Schuldenkrise, Ifo geht durch die Decke – Wie paßt das zusammen?

Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im April förmlich durch die Decke gegangen, es ist von 98,2 auf 101,6 Punkte gestiegen. Sogar die Erwartungskomponente legte kräftig zu, obwohl sie in den Vormonaten bereits auf ein ungewöhnlich hohes Niveau gestiegen war.

Das Geschäftsklima steigt und der Euroraum steckt in einer Schuldenkrise. Wie passt das zusammen? Das Ifo-Geschäftsklima ist im April vor allem deshalb so stark gestiegen, weil die Teilkomponente für das verarbeitende Gewerbe kräftig zulegte. Das im Exportgeschäft gut aufgestellte verarbeitende Gewerbe profitiert vom starken Wachstum in den Emerging Markets und davon, dass die deutschen Unternehmen ihre Kosten unter Kontrolle haben und ihre Gewinne steigern. Das sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Euroraum als ganzes unter der Schuldenkrise der Peripherieländer leiden wird. Denn sie werden ihre sehr hohen Staatsdefizite senken müssen, das strukturelle Defizit in Relation zum Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 1 Prozentpunkt sinken und in jedem der folgenden Jahre um 1½ Prozentpunkte. Das dürfte das Wachstum dieser Länder jährlich um rund 1 Prozentpunkt reduzieren – das ist für westliche Länder viel. Der Euroraum als Ganzes (Wachstumsprognose 2010: 1,0%) sollte den USA (2,8% mit Chancen nach oben) immer mehr hinterherhinken.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

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Alle Kommentare [1]

  1. Herr Krämer:

    Die Frage sollte lauten:

    Wie passt bis 2012 verlängertes Kurzarbeitergeld mit dem “Ifo”
    zusammen?