Keine Frage: Das war ein Fehlstart. Statt am ersten Tag kräftig zuzulegen um Anlegern Lust auf mehr zu machen, hatte die Facebook-Aktie erst einmal einen Durchhänger, den nur die Banken auffangen konnten. Fragt sich nur, ob sie in der neuen Woche den Kurs noch länger stützen müssen – und wenn ja, wie lange sie das durchhalten. Schließlich ist es ihr Geld.
Doch letztlich ist dieser Fehlstart ein Segen. Denn der Börsengang hatte alle Zutaten, um zu einer gewaltigen Falle für Kleinanleger zu werden: eine Marke, die jeder kennt; ein smarter Gründer; ein “ganz neues” Geschäftsmodell; eine riesige Anzahl von “Fans”, alle möglichen Analysten und andere Experten, die im Vorfeld Stimmung machen. Aus diesem Stoff werden Börsenstorys gemacht, die eine Menge von Kleinanlegern faszinieren, und dann irgendwann, wenn die Realität Einzug erhält, erst einmal in sich zusammenbrechen.
Natürlich gibt es auch Fälle, in denen das Märchen wahr wird. Als Google an die Börse ging, hielten kühle Rechner den Preis für viel zu hoch. Aber der Konzern hat danach erst seine volle Ertragskraft entfaltet. Vielleicht läuft es bei Facebook ähnlich. Aber möglicherweise liegt vor dem eigentlichen Durchstarten des Geschäftsmodells doch noch ein Kurstal, das günstigere Chancen zum Einstieg verschafft. Man darf auch nicht übersehen: Google und Facebook haben beide eine einzigartige Marktposition. Aber es gibt kaum jemanden, der ohne Google lebt, jedenfalls gilt das für Leute, die nicht völlig abgeschnitten von der Welt des Internets sind. Auf Facebook kann man aber sehr gut verzichten – und manche, auch junge, Leute tun das ja ganz bewusst. Selbst wenn Mark Zuckerberg das Geschäftsmodell seines Wunderkonzerns weiter entwickelt, dürfte es schwer für ihn sein, eine Position zu erlangen, die der von Google vergleichbar wäre. Umgekehrt gilt: Das Vorbild von Google hat sicherlich dazu beitragen, dass man Facebook überhaupt so eine hohe Bewertung zutraut.











2 Kommentare zu “Wie gut, dass Facebook schlecht gestartet ist”
“Selbst wenn Mark Zuckerberg das Geschäftsmodell seines Wunderkonzerns weiter entwickelt, dürfte es schwer für ihn sein, eine Position zu erlangen, die der von Google vergleichbar wäre.”
Ganz Ihrer Meinung. Aber genau darin sehe ich das Problem: würde man Google so bewerten wie Fb zum Börsengang, müsste es 22’000 Mrd $ wert sein (200 sind es wirklich). Bei allem Wachstum dass man Fb zutrauen kann, die Diskrepanz ist einfach zu heftig. Und diese Bewertung setzt bereits vorraus dass Fb es schafft seine User in dauerhaft sprudelnde Gewinne umzumüntzen… Doch bis auf Umsätze mit Drittfirmen wie Zynga usw., bei denen mehr oder weniger allein die Nutzerzahl entscheidend ist, hat Fb noch nichts bewiesen! Man darf sich von den 1Mrd Gewinn letztes Jahr nicht blenden lassen, in Q1 2012 hat Fb Geld verbrannt. Vom Zustand der Gelddruckmaschine à la Google Search sind sie noch weeeeit entfernt.
Potenzial nach oben: bereits eingepreist
Potenzial nach unten: nicht von der Hand zu weisen
Man darf gespannt sein!
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