Griechenland ist nicht allein

Einen hervorragenden Überblick über die globale Schuldenkrise gibt der Chefvolkswirt der Citigroup, Willem Buiter, in seiner neuen 66-seitigen Studie “Sovereign Debt Problems in Advanced Industrial Countries”.  In seinem früheren Leben als Professor an der London School of Economics und FT-Blogger war er für markige Sprüche und zuweilen apokalyptische Warnungen bekannt, jetzt steht die sachliche Analyse im Vordergrund. Und die spricht einige wichtige Punkte an, die in der aktuellen Debatte öfter mal unter den Tisch fallen. Zum Beispiel den, dass die Euro-Zone insgesamt in einer stärkeren fiskalischen Position ist als Großbritannien, die USA und Japan, und dass auch diese Länder bald “von den Märkten getestet” werden könnten. Der fiskalische Konsolidierungsbedarf sei in Japan und Großbritannien größer und in den USA ähnlich groß wie in den PIIGS-Ländern der Euro-Zone.

Buiter spielt auch die Szenarien durch, wie das aktuelle Griechen-Desaster enden könnte. Am wahrscheinlichsten ist aus seiner Sicht, dass die IWF und die Euro-Länder Griechenland mit einem mehrjährigen Hilfspaket, begleitet von strengen Auflagen, stützen UND dass die Griechen sich mit den Gläubigern auf eine Umstrukturierung der Schulden einigen, die auf einen “Haircut” von 20 bis 25 Prozent der Altschulden hinausläuft. Das liefe zwar den gegenwärtigen Beteuerungen von IWF und EU entgegen, dass es keine Abstriche bei den Altschulden geben solle, aber die steigenden Zinsen der Griechen-Anleihen zeigen, dass die Märkte längst damit rechnen. Das deutsche Zögern in Sachen Rettungspaket bezeichnet er als “zum äußersten getriebene Risikofreude”. 

Die Sanierung der griechischen Staatsfinanzen wird, so veranschlagt er, wahrscheinlich fünf Jahre dauern. Sie werde sich aber letztlich preiswerter sein als die Alternative, Griechenland in die Zahlungsunfähigkeit gehen zu lassen und anschließend die europäischen Banken herauszuhauen, die den Großteil der griechischen Staatsanleihen halten. Es werde für die Geldgeber nicht einfach, die Griechen jahrelang auf Konsolidierungskurs zu halten, warnt  er. Darum sollten die Hilfskredite Laufzeiten von nur drei bis sechs Monaten haben und jede Verlängerung an die Erfüllung von Auflagen geknüpft werden.  Wie auch immer - das Griechenland-Problem wird uns auf viele Jahre begleiten.

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Alle Kommentare [5]

  1. Die Sanierung der griechischen Staatsfinanzen wird, so veranschlagt er, wahrscheinlich fünf Jahre dauern. Sie werde sich aber letztlich preiswerter sein als die Alternative, Griechenland in die Zahlungsunfähigkeit gehen zu lassen und anschließend die europäischen Banken herauszuhauen,

  2. PAUL UND SEINE FAMILIE !!!!!!!!!!!!! Paul kommt aus einer wohlhabenden Familie. Sein Job ist nicht der beste- er verdient, aber nicht so viel, wie er ausgibt. Also lebt Paul über seine Verhältnisse. Mutter,Vater,Oma,Opa,Tante Onkel usw. wissen das und weil alle über Ihre Verhältnisse leben – aktzeptiert man das. Pauls ganze Familie und alle drumherum sind so gut bei Banken in den Miesen, dass die Bank einen Teufel tun würde, Paul und seine ganze grosse Familie den Kredit zu kündigen. Also lebt Pauls gut verdienende, aber bis über beide Ohren verschuldete Familie so weiter und macht sich selbst was vor.
    AUF EINMAL kommt die Bank und will Paul an den Kragen. Familienrat ist angesagt. Man hilft sich also untereinander. Mahnende Worte: Paul – du musst aber anders wirtschaften, sonst gehts allen an den Kragen.
    Paul rebelliert. NEIN !!! ich will so weiterleben wie bisher. !!!!!
    Fortsetzung folgt ( sicherlich)

  3. Diese Rettungsaktion wird nichts nützen und am Ende werden alle PIIGS-
    Staaten gerettet werden müssen, bevor das ganze System trotzdem zusammenbricht. Während zukünftigen deutschen Rentnern bei saftigen Beiträgen und langen Beitragszeiten die Renten auf Sozialhilfeniveau zusammengestrichen wurden und werden, erfreuen sich die lebensfreudigen europäischen Südstaatlen des Lebens und die Elite versteckt ihre Luxusschwimmbäder hinter hohen Mauern, damit die Steuer sie nicht sieht. Warum sollten diese gewieften Lebenskünstler
    ihre eigenen Schrottpapiere kaufen. Es gibt doch die “reichen Deutschen”, die werden’s schon richten. Oder hat das etwa noch keiner gemerkelt?

  4. Es verwundert, dass in der ganzen Diskussion um die finanzielle Unterstützung Griechenlands nie die naheliegende Option ins Spiel gebracht wird, dass die griechische Bevölkerung selbst ihrem Staat mit der Zeichnung neuer Anleihen unter die Arme greift. Wenn auf den internationalen Kapitalmärkten hohe Risikoprämien die verlangten Zinsen in – aus griechischer Sicht – inakzeptable Höhen treiben, bietet es sich doch an, dass Inländer (Haushalte und Unternehmen) in die Bresche springen, zumal ja auch genau diese Gruppe von den zu finanzierenden Staatsausgaben profitiert. Die privaten Haushalte Griechenlands allein verfügen laut Eurostat über ein Geldvermögen von ca. 250 Mrd. €. Bereits ein Bruchteil dieses Betrages genügte, um die aktuellen Probleme ihrer Regierung zu lösen. Wenn aber nicht einmal die Griechen selbst das Zeichnen dieser Anleihen für sinnvoll erachten, warum sollten es dann Investoren außerhalb Griechenlands oder gar andere Staaten bzw. deren Steuerzahler?
    Um den Euro braucht man sich im Falle eines Kapitalschnitts oder gar Zahlungsausfalls Griechenlands keine Sorgen zu machen. Die Stabilität einer Währung hängt nicht davon ab, ob ein Schuldner des Währungsraums kollabiert. Entscheidend ist letztlich das Geldangebot relativ zur Wirtschaftsleistung und zum Angebot anderer Währungen. Der Euro wird also nicht durch einen Ausfall griechischer Staatstitel gefährdet. Ganz im Gegenteil leidet seine Stabilität gerade unter den derzeit geplanten Hilfsaktion. Denn damit ist ein Präzedenzfall geschaffen für weitere Hilfsaktionen, die letztlich alle beteiligten Staaten überfordern werden, so dass nur eine Flucht in Inflation bleibt. Verwiese man Griechenland hingegen auf das Zeichnen von Zwangsanleihen durch seinen Privatsektor, käme es auf den Währungs- und Anleihemärkten zwar kurzzeitig zu einigen Turbulenzen, die sich aber schnell wieder beruhigen würden. Gleichzeitig hätte dies aber die positive Folge, dass weitere betroffene Regierungen (Irland, Portugal, Spanien) gezwungen wären, ihre Ausgaben durch Beiträge von Inländern zu finanzieren. Ob das nun durch Steuern oder den Zwang zur Zeichnung von Anleihen geschieht, ist letztlich egal.