Deutsche Auftragseingänge nur wegen eines Kalendereffekts gefallen

Die deutsche Industrie hat im Dezember 2,3% weniger Aufträge erhalten als im November. Im Durchschnitt hatten die Volkswirte mit einer schwarzen Null (0,2%) gerechnet. Uns hat der Rückgang dagegen nicht überrascht.

Wir hatten ein Minus von 2,0% prognostiziert – und zwar wegen eines Kalendereffekts. Da der 1. Januar in diesem Jahr auf einen Freitag fiel, lagen die beiden häufig für Werksferien genutzten Wochen um Weihnachten und Neujahr vollständig im Dezember 2009. Deshalb hatten mehr Firmen als üblich geschlossen. Das Saisonbereinigungsverfahren der Bundesbank kann diesen Kalendereffekt nicht ausschalten. Für den Januar erwarten wir deshalb für die Auftragseingänge ein kräftiges Plus.

Abstrahiert man von den stark schwankenden Monatsdaten und schaut auf die Trends, so wird deutlich, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal noch ganz ordentlich wachsen sollte. Darauf deutet vor allem das Ifo-Geschäftsklima, das bis zuletzt deutlich gestiegen ist.

Nach einem ordentlichen ersten Quartal sollte sich das Wachstum allerdings verlangsamen. Denn dann dürften die Unternehmen einen guten Teil der nach dem Lehmann-Schock abrupt unterlassenen Investitionen nachgeholt haben. Wichtige Handelspartnerländer Deutschlands werden wohl noch lange unter den Spätfolgen der geplatzten Schuldenblase leiden.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

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