Einige Hedge-Fonds, so ist mehrfach zu lesen, wetten jetzt gegen deutsche Staatsanleihen. Und deren Kurse zeigten in den letzten Tagen ja auch ganz leichte Schwächetendenzen. Hat die Anziehungskraft Deutschlands für Geld aus aller Herren Länder ihren Höhepunkt überschritten? Möglicherweise liegen die Hedge-Fonds da falsch.
Es kann zwei Gründe geben, die zu einem Rückgang der Kurse der deutschen Staatspapiere führen würden. Einmal eine Entspannung im Euro-Raum. Dann würde das Fluchtgeld, das aus dem Süden in den Norden geflossen ist, wie der zurückgeholt. Der Druck der Liquidität auf den deutschen Markt ließe nach. Tatsächlich gibt es ja Berichte, nach denen viele Griechen ihr Geld wieder nach Hause holen, das sie kurz vor der Wahl noch außer Landes gebracht hatten. Ob das den Markt für deutsche Staatsanleihen wirklich beeinflusst ist, bleibt allerdings fraglich, möglicherweise reicht das Volumen hierzu nicht aus.
Der zweite Gründe wäre genau das Gegenteil des ersten: Wenn die Krise sich zuspitzt, zweifeln die internationalen Anleger, ob Deutschland nicht auf Dauer doch mit unter Druck gerät. Diese Argumentation ist es, die die angelsächsischen Hedgefonds bewegt. Und sie spielt tatsächlich auch eine Rolle. Weil das Hilfspaket für Spaniens Banken im Markt so schlecht aufgenommen wurde, gibt es jetzt die Befürchtung, dass Spanien ganz unter den Rettungsschirm schlüpft. Damit wäre das erste große Euro-Land auf diesem Weg – und damit steigt die Befürchtung, dass zum Beispiel Italien folgt und das ganze Euro-Rettungssystem, das ja stark an der deutschen Kreditwürdigkeit hängt, aus den Fugen gerät. Verständlich, dass internationale Anleger lieber Dollar oder Yen kaufen, und dass die Preise für die Versicherung deutscher Anleihen (die CDS) teurer werden.
Es zeigt sich also: In Griechenland leichte Entspannung, in Spanien eher Zuspitzung, und merkwürdigerweise spricht beides eher für sinkende Kurse deutscher Anleihen. Allerdings sollte man sich das Spanien-Argument noch einmal genauer anschauen. Zum einen gibt es jetzt offenbar Überlegungen, die Kapitalhilfen für die Banken so erträglich auszugestalten, dass der spanische Staat damit irgendwie zu Recht kommt, ohne weitere Hilfen beantragen zu müssen. Daher könnte es bald wieder zur Entspannung kommen. Außerdem: Es gibt ja nicht nur internationale Anleger, sondern auch große Versicherer und Pensionskassen, die mehr oder minder auf den Euro angewiesen sind. Und die werden, wenn es kritisch wird, weiterhin deutsche Anleihen kaufen. Was sollten sie sonst tun? Erst wenn es eine durchgreifende Entspannung gibt, werden sie umschwenken auf andere Länder. Oder aber, wenn doch eine starke Vergemeinschaftung der Haftung in Reichweite kommt, so dass die Sicherheiten der deutschen und der “südlichen” Papiere nicht mehr so starke Abweichungen zeigen. Diese Entwicklung ist aber noch nicht absehbar. Je nach dem, wie und für welchen Zeitraum die Wetten gegen Deutschland gestrickt sind, könnten sie also auch daneben gehen.











Ein Kommentar zu “Gefährliche Wetten gegen Deutschland”
Ja hat denn wirklich jeder gedacht, deutsche Staatsanleihen steigen ewig weiter und der BUND-Future läuft ungebremst Richtung 150?
1. Überhitzt irgendwann jeder Markt. Und beim Bund-Future war dies seit dem Überschreiten der 140er Marke klar der Fall.
2. Kann sich Deutschland nicht vollständig der Krise in Euroland entziehen. Alle Wetten gegen Portugal, Griechenland, Portugal, Italien… Als Resultat steigen die Renditen in astronomische Höhen. Ergebnis: Die Länder straucheln, riesige Rettungsschirme werden gespannt, einen Großteil soll Deutschland finanzieren. Wo das Geld herkommen soll, danach fragt schon lange niemand mehr. Sollte man aber, wenn man auf weiter steigende Anleihekurse setzt. Denn die sind irgendwann nicht mehr rational. Denn irgendwann wird Deutschland nicht mehr die Rettung von Resteuropa alleine stemmen können. Die Schulden werden ausufern, Ratingagenturen Deutschland abstrafen und die Zinsen steigen. Damit die Renditen, weshalb Anleihekurse fallen.
So einfach ist das…. Oder so…