Das Comeback der Stagflation droht

Ein tot geglaubtes Ungeheuer erhebt sein hässliches Haupt: die Stagflation. Die Kombination aus einer stagnierenden Wirtschaft und hohen Inflationsraten war  im Zeitalter der Schlaghose ein Problem. Der Ölpreisschock von 1973 führte damals in den westlichen Industrieländern zu dieser seltenen und unglückseligen Verbindung. Nun taucht das S-Wort in Großbritannien wieder vermehrt auf, wie hier in der Analyse der jüngsten britischen Wachstumsdaten im ”Motley Fool“.

Nicht zu Unrecht, schaut man sich die Lage auf der Insel an. Die Inflationsrate ist hier stärker als auf dem europäischen Festland gestiegen, liegt nun über vier Prozent und droht nach Einschätzung vieler Ökonomen fünf Prozent noch im Jahresverlauf zu erreichen.

Der Grund dafür, dass die Inflation so viel stärker ist als in der Euro-Zone, liegt in der kräftigen Abwertung des Pfund Sterling begründet. Sie hat den Anstieg der Importpreise, vor allem für Rohstoffe, noch stärker ausfallen lassen als auf der anderen Seite des Kanals. Gleichzeitig hat jedoch die britische Wirtschaft ihre blutleere Erholung nach der Wirtschaftskrise aufgegeben und stagniert nun – auf ein angeblich schneebedingtes Minus von 0,5 Prozent im vierten Quartal 2010 folgte ein Plus von 0,5 Prozent im ersten Quartal 2011. Und zu Beginn des zweiten Quartals greift nun das rabiate 90-Milliarden-Euro-Sparprogramm, mit dem die konservative Regierung das Haushaltsdefizit von mehr als zehn Prozent des BIP abbauen will.

Die Bank of England ignoriert unterdessen die steigenden Inflationserwartungen - sie hat sich in Wahrheit von ihrem Inflationsziel von zwei Prozent verabschiedet und hält die Zinsen nahe Null.  Das ist ein gefährlicher Kurs. Sie verstärkt damit den von den steigenden Rohstoffpreisen verursachten Druck auf die Preise. Das Stagflations-Szenario für Großbritannien ist nicht mehr von der Hand zu weisen – die ganz große Frage ist, ob es auch für die USA am Horizont droht.

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Alle Kommentare [1]

  1. Hmm, wieso verstärkt die Bank of England (BoE) den Druck auf die Preise?

    Mit einer Zinsanhebung wird die BoE zunächst Kreditkosten bei den Unternehmen und auch Konsumkreditkosten der Privaten erhöhen. Allerdings ist die Nachfrage in UK bereits jetzt unter Druck und würde dabei noch mehr erschwert.

    Die Wirtschaft in UK hatte in den Jahren vor der Krise in hohem Maße ihre Impulse aus dem Finanzbereich. Der ist nun ziemlich lädiert. Damit ist auch die Nachfrageseite gedämpft. Die Unternehmen können die Kostensteigerungen nur bedingt weiterreichen, soweit sie Mengenreduzierungen vermeiden wollen.

    Die BoE wird so oder so keine erheblichen Erfolge bei der Inflationsbekämpfung erzielen können. Das Geschäft der britischen Unternehmen brummt ja nicht gerade.