Wie gefährlich ist Josef Ackermann?

Die Kollegen der “taz” haben heute ein bemerkenswertes Interview mit Simon Johnson veröffentlicht . Johnson ist Professor an der Business-School des MIT und war 2007/2008 Chefökonom des IWF.

Es geht um die Banken und das Finanzsystem, und direkt seiner ersten Antwort Johnson ran wie Blücher:

“Ihr [gemeint ist: die Deutsche Bank] Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen. Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht. Also wird auf Gewinn spekuliert – was dann auch die Boni der Manager maximiert.”

Auch die neuen Basel III-Regeln, die das Bankensystem sicherer machen sollen und mehr Eigenkapital verlangen, macht Johnson nieder:

“Basel III bringt überhaupt nichts.”

Johnson regt sich auch über die Lobbyarbeit der Banken auf, die Milliarden Dollar an US-Politiker spenden.

Das Schlimme ist: Der Mann hat so ziemlich auf ganzer Linie Recht.

Tatsache ist, dass Großbanken höhere Risiken eingehen, weil sie sich darauf verlassen können, dass sie von den Regierungen gerettet werden, wenn die Sache schief geht. Das ist keine marxistische Verschwörungstheorie, sondern Ergebnis mehrer wissenschaftllicher Studien, die ich im Handelsblatt vorgestellt habe.

- Die US-Regierung subventioniert jede Großbank im Jahr im Schnitt mit 4,7 Milliarden Dollar. („Size Anomalies in U.S. Bank Stock Returns“)

- Der staatliche Schutz für Großbanken ist so attraktiv, dass er eine zentrale Triebfeder für die vielen Fusionen und Übernahmen in der Branche war. („How Much Did Banks Pay to Become Too Big to Fail?“)

- Die versteckten Staatshilfen für große Geldinstitute  sorgen dafür, dass Banken waghalsigere Geschäfte machen.   (“Is There a Link From Bank Size to Risk Taking?”)

- Basel III ist tatsächlich viel zu lasch und bändigt die Banken nicht

- Die schlechtesten Banker haben die besten Lobbyisten

- Die Deregulierung der Finanzindustrie ist eine der Ursachen für die Finanzkrise

- Viele Banken sind nicht nur “too big to fail”, sondern auch “too big to be saved”.

Es gibt also viel zu tun für die Finanzmarkt-Regulierer. Aber was macht einer der wichtigsten deutschen Bankenaufseher, Bundesbank-Chef Axel Weber? Er tritt zurück und wird als Nachfolger von Josef Ackermann gehandelt.

Armes Deutschland.

Besuchen Sie auch meinen englischen Ökonomie-Blog “Economics Intelligence”

Ähnliche Beiträge

Alle Kommentare [17]

  1. In England gibt es eine sehr interessante Diskussion über die Rolle und Funktion der Banken: Einer der Vordenker, John Kay, trennt “utility banking” (Zahlungsverkehr, Kreditvergabe an Firmen und Privatkunden,
    Spareinlagen) von “casino banking” (Eigenhandel). Utillty banking is gesellschaftsnotwendig für das Funktionieren der Realwirtschaft, die Renditen sind aber begrenzt.
    Er schlägt vor, beide Banktypen strikt zu trennen und Staatshaftung auf “utility banks” zu begrenzen. Casind Banks können und sollen weiter spekulieren, aber strikt auf eigene Rechnung.

  2. @ Schwarzwälder: Kompliment, dass Sie noch nicht aufgegeben haben. Ich glaube mittlerweile, dass z. B. in den Öffentlich-Rechtlichen der Unterschied in den einzelnen Renditenarten bewusst verwischt wird, weil es in die politische Argumentation passt.

    Und weil wir gerade dabei sind: Wenn Yogi Löw 3 Mio € / Jahr \verdienen\ darf; stehen Ackermann mindestens 30 Mio zu. Wenn Monika Lierhaus für ein paar Minuten Lächeln 415000 € bekommt, wären für Ackermann sogar 415 Mio angemessen.

  3. Danke für den interessanten Blog.
    Wie kann man einen Markt regulieren, wenn man
    a) Angst hat die eigenen Banken im internationalen Geschäft zu benachteiligen
    b) alle momentan in einer Win Win Situation sind:
    Staat: Steueraufkommen, Aktionäre: Gewinne/ Dividenden Vorstände: Boni´
    Arbeitnehmer: Gut bezahlte Arbeitsplätze Kommunen: Hohe Gewerbesteueraufkommen WP/Steuerberater: gute Mandate

    Jetzt können die Institute mittels Niedrigzinspolitik ihre Verluste durch höhere Margen ausgleichen und den Staat aus der Haftung bringen, (…bis die nächste Krise kommt).

    Wer soll in dieser Situation mit Fachkompetenz (wenn die Fachkompetenten sich gerade die Taschen füllen) in die Situation eingreifen?
    Ich sehe da keinen Ausweg! Vielleicht kommt einmal ein Reset (Währungsreform mit der Folge einer Bankenreform! Womöglich muss erst auf den Straßen Blut (Versorgungsengpässe…) fließen, damit etwas unternommen werden kann.

    Mit freundlichen Grüßen

  4. Die Deutsche Bank und J. Ackermann sollte man nur stellvertretend sehen für ein weltweit vorhandenes System, in dem Banken und andere Finanzintermediäre Einfluß nehmen auf die Geldwirtschaft und damit auch private Geldpolitik betreiben.

    Mit dem konventionellen und originären Bankgeschäft – Kreditvergabe und Giralgeldverwaltung bzw. Steuerung – wird man niemals Renditenvon 20 % und mehr erwirtschaften können. Dazu benötigt man Investmentbanking. In dieser Verquickung wird das System auch brenzlig.

    Ich gestatte mir, hier einen Leserkommentar von mir selbst zu kopieren:
    \Bereits Ende der 60er Jahre gab es in der Literatur der VWL Hinweise auf die Wirkungen der financial intermediaries, die kein originäres Bankgeschäft (Geldgeschäft) betreiben. Die Konsequenzen auch für die Geldwirtschaft und die mit deren Aktivitäten verbundenen Risiken wurde damals schon diskutiert.

    Offensichtlich hat das außer Wirtschaftswissenschaftlern niemanden interesssiert. Im Gegenteil, die Banken und andere Finanzinstitute konnten ungehindert größer werden und noch höhere Risiken verbreiten. Teils wurden sogar Gesetze gelockert, wodurch die Probleme verschärft wurden.\

  5. Dieser Johnson ist ein Schwätzer. Ich vertraue dem Herrn Ackermann seit er da ist meine paar Mark/Euro an.

    Wenn alle anderen flach lagen, Ackermanns DBK verdiente. Mal mehr, mal weniger, aber sie verdiente.
    Sollen es doch diese Wadenbeisser und Schmierfinken erst einmal besser machen.

    Schade, dass Sie aufhören, Herr Ackermann. Aber ich gönne Ihnen etwas Ruhe. Danke!

  6. Erstmal muss ich sagen Respekt, dass Sie Taz zitiert haben und nicht die SZ. Es ist wie immer eine Frage der Haftung und solange Aktionäre eben nicht für die Wetten ihrer Bank haften (und damit meine ich eine Enteignung im Falle eines GAU) wird es weiter keine Anreize geben die Banker stärker zu überwachen.

  7. Ähnlich wie Johnson hat sich übrigens bemerkenswerterweise Bundesbankpräsident Axel Weber am vergangenen Montag bei einem Vortrag in Bochum geäußert: Die Banken, die jetzt als systemrelevant eingestuft und mit extra hohen Kapitalanforderungen belegt würden, würden dann einfach noch riskantere Geschäfte eingehen, um die Renditeerwartungen ihrer Anleger trotzdem zu erfüllen. Darum müsse sich die Bankenaufsicht in Zukunft noch stärker auf die systemrelevanten Banken und vor allem auf deren Investmentbank-Abteilungen konzentrieren. Fragt sich nur, wie man da Waffengleichheit herstellen will.

  8. mir ist das etwas zu einfach. auch von den studien her.

    es setzt sich ja niemand ernsthaft hin und sagt sich: so jetzt mach ich mal ne geile rendite und wenns schief geht lasse ich mich vom staat retten.

    nein, das problem ist die möglichkeit des risikos und in der folge dann auch der zwang zur rendite. du willst hohe boni, du hast vor dir liegende trends denen du dich nicht entziehen kannst und deine aktionäre / aufsichtsräte machen druck.

    es gibt in der finanzbranche im gesamten auch kein bewusstsein für die folgen. wir leben im jetzt, der faktor zeit ist unser feind. geht es schief, wird einfach weiter gemacht. die folge ist nicht spürbar. dadurch bauen sich im lauf der jahre hemmschwellen ab und die geschäfte werden immer größer.

    vielfach ist es ja auch so, dass studien nicht dazu dienen eine entscheidungsfindung herbei zu führen sondern getroffene entscheidungen zu begründen. da ordnet sich die mathematik und die herleitung der eigenen agenda unter.

    soll heißen: die zielsetzung der akteure einer bank ist nicht die, die man ihnen im volkswirtschaftlichem sinne zuschreibt .. sie ist allein rendite- und karrierebezogen. entweder unterwirft man sich diesen zwängen oder eben nicht.

    was auch für die studie heißt, dass sie unter einer falschen grundannehme erstellt wurden. das ergebnis muss deswegen nicht zwangsläufig falsch sein, nur ist das eben nicht der punkt des übels.

    mfg
    mh

  9. Das Thema Bankenregulierung ist mitnichten komplex, wenn man mal mit ein bisschen gesundem Menschenvertand herangeht.

    Man sollte die Eigenkapitalquote an das “systemische Risiko” anpassen, das die jeweilige Bank darstellt (ähnlich wie Norbert Walter schon mal vorgestellt hat). D. h.,

    1.: Je grösser die Bank ( die Bilanzsumme), desto höher das erforderliche Eigenkapital. Das bremst auch die grassierende Fusionitis aus.

    2.: Als zweiter Parameter für die individuelle Eigenkapitalquote wird der Character der Banktätigkeit herangezogen, d. h., stark spekulative Geschäfte (wie z. B. Leerverkäufe) müssen mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden als Mittelstandskredite.

    Wie sagte schon ein Banker in 2008: We don’t need more regulations, we need smarter regulations (so oder ähnlich).

  10. In der Tat ist das Handelsblatt die z. Zt. ehrlichste Zeitung aus dem Bereich Finanzen und Wirtschaft.
    Aus gutem Grund, denn langfristig hält man seine Leser nur mit fundierter Analyse.

  11. Es ist einleuchtend, dass die Bankenlobby nicht nur in Deutschland eigennützig agiert. Doch wo bleibt der ökonomische Sachverstand insbesondere in der Politik? Beispiel: Bei 20-25% Rendite muss ein hoher Risikoanteil enthalten sein. Kann man das nícht erkennen? Das wäre Dummheit und Inkompetenz. Erkennt man es und will es nicht ändern? Das wäre das schlimmere Szenario. Und wie immer stellt sich die Frage nach den Anreizen der Agierenden. Fast zwangsläufig kommt man zu der Schlussfolgerung, dass es nicht nur die nächste Wiederwahl ist. Aber wo liegt dann die Ursache für Politikversagen? Ähnliches ist bei der Staatsschuldenkrise im Euroraum zu beobachten. Bei näherer analytischer Betrachtung sind sich die Experten (auch “unter der Hand”) einig, dass die Staatsverschuldung zumindest im Falle Griechenlands ohne eine wie auch immer geartete Restrukturierung nicht in den Griff zu bekommen ist. Betrachtet man sich die Portfolios der großen Privatbanken, drängt sich der Verdacht der Lobbyarbeit auf. Mit Abschreibungen auf Staatsanleihen sind natürlich keine 25% Rendite zu erwirtschaften. Jenseits aller linksrevolutionären Verschwörungstheorien haben sich m.E. Strukturen gebildet, die sachliche Kritik aufgrund einer Mischung aus Ignoranz, mangelnden Kenntnissen und Eigennützigkeit unterdrücken. Bitte halten Sie als Vertreter der 4.Säule weiter das Fähnlein aufrecht!

  12. Plausible Antwort. Dennoch: Was nicht sexy ist, sollte eben sexy gemacht werden. Im Sumpf rum zu latschen, mag sicher keine Freude sein. Aber bleibt man stehen, wird man wohl keinen festen Boden unter die Füßen mehr bekommen. Danke jedenfalls. Die Übermacht der Lobbys ist schon gewaltig. Ansonsten ggf. rübermachen aus der beschreibenden Zunft in die agierende?

    • Was das sexy-machen betrifft, versuche ich, mein Bestes zu geben. Rüberwechseln in die agierende Zunft? Ne, ne, schönen Dank. Schuster, bleib bei deinen Leisten :-)

  13. Johnson hat recht. Leider hat man in D nicht nur Blätter, sondern ganze Wälder vor’m Mund. Vereinzelte Stimmen aus der Wissenschaft im Pensionsalter und kleinere Beiträge in den Medien unter “Ferner liefen…” ma ausgenommen. Woran liegt es?

    • Hallo Werner,
      da muss ich doch ein bisschen widersprechen. Zumindest im Handelsblatt berichten wir schon regelmäßig darüber – und auch ziemlich groß. Ich fülle regelmäßig ganze Seiten dazu Die Links, die ich in oben reingestellt habe, sind nur eine Auswahl, es gibt noch etliche andere Stücke. Und was die Wissenschaftler betrifft: Martin Hellwig aus Bonn ist in der Debatte – auch international – ziemlich vorne mit dabei. (siehe zum Beispiel: http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/wissenswert/das-eigenkapital-maerchen/3545942.html)

      Aber stimmt schon, in der Breite wird das Thema in den Medien nicht so stark gefahren, wie es angesichts der Wichtigkeit nötig wäre. Mehrere Faktoren sind da glaube ich für verantwortlich:

      1) Das Thema Bankenregulierung ist ziemlich komplex und alles andere als sexy. Ich muss mich ehrlich gesagt auch immer ziemlich zwingen und zusammenreißen, wenn ich mal wieder eine neue Studie zu Basel III o.ä. vor mir liegen habe.

      2) Es gibt kaum eine Lobby, die strengere Bankenregulierung wirklich puscht. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel macht zwar sehr gute Forschung, hat aber aus meiner Sicht eine lausige Pressearbeit. (Immerhin hat sie überhaupt eine…) Gleichzeitig haben die Banken eine sehr gute Lobby- und Pressearbeit.

      3) Das Thema taugt nicht für die schnelle Schlagzeile, man braucht viel Platz, um es zu verständlich erläutern.