Ifo: Höchster Wert seit Wiedervereinigung

Die positiven Konjunkturüberraschungen in Deutschland reißen nicht ab. Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im November unerwartet kräftig von 107,7 auf 109,3 Punkte gestiegen – das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Die befragten Unternehmen haben sowohl die aktuelle als auch die erwartete Geschäftslage besser beurteilt.

Das gute Ifo-Geschäftsklima ist keine Ausnahme. Gestern wurde bekannt,
dass auch die Einkaufsmanagerindizes für die deutsche Wirtschaft im November kräftig
zugelegt haben. Weiter deuten in den USA die zuletzt gestiegenen Einkaufsmanagerindizes
darauf hin, dass die im Frühjahr begonnene Wachstumsdelle bald endet. Schließlich hat sich
auch der chinesische Einkaufsmanagerindex erholt. All dies stützt unsere Erwartung, dass die
deutsche Wirtschaft im vierten Quartal wieder ordentlich gewachsen sein sollte. Damit ist die
Ausgangsbasis für das nächste Jahr gut. Wir fühlen uns wohl damit, unsere 2011er
Deutschland-Prognose vergangene Woche von 2,0 auf 2,6% angehoben zu haben (Prognose
2010: 3,5%). Die im Export stark aufgestellte deutsche Wirtschaft dürfte den Rest des
Euroraums weiter hinter sich lassen.

Das größte Risiko für unsere optimistische Prognose geht sicherlich von der Staatsschuldenkrise im Euroraum aus. Geriete sie außer Kontrolle, könnte es zu einem Unsicherheitsschock wie nach der Lehman-Pleite und damit zu einer erneuten Rezession kommen. Wir sehen zwar ein beträchtliches Risiko, dass nach Griechenland und Irland in den nächsten Monaten auch Portugal die Staatengemeinschaft um Hilfe bitten wird. Aber der 750 Milliarden EUR umfassende Rettungsschirm der EU und des Internationalen Währungsfonds steht bereit. Die Staatengemeinschaft wird strauchelende Staaten auffangen, um die Risiken zu minimieren – selbst, wenn sie damit den Weg in die Transferunion vorantreibt.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

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