In China spielt die Musik

Das Jahr 2009 ist auf den letzten Metern, und wir freuen uns, diese Achterbahnfahrt halbwegs unbeschadet überstanden zu haben.  Wenn wir in der Neujahrsnacht Bilanz ziehen, dann werden wir uns ehrlich eingestehen müssen, dass die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise erst noch einsinken müssen. Erst wenn wir mal zur Ruhe kommen, wird uns das volle Ausmaß der Veränderungen klar werden. Die halbwegs überstandene Krise wird später womöglich einmal als der Moment gesehen werden, an dem China die Rolle als Führungsmacht der Weltwirtschaft übernommen hat. Auf jeden Fall wird die wirtschaftliche Dynamik auf Jahre hinaus von China, Indien, Brasilien und anderen Schwellenländern – auch dafür brauchen wir bald mal einen neuen Begriff – ausgehen.

Darüber wird noch viel zu schreiben sein, aber selbst in den ruhigen Wochen zum Jahresschluss sind die Anzeichen kaum zu übersehen. Das beginnt mit dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen. So kühl haben die Chinesen den Westen da haben auflaufen lassen, selbst Lichtgestalt Obama, dass es einem Angst und Bange werden kann. Weniger bedeutende, aber nicht weniger klare, Indizien für die Machtverschiebung war, in welch selbstverständlicher Art das Kapital für Energieprojekte in der ehemaligen Sowjetunion jetzt aus China kommt: Erst gibt der russische Rohstoffriese Rusal seinen Börsengang in Hongkong, angeführt von der Bank of China, bekannt, dann teilt der kasachische Kupferkonzern Kazakhmys mit, dass die China Development die Erschließung der nächsten Kupfermine finanziert. Zwei Milliardendeals, die vor eineinhalb Jahren noch über London gelaufen wären.  Herzlich willkommen zu einem chinesischen Jahrzehnt.

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