Die Mär vom kräftigen US-Aufschwung

Erinnert sich noch jemand? Gerade zwei, drei Monate ist es her, dass Ökonomen reihenweise ihre Wachstumsprognosen für die USA nach oben korrigierten. Endlich schienen die Billionen-Konjunkturspritzen der Regierung und der Fed ihre Wirkung zu tun

Fed-Chef Ben Bernanke frohlockte  Anfang März vor dem US-Senat:

“Wir verzeichnen eine wachsende Zahl von Beweisen dafür, dass der Aufschwungbei Konsumausgaben und Unternehmensinvestitionen sich nun bald selbst trägt.”

Nach 2,8 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr rechne er für dieses Jahr mit einem Konjunkturplus von 3,5 bis 4,0 Prozent.

Doch Tag für Tag tröpfeln nun Konjunkturdaten herein, die Zweifel an der Euphorie wecken.

Der Konsum, der bekanntlich runde 70 Prozent der US-Wirtschaft ausmacht, entwickelt sich schwach, in die Zange genommen von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen und einer nach wie vor hohen Arbeitslosenzahl. Die Ökonomen werden schon sehr nachdenklich.

So hat Harm Bandholz, US-Experte von Unicredit, heute seine Wachstumsprognose für das erste Quartal gleich um einen ganzen Prozentpunkt auf eine Jahresrate 1,75 Prozent gesenkt. Für ganz 2011 reduzierte er sie von 2,75 auf 2,5 Prozent. Das wäre dann weniger als Deutschland und nicht mehr, wie noch zu Jahresanfang die Mehrzahl der Ökonomen glaubte.

Paul Dales von Capital Economics sagt sogar voraus, dass das US-Wachstumstempo sich im ersten Quartal auf 1,5 Prozent halbiert hat. Er weist darauf hin, dass der Einzelhandelsumsatz real sogar gesunken sei, wenn man die steigenden Inflationsraten einbeziehe.

Warten wir ab, was Barack Obama heute Abend als seinen Plan zur Reduzierung der Defizite vorstellt. Eins ist klar: Wenn der von Olaf Storbeck beschriebene Vertrauensverlust in die Staatsfinanzen der USA  mit einer Wirtschaft zusammentrifft, die trotz des größten Stimulus der Geschichte nicht auf eigenen Beinen stehen kann, dann wird es wirklich düster.

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Alle Kommentare [7]

  1. @Stefan L. Eichner: Mit dem Schönfärben von Statistiken in den USA haben Sie völlig Recht. Mein Kollege Norbert Häring hat das im vergangenen Jahr im Handelsblatt beispielhaft geschildert. Gerade die Arbeitslosenzahlen sind vermutlich krass untertrieben.

  2. @Ina und Heiner: In der Tat, ich glaube, es gibt in der Beurteilung der US-Konjunktur eine gewisse Entkoppelung der Wall-Street-Sicht, die dann oft auch von deutschen Medien transportiert wird, und der Main-Street-Sicht. Mein persönlicher Realitätscheck ist dann auch immer wieder meine Schwester, die in Florida lebt und Ähnliches berichtet.

  3. Mussten 23 gehen lassen. Hört sich so an als ob sie gehen wollten un ihr sie gelassen habt. Hmmmm….

    Bin auch mal gespannt wo es noch enden soll.

  4. Ja – was soll man dazu sagen. Ich glaube auch, dass es spitz auf Knopf steht.

    Wenn die Wissenschaft noch nicht einmal über eine monetäre Theorie zur Wirkung der “imaginären” Derivatgeldmenge “M4″ hat?

    Meiner Meinung nach ist das Derivat-System bereits voll gegen die Wand gefahren und kann nur noch durch massenpsychologische Effekte über Wasser gehalten werden.

    Beste Grüße
    Axel Arnold Bangert – Herzogenrath 2011

  5. Das ist doch alles leeres blabla von Obama.
    Er weis ganz genau, dass sehr bald ( Ende Mai ) das Notstandsgesetz in Amerika ausgerufen wird.
    “Schuld” ist dann das große Erdbeben am New Madrid Fault…..

  6. Erinnern Sie sich noch an das Jahr der Lehman-Pleite – 2008? Da haben die Ökonomen im ersten Halbjahr durch die Bank rosige rognosen abgegeben und sahen die Konjunktur nach dem ersten Sturm der US-Hypothekenkrise schon wieder auf dem Weg nach oben.

    Nach der Lehman-Pleite haben die Ökonomen durch die Bank ihre Prognosen im Wochentakt nach unten korrigiert.

    Was also taugen die Prognosen von Ökonomen, deren Theorien und Modelle in der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise versagt haben, weil sie die wirtschaftliche Entwicklung nicht zu erklären vermögen? (siehe dazu auch: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/08/deutsches-aufschwungwunder-das-2.html)

    Deswegen und vor allem auch angesichts der vielen neuen Risiken sind auch die Prognosen für die deutsche Wirtschaft mit großer Vorsicht zu genießen!

    Im Falle der USA jedoch kommt noch hinzu, dass sie Weltmeister im Schönfärben von Statistiken sind. Wie hoch ist das Wachstum dort wirklich und was soll man von den offiziellen Arbeitslosenzahlen halten, vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Zahl der Essensmarkenempfänger seit der Lehman-Pleite Monat für Monat ununterbrochen gestiegen ist und zuletzt – Ende Januar – bereits bei 44,2 Millionen lag? Und was soll man von der offiziell angegebenen Staatsverschuldung von etwa 14,3 Billionen Dollar halten? Bill Gross von Pimco kommt beispielsweise auf 75 Billionen Dollar.

    Nein, für die USA sieht es gar nicht gut aus.

  7. Wir leben seit 21 Jahren in California und JA: ES IST EIN ALPTRAUM HIER ! Jedes 2. Geschaeft ging und geht den Bach runter ! Kleine Betriebe koennen sich gar nicht mehr halten. Jedes 3. Haus ist hier leer und zur Zwangsversteigerung gegeben! Glaubt bloss nicht den Muell den man in den Nachrichten erzaehlt : ES IST HIER GANZ, GANZ SCHLIMM GEWORDEN ! Ein wahrer Ueberlebungskampf !!!! Fragen? Fragt uns! Wir sind hier auch selbstaendig und uns ging und geht es soweit auch noch gut….nur, wie lange noch, denn auch unser Betrieb musste 23 Angestellte gehen lassen !!!! Keine Auftraege !