» 07. Dezember 2012, 21:46 Uhr

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Die Deutschen und die Teaparty

Aus deutscher Sicht erscheint manches in den USA ziemlich bizarr zu sein, zum Teil sogar unmoralisch. Angefangen von der Todesstrafe über den freien Waffenbesitz bis hin zum dünnen sozialen Netz und vor allem den vor Obama noch riesigen Löchern im System der Krankenversicherungen. Wo sonst wird in reichen Ländern darüber diskutiert, ob auch Leute, die es sich nicht leisten können, Anspruch auf medizinische Behandlung haben?
Als besonders bizarr erscheint den Deutschen – und vielen Amerikarn auch, übrigens – die Tea Party, die sozusagen den rechten Flügel der Konservativen bildet. Dabei wird aber oft übersehen, dass es einige Übereinstimmungen mit Meinungen gibt, die auch in Deutschland weit verbreitet sind.
Die Leute der Tea-Party halten nichts von einer expansiven Finanzpolitik. Sie glauben, dass man im Zweifel alle Probleme durchs Sparen lösen kann. Sie verstehen zum Teil auch nicht oder wollen es nicht, dass staatliches Sparen in die Rezession führen kann. Dafür verstehen sie sehr gut, und haben damit auch Recht, dass permanente staatliche Verschuldung auf Dauer in den Ruin oder in die Inflation führt.
Ist diese Art zu denken – mit allen Vorzügen und Schwächen – nicht auch in Deutschland weit verbreitet? Zumindest wenn es um andere Länder wie Spanien, Italien, oder Griechenland geht, sind in Deutschland auch viele sehr schnell bereit zu glauben, man könne mit mehr Sparsamkeit alles richten. Auch in Deutschland fehlt oft das Verständnis dafür, dass zumindest bei exportschwachen Staaten öffentliches Sparen immer tiefer in die Misere führen kann. Auch in Deutschland gibt es eine berechtigte Angst vor hohen Staatschulden und Inflation.
Eine ähnliche Parallele gibt es in der Geldpolitik. Während in vielen Ländern die Notenbanken letztlich doch als ökonomische Geheimwaffe geschätzt werden, genießen sie in Deutschland entweder großer Achtung (Bundesbank) oderbegegnen inzwischen einem deutlichen Misstrauen (EZB). In den USA ist die Notenbank den Anhängern der Tea Party eher verhasst. Dahinter steckt aber ebenso wie in Deutschland ein tiefes – und weitgehend auch berechtigtes – Misstrauen gegenüber den Tricks, mit denen die Notenbanken immer wieder Konjunktur und Regierungen retten wollen. Die US-Notenbank gilt hier als besonders willig, die EZB als nachgiebiger gegenüber unsittlichen Ansinnen und die Bundesbank als besonders widerstandsfähig – lassen wir das mal so stehen, ohne näher die Hintergründe zu beleuchten; so kommen jedenfalls die unterschiedlichen Einschätzungen zustande.
Es zeigt sich also: Hinter scharfen Gegensätzen auf den ersten Blick verbergen sich manchmal erstaunliche Gemeinsamkeiten. Letztlich würden viele Deutsche ebenso wie die Teaparty-Leute am liebsten in einem Staat leben, der einfach aufhört Schulden zu machen und Geld zu drucken. Nur dass sie trotzdem gerne noch ein paar Sozialleistungen mehr hätten als die rechten Amerikaner.

» 07. Dezember 2012, 21:46 Uhr