Zum Wochenende: Unser Modetipp für liberale Ökonomen

Das offizielle Adam-Smith-Tartan

Wie kleidet sich der liberale Ökonom von heute? Ist doch ganz klar: Mit dem “Adam Smith Tartan”.

Die Scottish Economic Society hat zu Ehren des Begründers der modernen Volkswirtschaftslehre ein eigenes Schotten-Karo erstellt und im offiziellen schottischen Tartan-Register verzeichnen lassen.

Etwas Nachhilfe für Schottland-Laien zur Bedeutung der Tartans liefert Wikipedia:

Der Tartan eines schottischen Clans ist eine spezielle Abfolge von Farben bzw. Farbtönen, die nur von den Mitgliedern des Clans getragen werden dürfen. Obwohl ein Tartan damit sichtbar die Zugehörigkeit zu einem Clan ausdrückt, ist es nach schottischem Wappenrecht kein Vergehen, den Tartan eines anderen Clans zu tragen. Allgemein akzeptiert ist das Tragen eines Tartans, wenn man verwandtschaftlich, per Adoption oder auch nur namentlich als dem Clan zugehörig gilt.

Die Registrierung offizieller Clan-Tartans begann am 8. April 1815, als die Highland Society of London (gegründet 1778) alle Clan Chiefs aufforderte, der Gesellschaft ein Stück ihres Tartans zu schicken, groß genug, um das Muster erkennen zu lassen.

Basis des Adam-Smith-Tartans sind die Clan-Tartans der Familien von Adam Smith’s Vater und seiner Mutter Margart Douglas, wie die Scottish  Economic Society berichtet:

It combines the Ancient Smith tartan (dating from 1886) with the Douglas Hunting tartan (dating from pre-1819), thereby also honouring Margaret Douglas’s important role in raising Adam Smith.

Einen Schal oder eine Krawatte kann man für £ 15 über den Glasgower VWL-Professor  Robert E Wright bestellen – allerdings nur dann, wenn man Mitglied der Scottish Economics Society ist. Wenn das kein Anreiz ist, dem Verband beizutreten!

Vorgestellt wurde das Muster übrigens auf einer Konferenz der Scottish Economic Society, die in Aberfeldy-Whisky-Brennerei stattfand.

Ich finde es eine Frechheit,  dass man mich dazu nicht eingeladen hat.

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Über das Bloggen aus der Dunkelkammer

Die Beschäftigung mit sich selbst ist seit jeher eine der Lieblingstätigkeiten der Blogosphäre. Warum sollte das bei den Wirtschaftsbloggern anders sein?

Derzeit gibt es eine mitunter hitzig geführte Debatte über das Für und Wider des anonymen Bloggens. Angestoßen wurde sie durch meinen FAZ-Kollegen Gerald Braunberger. Braunberger, einer der Hauptautoren des noch jungen Fazit-Blogs der FAZ, monierte in einem Kommentar des anoymen Kantoos-Blogs, dass Kantoos selbst und sein regelmäßiger Gastautor Henry Kaspar

“aus der Dunkelkammer zu argumentieren (…)  aber sich gleichzeitig mit Personen abschätzig zu befassen, die wie ich ihren Namen offen nennen und die Sie gleichzeitig wie meinen Kollegen Patrick Bernau brauchen, um etwas aus der Anonymität besserwisserisch zu bekritteln. (…) Wer ein richtiger Mann ist, nennt seinen richtigen Namen.”

In einem PS schob Braunberger  nach:

“Wobei die vermeintliche Anonymität lächerlich ist, wenn man sich in seinen Beiträgen auch an Wirtschaftsjournalisten wendet, die wissen, wie man recherchiert. Es wäre für uns bei der F.A.Z. simpel, die Klarnamen von „kantoos“ und „hkaspar“ zu veröffentlichen. (Wir wissen z.B., wo sich „kantoos“ gerade aufhält.) Wir tun das nicht, weil wir deren Wunsch nach Anonymität respektieren. Was wir unabhängig davon halten, steht in Kürze bei FAZIT.”

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So sehr hat Deutschland vom Euro profitiert

Containerterminal in Hamburg (Quelle: Wmeinhart via Wikipedia)

Containerterminal in Hamburg (Quelle: Wmeinhart via Wikipedia)

In der deutschen Diskussion über den Euro und die Schuldenkrise hört man immer wieder, die Einführung des Euro habe der deutschen Wirtschaft gehörig geschadet.

In einer bemerkenswerten Studie verweisen die  Volkswirte der Citigroup dieses Argument jetzt ins Reich der Legende. Die Citi-Ökonomen Nathan Sheets und Robert Sockin argumentieren, die Einführung des Euro habe zu einem massiven Windfall-Profit für die deutsche Volkswirtschaft geführt – das Papier ist meiner Meinung nach Pflichtlektüre für jeden D-Mark-Nostalgiker.

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Ökonomie neu denken – so sieht es der wissenschaftliche Nachwuchs

Sie kamen aus Boston und Berlin, London und Lüneburg, Mannheim und Madrid: 30 Nachwuchsökonomen, die mit einem Tagungsstipendium der Stiftung “Geld und Währung” Anfang der Woche an der Konferenz “Ökonomie neu denken” teilnahmen.

Das mit 1000 Euro dotierte  Stipendium war wie die Fellowships für das Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen und den Munich Economic Summit im Handelsblatt und in unserem wöchentlichen Ökonomie-Newsletter ausgeschrieben (den sie hier kostenlos bestellen können.)

Der Kongress, den Stifterverband und Handelsblatt organisierten, drehte sich um die Frage, was die Volkswirtschaftslehre aus der Wirtschaftskrise lernen muss.

Die Reden der meisten Referenten kann man auf der Seite des Stifterverbandes als Audio-Mitschnitt nachhören, die Handelsblatt-Texte aus Frankfurt gibt es hier. Auch zahlreiche Blogs – zum Beispiel der Wirtschaftswurm, Ichsagmal und das Fazit-Blog der FAZ-Kollegen – beschäftigten sich mit dem Kongress. Dirk Elsner vom Blicklog und Marco Metzler von der NZZ haben die Tagung bei Storify aufbereitet.

Wie beurteilen die Nachwuchsforsche, von denen die meisten mitten in der Promotion stecken oder ihre Doktorarbeit gerade abgeschlossen haben, die Verfassung ihrer Disziplin? Nach dem Ende des Kongresses haben wir sie befragt.

Hier einige Einschätzungen: » Weiterlesen

Ifo-Index bestätigt Optimisten

Ein weiteres Mal hat der Ifo-Index positiv überrascht. Mit einem Satz von einem Punkt auf 108,3 Punkte im Januar hat er klar die Erwartungen der Märkte übertroffen. Vor allem der Anstieg des Teilindex der Geschäftserwartungen über die 100-Punkte-Marke macht Mut. Es wird immer klarer, dass es trotz aller Unkenrufe wohl bei einer Konjunkturdelle in Deutschland bleiben wird, die sich vermutlich schon im BIP-Rückgang von rund einem Viertelprozent im vierten Quartal 2011 erschöpft haben dürfte. Die gestern veröffentlichten Markit-Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone deuteten ja bereits in die gleiche Richtung.
Wer also wissen will, wie die Konjunktur in Deutschland 2012 laufen wird, sollte lieber auf Ifo als auf die düsteren Prognosen des Internationalen Währungsfonds von gestern schauen. Sie sind, wie so oft, schon bei Veröffentlichung ein bisschen hinter der Kurve zurück. Dass Deutschland 2012, wie der IWF sagt, nur um 0,3 Prozent wachsen, oder wie zum Beispiel das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut IMK sagt, sogar leicht schrumpfen wird, halte ich für unwahrscheinlich - immer vorausgesetzt natürlich, die Euro-Schuldenkrise gerät nicht außer Kontrolle.  Ifo zeigt inzwischen mit drei Anstiegen in Folge einen Wendepunkt nach oben an. Besonders erfreulich an den jüngsten Ergebnissen der Ifo-Umfrage unter 7000 deutschen Unternehmen ist, dass die Optimisten in der Industrie wieder klar die Oberhand haben. Das deutet auf eine Wiederbelebung der Exporte und weiterhin starke Investitionen im laufenden Jahr hin, zusätzlich zu einer für deutsche Verhältnisse ordentlichen Konsumkonjunktur und einer starken Bauwirtschaft. Fazit: Wenn wir am Ende des Jahres Bilanz ziehen, dann dürfte das tatsächliche BIP-Wachstum zum dritten Mal in Folge recht deutlich über den Konsensprognosen zu Jahresbeginn liegen. Ein Prozent Plus oder etwas mehr sind durchaus drin.

Die Drei vorm Komma ist kein Ausreißer

Zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren ist die deutsche Wirtschaft 2011 um mehr als drei Prozent gewachsen. Das haben zu Jahresbeginn nur ganz wenige Ökonomen glauben wollen.  Siehe mein Beitrag von Ende 2010 Das Misstrauen gegenüber der eigenen Stärke ist in Deutschland schließlich weit verbreitet. Dabei sprechen die Zahlen doch eine klare Sprache:  3,7 Prozent Wachstum 2006, 3,3 Prozent 2007, wieder 3,7 Prozent 2010 und glatt drei Prozent im vergangenen Jahr. Dazwischen lag die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren mit einem brutalen Einbruch von 5,1 Prozent. Zu den Details siehe: PK des Statistischen Bundesamtes
Seit dem Herbst 2011 schrumpft die deutsche Wirtschaft erneut, weil die Euro-Schuldenkrise unseren größten Absatzmarkt in die Rezession treibt. Der Negativtrend könnte auch Anfang 2012 anhalten, auch wenn die letzten Stimmungsindikatoren dagegen sprechen - doch selbst wenn Deutschland mit zwei negativen Quartalen in Folge die technischen Kriterien für eine Rezession erfüllen sollte, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die deutsche Wirtschaft in eine langanhaltende Flaute abrutscht. Im Gegenteil sieht es eher danach aus, dass sie bereits ab Frühjahr wieder ordentlich anzieht und das Jahr mit einem Plus von rund einem Prozent abschließt.  Wie zuletzt im Handelsblatt argumentiert, hilft ihr dabei die Euro-Krise im Grunde noch: durch niedrige Zinsen und einen sinkenden Euro-Kurs, durch zurückfließendes Kapital und die Zuwanderung von Arbeitskräften.
Seit 2009 haben die professionellen Prognostiker im Durchschnitt noch jedes Jahr die Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft unterschätzt. Ihr  derzeitiges wahres Potenzial zeigt sich in den Jahren mit einer Drei vor dem Komma. Sie sind kein Ausreißer, sondern zeigen das erreichbare Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft in diesem Jahrzehnt – in Jahren ohne Finanzkrise. 
Wenn wir die Euro-Krise im Laufe dieses Jahres gelöst bekommen, dann kann die Drei vorm Komma bald wieder zurückkehren, vielleicht sogar schon 2013. Sie kann in einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft kein Dauerzustand werden, aber eine Reihe fetter Jahre sind für die starke deutsche Industrie durchaus in Sicht. Wie die Deutschen daraus das meiste machen können und welche Reformen nötig sind, um auch darüber hinaus erfolgreich zu bleiben, schildern Bert Rürup und ich übrigens in dem Ende Februar erscheinenden Buch\”Fette Jahre. Warum Deutschland eine glänzende Zukunft hat.\”

Deutsche Ökonomen bei Twitter – Januar-Update

Im neuen Jahr habe ich die Liste der deutschen Ökonomen, die bei Twitter unterwegs sind, neu sortiert. Die Einzelpersonen sind jetzt von den Accounts der  Forschungsinstitute und Medien getrennt.

Einzelpersonen:

  1. @littlewisehen – Der Münchener Wirtschaftsblogger Wolfgang Unglaub –  3346 Follower (Oktober: 3007, Juli: 2779, April: 2457)
  2. @PatrickBernau – Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – 2082 Follower (Oktober: 1735 Follower, Juli: 1169, April: 841 ) – Patrick hat war auch einer der ersten Wirtschaftsjournalisten mit einer eigenen Facebook-Fanpage, mit derzeit 156 “Likes” (Oktober:  118, Juli: 78)
  3. @doener – Der  Düsseldorfer Wirtschaftsblogger Stephan Dörner – 1986 Follower (Oktober: 1857, Juli: 1748,  April: 1679)
  4. @egghat – “Econblogger und iOS Developer”, der das Blog “Die Wunderbare Welt der Wirtschaft” betreibt – 1837 Follower (Oktober: 1642 Follower, Juli: 1258, April: 803)
  5. @abuschmeier- Management-Consultant und Hochschullehrer  - 1642 Follower (Oktober: 1504 Follower, Juli: 1412, April: 1330)
  6. neu: @tiefseher – Daniel Eckert, Finanzreporter der “Welt” und “Welt am Sonntag”, 1456 Follower
  7. @rkeuper – Ralf Keuper tweeted aus Paderborn über Ökonomie, Banking und Finance – 1209 Follower (Oktober: 759 Follower)
  8. @blicklog – Das unabhängige Ökonomie-Blog “Blicklog” bei Twitter – 1126 Follower (Oktober: 995 Follower, Juli: 896, April:  614)
  9. @schuldensuehner - Holder Zschäpitz, Wirtschaftsredakteur bei der “Welt” – 1089 Follower (Oktober: 752 Follower)
  10. @marcusgatzke -Ressortleiter Wirtschaft bei “ZEIT Online” – 777 Follower (Oktober: 661, Juli: 530, April: 332)
  11. @olaf_storbeck – Handelsblatt-Ökonomie-Korrespondent – 773 Follower (Oktober: 595, Juli: 290, April: 126) [das bin ich – es gibt auch noch mein englisches Account @olafstorbeck mit   2498 Followern (Oktober: 1955, Juli: 830, April: 472) und meine Facebook-Seite mit derzeit 443 “Likes” (Oktober: 314,  Juli: 93)
  12. @pixeloekonom - Johannes Eber, Berater der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft – 538 Follower (Oktober: 479, Juli:  400, April: 323)
  13. @mh120480 – betreibt das Blog Goowell – 502 Follower (Oktober: 415 Follower,Juli: 347, April: 279)
  14. neu: @aloa5 – Otmar S, betreibt das Blog Logicorum – 426 Followers
  15. @kantosEcon – Twitter-Feed des Blogs “Kantoos Economics” – 424 Follower (Oktober: 255 Follower, Juli: 102, April: 39)
  16. @eFlation – “Fondsmanager, Publizist, Cosmonaut” – und  Autor bei Wiessaussieht – 376 Follower (Oktober:  331 Follower, Juli: 288)
  17. @teraeuro - laut Twitter-Profil “sporadischer Hobby-Blogger”, aber zunehmend aktiv – 376 Follower (Oktober: 158 Follower)
  18. neu: @lostgen – Der Autor des Blogs “Verlorene Generation” twittert auch – 365 Follower
  19. Neu: @oecono – Stefan Zacher twittert über “Wirtschaftsphilosophie, Ideen für Weltwirtschaft und Unternehmungsgeist” (257 Followerrs)
  20. @wirtschaftswurm – Der freie Journalist und Ghostwriter Arne Kuster – 318 Follower (Oktober:  237, Juli: 143, April:  78 )
  21. @Haucap – Der Vorsitzende der Monopolkommission und einziger VWL-Prof in dieser Liste –  176 Follower (Oktober: 145 Follower, Juli: 103, April: 37)
  22. @DanielDaffke – “Gelegenheitsblogger” – 148 Follower (Oktober: 110, Juli: 71, April: 34)

Medien, Wirtschaftsforschungsinstitute u.ä.

  1. @FTD_Wunder – Die Konjunktur-Kollegen der “Financial Times Deutschland” – 1788 Follower (Oktober: 1536, Juli: 1082 Follwer, April:  945)
  2. @FAZ_Finance – Finanz- und Wirtschaftsnews der FAZ – 1763 Follower (Oktober: 1454, Juli: 1181 Follower, April: 847 Follower)
  3. @insm – Twitter-Repräsentanz der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” – 986 Follower (Oktober:901, Juli: 796, Apil: 682 )
  4. @iw_koeln – Das Institut der deutschen Wirtschaft bei Twitter – 612 Follower (Oktober: 468)
  5. neu: @OECDStatistik – Die Mitarbeiter des OECD Berlin Centre wühlen in den OECD-Datenbanken und veröffentlichen  Zahlen, die für aktuelle Diskussionen im deutschsprachigen Raum relevant sind. (542 Follower)
  6. @DIW_Berlin – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bei Twitter  - 652 Follower (Oktober: 504, Juli: 396, April: 267 )
  7. @ZBW_news – Twitter-Repräsentanz der Kieler Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – 578 Follower (Oktober: 502, Juli:  431 Followerm April: 325)
  8. @hb_oekonomie – Die Handelsblatt-Ökonomie-Berichterstattung bei Twitter – 468 Follower (Oktober: 352, Juli: 211, April: 61)
  9. neu: @fazitblog – Das Wirtschaftsblog der FAZ-Kollegen bei Twitter – 320 Follower.
  10. @oekonomenstimme – Deutschsprachiges Ökonomenportal nach dem Vorbild von VoxEU.or – 275 Follower (Oktober: 196 Follower, Juli: 135, April: 62)

Andere Übersichten

Patrick Bernau hat eine schöne Übersicht über Ökonomen bei Google Plus zusammengestellt. Wer sich für die Euro-Krise interessiert, sei noch auf den “PIIGS Plus Club” bei Twitter hingewiesen – eine Liste mit Twitterern aus allen möglichen EU-Ländern, die auf Englisch über die Misere tweeten. (Hier ein bisschen was zu den Hintergründen des PIIGS-Plus-Clubs.)

Wer fehlt noch? Hinterlasst mir einen Kommentar im Blog oder schreibt an @olaf_storbeck.

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Hat die Ordnungsökonomik noch eine Zukunft?

Der Wirtschaftsweise Lars Feld diskutiert in einem neuen Positionspapier, wie es mit der Freiburger Schule weitergehen soll.

Fast genau drei Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal über den Streit um die Neubesetzung volkswirtschaftlicher Lehrstühle an der Universität Köln berichtete. Einige emeritierte Professoren an der Fakultät machten Front gegen die Pläne ihrer alten Hochschule, Wirtschaftspolitik-Lehrstühle mit modernen, angelsächisch geprägten Makro-Ökonomen zu besetzen.

Was nach dem Erscheinen meines Textes “Der Kölner Emeriti-Aufstand” passierte, hatte ich nicht ansatzweise erwartet: In der deutschsprachigen Wirtschaftswissenschaft und der Wirtschaftspresse kam eine teils hitzig geführte Debatte in Gang – über die Methoden der Disziplin, ihre Ausrichtung und die Bedeutung von Werturteilen.

In einen öffentlichen Aufruf in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ forderten 83 Professoren: „Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten!“. Die Unterzeichner stützen die Position der Kölner Emeriti und brachen eine Lanze für die Ordnungsökonomik.

Die Modernisierer antworteten einige Wochen später bei uns im Handelsblatt: „Baut die deutsche VWL nach internationalen Standards um!” Etliche Wissenschaftler schalteten sich mit Beiträgen in die Debatte ein, und im Herbst 2009 gab es auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik ein eigenes Panel zum „neuen Methodenstreit“ in der deutschen VWL .

Inzwischen hat sich der Staub zwar ein bisschen gelegt, aber zu Ende ist die Debatte noch lange nicht. Der jüngste Beleg dafür ist ein interessantes Diskussionpapier der Ökonomen Lars Feld und Ekkehard Köhler mit dem programmatischen Titel „Zur Zukunft der Ordnungsökonomik“. (Aufmerksam wurde ich auf das Papier durch den FAZ-Kollegen Gerald Braunberger, der es im „Fazit-Blog“ exzellent zusammengefasst hat.)

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EZB-Banker kritisiert Euro-Krisenmanagement

Es war eine ziemliche Breitseite, die der europäische Notenbanker Athanasios Orphanides hier gerade in Chicago auf der Jahrestagung der American Economic Association gegen die Regierungen der Euro-Zonen-Länder abgefeuert hat.

Die Kernbotschaft des zypriotischen Zentralbank-Chefs, der im EZB-Rat sitzt, lautete: Das schlechte Krisenmanagement der europäischen Regierungen ist dafür verantwortlich, dass die Schuldenkrise derartig eskaliert ist. “Wir in Europa sind in den vergangenen zwei Jahren einem Ansatz gefolgt, der fürchterlich ineffizient war”, sagte Ophanides.

Fundamental seien die Staatsfinanzen in der Euro-Zone nicht so schlecht, dass eine solche Panik auf den Finanzmärkten gerechtfertigt sei. Im Vergleich zu den USA, Großbritannien und Japan sei die Staatsschuldenlast in der Euro-Zone nicht übemäßig dramatisch.

“Die Regierungen in der Euro-Zone haben eine Reihe von Entscheidungen getroffen, die das Vertrauen der Investoren erschüttert haben”, betonte Orphanides. “Wir müssen das äußerste tun, um das wieder umzukehren.”

Ohne die deutsche Bundesregierung konkret zu nennen, übte Orphanides indirekt deutliche Kritik an der Politik von Angela Merkel. Die Ende 2010 auf dem Gipfel in Deauville beschlossene Beteiligung privater Gläubiger  an den Bailouts (“private sector involvement”, PSI ) sei einer der entscheidenen Fehler gewesen – das Bestehen auf einem Haircut für griechische Staatsanleihen im vergangenen Jahr ein weiterer. Beides waren Dinge, für die sich vor allem die Bundesregierung stark gemacht hat.

Die Beschlüsse des EU-Gipfels von Dezember seien ein Schritt in die richtige Richtung – der Notenbanker begrüßte vor allem, dass sich die Regierungen vom PSI verabschiedet haben. “Das ist ein deutlicher, deutlicher Fortschritt.” Allerdings hätten die Dezember-Beschlüsse nicht genügt, um das Vertrauen der Investoren wieder herzustellen. Hauptgrund dafür sei, dass weiterhin darauf bestanden werde, dass die Griechenland-Gläubiger freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

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Ökonomen: Schluss mit dem heimlichen Lobbyismus

Seit der Finanzkrise wird die Unabhängigkeit von Volkswirten, die sich öffentlich zu wirtschaftspolitischen Fragen äußern und Empfehlungen abgeben, immer lauter in Frage gestellt.

Der Film “The Inside Job” deckte haarsträubende Interessenskonflikte auf.

Dass es sich dabei nicht nur um Einzelfälle handelt, haben die beiden  US-Wissenschaftler  Gerald Ebstein und Jessica Carrick-Hagenbarthin einer systematischen Studie ( “Financial Economists, Financial Interests and Dark Corners of the Meltdown: It’s Time to set Ethical Standards for the Economics”) gezeigt.

Wie Christine Mattauch im Februar 2011 im Handelsblatt beschrieb, forderten 300 US-Ökonomen die “American Economic Association” daraufhin in einem  offenen Brief auf, einen “Ethik-Kodex” zu beschließen, der die Mitglieder zwingt, mögliche Interessenkonflikte zu offenbaren.

Das  hat die American Economic Association jetzt auf ihrer Jahrestagung in Chicago getan. Heute abend erreichte mich folgende Pressemitteilung:

At its meeting today, the Executive Committee of the American Economic Association adopted extensions to its principles for authors’ disclosures of potential conflicts of interest in the AEA’s publications. The added principles are:

(1) Every submitted article should state the sources of financial support for the particular research it describes. If none, that fact should be stated.

(2) Each author of a submitted article should identify each interested party from whom he or she has received significant financial support, summing to at least $10,000 in the past three years, in the form of consultant fees, retainers, grants and the like. The disclosure requirement also includes in-kind support, such as providing access to data. If the support in question comes with a non-disclosure obligation, that fact should be stated, along with as much information as the obligation permits. If there are no such sources of funds, that fact should be stated explicitly.  An “interested” party is any individual, group, or organization that has a financial, ideological, or political stake related to the article.

(3) Each author should disclose any paid or unpaid positions as officer, director, or board member of relevant non-profit advocacy organizations or profit-making entities. A “relevant” organization is one whose policy positions, goals, or financial interests relate to the article.

(4) The disclosures required above apply to any close relative or partner of any author.

(5) Each author must disclose if another party had the right to review the paper prior to its circulation.

(6) For published articles, information on relevant potential conflicts of interest will be made available to the public.

(7) The AEA urges its members and other economists to apply the above principles in other publications: scholarly journals, op-ed pieces, newspaper and magazine columns, radio and television commentaries, as well as in testimony before federal and state legislative committees and other agencies.

Das liest sich auf den ersten Blick ganz gut. Bleibt zu hoffen, dass die Ära der “Inside Jobs” vorbei ist – und die Ökonomen in Deutschland und Europa sich die Amerikaner zum Vorbild nehmen.
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