Die USA verlieren den Glauben

Das ist ein Schreck: Das Konsumklima in den USA ist im Juni kräftig eingebrochen. Der Verbrauchervertrauensindex des Forschungsinstituts Conference Board fiel gleich um zehn Punkte auf 52,9. Das ist ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass die Konsumenten in den USA den Glauben an die Haltbarkeit des Aufschwungs verloren haben. Die Kalkulation der US-Regierung, mit großzügigen Konjunkturspritzen die Schwächephase zu überbrücken und ihren Bürgern allzu schmerzhafte Anpassungen zu ersparen, scheint nicht aufzugehen. Schon die Einbrüche auf dem Häusermarkt nach dem Wegfall staatlicher Stützen haben in den vergangenen Wochen darauf hingedeutet, dass sich die tiefgreifenden strukturellen Probleme nicht so einfach zukleistern lassen.

Was nun, Mr. President? Barack Obama hatte vor dem G-20-Gipfel in Toronto versucht, den Druck vor allem auf die Deutschen zu erhöhen. Wir sollten die Konjunktur ankurbeln und so den staatlich gesponsorten Aufschwung auch in den USA am Laufen halten. Doch trotz einer massiven Kampagne, begleitet von seinen Büchsenspannern wie Paul Krugman, brachten die USA in der Abschlusserklärung des Gipfels kein Wort davon unter. Das zeigt: Die Amerikaner isolieren sich mit ihrem schlichten Keynesianismus, während Europa, mit den Finanzmärkten im Nacken, auf Sparen umschaltet.
Die US-Bürger scheinen besser als ihre Regierung zu verstehen, dass eine Zeit des Verzichts unweigerlich kommen wird. Sie erleben, wie ihre Städte und Bundesstaaten finanziell am Ende sind, wie die Sozialkassen ausbluten, wie Washington die Kontrolle entgleitet. Sie haben lange über ihre Verhältnisse gelebt, wie die Griechen, und nun wird ihnen die Rechnung präsentiert.
Wir Deutschen sollten uns allerdings jeglicher Schadenfreude enthalten. Wenn die US-Konjunktur einbräche, dann würde auch uns das empfindlich treffen.

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Alle Kommentare [3]

  1. @heinrich: Der Mangel an konstruktiver Kritik zeigt hier eher, wer sich auf Bildzeitungniveau begebn hat.

  2. Sehr geehrter Herr Heilmann,

    es ist ja durchaus nicht so, als hätten die Deutschen nicht ebenfalls versucht, mit keynesianischen Maßnahmen die Krise zu überbrücken. Die sogenannte Abwrackprämie ist ein prägnantes Beispiel dafür.

    Natürlich hätte schon früh klar sein müssen, dass weder die Finanzmarktkrise noch die sich anschließende Weltwirtschaftskrise eine Art konjunktureller Husten ist. Es gab klare Hinweise auf tiefgreifende strukturelle Probleme, die keynesianische Ökonomen ebenso wie liberale Ökonomen schlicht ignoriert haben. Mehr noch war der ökonomische Mainstream angesichts des Einbruchs rat- und sprachlos, weswegen die Politiker ihr Heil im Experimentieren suchten.

    Nun zeigt sich, dass Abgucken beim Nachbarn keine geeignete Orientierung in dieser Krise ist. Dass die USA bei Keynes bleiben, führt zu nichts. Keynes ist keine Lösung, darin stimme ich mit Ihnen überein. Ein Rückfall in eine liberale Austeritätspolitik ist es aber ebenso wenig, denn “Sparen” ist so wenig eine passende Antwort auf strukturelle Probleme wie das Gegenteil, “deficit spending”.

    Die Quintessenz aus der Krise lautet: Weder Keynesianismus noch Neoklassik/Liberalismus sind eine geeignete Antwort auf die aktuelle Krise.

    Und so ist absehbar, dass all jene Staaten, die jetzt einseitig zum Sparen übergehen, ohne dabei ein effektives Wachstumskonzept zu haben und zu verfolgen, sich ebenso wie die USA mit ihrem keynesianischen Kurs eine Verschärfung der Krise einhandeln werden.

    Wer das nicht wahr will, der möge nach Griechenland blicken und sich vor allem daran erinnern, wie seinerzeit Heinrich Brüning mit dem eisernen Sparkonzept gefahren ist.

    Freundliche Grüße
    SLE

  3. Unsinniger Artikel, Begriffswahl zeugt von Unkenntnis der Dinge.
    Der Autor sollte besser zur Bildzeitung wechseln.