Ifo: Von nun an bergab?

Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Februar entgegen den Erwartungen etwas gefallen (95,2 nach 95,8 im Januar). Während die Erwartungskomponente etwas zulegte, (100,9 nach 100,6) haben die Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage deutlich negativer beurteilt (89,8 nach 91,2).

Interpretation der Februar-Zahlen: Die Unternehmen haben ihre gegenwärtige Lage vor allem im Groß- und Einzelhandel deutlich vorsichtiger eingeschätzt. Das Ifo-Institut schließt nicht aus, dass der ungewöhnlich strenge Winter das Geschäftsklima belastet hat. Die weiter gestiegenen Geschäftserwartungen sprechen ebenfalls dagegen, dass die Lagekomponente in den kommenden Monaten weiter fällt.

Wann beginnt Ifo zu fallen? Der Erwartungsindex des Mannheimer Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) fällt bereits seit Oktober. An oberen Wendepunkten folgen die Ifo-Geschäftserwartungen dem ZEW-Index durchschnittlich mit einem halben Monat Verzögerung nach unten, das Ifo-Geschäftsklima mit einem Monat Verzögerung. Das spricht dafür, dass das Ifo-Geschäftsklima in den kommenden Monaten tendenziell unter Druck kommt. Ein Rückgang sollte allerdings moderat ausfallen, weil die Beurteilung der gegenwärtigen Wirtschaftslage als die erste Komponente des Geschäftsklimas noch sehr niedrig ist und somit mehr Aufwärtspotential hat als üblich.

Ausblick deutsche Wirtschaft: All dies würde letztlich meine Prognose stützen, dass die deutsche Wirtschaft, die zwischen dem zweiten und vierten Quartal ordentlich gewachsen ist, ab dem Frühjahr einen Gang zurückschalten sollte. Dann würden die Spätfolgen der 2007 geplatzten Schuldenblase wieder sichtbar werden. Ich wiederhole, was ich seit lange sage: Wie die meisten westlichen Volkswirtschaften wird sich auch Deutschland noch lange mit niedrig ausgelasteten Kapazitäten herumschlagen müssen. Die EZB wird es nicht eilig haben mit Zinserhöhungen.

Dr.  Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

Kategorie: Konjunktur | Tags:
Jörg Krämer

Über Jörg Krämer

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt der Commerzbank. Er studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Bonn und Münster und promovierte 1995 am Institut für Weltwirtschaft (IfW) beim ehemaligen Institutspräsidenten Prof. Dr. Horst Siebert.

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Alle Kommentare [1]

  1. Was die Halbjahresanalyse nüchtern und zurückhaltend, (nur) rein sachlich, vom Ifo-Institut fetstellt, liefert der Titel: Von nun an bergab? – in seinem Fragesatz – dem man voll zustimmen muss- vorab.

    Auch wenn zur Zeit sich die Börse in gedämpfter Euphorie generiert, dieses Fatum zu ignorieren scheint…, von nun an gehts bergab…, ist trotzdem richtig.

    Was zur Beurteilung auch gehört, sind Anzeichen einer Geldentwertung.

    Es scheint nicht nur die große Menge billigen Geldes weltweit zu sein, der Anlagedruck verursacht. sondern schon eine gewisse Flucht in Sachwerte…, die man an der Börse sucht und glaubt hier zu finden.