriert. Dass steigende internationale Arbeitsteilung bedeutet, dass man mehr Dinge importiert, liegt doch eigenlicht auf der Hand, oder?
@Olaf Storbeck
Ich habe mich an Sinn orientiert wie Sie ihn zitiert hatten:
Deutschland spezialisiert sich auf die kundennahen Endstufen der Industrieproduktion und verlagert die arbeitsintensiven Vorproduktstufen in andere Länder.
Ihre Annahme ist wie folgt:
Kernder Basar-These, so wie ich sie verstehe, ist: Deutschland verlagert immer mehr Wertschöpfung ins Ausland.
Sie haben “arbeitsintensiv” durch “Wertschöpfung” ausgetauscht. Mit “arbeitsintensiv” wären wir hauptsächlich und inzwischen nachweislich bei Heckscher-Ohlin. Insofern haben wir sicherlich aneinander vorbei geredet. Was von Sinn tatsächlich alles meint (und ob Ihre Annahme daher berechtigt ist) kann ich jedoch nicht abschätzen.
Womit er Recht hätte wäre, das durch diese Verlagerung Arbeit (bzw. Arbeitszeit) abwandert. Das ist des was m.E. die MIT-Studien aussagen. Für die USA ist das Problem jedoch wesentlich größer als für uns.
Grüße
ALOA
Das ist doch genau der wichtige Punkt: Wir veredeln die Vorprodukte, können aber über die Massenproduktion als Volkswirtschaft nicht mehr positive Effekte für die Beschäftigung erzielen. Insofern ist es falsch, uns noch als klassische Industrienation zu betrachten. Siehe auch: link
Wenn ich mich richtig erinnere, lautete Sinns Einwand, dass dieser Effekt überkompensiert wird dadurch, dass die Nachfrage nach deutschen Produkten auf der Welt absolut steigt, und dass daher trotz sinkender relativer inländischer Wertschöpfung der Exportüberschuss durch den Mengeneffekt absolut steigt.
Als kleinen Nachtrag möchte ich hier noch meine Sichtweise darstellen welche von der von vSinn abweichend sein wird/kann:
Der Effekt des abwanderns von Arbeitszeit (und der darin enthaltenen billigen Arbeitskraft) wird überkompensiert durch die Nachfrage nach teurem BIP-trächtigem High-Tech-Output welcher von Hochqualifizierten produziert wird.
Ich habe mir gerade nochmal in Ruhe einen zentralen Sinn’schen Basar-Text durchgelesen (Link). Ich verstehe wirklich nicht ansatzweise, was er meint. Er schreibt einerseits:
Ein paar Absätze später schreibt er:
Eine Begründung dafür spart er sich leider. Was meint Sinn mit “internationaler Spezialisierung”? Meint er damit, dass deutsche Unternehmenen immer mehr Vorprodukte im Ausland kaufen, diese dann veredeln und wieder ins Ausland verkaufen (Das ist ja der Basar-Effekt.) Warum steigt dann die Wertschöpfung im Inland? Das macht doch alles keinen Sinn….
Je länger ich darüber nachdenke, desto verworrener finde ich seine Diskussion. Wir sollten diese Quatsch-Debatte schleunigst wieder beerdingen….
Hm.
Vielmehr liegt es geradezu in der Natur der internationalen Spezialisierung, dass die Wertschöpfung im Export überdurchschnittlich steigt,
Bis hierhin ist es noch klar – Ricardo.
und die Spezialisierung auf Basar-Tätigkeiten ist hiervon keine Ausnahme
Das ist in der Tat eine merkwürdige Äußerung. Komparative Kostenvorteile beruhen darauf das man bessere Voraussetzungen als andere besitzt. Dem kann bei Produkten oder der Produktherstellung oder Veredelung jederzeit der Fall sein. Sinn scheint davon auszugehen das man auch besser handeln kann? Das ergäbe nicht viel Sinn. Dann wohl doch eher veredeln als handeln. Davor erklärt er das die Marge pro Produkteinheit sinken würde. Gut – kann man annehmen und erklären das es dann die Masse macht. Anstatt mit 100 Mann 100 Einheiten zu fertigen lässt man sich 200 Einheiten anliefern und veredelt und schleust die doppelte Menge Ware durch. Pro Einheit weniger Marge, insgesamt aber mehr, weil es eben doppelt so viele Einheiten sind.
Nur das nicht mehr 100 Personen daran tätig sind sondern nur noch 60 – und 40 arbeitslose.
Grüße
ALOA
@gsohn
Jein. Wir in Deutschland machen durchas noch etwas. In den USA ist dem nicht mehr ganz so.
Es sind jedoch hauptsächlich Hochqualifizierte Arbeiten oder Hochkapitalisierte Arbeitsplätze. Der Rest hat keine Jobs. Das ist ungenutztes Potential. Das wäre nicht notwendig. Allerdings teile ich eben un-Sinn-ige Vorschläge wie Kombilöhne oder ein zurückfahren der sog. “Lohnnebenkosten” als Problemlöser nicht. Es gibt andere Möglichkeiten die Problemaik anzugehen.
[...] Die fragwürdigen Kampagnen des Hans-Werner Sinn (Handelsblatt.com) – Hans-Werner Sinn vom IFO-Institut wird hier kritisch durchleuchtet (via Indiskretion Ehrensache, wo Thomas Knüwer feststellt, dass es eigentlich keinen unvoreingenommenen Journalismus geben kann). [...]
[...] Storbeck vom Handelsblatt und ich in Bezug auf von Sinns sog. „Basarökonomie“ gerade gesprochen haben. Dem kann man nicht damit begegnen das man die Löhne der gering qualifizierten senkt und Druck [...]
Ich hätte da mal eine generelle Frage, was passiert eigentlich mit dem Exportüberschuß langfristig gesehen ? Wenn man den Überschuß seid Gründung der Bundesrepublik aufaddiert müßte da ja eine größere Billionensumme herauskommen. Faktisch arbeiten wir mehr für das Ausland als das Ausland für uns arbeitet. Aber was haben wir von dieser Forderung gegenüber dem Ausland, dieser Überschuss macht doch nur dann Sinn wenn er irgendwann wieder zurückkommt !? Wie ist eigentlich die Verzinsung dieser Forderungen gewesen ?
@PotzBlitzDonner
Gute Fragen. Antwort: “das kommt darauf an”.
Richtig ist das sowohl innerhalb einer Volkswirtschaft als auch zwischen Ländern nicht immer einer Vermögenszuwächse haben kann und der andere Minus macht. Dem sind irgendwo Grenzen gesetzt. In dem einen wie in dem anderen Fall hat man zuerst einmal eine Geldforderung. Manchmal kann man daraus noch Kapital schlagen indem man eine Sicherheit verwertet.
Grundsätzlich kann man ggfs. auch bei ansteigenden Guthaben welche nicht *direkt* zurückkommen (also auch nicht oder niemals verwertet werden können) etwas davon haben. Zumindest so lange bis die Geschichte mit den Krediten auffliegt und der Kreditnehmer Pleite geht hat man m.E. ein ganz gutes Auskommen und wenn man es “richtig” macht einen ansteigenden Wohlstand zu vermelden. in Konkurrenz zum anderen gesehen jedenfalls ein “besseres”(tm) Auskommen.
Was den Vermögenssaldo angeht vielleicht einmal diese Grafik ansehen: (link)
Woran man sehen kann das es nicht ganz seit Gründung Deutschlands so ist wie es sich derzeit darstellt. Man darf nicht vergessen das zu DM-Zeiten immer wieder die Währung aufgewertet wurde und dadurch das alle, auch die wenig verdienenden etc. immer mehr (billigeres) aus dem Ausland konsumieren konnten den Handelssaldo wieder etwas nivelliert haben.
Seit der Einführung des Euro ist dieser Effekt weggefallen. Leider hat man es versäumt das Deutsche Steuer- und Abgabensystem welches nicht darauf ausgelegt ist die Verteilung der Exportgewinne in diesem Umfang vorzunehmen zu reformieren. Das habe ich schon mehrfach in meinem Blog thematisiert und stellt das Grundproblem welches nicht nur wir Deutsche mit dem Euro haben dar.
Grüße
ALOA
Als Nicht-Ökonom kann ich mich über das Hexen-Einmaleins vieler Ökonomen nur wundern:
1.) Deutschlands Wirtschaft geht es gut, weil der Aufschwung nicht durch eine übermäßige Sparpolitik erwürgt wurde. Griechenland geht es dagegen schlecht, weil der Staat der Geldhahn nicht rückartig genug zudreht.
2.) Portugals Staatsfinanzen werden saniert, indem der Staat gezwungen wird, hohe zweistellige Kredite aufzunehmen. Zwar könnte keine Firma solche Wucherzinsen überleben, aber ein Staat kann das.
3.) Der Bundesrepublik kann es egal sein, wenn die internationale Finanzspekulation Südeuropa und Irland sturmreif schießt. Uns werden die Spekulanten schon nichts tun.
4.) Die Rating-Agenturen aus Nicht-Euro-Ländern betreiben eine neutrale und unabhängige Politik, deren Richtlinienkompetenz unbedingt über der z.B. einer Bundeskanzlerin steht – was diese auch neidlos anerkennt.
Aber ich gebe zu, dass ich keine Ahnung habe. Nur: Mir wird unwohl, wenn Europa von Leuten in die Zange genommen wird, deren Interessen nicht die meinen sind und deren struktuell bedingte Verantwortungs-Losigkeit sich in der letzten Finazkrise jedem deutlich wurde.
[...] ein paar Tagen habe ich hier über die fragwürdigen Medienkampagnen von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn geschrieben. Je tiefer ich [...]
[...] die sich mit Prof. Hans-Werner Sinn auseinandersetzen und ihm widersprechen, im Handelsblatt (Olaf Storbeck Die fragwürdigen Kampagnen des Hans-Werner Sinn) und Mark Schieritz in ZEIT Online (hier und hier und hier). Nach dieser Vorbereitung sollte das [...]