Die neue Normalität

Im Moment wird viel gesprochen über die Rückkehr zur Normalität. Die neue Normalität wird sich jedoch von der alten vor der Krise erheblich unterscheiden. Wie sehr, dass hat der UBS-Chefökonom Andreas Höfert diese Woche am Beispiel der USA erläutert. Das Trendwachstum könnte von zuvor 3,5 auf nur noch zwei Prozent sinken. Die Inflation könnte sich von vormals 2,5 Prozent mehr als verdoppeln. Die Stabilität der Finanzmärkte dürfte sich dank der strikteren Regulierung zwar erhöhen. Die Investoren zahlen das jedoch mit geringeren Renditen. Und zugleich müssen wir uns darauf gefasst machen, dass wir statt regelmäßiger Finanzkrisen wieder mehr Konjunkturschwankungen erleben werden. Höfert stellt die interessante These auf, dass es einen trade off zwischen finanzieller und markroökonomischer Stabilität gibt. Für die meisten europäischen Länder gilt im Prinzip das gleiche Szenario, wenn auch weniger ausgeprägt als in den USA.

Wann müssen wir mit der neuen, tristen Normalität rechnen? Höfert meint, ab Mittte 2010. Dann laufen sowohl die staatlichen Konjunkturprogramme als auch der Lagerzyklus aus, die Notenbanker werden die Zinszügel langsam anziehen und die Konjunktur muss auf eigenen Beinen stehen. Die Effektivität der staatlichen Anschubhilfe wird nach Meinung von Hilfert ohnehin überschätzt. So hätten die Amerikaner mit der Verdoppelung der Notenbankgeldmenge ihre Wirtschaftsleistung gerade einmal auf das Niveau von vor zwei Jahren gehoben. Ein bescheidenes Ergebnis mit einem riesigen Inflationspotenzial.

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Alle Kommentare [1]

  1. Das US-amerikanische Wachstum gründete sich, wie in anderen Ländern auch, vor allem auf einem überhitzten und überschuldeten Immobilienmarkt. Die Korrektur ließ selbstverständlich nicht auf sich warten. Soweit so gut. Daß aber durch neue Finanzinnovationen neue “virtuelle Immobilienpakete” geschnürt wurden, um Risiken “besser” weltweit zu verteilen, und dies auf Basis falscher Zertifizierung durch Ratingagenturen, ist doch der eigentliche Skandal. Dadurch kam es nicht nur auf dem amerikanischen Immobilienmarkt sondern auf den weltweiten Finanzmärkten zu Fehlallokationen und Fehlentscheidungen. Wenn diese Fehlmechanismen “ausgeschaltet” sind, kann es auch wieder zu einem “normalen Wachstum” kommen. Man sieht ja: Jene Länder wie China, die sich nicht an dem Finanzhype um CDOs, etc. beteiligt haben, weisen wieder hohe Wachtumsraten der Realwirtschaft auf. In Deutschland und Europa war man einfach zu naiv und hat einfach alles kritiklos kopiert, was in USA ausprobiert wurde.