» 27. April 2012, 08:27 Uhr

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Wie konnte Foxconn das passieren?

Foxconn-Standort Longhua. Hier arbeiten 245000 von einer Million Mitarbeitern.

Foxconn-Standort Longhua. Hier arbeiten 245000 von insgesamt einer Million Mitarbeitern.

Der weltgrößte Elektro-Auftragshersteller Foxconn hat vor Handelsbeginn eine Gewinnwarnung herausgegeben. Die Aktie des Unternehmens ist nun an der Börse Hongkong bis Freitagmittag (Ortszeit) um mehr als elf Prozent abgerutscht.

Wie bitte? Gewinnwarnung und Kurseinbruch ausgerechnet beim chinesischen Hersteller des iPhones und des iPads? Diese Produkte haben der  US-Kultfirma Apple doch gerade eine Verdopplung des Profits beschert. 

Die Verluste von Foxconn stehen jedoch durchaus nicht im Widerspruch zu den Triumphen von Apple. Im Gegenteil. Apple macht seinen Gewinn zum Teil auf Kosten der Chinesen.

Apple erreicht derzeit eine phantastische Marge von knapp dreißig Prozent. Foxconn lag im vergangenen Jahr noch bei fünf Prozent Nettogewinnmarge, Tendenz fallend.  Um Apple einen preiswerten Einkauf zu ermöglichen, verzichtet Foxconn seinerseits auf Gewinn.
Das Rechnen mit dem spitzen Bleistift hat bei dem Unternehmen Tradition. Anfangs hat Hon Hai  Zulieferteile aus Plastik für den amerikanischen Spielkonsolenhersteller Atari geliefert. Schon damals war es der superniedrige Preis, der für die frühen Kunden den Ausschlag für die Bestellung gab.
Industriearbeiter in China

Industriearbeiter in China

Heute laufen Foxconn nun die Kosten davon. Der Hauptgrund: In China steigen die Löhne. Fast alle Provinzen haben die Mindestlöhne zuletzt kräftig angehoben: Bis zum vergangenen Oktober sind in 21 Provinzen die Löhne im Schnitt um 22 Prozent gestiegen. Die Industriestadt Shenzhen, wo die größte der Foxconn-Fabriken steht, hat dann bis Januar noch einmal 15 Prozent draufgeschlagen. Apple als Großkunde besteht dagegen auf eher noch auf Rabatten. Kein Wunder, dass Foxconn in der Mitte leidet.

Dazu kommt, dass Foxconn auch heute nicht nur Apple als Kunden hat. Ein wichtiger Partner war beispielsweise Nokia, und was Apple derzeit an iPhones mehr verkauft, fehlt dem finnischen Sorgenfall der Elektroindustrie beim Absatz. Gerade weil Foxconn in der Industrie mit Kunden wie HP, Sony oder Dell so gut vernetzt ist, bedeutet der Erfolg des einen aus Sicht der Zentrale in Taiwan eher eine Verschiebung des Umsatzes weg von den anderen.

Die Aktie ist zudem mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis über 50 bereits hoch bewertet. Hier kamen zwei Geschichten zusammen, die beim Anleger beliebt sind: Der Aufstieg Apples und der Aufstieg Chinas. Eine Korrektur tut der Bewertung ganz gut.

Trotzdem erschreckt es, von einer “signifikanten Zunahme im Nettogewinn” zu lesen, den Foxconn International laut Gewinnwarnung erwartet. Seit den 70er-Jahren waren das Unternehmen ein Garant für steigende Gewinne. Jetzt plötzlich steigen die Verluste.

Noch ein Hinweis zu den Unternehmen, die hier gemeint sind: Foxconn International Holdings ist nur eine Tochtergesellschaft des eigentlichen Foxconn-Konzerns, der unter dem Namen Hon Hai Precision Industries in Taiwan notiert ist. Die Aktie von Hon Hai, der Muttergesellschaft, liegt aber ebenfalls fünf Prozent im Minus.

Foxconn International hat in seiner Gewinnwarnung konkret angekündigt, dass der Verlust im Halbjahr bis zum 30. Juni 2012 höher ausfallen wird als bisher erwartet.

» 27. April 2012, 08:27 Uhr

    4 Kommentare zu “Wie konnte Foxconn das passieren?”


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