» 27. August 2012, 15:36 Uhr

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Der Goldene Elephant ist kein Subprime Loan

Die Nachrichtenagtur Reuters verbreitet gerade eine groß aufgezogene Geschichte: China sei von windigen Geldanlageprodukten überflutet. Es drohe ein Debakel wie in den USA 2007/2008. Mit der Volksrepublik werde der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft ausfallen.

Reine Angstmacherei. 

Ich glaube sofort, dass findige Geschäftemacher in China in großem Stil schlechte Anlageprodukte verkauft haben. Auch dass die Provinz- und Gemeinderegierungen illegal Kredite in Billionenhöhe aufgenommen haben, ist längst bekannt.

Was an der Reuters-Geschichte übertrieben wirkt, ist das Systemrisiko.

China hat einen streng regulierten Finanzmarkt mit enormen Vorschriften für die Anzahlung in Eigenkapital für alle Immobilieninvestments. Die Banken sind bombig kapitalisiert und haben ihr Kapital null gehebelt. In China drohen alle möglichen Gefahren, aber eben nicht Subprime II.

Der Staat wird aber auf jeden Fall diskret einspringen, wenn die Banken oder die Lokalregierungen anfangen zu wanken. Peking hat seit der Jahrtausendwende die Finanzbranche bereits zweimal gerettet. Schließlich ist sie Grundlage des Wachstumswunders. Und in den Banken liegen die Ersparnisse der Bürger, die sehr, sehr böse wären, wenn auch nur ein Yuan wegkäme.

Auch vor der versteckten Kreditvergabe aus den Investmenttöchtern heraus warnen Ökonomen schon mindestens seit 2010. Die cleveren Finanzmanager umgehen so die staatlichen Obergrenzen für das Darlehenswachstum.

Die Haupteigenschaft von Subprime war jedoch die verdeckte, mehrfache Verbriefung, die mit Hebel auf unterkapitalisierte Institute gewirkt hat. Dieses Systemrisiko gibt es in China dagegen nicht.

Chinas Finanzsystem  ist – ganz anders als das amerikanische – monolithisch und statisch. Die Frage ist eher: Wie weit kommt eine moderne Volkswirtschaft mit so unmodernen, undynamischen Banken?

Aber solange die KP überall drinsteckt, fließt Geld einfach nur innerhalb der „einen großen Tasche im Kreis“ (wie der unabhängige Ökonom Andy Xie sagt).

Also: Die nächste Bankenrettung kommt in China bestimmt. Es werden auch viele Käufer von Investmentprodukten bitter enttäuscht sein. Eine Implosion droht jedocht nicht.

» 27. August 2012, 15:36 Uhr