Der Lockruf der radikalen Lösung

Nun ist auch der Economist dem Lockruf der radikalen Lösung erlegen. Er schlägt heute einen “Plan B” für die Eurozone vor http://www.economist.com/node/17902709, der eine kontrollierte Umschuldung von Portugal, Griechenland und Irland vorsieht. Für Griechenland sei ein Schuldenschnitt von 50 Prozent nötig, für Irland ein Drittel. Das sei die bessere Alternative zu einer sich hinziehenden und vertiefenden Schuldenkrise.
Ökonomisch lässt sich viel Richtiges an der Argumentation finden, aber ich fürchte, auch der Economist unterschätzt den psychologischen Effekt, den die erste Pleite von Erste-Welt-Ländern seit dem Zweiten Weltkrieg hätte.  Das Vertrauen in Staatsanleihen würde derartig erschüttert, dass eine Panik wie nach der Lehman-Pleite nicht zu vermeiden wäre.  Nach Umschuldungen in der Euro-Zone mit vielen Milliarden Verlusten für Banken in aller Welt (und die EZB) müssten sicherlich fast alle Länder anschließend mehr für die Refinanzierung ihrer Anleihen zahlen, bis auf vielleicht die USA und eventuell Deutschland als vermeintlich sichere Häfen.
Eine solche Umschuldung wäre auch nur machbar, wenn es eine zentrale Instanz gäbe, die sie heimlich vorbereitete und dann in einer Nacht- und Nebel-Aktion organisierte. Doch wer soll das in der Euro-Zone sein? Wochenlange politische Diskussionen über eine Ausgestaltung der Umschuldung würden nur dazu führen, dass die Panik an den Finanzmärkten schon vorher ausbräche.
Auch das Argument, dass die europäische Wirtschaft und Bankenlandschaft heute viel stabiler sei als zum Zeitpunkt der Griechenland-Rettung im Frühjahr 2010, ist fragwürdig. Für die Wirtschaft gilt das wohl, aber wer weiß schon wirklich, wie es den europäischen Banken geht? Vermutlich hätte den Umschuldungen eine Welle von Bankenrettungen zu folgen. Und die wiederum spätestens dürfte dann Spanien in die Umschuldung folgen lassen.

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