Statistik hin, Statistik her

Es handelt sich zwar nur um eine Quartalszahl. Und es war nur eine erste Vermutung, die von den Wiesbadener Statistikern zu Jahresbeginn in der von ihnen bekannten Zurückhaltung genannt wurde. Aber die Unruhe, die sie damit unter Ökonomen ausgelöst hatten, war groß: Die deutsche Wirtschaft soll im vierten Quartal „stagniert“ haben. Rums – diese Nachricht schlug ein.

Ob aus der vorsichtigen Schätzung ein harter Fakt wird, gibt das Amt am Freitag  bekannt. Von weit größerem Interesse als diese bloße Zahl ist aber letztlich die nicht nur unter Volkswirten diskutierte, weil entscheidende  Frage dahinter: Wars das mit der Konjunkturerholung in Deutschland?

Es gibt gute Gründe, das zu verneinen. Und das, obwohl inzwischen die Mehrheit in der Zunft der Prognostiker davon überzeugt ist, dass der Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes am Jahresende – falls überhaupt vorhanden – tatsächlich nur mau ausgefallen sein dürfte. Der Einbruch des produzierenden Gewerbes im Dezember zählt zu den miesen Ergebnissen, die ausschlaggebend für diese pessimistische Einschätzung sind.

Die Bundesstatistiker kannten diese Zahl Anfang Januar selbst noch nicht. Was sie dennoch zu der Annahme veranlasst hat, dass die Wirtschaft nur stagniert haben dürfte, erklärte das Amt bislang nicht. Jeder Mitarbeiter gebe eine Einschätzung „für seinen Zuständigkeitsbereich“, und heraus komme ein „Gesamtbild“ – so funktioniere das. Gut möglich, dass die für ihre Schwankungen bekannte Lagerkomponente, die noch im dritten Quartal das Wachstum stärkte, eine entscheidende Rolle spielte.

Statistik hin, Statistik her: Einiges spricht trotz des schwachen Jahresendes und auch trotz der Vermutung, dass der kalte Winter im ersten Quartal das Wirtschaftswachstum gebremst haben dürfte, dafür, dass sich der  Aufholprozess der deutschen Wirtschaft zumindest erst einmal fortsetzen wird.

Da sind zum einen die nach vorn weisenden Stimmungsindikatoren, allen voran der Ifo-Geschäftsklima- sowie der Einkaufsmanagerindex. Sie signalisieren deutlich, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften rechnen. In der Industrie, der noch immer eine Schlüsselrolle in der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums zukommt, wurde bereits im Januar wieder deutlich mehr hergestellt als noch im schwarzen Dezember, zeigen die Umfragen. Der Produktionszuwachs sei gar so hoch gewesen wie seit September 2007 nicht mehr. Vor allem Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten haben offenbar kräftige Zuwächse notiert. Das lässt hoffen.

Und da ist die Exportwirtschaft, die sich zuletzt wieder zu einer großen Stütze etablierte. Nachdem der Außenhandel zuletzt kräftig zugelegt hat, dürfte er sich in den kommenden Monaten weiter beleben. Dafür spricht, dass die Industrie im gesamten vierten Quartal unter dem Strich steigende Aufträge aus dem Ausland verbuchen konnte. Dafür sprechen die Exporterwartungen der von Ifo befragten Unternehmen. Und dafür sprechen auch positive Nachrichten aus wichtigen Handelpartnerländern – nicht zuletzt aus den USA, wo die Aufholjagd immerhin begonnen hat.

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