Warum importierte Inflation nicht egal ist

Postbank-Volkswirt Heinrich Bayer liefert heute eine bemerkenswerte Analyse darüber, wie sich über steigende Rohstoffpreise der Inflationsdruck in Deutschland verstärkt und warum sich alle täuschen, die die derzeitige importierte Inflation für ein vorübergehendes, vernachlässigbares Phänomen halten.  Das passt übrigens auch prima zu der gestrigen Debatte zwischen Olaf Storbeck und mir im Handelsblog.

Ich empfehle insbesondere die Grafik auf Seite 3 und die dazu gehörige Argumentation. Bayer zeigt, dass die Inflationsraten auf den drei Ebenen Importpreise ohne Öl (7,7 Prozent), Erzeugerpreise ohne Öl (4,4 Prozent) und Großhandelspreise incl. Öl (10,9 Prozent) so hoch sind wie noch nie seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Und er weist darauf hin, dass auch die deutschen Ausfuhrpreise mit 4,9 Prozent extrem hoch sind, obwohl Deutschland nicht gerade als Rohstoffexporteur bekannt ist. Ich zitiere:

“Die Heftigkeit des Preisauftriebs in dieser Breite zeigt, dass die aktuelle Beschleunigung der Inflation keineswegs monokausal ist. Sicherlich ist der Anstieg der Notierungen von Öl und anderen Rohstoffen in diesem Kontext nicht zu vernachlässigen. Von dieser Seite dürfte sogar eine gewisse Entspannung erfolgen. (…) Allerdings rechnen wir auch nicht mit einer Trendwende nach unten.”

Und weiter:

“Als nachhaltiger könnte sich aber eine andere Entwicklung erweisen. Derzeit zieht die starke globale Nachfrage, insbesondere aus den Schwellenländern, auch die Preise für Industriegüter nach oben. Gleichzeitig verteuert die starke Konjunktur in den Schwellenländern die dortige Produktion.”

Die Folge laut Bayer: Tendenziell höhere Inflationsraten als in den vergangenen zehn Jahren stehen uns ins Haus. Gleichzeitig werde die Verknappung qualifizierter Arbeitskräfte in Deutschland dazu führen, dass Zweitrundeneffekte über Lohnsteigerungen eintreten.

Sein Fazit: Die Inflationsraten werden steigen, und zwar auch über den Durchschnitt in der Euro-Zone. Eine Prognose, die auch wir schon vor einiger Zeit vertreten haben.  Es mag also sein, dass die Notenbanken in Europa und Nordamerika die importierte Inflation nicht direkt beeinflussen können. Ignorieren dürfen sie sie aber auch nicht.

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