Warum Deutschland an den anderen vorbei zieht

Heute haben die deutschen Konjunkturzahlen richtig positiv überrascht. Am Morgen gaben die Wiesbadener Statistiker bekannt, dass die deutsche Wirtschaft im Mai 9,2% mehr exportiert hat als im April. Heute Mittag meldeten sie dann, dass die Industrie im Mai 2,6% mehr produziert hat als im Vormonat. Es zeichnet sich immer klarer ab, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal kräftig gewachsen ist, wir rechnen gegenüber dem ersten Vierteljahr mit einem Plus von 1,5%. Für das gesamte Jahr erwarten wir ein Wachstum von 2,5%, wir hatten unsere 2010er Prognose vergangene Woche nach oben gesetzt.

Deutschland setzt sich immer mehr ab vom Rest des Euroraums, für den wir unsere Prognose nicht erhöht hatten. Deutschland schlägt sich aus folgenden Gründen besser:
1. Niveau-Effekt: 2009 war der Einbruch in Deutschland stärker als in den meisten anderen Ländern, deshalb fällt jetzt die Gegenbewegung stärker aus.
2. Stabile Häuserpreise: Anders als in vielen anderen Ländern des Euroraums waren die Häuserpreise in Deutschland in den zurückliegenden Jahren nicht zu stark gestiegen, so dass Deutschland nicht unter Problemen im Immobiliensektor leidet.
3. Hohe Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland hat seit Einführung des Euro seine preisliche Wettbewerbfähigkeit massiv gesteigert. In den Peripherieländern sind die Lohnstückkosten seit 1999 dagegen um 30 bis 35 Prozent gestiegen.
4. Gut positioniert: Deutschland ist überproportional in den stark wachsenden Märkten Asiens vertreten.
5. Keine Staatsschuldenkrise: Deutschland leidet nicht unter der Staatsschuldenkrise, die etwa in Griechenland auch in diesem Jahr unvermeidlich zu einer Rezession führt, obwohl die Weltwirtschaft schon seit dem Frühjahr 2009 wieder wächst.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

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