» 27. August 2012, 10:43 Uhr

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Grexit wäre ein Bumerang

„Grexit“, der mögliche Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone, ist gerade wieder ein großes Thema. Angela Merkel hat am Wochenende die Leute, die ständig davon reden, zurückgepfiffen – spät genug. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich im Spiegel-Interview sehr sachlich geäußert, aber seine Bemerkung, die EZB könne nicht den Verbleib aller Länder in der Währungsunion garantieren, unterstützt natürlich die Grexit-Fans.

Was würde bei einem Grexit passieren? Wirklich wissen kann das niemand. Die Aussage, so etwas sei „beherrschbar“, ist jedenfalls sehr mutig. Ich glaube, Grexit hätte einen Bumerang-Effekt: Der Austritt würde dazu führen, dass gerade das passiert, was die Grexit-Freunde nicht wollen, nämlich noch mehr Geldschöpfung durch die Europäische Zentralbank (EZB) und/oder noch mehr Vergemeinschaftung der Schulden.

Die Euro-Zone ist abhängig von internationalen Groß-Investoren, ohne sie können die Staaten ihre Haushalte nicht finanzieren. Diese Investoren schauen aber häufig nicht so sehr auf finanz- oder geldpolitische Details, und noch weniger auf juristische Argumente. Entscheidend für sie sind die großen politischen Signale. Kommt das Signal, dass die Europäer den Laden zusammenhalten, dann sind die Investoren gegebenenfalls auch bereit, wieder Risiken in der Euro-Zone einzugehen. Kommt das gegenteilige Signal, dann verlieren sie den letzten Rest von Vertrauen.

Kein Signal wäre stärker als der – mehr oder minder erzwungene – Austritt eines Euro-Landes. Das Signal würde lauten: Die Europäer sind nicht mehr unbedingt bereit, den Laden zusammenzuhalten. Die Folge könnte sein, dass die Märkte für einige Staaten, etwa Spanien und Italien, völlig austrocknen. Italien ist aber weltweit der drittgrößte Schuldner auf den Märkten für Staatsanleihen. Eine Pleite Italiens wäre daher ein Sturm, den sich wahrscheinlich im Moment niemand vorstellen kann – und den auch niemand riskieren will. Ich gehe daher davon aus, dass, um eine derartige Pleite abzuwenden, alles mögliche in Gang gesetzt wird: noch mehr Geld von der EZB, noch größere Rettungsschirme, noch engeren Haftungsverbund in der Euro-Zone. Das Ende einer Kettenreaktion, die mit Grexit beginnt, würde daher wahrscheinlich nicht den Grexit-Fans in die Hände spielen, sondern deren ärgsten Gegnern.

» 27. August 2012, 10:43 Uhr