StasiPhone – Apple dreht durch

Bewegungsprotokoll eines iPhones, das in Südengland benutzt wurde (Quelle: Guardian)

Ich konnte es im ersten Moment nicht glauben, was der geschätzte Kollege Richard Gutjahr da gerade über Twitter gejagt hat:

“StasiPhone: #iPhone-Geheimprotokoll speichert Ort + Dauer aller Aufenthaltsorte http://gutja.de/gSrMzx via @guardian”

Aber es stimmt tatsächlich, wie die Kollegen des Guardian recherchiert haben: iPhones mit dem aktuellen Betriebssysstem  (iOS 4) legen heimlich Bewegungsprotokolle ihres Nutzers an.

Die Kollegen berichten:

Security researchers have discovered that Apple‘s iPhone keeps track of where you go – and saves every detail of it to a secret file on the device which is then copied to the owner’s computer when the two are synchronised.

The file contains the latitude and longitude of the phone’s recorded coordinates along with a timestamp, meaning that anyone who stole the phone or the computer could discover details about the owner’s movements using a simple program.

Hätte ich Apple-Aktien, ich würde sie heute verkaufen. Zwar werden die Daten (zumindest soweit  man bislang weiß, vielleicht muss man nur noch etwas länger suchen…) nicht an Apple geschickt,  aber ich halte diesen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer wirklich für unerhört.

Der “Guardian” zitiert Pete Warden, einen der Forscher, der das Geheim-Feature entdeckt hat:

“Apple has made it possible for almost anybody – a jealous spouse, a private detective – with access to your phone or computer to get detailed information about where you’ve been.”

Was denkt sich Apple eigentlich? Dass sie sich alles erlauben können, nur weil sie schicke Geräte bauen, die leicht zu bedienen sind?

Vorerst schweigt das Unternehmen offenbar zu der Enthüllung.

Apple läuft damit Gefahr, das Vertrauen der Kunden nachhaltig zu verlieren. Meins ist jedenfalls futsch. Ich halte das Vorgehen  für eine noch viel größere Unverschämtheit als das geheime Aufzeichnen von W-Lan-Daten durch Google Streetview, das vor einiger Zeit Schlagzeilen machte. Denn die Location-Daten sind so mit die sensibelsten Informationen, die ein Mensch von sich preisgeben kann.

Wie wertvoll diese Informationen für Unternehmen sind, hat mein Kollege Malte Buhse jüngst im Handelsblatt beschrieben.

Ich war ja schon vorher kein großer Fan des Unternehmen, bin aber begeisterter iPhone-Nutzer. Bislang. Mein nächstes Smartphone wird sicherlich kein angebissener Apfel mehr ziehren.

Außerdem bin ich heilfroh, dass ich es bislang nicht auf die Reihe bekommen hatte, ein Update von iOS3 auf iOS4 zu machen.

Update: Mein Kollege Axel Postinett, der aus dem Silicon Valley für das Handelsblatt berichtet, schreibt in seinem Blog Webwatcher, dass es bereits ein Programm zum Download gibt, mit dem man die Bewegungsdaten aus dem iPhone auslesen kann. Den “iPhone Tracker” gibt es hier.

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Alle Kommentare [3]

  1. Über meine Facebook-Seite erreichten mich einige Kommentare:

    “Ist leider ein alter schuh, o’reilley scheint seine konferenz pushen zu wollen… ” lautete einer.

    “Technisch völlig unbedenklich: Die GPS Location wird gecached, damit sie Apps schneller zur Verfügung steht. Ist in der Developer Dokumentation ausführlich beschrieben und nicht ungewöhnlich.”

    Dazu fallen mir allerdings einige Fragen ein:

    1) Warum verschlüsselt Apple die Daten nicht so, dass niemand etwas damit anfangen kann?

    2) Warum kann der Benutzer das nicht – so wie die Location Dienste und das W-Lan – abschalten?

    3) Warum schweigt Apple dazu?