Kauft die EZB Staatsanleihen auf?

Die Schlinge zieht sich zu. Das Hilfspaket für Griechenland hat trotz üppiger Summen und harter Auflagen nicht die erhoffte Beruhigung der Finanzmärkte gebracht. Es scheint so, als sei es überholt, noch bevor es überhaupt beschlossen ist geschweige denn Geld fließt. Dafür einfach verantwortungsloser Spekulation die Schuld zu geben, greift zu kurz. Es gibt ja ausreichend gute Gründe, griechische Staatsanleihen zu verkaufen.

Der wichtigste Grund ist, dass das Hilfspaket den Griechen ganz offensichtlich nur eine Atempause verschaffen soll. In spätestens zwei Jahren, so heißt es, sollen sie wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren und beginnen, sich selber zu finanzieren. Doch das ist eine Wette mit höchst ungewissem Ausgang. Denn was wird in zwei Jahren sein, selbst wenn die griechische Regierung im Sattel bleibt und alle versprochenen Maßnahmen umsetzt? Dann wird Griechenland ein Land mit einem Schuldenstand von rund 150 Prozent des BIP sein, in einer zähen Rezession stecken und nach wie vor ein beträchtliches Haushaltsdefizit aufweisen. Nicht gerade die Story, die Anleger in Scharen anlockt, oder?

Was wird also dann passieren? Entweder werden die Euro-Partner die Zähne zusammenbeißen und weitere zig Milliarden Euro nachschießen, was letztlich auf eine permanente Alimentierung à la Länderfinanzausgleich hinausläuft, oder es wird eben doch eine Umschuldung geben.  Letzteres dürfte hoffentlich die weitaus wahrscheinlichere Lösung sein. Das sehen auch die Anleger so, und was sollen sie auch sonst denken, wenn die deutsche Bundesregierung begleitend zum Sparpaket die Schaffung einer europäischen Insolvenzordnung für Staaten ankündigt?

Doch eine Umschuldung ist zunächst einmal Zukunftsmusik, entscheidend wird sein, was in den nächsten Tagen passiert. Nachdem sich neue Panikwellen über die Märkte ausbreiten und schon von einem allmählichen Austrocknen der Anleihe- und Geldmärkte zu hören ist, werden die Rufe lauter, dass die EZB anfangen soll, Euro-Staatsanleihen aufzukaufen. Sie darf sie zwar nicht direkt von den Staaten erwerben, könnte aber auf dem Sekundärmarkt kaufen wie jeder andere Anleger auch. Schon jetzt stützt sie ja den Anleihemarkt, indem sie von Banken Euro-Staatsanleihen – inzwischen egal welcher Qualität – als Sicherheiten annimmt. Damit wäre dann die Entzauberung der EZB komplett. Sie würde so direkt die Haushaltsdefizite der Euro-Staaten finanzieren, so wie es die US-Notenbank Fed und die Bank of England tun.

Unwahrscheinlich ist, dass die EZB schon am Donnerstag auf ihrer turnusmäßigen Ratssitzung diesen demütigenden Schritt geht. Doch wenn der Druck der Märkte noch weiter zunimmt und auch Portugal, Irland oder Spanien keine Anleihen mehr platziert kriegen und in ein Liquiditätsproblem geraten, dann kann die Entscheidung zum Anleihekauf schneller kommen als mancher für möglich hält. Wenn das passiert, dann stimmt der bisher schiefe Vergleich, dann wäre Griechenland das Lehman der Euro-Zone.

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Alle Kommentare [10]

  1. Hier mal etwas Grundsätzliches zur aktuellen Euro-Krise und Griechenland:

    1. Bitte nicht einfach nur den generellen Sermon der Mainstreammedien herunterbeten und in kollektive Panik verfallen. Das Hauptproblem unseres Finanzsystems besteht darin, dass dessen Stabilität auf einem nicht messbaren und schwerkontrollierbaren Parameter basiert, nämlich Vertrauen. Am Beispiel Griechenlands lässt sich das sehr gut veranschaulichen. Fundamental und makroökonomisch hat sich an Griechenlandssituation in den letzten vier Monaten rein gar nichts geändert. Es kamen nur einige Marktteilnehmer auf die Idee, Griechenland für bankrott zu erklären. Wenn diese These dann oft genug wiederholt wird, entwickelt sich eine unheilvolle Marktdynamik, der sich offensichtlich kein Marktteilnehmer mehr entziehen kann. Wenn wir mal ehrlich sind, dann sind alle Staaten streng genommen pleite, denn eine Abtragung der staatlichen Verschuldung ist unter konventionellen Umständen nicht mehr möglich. So gesehen kann man den Namen Griechenland eigentlich gegen jeden anderen austauschen. Wer also noch einen letzten Rest an Vernunft besitzt, der sollte sich klarmachen, dass wir mit dieser Schuldensituation leben müssen. Jede andere Alternative ist für unsere Generation schlicht und ergreifend undenkbar. Aus diesem Grund muss ich hier einmal das völlig unverantwortliche Verhalten der Medien anprangern, die unser aller Zukunft wegen kurzfristiger Effekthascherei und Auflage aufs Spiel setzen. Ich bin sicher, dass alle Redakteure auch von einem Zusammenbruch des Euros extrem negativ betroffen wären. Kurz gesagt: Ihr sägt euch den Ast ab, auf dem ihr sitzt.

    2. Was den Aufkauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt betrifft, so ist das meiner Ansicht nach durchaus ein legitimes Mittel der EZB. Niemand sollte hier die EZB kritisieren, denn sie tut das letztlich auch für euch. Mit einem Zusammenbruch der Eurozone ist uns nicht wirklich gedient. Wer noch klar im Kopf ist, der versteht das auch. Abgesehen davon machen das die USA und England ja auch, und sogar noch viel extremer und sogar direkt von der Regierung. Das ist weitaus schäbiger als ein Kauf auf dem Sekundärmarkt.

    3. Und zum Rettungspaket für Griechenland muss man sagen, dass man vielleicht mal etwas mehr Geduld und Fantasie haben sollte. Der Medienmob geht davon aus, dass ein Paket so gestaltet sein müsste, dass Griechenland morgen schon gerettet sein muss. Das ist doch idiotisch. Lasst doch mal 2-3 Jahre ins Land gehen und wartet ab. Das Verhalten der Menschen ist derzeit extrem hysterisch. Griechenland hat de facto die Kontrolle über seinen Haushalt verloren. 1. Man wird darauf achten, dass die Sparmaßnahmen nun eingehalten werden. 2. Man wird sicherlich den einen oder anderen Haircut im Lauf der Zeit anbringen, weil man den Banken Zeit geben will, die Verluste über mehrere Jahre abzuschreiben. Am Ende der drei Jahre wird ein Griechenland herauskommen, das weniger Schulden und einen solideren Haushalt haben wird. Dann werden wir sehen, wie der Markt daraufreagieren wird. Sich jetzt schon unheilvolle Sorgen über etwas in drei Jahren zu machen, halte ich für idiotisch. Wenn man euch alle so reden hört, dann verstehe ich gar nicht, wieso ihr jeden Tag überhaupt noch aufsteht.

    Also, einfach cool und verantwortungsvoll bleiben. Und bitte nicht in das gleiche Horn der Amerikaner stoßen. Die wollen nämlich nur das Geld von der Eurozone in die USA rekanalisieren – wegen des hohen dortigen Finanzbedarfs.

    Mfg
    DKA

    2.

  2. @maikel
    Das ist ja vom theoretischen Ansatz richtig, aber das wird nichts daran ändern, dass Griechenland auf absehbare Zeit nicht kapitalmarktfähig ist, und die Zinsen für das griechische Rettungspaket sind ja gerade nicht an der aktuellen Marktlage orientiert. Ich fürchte sowieso, dass die EZB angesichts der beschleunigten Talfahrt gar nicht mehr um den direkten Aufkauf umhinkommen wird; man wird dann schon irgendwelche übergeordneten Prinzipien erfinden, nach denen das dann – Vertrag hin oder her – für zulässig erklärt wird. Die handelnden Akteure in Brüssel, Frankfurt, Berlin und anderswo sind ganz offensichtlich mit der Situation überfordert. Und das ist das eigentliche Drama.

  3. @Moment mal
    Der Kauf von Anleihen auf dem Sekundärmarkt kann/soll dort das Zinsniveau senken. Und es ist ja gerade dieses Zinsniveau auf dem Sekundärmarkt, daß zur Beurteilung dafür herangezogen wird, wie viel Zinsen die Griechen für Neuemissionen zahlen müß(t)en.

  4. Prima Artikel! Weshalb aber kauft dann das Handelsblatt griechische
    Staatsanleihen? Die EZB ist offensichtlich bereit, sämtliche Prinzipien
    über Bord zu werfen – die Not muss groß sein.

  5. die Finanzmaerkte werden von der eigentlichen finanziellen Katastrophe abgelenkt: das Defizit der USA wird fuer 2010 wohl ueber 5 billionen (5000 milliarden) betragen.
    Das Ablenkungsmanoever wird ganz gezielt unter Federfuehrung der US Fed gesteuert. Das gesamte US Finanzsystem ist in seiner Existenz bedroht, wenn der US Dollar als Leitwaehrung und Reservewaehrung durch den Euro abgeloest wird.
    Nur die Schwaeche des Euros kann den US Dollar noch retten.

  6. Das wäre “aktive Geldpolitik” nach Vorbild der FED.
    Und es funktioniert -bis jetzt!
    Und wenn man weiss, wem die FED rechtlich gehört, ist es ein geniales
    (Verarschungs)System.
    Alle Beteiligten verdienen prächtig daran.

  7. Leider alles alles richtig und von dramatischen Folgen für das ganze Euro-System. Teile auch Schluss-Urteil von Ron777. Eine Bewertung des Artikels allerdings muss man nicht unbedingt teilen: den von der zähen Rezession Griechenlands. Ein Land, das zu einem niedrigeren Kostenniveau hinuntersteigt, öffnet sich von dort auch neue Wachstumschancen ! Zahlreiche emerging market – Länder haben das bewiesen. Griechenland sollte dem auf seinem Niveau nacheifern. Und wir sollten es dabei ermutigen.

  8. …und schon wieder lässt sich eine wirtschaftlich chaotisch agierende Politikerriege von der Finanzwirtschaft über den Tisch ziehen: Die vielen Milliarden an Hilfskrediten sollen Meldungen zufolge nur nachrangig besichert sein! Sprich, bei einer Pleite oder Umschuldung bekämen zunächst die vorrangigen Gläubiger, z.B. also die Anleihebesitzer, das verbleibende Geld. Für nachrangig Abgesicherte bleibt bei Insolvenzen in der Regel dagegen nicht übrig. Soll heißen: Die 20 Mrd. an deutscher Hilfe sind schon jetzt so gut wie komplett verloren. Sie sind eine indirekte Subventionshilfe. Vordergründig für die Griechen, in Wirklichkeit aber für die mit griechischen Anleihen vollgesogenen Banken und ihre Milliarden schweren Anteilseigner. Herzlichen Glückwunsch! Statt die Banken und ihre Profiteure stärker zu kontrollieren und an der Rettung zu beteiligen – wie man es öffentlich diskutiert – macht man genau das Gegenteil und subventioniert diese Institutionen auch noch indirekt. Ein absolut scharmloses und verlogenes Vorgehen!!!

  9. Was nützt der Kauf von Anleihen auf dem Sekundärmarkt? Dadurch können die Griechen ihre fälligen Schulden auch nicht zurückzahlen. Und der Erwerb durch die EZB im unmittelbaren Anschluss an eine Erstplatzierung durch den griechischen Staat wäre doch wohl eine krasse Umgehung von Art. 123 EG-Vertrag. Aber dieser Vertrag ist, wie wir im Zuge dieser Krise gesehen haben, ja sowieso für die Tonne.