» 19. August 2012, 17:06 Uhr

Die Grenze überschritten

Wenn die Europäische Zentralbank, wie der “Spiegel” schreibt, tatsächlich feste Zinsobergrenzen für einzelne Länder festsetzt, dann wäre damit eine wichtige Grenze hin zu einer unseriösen Geldpolitik überschritten. Man mag einwenden, dass die EZB bisher auch schon indirekt Staaten finanziert, was sie eigentlich nicht soll. Man mag auch einwenden, dass die Notenbanken in den USA und in Großbritannien auch durch massive Käufe die Zinsen ihrer Staaten drücken. Aber es gäbe – wenn es tatsächlich so eintritt, was ich noch nicht so ganz glaube – zwei wichtige Unterschiede.
Erstens nennt zum Beispiel die US-Notenbank keine Obergrenze für den Zins, sie gibt keine Garantie ab, Anleihen zu kaufen. Nur so kann sie verhindern, dass ihr die Entwicklung aus der Hand genommen wird, indem der Staat praktisch unbegrenzt Anleihen an sie verkauft. Wenn die EZB tatsächlich unbegrenzt bestimmte Obergrenzen garantiert, gibt sie die Kontrolle über das Volumen ihrer eigenen Ankaufaktionen aus der Hand. Keine gute Idee.
Der zweite Unterschied ist noch wichtiger. Wenn bei einer Notenbank, die für einen Staat zuständig ist, Geld- und Finanzpolitik durcheinander geraten, ist das schlimm genug. Noch schlimmer wird es, wenn die Notenbank für viele Staaten zuständig ist. Dann kann nämlich ein einzelner Staat den Liquiditätsvorteil durch die Ankäufe für sich selbst einheimsen und das gegenüberstehende Inflationsrisiko allen anderen aufbürden. Solche Anreizstrukturen können auf Dauer nur eine schlechte Wirkung haben.
Vielleicht ist nichts dran an den angeblichen Plänen der EZB. Vielleicht werden sie gestreut, um die Reaktionen zu testen. Vielleicht sind der EZB die Gerüchte selber sogar ganz recht, weil sie möglicherweise den Markt beruhigen. Vielleicht handelt es sich um Notpläne für den Fall, dass Griechenland aus der Euro-Zone fällt und die Kapitalmärkte völlig austrocknen. Wir werden sehen. Wenn es tatsächlich so weit kommen sollte, wäre das schon ein Ausdruck der Verzweiflung.
Natürlich wird man versuchen, im Gegenzug die Staaten zu strengen Auflagen zu verpflichten. Aber was, wenn die Auflagen verfehlt werden? Wenn die Märkte glauben, dass die Zins-Garantie der EZB nur unter bestimmten Bedingungen gilt, dann wird die Garantie nicht funktionieren. Wenn die Garantie auf JEDEN Fall gelten soll, dann hat die EZB kein Instrument mehr, um die Einhaltung der Bedingungen zu kontrollieren. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt.

» 19. August 2012, 17:06 Uhr

    9 Kommentare zu “Die Grenze überschritten”


  1. NurDeutscherEuroAustrittUndDMrettenJetzt sagt:

    Der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Währung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt ständig zu verlieren, wie unter dem Euro! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertungen, zB der Drachme und der Lira, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen sind als Minimum der ESM Stopp, der deutsche Euroaustritt und die Wiedereinführung der DM notwendig und selbstverantwortliche Länderwährungen in Europa, so wie vor dem Euro, um wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen.

  2. EuropWirdAusgeplündert sagt:

    Deutschland wird geplündert für die sogenannte “Euro-Rettung”. Von der ca. 1 Billion, die uneinbringbar sein wird und für die Deutschland insgesamt “haftet”, ist kein Cent bei den arbeitslosen Jugendlichen in Spanien oder Griechenland angekommen, keine Universität wurde neu gebaut, keine Zukunftsinvestition wird getätigt.

  3. STOPPT_ESM_und_EZB sagt:

    Die Sorgen und die Wut vor der vorgesehenen heimlichen Enteignung und Verschuldung Deutschlands per ESM in der angestrebten EUdSSR sollen die Politiker zu spüren bekommen, um vielleicht noch einen Sinneswandel zu erreichen!

    Bitte helft mit, den ESM konstruktiv zu stoppen: Mehr als 1,100,000 email Petitionen sind im Bundestag und 150,000 im bayrischen Landtag eingegangen – unglaublich! Die Leute haben so die Nase voll!

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    http://www.abgeordneten-check.de/email/unentschieden/69.html

    Mehr zum ESM und warum er so gefährlich ist unter

    http://www.freiewelt.net/video-34/zivile-koalition

    http://www.stop-esm.org/home

    http://www.gold-action.de/action-sign-up.html

  4. Moika sagt:

    Was will die EZB denn machen, wenn die Investoren ihr Zinsbegehren gleich oberhalb der von der EZB vorgegebenen Grenze festlegen? Will sie dann alle Anleihen in das Portfolio nehmen? Damit würde sie die Staaten direkt und zu 100 Prozent finanzieren. Das ist ihr aber verboten.

    Ich fürchte, es existiert eine Achse Monti, Roya, Hollande und Draghi. Hier soll der Versuch unternommen werden, die Vergemeinschaftung der Schulden durch die Hintertüre einzuführen. Spanien würde jubeln, Hollande könnte seine Sozialisierungspolitik weiter führen und Monti könnte alle weiteren Sparbemühungen endlich einstellen.

    Wie schlecht es Italien wirklich geht war doch einem Beitrag gestern hier im Handelsblatt zu lesen: Der Staat schickt Steuerprüfer an die Strände um dort Kasse zu machen, aber die großen Vermögen der Steuerhinterzieher bleiben, ebenso wie in Griechenland, unangetastet. Stattdessen setzt man weiter auf die Solidarität der anderen…

    Ich kann nur hoffen, daß Deutschland dem einen Riegel vorschiebt und vollkommen klarstellt: Wenn ihr das nicht nur beabsichtig, sondern tatsächlich durchziehen wollt, müßt ihr euch eine Bonität suchen – mit uns nicht mehr.

  5. es ist zu fassen sagt:

    Wozu gibt es Gesetze, Verträge usw.? Einfach, damit man sie ignoriert! Diese EU ist mittlerweile zu einem Tollhaus verkommen und unsere Politiker sind dabei auch noch die Steigbügelhalter. Im nächsten Jahr sind Wahlen.
    Hoffentlich sind dann nicht die Spareinlagen abgewertet, die vielen Volksbanken und Sparkassen im Sumpf der Bankenunion untergegangen.
    Wenn ja, da Gnade Gott den politisch Verantwortlichen. Aber diese Gnade wird kommen, denn der Deutsche hat keinen politischen Mumm. Da muß ich leider Franzosen recht geben, die sagen, das würden in Frankreich Politiker nicht wagen, die Straße würde sie hinwegfegen. Insofern können wir von unseren Nachbarn noch lernen.

  6. Dr.NorbertLeineweber sagt:

    Das ist die Abschaffung der Marktwirtschaft.
    Und wenn beim Häuslebauer die Zinsen steigen, greift dann die Zentralbank zu einer Zinsdeckelung?

    Der Vergleich zeigt eigentlich die Perversion. In Wahrheit wird Deutschland der Vorteil genommen, der aus der sparsamen Haushaltsführung resultiert. Nur weil ein Staat überschuldet ist, bekommt er niedrigere Zinsen auf Rezept. Was ist denn da mit Firmen, die mit einem Zinsanstieg nicht zurecht kommen? Die lässt man Pleite gehen. Es ist pervers den staatlichen Sektor anders zu behandeln als jeden Privaten und jedes private Unternehmen. Das ist nicht nur unmoralisch den Privaten gegenüber. Eine solche Ungerechtigkeit hat es noch nie gegeben und zeugt von der Perversion, die der Euro mit sich gebracht hat. Und Anreize die Politik zu ändern gibt es dann auch nicht mehr. Egal wie schlecht man wirtschaftet, Hauptsache der Zins ist gedeckelt. Jetzt weiß man auch weshalb Spanien gestern Abend den unbegrenzten Aufkauf der Staatsanleihen gefordert hat: Um den Weg zu ebnen alle Verbindlichkeiten in einer Zinssenkung verschwinden zu lassen. Es reicht! Kriseninformationen auf http://www.fortunanetz.de

  7. Dr. No sagt:

    Die EZB hat sich aus politischen Gründen für einen Schrecken ohne Ende, entschieden, als für ein Ende mit Schrecken, was wohl besser wäre, aber nicht gewollt ist. Man ist zu feige, das Ende einzugestehen.

    Das Ende kommt aber trotzdem, nur halt erst in ein paar Jahren, statt jetzt gleich, etwa in Form einer Währungsreform oder von Lastenausgleichen oder beidem. Und natürlich in Form einer hohen Inflation. Die ist aber auch gewollt, denn sonst wird man die Schulden nie mehr los. Nominell werden die Schulden ja nicht weniger, aber durch eine hohe Inflation verlieren sie zumindest real an “Wert”.

    Unter “normalen” Umständen, wäre das Ende bereits 2008 mit der Lehmann-Pleite eingetreten, aber durch die Haftungsübernahmen der Staaten wurde Zeit gewonnen. Jetzt sind die Staaten am Ende. Wer hilft denen? Die EZB! Was ist, wenn die EZB am Ende ist? Wenn die EZB in ein paar Jahren eine Bilanzsumme von sagen wir 5 oder 10 Billionen Euro haben wird?

    Am Ende haften dann doch wieder die klammen Staaten, sprich der Steuerzahler und der hat ja noch eine ganze Menge Geld und Vermögen auf der hohen Kante.

    Die Geldvermögen und die sonstigen Vermögenswerte der Deutschen würden ausreichen, um ALLE öffentlichen Schulden von Bund, Länder und Gemeinden zu tilgen.

    Das gesamte Weltfinanzsystem ist spätestens seit der Lehmann-Pleite praktisch insolvent. Daran ist nichts mehr zu ändern.

    Schulden mit immer mehr Schulden zu bekämpfen, führt in den Untergang, aber erst später. Schulden durch Sparen zu bekämpfen, führt ebenfalls in den Untergang, das geht dann aber viel schneller.

    Der Dumme wird sehr wahrscheinlich der kleine Mann sein, die Kleinsparer, Arbeitnehmer und Rentner. Aber das ist ja kein Problem. War schon immer so. Warum sollte sich das jetzt ändern. Die Investmentbanker und die Banken werden am Ende ungeschoren davon kommen.

    Man wird sehen. Die nächsten Jahre versprechen jedenfalls sehr interessant zu werden.

  8. Herbert sagt:

    “Pegging the interest rate” funktioniert nicht, wie uns Cagan (1956) gelehrt hat, und zwar in einem Aufsatz, der die deutsche Hyperinflation zum Gegenstand hat.

    Wenn die EZB dies gleichwohl versucht, kann das nur an den vom Autor beschriebenen Umverteilungsabsichten liegen. Gut, im EZB-Rat sitzt eine Mehrheit von Profiteuren, man kann sich sehr wohl vorstellen, dass sie Zinsobergrenzen beschließen. Dann aber blüht uns eine inflationäre Entwicklung anderen Kalibers als ich sie bisher erwartet habe.

  9. doofer_michel sagt:

    Das Chaos nimmt seinen Lauf. EZB = lauter Dilletanten