Der Blog meines Kollegen Harald Uhlig macht all denen Hoffnung, die sich die D-Mark zurückwünschen. Harald Uhlig entwickelt ein Szenario vom Ende der Währungsunion als Kollektivaustritt der stabilitätsbewussten Nordeuropäer. Bislang wurde das Szenario in der Politik zwar kaum diskutiert. Man sollte es aber ernst nehmen, weil politische Unternehmer in Deutschland in der Tat bald die Anti-Euro Karte spielen könnten. Das ist denkbar, falls die Frustration in der deutschen Bevölkerung nach einem Haircut für griechische Staatsanleihen wächst. Deshalb sollte man das Ganze einmal durchspielen.
Stellen wir uns also vor, die Bundesregierung kündigt Ende 2011 an, die Bundesrepublik Deutschland werde zum 01. Januar des folgenden Jahres aus dem Euroverbund austreten (ich gehe hier einmal der Einfachheit halber davon aus, dass Deutschland alleine austritt und dass man es gehen lässt). Zu diesem Zeitpunkt werden alle Bankguthaben bei deutschen Banken automatisch von Euro in DM umgestellt. Der Wechselkurs ist 1:1, das erleichtert das Umdenken. Bundesbürger erhalten die Möglichkeit ab 2012 zu diesem Wechselkurs ihre Bargeldbestände in DM umzutauschen. Das verläuft ähnlich wie bei der Euro Einführung, nur eben umgekehrt.
Zunächst einmal sammelt die Bundesbank auf diese Weise viel Euro-Bargeld ein. Es ist nicht im Vertrag von Maastricht geregelt, ob die Euro-Geldbestände, die so in den Händen der Bundesbank beziehungsweise der Bundesregierung landen würden, an das Eurosystem zurückgegeben werden müssten. Die Bundesregierung könnte damit ja auch in Europa einkaufen gehen wollen. Ich gehe aber einmal davon aus, dass das Geld an die EZB zurückgegeben würde. Alles andere käme einer Enteignung der anderen Länder durch Inflation gleich. Hier liegt aber ein gewisses Konfliktpotential.
Nach der deutschen Ankündigung ist es denkbar, dass die Märkte davon ausgehen, dass der Euro gegenüber der DM rasch an Wert verliert. Schließlich hat Deutschland eine unterdurchschnittlich hohe Staatsschuldenquote und vielleicht auch immer noch ein hohes Wachstum. Damit ist es aber für alle Europäer attraktiv, wenigstens Teile ihrer Euro Guthaben in D-Mark zum Kurs von 1:1 umzutauschen. Selbst wenn das Umtauschrecht in Deutschland nur Bundesbürgern zustünde, entstünde sofort ein Markt auf dem andere Europäer ihre Euro-Bestände an Deutsche weitergeben, um dann D-Mark im Gegenzug zu bekommen. Damit würden aber die Euro-Einlagen bei Banken in ganz Europa reduziert. Bei einem Run kämen auf der Stelle alle nicht-deutschen europäischen Banken in Schieflage. Das würde sich aber auch auf das deutsche Bankensystem auswirken, das eng mit dem Bankensystem des Rests von Europa vernetzt ist.
Verhindern ließe sich eine solche Entwicklung, indem für eine Weile der Wechselkurs Euro-D-Mark glaubwürdig stabil gehalten wird. Genau das bedarf aber wirtschaftlicher Konvergenz, deren Fehlen die Austrittsursache war. Diese wenigen Überlegungen machen deutlich, dass ein deutscher Euro-Ausstieg ebenso wie eine Aufspaltung der Euro-Zone oder der Ausschluss Griechenlands keine triviale Angelegenheit ist. Vielmehr wäre schon alleine eine ernst gemeinte politische Diskussion in Deutschland über einen solchen Ausstieg mit erheblichen Risiken verbunden weil sie Sparern den rechtzeitigen Ausstieg aus dem Euro nahelegen würden. Die europäischen Probleme lassen sich also nicht im Alleingang lösen. Der Euro wird bleiben. Jetzt ist es wichtig, ihn gemeinsam auf ein besseres fiskalisches Fundament zu stellen.











3 Kommentare zu “Kommt die D-Mark wieder?”
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[...] This post was mentioned on Twitter by Jens, Alexander Felde. Alexander Felde said: Kommt die D-Mark wieder?: Der Blog meines Kollegen Harald Uhlig macht all denen Hoffnung, die sich die D-Ma… http://bit.ly/cNzB9a #Handel [...]
Falls mein Kommentar vom 24. 10. nicht angekommen sein sollte:
Nicht nachvollziebar ist für mich die Überlegung von Herrn Grüner, daß Banken im Euro-Raum in eine Schieflage geraten, wenn EURO-Guthaben
in DM-Einlagen umgetauscht werden. Da es sich um einen Tausch handelt, bleiben die EURO-Guthaben bestehen, es wechselt lediglich der Besitzer.
Unklar ist für mich auch, ob das ganze in einem Festkurssystem oder bei flexiblen Wechselkursen ablaufen soll, mit je unterschiedlichen Konsequenzen für die Geldpolitik und die Realwirtschaft.