» 07. Mai 2012, 09:16 Uhr

Was passiert, wenn die Drachme zurückkehrt?

Nach der Wahl in Griechenland ist nicht mehr auszuschließen, dass die Drachme zurückkehrt. Jedenfalls ist aus dem Ergebnis abzulesen, dass die Mehrheit der Griechen inzwischen gegen den Euro ist. Was wären die Folgen eines Ausstiegs aus der Währungsunion?

In den letzten Monaten ist ein möglicher Austritt häufig als “Lehman II” bezeichnet worden, oder als noch schlimmer. Dahinter stand klar erkennbar auch das Interesse vieler Politiker, Unternehmen und vor allem Banken, dieses Szenario auf gar keinen Fall eintreten zu lassen. Wahrscheinlich ist der Vergleich mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman, der die Finanzkrise 2008 erst so richtig angeheizt hat, aber schief. Auf der einen Seite wären die Folgen eines Austritts viel dramatischer – vor allem für die Griechen selbst. Auf der anderen Seite würden die Kapitalmärkte möglichweise keine vergleichbaren Reaktionen zeigen.

Auffällig ist ja zunächst, dass der Schuldenschnitt in Griechenland die Kapitalmärkte nur relativ wenig belastet hat. Das ist eigentlich eine positive Nachricht, die kaum jemand so richtig zur Kenntnis genommen hat. Der wichtigste Grund dürfte sein, dass dieser Schritt nicht überraschend kam und daher von den Märkten schon vorweg genommen wurde. Das wäre aber bei einer Rückkehr der Drachme ähnlich.

Ein zweiter wichtiger Punkt: Inzwischen liegt nur noch wenig griechisches Vermögen in privaten ausländischen Händern. Vor allem, nachdem wegen des Schuldenschnitts ein großer Teil ohnehin verschwunden ist. Außerdem sind die Papiere ja zum Teil in staatlich abgesicherten Bad Banks gelandet, vor allem in Deutschland ist das deutlich, und die Notenbanken sitzen auch noch auf faulen Anleihen.

Der dritte Punkt ist aber noch entscheidender: Bei Lehman war nicht die Vernichtung von Vermögenswerten das eigentliche Problem. Sondern die völlige Intransparenz der Geschäftsbeziehungen. Niemand wusste, mit wem Lehman Deals ausstehen hatte. Und da es sich sich oft um Termingeschäfte handelte, waren auch die möglichen Volumina derartiger Deals überhaupt nicht abzusehen. Es war diese Verquickung im Derivate-Bereich, die die Finanzmärkte weltweit verunsichert hat und dazu führte, dass keiner mehr dem anderen über den Weg traute. Wie der bekannte US-Fondsmanager Mohamed El-Erian es formulierte: “Das ist so, als wenn ich bei McDrive bezahle und keine Ahnung habe, ob ich den Hamburger auch bekomme.” In der Situation bricht der Markt zusammen. Eine vergleichbare Situation gibt es in Griechenland aber wohl nicht.

Natürlich wäre ein Austritt aus der Währungsunion trotz allem ein Abenteuer, das wir uns alle lieber ersparen würden. Aber vielleicht wären die Auswirkungen doch nicht mit “Lehman II” zu charakterisieren – vorher genau wissen kann es freilich niemand.

Eine andere Frage lautet: Was würde das für die Griechen selbst bedeuten? Wahrscheinlich die Rückkehr zu einer zumindest für eine Übergangszeit recht stark inflationierende Währung. Die Ersparnisse wären auf einmal viel weniger wert. Die reichen Griechen haben ihr Vermögen allerdings, wie zu hören ist, zum Teil schon längst in Immobilien im Ausland angelegt. Daher ist leider zu befürchten, das unter dem Banner einer “linken” oder “nationalistischen” Politik letztlich die kleinen Leute zur Kasse gebeten werden für eine Politik ihrer Eliten, die ihr eigenes Geld ganz ”unnational” längst in Sicherheit gebracht hat.

» 07. Mai 2012, 09:16 Uhr

    8 Kommentare zu “Was passiert, wenn die Drachme zurückkehrt?”


  1. Alexandre sagt:

    @just-me:
    Warum eigentlich
    “[...] UND man muss nie wieder nach GR/FR reisen.[...]”

    Ist es verboten/starfbar, seinen Pass aufzugeben, so dass man in das eigene Land nicht mehr reisen dürfte?

  2. Fassmann sagt:

    @der oekokomiker, ok, wir wissen nicht was wirklich passiert wenn die Griechen zur Drachme zurückkehren, deshalb meine Gegenfrage, was pssiert wenn sie es nicht tun, also den Oiro behalten? Seit zwei Jahren fabulieren die Politclowns zwar davon das es besser wird, gar schon geworden ist, bei Lichte betrachtet ist aber alles noch schlimmer geworden und lässt sich auch absehen daß es weiter schlimmer wird. Könnte es also sein, daß das was Sie für die Rückkehr zur Drachme beim Oiro bereits eingetreten ist und Sie irgendwie Ursache und Wirkung verwechseln?

  3. Durchblicker sagt:

    Die prekäre Situation ist seit über 2 Jahren unverändert ! Jetzt plötzlich erkennen unsere Volkverdummer-Politiker, daß Ihnen das Heft vom griechischen Volk aus der Hand genommen wird und jammern über die politischen Extrempositionen und die linken und rechten Polit Populisten.
    Was haben unsere Polit-Schlafmützen eigentlich erwartet ? Die Zeche werden überall in Europa die kleinen Leute bezahlen. Das sind aber 80% der Bevölkerung. Es wird Zeit daß unsere tolle Scheindemokrtatie neu organisiert wird.

  4. Markus Grimm sagt:

    die reichen Griechen wollen natuerlich den Kollaps ihres Landes und die neue Drachme !
    den dann können sie billigst in ihrem Lande die Sachwerte erwerben, mit den ausserhalb parkierten Euros!
    als gleich 2-facher Betrug; erstens wurden die Ausländer und das eigene Land bis auf die Knochen gepluendert, dann zweitens noch einmal das eigene Volk das abgewertet/entwertet wird!
    Kurzum, der grösste Betrug in Europa – dem man zuschaut und noch anfeuert mit völlig falschen Programmen ! Wie DUMM ist Bruessel und Berlin dass dieser SCAM nicht durchschaut wird

  5. [...] Frank Wiebe: Was passiert, wenn die Drachme zurückkehrt? [...]

  6. Dr. Willi Bröll sagt:

    Griechenland könnte ein Doppelwährungssystem bekommen ähnlich schon praktizierter Muster in der Vergangenheit. Dabei brauchte es nicht einmal ein “legalisiertes System” nein der Euro könnte sich quasi als Zweitwährung auf den griechischen Märkten etablieren. Die Überlegung hinisichtlich des Doppelwährungssystems verdient aber auch auf europäischer Ebene Aufmerksamkeit, zumindest als Übergangslösung. Die Auswirkungen des Austritts Griechenlands aus der EURO Zone wären jedenfalls für die Griechen selbst nachhaltig und auch spürbar, für Europa als Ganzes und den EURO aber vielleicht sogar selbstreinigend wenn, wie oben angeführt, der Markt oder auch die nationalen und supranationalen Instanzen neue Lösungen suchen und finden.

  7. just-me sagt:

    Griechenland und Frankreich werden, so wie die USA es schon haben, eine Staatsbürgerschaftsabhängige Steuer einführen. Dann kann sich kein Grieche mehr in (steuerliche) Sicherheit bringen, es sei denn er schafft es eine andere Staatsangehörigeit zu erlangen.

    Entziehen kann man sich dem nur schwer, es sei denn man benötigt nie wieder einen GR/FR Reisepass UND man muss nie wieder nach GR/FR reisen.

  8. Griechenlands Eurozonenaustritt wäre doch längst keine Überraschung mehr. Die Folgen schon. Niemand kann nämlich abschätzen, was danach passiert: mit den Schulden, mit den Spekulanten, usw. Auch Wiebe stellt nur Mutmaßungen an oder fabuliert gleich ganz. So kann doch eine Lösung nicht aussehen, wenn niemand weiß, was wirklich passiert. Gerade die herbeigeführte Lehman-Pleite (durch den damaligen US-Finanzminister) sollte vor diesem Schritt warnen: die Folgen waren nicht kalkuliert und die Welt krankt heute noch daran.