Deutschland: Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal hat positiv überrascht

Die deutsche Wirtschaft hat heute Morgen mal wieder positiv überrascht. Im ersten Quartal ist das um Saison- und Kalendereinflüsse bereinigte Bruttoinlandsprodukt Deutschlands etwas gewachsen, und zwar um 0,2% gegenüber dem vierten Quartal. Die zuvor befragten Volkswirte hatten mehrheitlich mit einem Minus von 0,1% gerechnet. Das ist insofern bemerkenswert, als dass das ungewöhnlich harte Winterwetter die Bauproduktion im ersten Quartal gegenüber dem vierten Quartal um 7,6% gedrückt hat. Ohne diesen Dämpfer wäre die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal wohl nicht um 0,2%, sondern um 0,6% gewachsen. Das vierte Quartal haben die Statistiker von 0,0% auf 0,2% nach oben revidiert.

Mit dem Ifo-Geschäftsklima und dem Einkaufsmanagerindex haben wichtige Frühindikatoren bis zuletzt positiv überrascht. Außerdem erholt sich die Bauproduktion vom harten Winter. Im zweiten Quartal sollte die deutsche Wirtschaft gegenüber dem ersten Quartal um kräftige ¾% zulegen können. Für das gesamte Jahr 2010 rechnen wir nach wie vor mit einem Plus von 1,8%.

Das Rettungspaket in Höhe von 750 Mrd. EUR dürfte bei aller berechtigten Kritik zumindest einen Unsicherheitsschock wie nach der Lehman-Pleite verhindert haben. Das ermöglicht, dass sich die im Export stark aufgestellte deutsche Wirtschaft weiter deutlich besser entwickeln kann als der Rest des Euroraums (siehe Grafik). Während die USA (Prognose 2010: 3,3%) und Deutschland (1,8%) in diesem Jahr trotz aller Enttäuschung über einen ausgebliebenen kräftigen Aufschwung etwas stärker zulegen sollten als im langjährigen Durchschnitt zu erwarten, dürfte der Euroraum mit einem für dieses Jahr prognostizierten Plus von 1,0% sogar deutlich hinter dieser Marke zurückbleiben. An diesem Muster wird sich alleine schon deshalb nichts ändern, weil die hoch verschuldeten Peripherieländer, die ein Drittel der Euroraum-Wertschöpfung erwirtschaften, ihre Haushaltsdefizite massiv senken müssen. Das schlägt unweigerlich auf die Konjunktur durch. Anleger sollten sich auf deutsche Aktien konzentrieren, wenn sie im Euroraum investieren wollen.

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