Bei der Deutung der Euro-Krise stehen sich zwei Standpunkte unversöhnlich gegenüber. Die einen sind der Meinung, dass eine gemeinsame Währung ohnehin nicht funktioniert und würden sie am liebsten wieder abschaffen. Die anderen sagen, dass der Euro ohne gemeinsame Finanzpolitik nicht funktioniert und fordern “mehr Europa” (also zurzeit vor allem mehr deutsches Geld). Im Grunde sagen beide dasselbe: Souveräne europäische Staaten und Euro passen nicht zusammen. Aber diese Auffassung ist falsch.
Schauen wir zurück in die Geschichte, dann zeigt sich: Wir hatten Jahrhunderte lang souveräne Staaten, aber trotzdem eine gemeinsame Währung, nämlich die Edelmetalle. Wie ist man damals mit wirtschaftlichen Ungleichgewichten umgegangen? Ganz einfach: Man hat Zölle erhoben. Daher hier der ketzerische Vorschlag: Warum retten wir den Euro nicht, indem wir den schwachen Staaten die Wiedereinführung von Zöllen und Exportsubventionen erlauben? Wir sollten uns auch von dem Mantra der angelsächsischen Ökonomen lösen, dass eine einheitliche Währung ohne einheitliche Finanzpolitik nicht funktioniert. Vielleicht wäre der bessere gedankliche Ansatz, dass – bei großen Unterschieden in der wirtschaftlichen Leistungskraft – eine einheitliche Währung und das Verbot von Zöllen nicht zusammenpassen.
Das Grundproblem der Eurozone, das hat sich mittlerweile herumgesprochen, sind doch die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit. Die einen Staaten exportieren zu viel und importieren zu wenig, bei den anderen ist es umgekehrt: Das führt zu entsprechendem Gefälle in den Leistungsbilanzen, dieses Gefälle muss finanziert werden, das wiederum geschieht durch öffentliche oder private Verschuldung, und die stößt irgendwann an ihre Grenzen, wenn nicht mehr genügend Investoren bereit sind, diese Verschuldung zu finanzieren. Das erleben wir dann als ”Euro-Schuldenkrise”.
Zu Lösung des Problems hat man vor dem Euro immer wieder die Währungen der schwachen Länder abgewertet. Damit werden die Importe teurer und die Exporte billiger, das Loch in der Leistungsbilanz schließt sich und muss nicht mehr finanziert werden, was auch den Bedarf an Krediten senkt. Das geht aber heute nur noch, wenn man den Euro wieder abschafft.
Statt dessen versucht man jetzt die “reale” Abwertung: Der Staat spart, Löhne und Sozialleistungen werden eingefroren oder zum Teil sogar drastisch gesenkt. Das ist ein ungeheurer politischer Kraftakt, der auch dazu führen soll, dass mehr exportiert wird (weil die Arbeitskosten gesenkt wurden) und weniger importiert wird (weil die Leute weniger Geld in der Tasche haben). Das Loch in der Leistungsbilanz schließt sich, der Finanzierungsbedarf auch. Die Frage ist nur, wie weit die Bevölkerung in den betroffenen Ländern mitspielt – wer schaut schon verständnisvoll nickend zu, wenn sein Gehalt gekürzt wird? Würden wir auch nicht tun, oder?
Die dritte Möglichkeit wird fast überhaupt nicht diskutiert: Die schwachen Länder führen Zölle ein und subventionieren aus den Einnahmen die Exporte. Das führt auch dazu, dass sich die Lücke zwischen Importen und Exporten schließt. Ersatzweise kann man auch die Mehrwertsteuer selektiv für Waren erhöhen, die hauptsächlich importiert werden – das passiert wahrscheinlich zum Teil auch schon. Exportsubventionen sind aber in der EU verboten, deswegen funktioniert die Sache nicht wirklich unter den heutigen Regeln.
Es gibt also drei Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Die erste funktioniert nur, wenn man den Euro wieder abschafft. Die zweite ist politisch eine ungeheure Zumutung für die Bevölkerung und daher in der Umsetzung immer wieder gefährdet. Die dritte ist eigentlich recht simpel. Nur: Sie verstößt gegen das EU-Recht und gegen den Grundgedanken der EU.
Wahrscheinlich sind Zölle, auch nur als Ausnahme-Regelung zur Krisenbekämpfung, in der EU noch ”undenkbar”. Aber leider ist eine Auflösung der Euro-Zone nicht mehr “undenkbar”, sondern es wird im Grunde ständig darüber spekuliert, in der Politik im Hintergrund, in der Wissenschaft und an den Finanzmärkten auch schon. Aber wer kann schon einschätzen, was für ein Chaos die Auflösung der Währungsunion auslösen würde? Die Einführung von Zöllen wäre dagegen eine vergleichsweise harmlose Veranstaltung.
Man kann natürlich einwenden, dass Zölle und Subventionen im Grunde planwirtschaftliche Instrumente sind, die der Idee einer freien Marktwirtschaft widersprechen. Stimmt. Nur: Eine Planwirtschaft haben wir jetzt schon, wir schreiben ja einzelnen Staaten in der Eurozone genau vor, wie viel Defizit sie machen dürfen, obwohl diese Defizite immer von der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung abhängig sind. Aber leider ist das eine Planwirtschaft ohne Instrumente. Eine wirklich freie Marktwirtschaft ist wahrscheinlich nur zwischen einigermaßen gleich starken Ländern möglich. Und wenn schon geplant wird, dann muss man auch Instrumente haben, um die Planungen umzusetzen.











33 Kommentare zu “Ein ketzerischer Vorschlag zur Rettung des Euros”
Hi Lexi,
willkommen in Club, auch ich hatte am 21.4. gegen 22Uhr einen Kommentar
abgegeben der nicht veröffentlicht wurde!
Ich kenne ähnliche Vorgehensweisen von “früher”, von denen ich alledins
glaubte, wir hätten sie überwunden – oder geht die Angst vor`m Gespenst schon wieder um…
[...] Frank Wiebe: Ein ketzerischer Vorschlag zur Rettung des Euros [...]
„Souveräne europäische Staaten und Euro passen nicht zusammen. Aber diese Auffassung ist falsch. Schauen wir zurück in die Geschichte, dann zeigt sich: Wir hatten Jahrhunderte lang souveräne Staaten, aber trotzdem eine gemeinsame Währung, nämlich die Edelmetalle“(Zitat).
Währung und Edelmetalle kann man nun nicht gleich setzen. Eine Währung kann beliebig „nachgedruckt“ werden- Edelmetalle dagegen nicht, d.h. letztere können nicht beliebig „nach Bedarf erzeugt“ werden. Das ist aber ein entscheidender Unterschied zur Währung eines Landes.
Hingegen ist die Lösung aus dem Euro Desaster wieder herauszukommen hier mit der ersten Lösung treffend getroffen:
„Zu Lösung des Problems hat man vor dem Euro immer wieder die Währungen der schwachen Länder abgewertet…. Das geht aber heute nur noch, wenn man den Euro wieder abschafft“. (Zitat)
Die Rettungsschirme gehen deshalb total in die falsche Richtung. Eigentlich müssten sie aber „Kettenschirme“ heißen. Sie legen nur das Volk an die Kette mit der Empfehlung:“ Nun spart mal schön“ ,hingegen das „ von anderen Nationen“ vorgestreckte Geld stecken derweil Politiker, Bänker usw. – grob gesprochen – gleich ein und warten dann schon auf die nächste Sendung.
Ja, wo vorher die Währungen den ungleichen Fluß ausglichen, müssen heute die Waren dann fliessen. Wie eine Krake reißen die Exportüberschuß Länder alles an sich. Es ist die Arm-Reich Schere der Staaten, die hier immer weiter auseinander klafft. Wie bei der Arm-Reich Schere bezüglich der Bürger ist weder ein Wille noch ein Weg in der Politik zur Lösung des Problems zu sehen. Ein “mach mal den Schirm auf, damit wir nicht nass werden” löst eben nichts am eigentlichen Problem. Die Lösung wird erst durch die Krise erreicht werden, wenn die Bürger auf die Barrikaden gehen und das System abstellen in ganz Europa (siehe französische Revolution).
Wie wäre es mit einer neuen Gemeinschaftswährung, die sich aus den Währungen der Teilnehmerländer zusammensetzt und die primär für den internationalen Handel verwendet wird? Das schafft auch eine Verbindung, samt daraus resultierendem Ausgleich, ist aber nicht so zwanghaft wie eine Einheitswährung.
Schön zu lesen, dass auch hier nur noch die Kommentare veröffentlicht werden, die den Meinungsmachern in den Kram passen.
Gott sei Dank, ist nicht jeder ein derartiges Universal-Schwein, dass er sich als Finanz-Allrounder bezeichnen muss.
Danke für die Klarstellung.
Es gibt keine Lösung aus der Eurokrise. Denn das jetzige Chaos und Ausbeutung ganzer Bevölkerungsschichten ist genau das Ziel des Euro und der anderen Fiat Money Währungen. Ergo wird es mit den jetzigen Parteien auch nie eine Lösung geben. Da kann man noch so viel demonstrieren und wählen gehen. Es gibt nur einen Ausweg, den Ausstieg aus dem System.
Herr Wiebe hat die Situation sehr gut dargestellt und die Probleme trefflich analysiert; seine Vorschläge sind allerdings nicht wirklich neu; die Probleme eines Binnenmarktes (mit gemeinsamer Währung) zwischen Volkswirtschaften mit erheblichen Leistungsunterschieden wurden ausführlich diskutiert, nur hat die herrschende neoliberale Dogmatik diese vollständig ignoriert. Freihandel führt eben nicht automatisch zu einem mehr an Wohlstand im Volk sondern nur zu mehr Wohlstand bei den Händlern! Diese – nicht neue – Erkenntnis gilt übrigens auch auf globaler Ebene. Argentinien hat die richtigen Konsequenzen gezogen und China betreibt seit je her eine merkantilistische Wirtschaftspolitik. Aber vielleicht bereitet sich Herrn Wiebes Einsicht ja aus und wir sind in irgendwann wieder da, wo wir in den 50er und 60er Jahren waren: In einem Land mit Vollbeschäftigung, steigendem Massenwohlstand und null Staatsdefizit.
Ich denke ihr Vorschlag liegt von der Tauglichkeit her zwischendrin, also schlechter wie die Auflösung des Euroraums in seiner jetziger Form und – nennen wir das Kind ruhig beim richtigen Namen – besser wie die derzeit favorisierte Schuldenübernahme kriselnder Staaten.
Der Vorschlag die Zollschranken hochzuziehen hat ein paar Nachteile gegenüber wieder re-nationalisierten Währungen.
1. Der Versuch, einen Gleichgewichtszustand der zwischenstaatlichen Bilanzen künstlich per Dekret herzustellen, wird immer weniger optimal sein wie der einer natürlichen automatischen Anpassung über den Wechselkursmechanismus.
2. Zölle würden um so besser funktionieren, je signifikanter die Überlappung der produzierten Güter und Dienstleistungen der Staaten ist. Das ist aber in der Eurozone zwischen Geber- und Nehmerländern m.E. eher nicht gegeben. Konkret: was würde bringen, wenn deutsche Autos durch einen Zollaufschlag in Griechenland oder Portugal deutlich teurer würden.
3. Nationale Statistikbehörden würden ermutigt, die Zahlen so hinzurechnen wie es für den jeweils eigenen Staat optimal wäre aber nicht für die Gemeinschaft aller Staaten im Euroraum
4. Es würden falsche Anreize gesetzt, da man sich überlegen kann, dass nationale Wachstumsanstrengen unterminiert würden.
Der Vorschlag von Hrn. Wiebe ist aber besser wie die z.Z. praktizierte Schuldenübernahme, da
1. die Akzeptanz/Popularität bei den Bürgern (leider nicht den gewählten Volksvertretern) in den Geberländern exponentiell abnimmt.
In dem Zusammenhang wird spannend sein zu beobachten, ob es im deutschen Parlament eine Mehrheit der Unbedarften gibt, die in einem Anfall von Masochismus oder Eurofanatismus für den ESM votieren und sich damit teils selbst entmündigen und – so der Plan – auf Generationen hinaus die Übernahme der Schulden anderen festzementieren.
2. der Handel von Gütern bzw. Dienstleistungen mit Staaten außerhalb der Eurozone nicht tangiert wäre – soweit ich das sehe. Ein Thema übrigens bei dem die Verfechter der Lohnstückkosten-Theorie entweder einsilbig oder recht unterhaltsam werden.
Genau diese Überlegungen und Umsetzungen zu Einfuhrzölle haben die Depression in den 30ern extrem verschlimmert und zu einem riesigen Wirtschaftseinbruch mit Massenarbeitslosigkeit geführt.
Herr Wiebe denkt zu kurz. Zwar betrachtet er die Handelsbilanzungleichgewichte, aber er lässt die Frage der Kapitalbilanzungleichgewichte aus (Kreditzuflüsse in die Peripherie). Letzere ziehen letztlich nur die Warenströme nach sich. Führt Herr Wiebe Import Zölle innerhalb der EU ein während die Kreditzuflüsse in die Peripherie erhalten bleiben, so werden deutsche Exporte zuerst ins nicht-EU Ausland gehen, dort unwesentlich veredelt werden und von dort aus dann als “Nicht-EU” Importe wieder in die Peripherie fließen. Das Handelsbilanzungleichgewicht wird also nur auf einen Intermediär verlagert und besitzt nun durch Einbeziehung von Dritten eine außereuropäische, diplomatische Brisanz, was die Lösung weiter erschwert.
Möchte Herr Wiebe wiederum Importzölle für sämtliche Importe in die Peripherie einführen, so gibt es ein Problem mit den Freihandelsabkommen, die die EU als Gesamtorganisation mit Drittstaaten geschlossen hat. Bleiben ferner in diesem Szenario auch weiterhin die Kreditzuflüsse in die Peripherie erhalten, während die Produktionskapazität der inländischen Industrie nicht ausreichend schnell im Takt mit den Mittelzuflüssen wachsen kann (anzunehmen), so kommt es zu massiver Inflation und damit einer Reduktion des Lebensstandard.
Ferner ist bei einer Subventionierung der Exporte zu befürchten, dass eben nicht die gewünschte erhöhte Wettbewerbsfähigkeit entsteht, sondern nicht wettbewerbsfähige, low-tech Industrien künstlich aufgeblasen werden, d.h. gigantisch überhöhte Orangen-Exporte statt den erhofften High-Tech Produkten. Hier gilt einfach das Prinzip, dass wenn eine Profitmaximierung ohne großen Forschungs- und Investitionsaufwand möglich ist, eben diese von den wirtschaftlichen Akteuren gewählt werden wird (wozu Geld unnötig in Forschung stecken, wenn ich mit Orangen auch riesige Gewinne machen kann). Hier in der BRD haben wir das Problem von Subventionen ja aktuell im Fall der Solarindustrie deutlich vor Augen. Sobald die Subventionierung abgeschmolzen wird, kommt der Zusammenbruch der Blase.
Insgesamt kann man sagen, dass kein Weg an einer Anpassung des Lebensstandard in diesen Ländern an ihre tatsächliche Produktivität vorbeiführt. Die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen muss beendet werden, denn sie ist die wahre Ursache für die Ungleichgewichte in der Handelsbilanz. Die Ware folgt dem Geld und nicht umgekehrt.
Am Beispiel Griechenland sei zu bemerken:
Griechenland war noch nie Wettbewersfähig und wird es auch nie werden.
Gr. hat nixx was es exportieren könnte (auch nicht mit Exportsubventionen) ausser Schafskäse + Ouzo.
Wir müssen einfach mal von der Wahnvorstellung loskommen, dass es gleichen Wohlstand für Alle geben kann.
Dazu sind die Kulturen und Lebensvorstellungen zu verschieden.
Und das ist auch gut so !!
Was ist der Unterschied für die Volkswirtschaft Europa zwischen Einführung von Einfuhrzoll in Ländern mit Leistungsbilanzdefizit und direktem Geldtransfer von Ländern mit Leistungsbilanzüberschuss zu Ländern mit Defizit?
Einführung von Zöllen:
Effizienz im Euroraum insgesamt sinkt. In den Ländern mit starker Industrie werden Arbeitsplätze abgebaut und dafür in Ländern mit schwacher Industrie aufgebaut. Wohlstand fließt von Überschussland zu Defizitland, aber der Wohlstand in Europa insgesamt sinkt!!!
Bei direktem Geldtransfer:
Effizienz der Industrie im Euroraum bleibt oder steigt sogar, da Industrie im Überschussland keine Reduktion der Umsätze erfährt. Wohlstand sinkt nicht, da die Geldtransfers in das Überschussland zurückfließen. Geld für Autos!
Dass es funktionieren kann zeigt das Beispiel Deutschland. Es gibt in der BRD 3 Geberländer (Übeschuss) und 13 Nehmerländer (Defizit), trotzdem zahlt Deutschland kaum Zinsen für Schulden, hat genug Wirtschaftswachstum, geringe Abeitslosenzahlen…
[...] ,ketzerischen’ Vorschlag, der wahrscheinlich gar nicht so dumm ist, wie er zunächst klingt: http://blog.handelsblatt.com/globalmarkets/2012/04/20/ein-ketzerischer-vorschlag-zur-rettung-des-eur… 49.894434 10.887446 Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser gefällt. [...]
Herr Wiebe mag unorthodox denken. Gleichwohl ist seine Argumentation wenig überzeugend. Zum einen kann man die Währung Edelmetalle nicht mit dem Euro vergleichen. Gold und Silber sind zeitlos
werthaltig auch wenn Regierungen etwas vermasseln. Zum zweiten ist es mit den Exportzöllen auch so eine Sache. Die meisten Länder, die hart von der Eurokrise betroffen sind, sind auf den Tourismus angewiesene Länder. Die meisten westeuropäischen Touristen wollen im Urlaub aber auch die von zu Hause bekannten Produkte kaufen können. Die Tourismusindustrie der Südländer ist folglich darauf angewiesen, dass sie die von westeuropäischen Ländern hergestellten Produkte günstig erwerben kann. Zölle verschlimmern da die Sache nur.
Es darf in diesem Zusammenhang auch durchaus darauf hingewiesen werden, dass in “normalen” Jahren Tourismusbedingt die Leistungsbilanz von Iren und Südländern gegenüber den Nordeuropäern keineswegs negativ gewesen ist. Zudem werden griechische, spanische und Irländische Firmen zur Steigerung ihrer Produktivität auch dann auf westeuropäische, insbesondere deutsche, Maschinen angewiesen sein, wenn hohe Zölle erhoben werden. Diesen Ländern fehlt nämlich schlicht und ergreifend das technische Know How für eigene Industrie-produktion. Die Wahrheit ist, dass Europa für den Euro nicht reif ist.
Wir sollten diesen Spuk beenden und insbesondere den Südländern der EU die Möglichkeit geben abwertbare eigene Nationalwährungen wieder einzuführen. DER Euro, wie er ist, hat auch auf emotionaler Ebene zwischen den Völkern schon zu viel kaputtgemacht.
Es freut mich sehr, dass das Handelsblatt dies gedruckt hat! Hoffentlich wird es bald oeffentlich diskutiert.
Ja, Zoelle verstossen gegen die EU-Vertraege, aber tun wir mal nicht so, als haette in den letzten 20 Jahren kein einziges Land gegen EU-Vertraege verstossen.
Natürlich können Einfuhrzölle inländischen Industrien Zeit geben, sich aufzubauen (allerdings nur langsam, da die Exporte dadurch nicht verbessert werden können), und Einführzölle können auch Geldabflüsse ins Ausland verhindern. – Das ist letztlich eine Preissteigerung für den dortigen Verbraucher, also eine Geldentwertung, bzw eine Steuererhöhung, deren Einnahmen den inländischen Industrien/Unternehmen zugute käme.
.
Bislang hat Griechenland aber noch nie irgendwelche Steuererhöhungen effektiv eingeführt. Es gab höchstens leere Versprechungen und Buchfälschungen. – Solange die deutschen Sparer und Rentner und Menschen mit Ansprüchen auf Sozialleistungen gegenüber dem deutschen Staat durch die Enteigungspolitik hier in Deutschland die Schulden der Griechen bezahlen, haben die Griechen auch keinen Anlaß, irgendetwas zu verändern.
Das ist halt die Kultur dort.
Natürlich können Einfuhrzölle inländischen Industrien Zeit geben, sich aufzubauen (allerdings nur langsam, da die Exporte dadurch nicht verbessert werden können), und Einführzölle können auch Geldabflüsse ins Ausland verhindern. – Das ist letztlich eine Preissteigerung für den dortigen Verbraucher, also eine Geldentwertung, bzw eine Steuererhöhung, deren Einnahmen den inländischen Industrien/Unternehmen zugute käme.
.
Bislang hat Griechenland aber noch nie irgendwelche Steuererhöhungen effektiv eingeführt. Es gab höchstens leere Versprechungen und Buchfälschungen. – Solange die deutschen Sparer und Rentner und Menschen mit Ansprüchen auf Sozialleistungen gegenüber dem deutschen Staat durch die Enteigungspolitik hier in Deutschland die Schulden der Griechen bezahlen, haben die Griechen auch keinen Anlaß, irgendetwas zu verändern.
Das ist halt die Kultur dort.
Ich glaube die Diskussion ist bereits obsolet.
Denn wenn Spanien aufgrund des EZB-Zuflusses rund
310 Mrd Euro und 65 Mrd Geldflucht zu beklagen hat,
ist von den 430 Mrd schon vor den Wahlen im Mai das Problem
schon wieder zurück.
Siehe hier mal was von Phoenix Capital
http://www.zerohedge.com/contributed/2012-16-21/spain-about-enter-full-scale-collapse
Endlich ein Beitrag des Handelsblatts, der meinen Adrenalinspiegel nicht unermeßlich wallen läßt. Nur ein kleiner Einwand von meiner Seite: Herr Wiebe meint sicher nicht temporäre, sondern permanente Zölle. Das Spiel ist nämlich aus.
Die Konklusion der Krise zeigt etwas anderes als die die Staretegie “beggar thy neighour” der 30-er Jahre des vorherigen Jahrhunderts.
Diese Strategie war alles andere als erfolgreich. Ein Lösungsansatz ohne Analyse des Istzustandes läuft immer ins Leere. Die Südländer der EURO Union haben eins gemeinsam. Sie haben durch ihre gesetzliche Lohn-/Preisspirale ihre “Wettbewerbsfähigkeit” gegenüber den Nordstaaten der Union verloren (in Relation zu den Nordstaaten : das ist festuzuhalten). Die Südstaaten haben diese “Wettbewerbsfähigkeit”, wenn man sie so nennen will, verloren, weil ihre gesetzlich gesicherte Preis-Lohn-Spirale wie in den Jahren vor der Währungsunion sich genauso weiter gedreht hat und die Inflation diesr Ländder 10 Jahre über dem Durchsschnitt der EZB gelegen hat. Nur dadurch ist die “Wettbewerbsfähigkeit verloren gegangen.
[...] Die andere, dass der Euro ohne gemeinsame Finanzpolitik nicht funktioniert. Beide sind falsch. Handelsblatt Online Top-Themen Tags: Deutschland, Euros, ketzerischer, Rettung, Vorschlag Kommentar schreiben Kommentare (0) [...]
Temporär begrenzte Zölle. Eine tolle Idee! Dann sind wir wieder da, wo wir schon vor 50 Jahren waren! – Und was machen die supertollen Politiker daraus? Der Soli war auch nur eine “temporäre Sondersteuer”!
Immer wieder lese ich das Argument der “mangelnden Wettbewerbsfähigkeit”!
Ich kenne bis jetzt kein einziges Argument, welches diese These stützt. Keiner hat bisher diese, seine These argumentativ untermauert.
Wir leben hier im Bayerischen Wald, extrem niedrige Löhne, wie Brandenburg oder andere Regionen.
Sollen wir jetzt aus der Bundesrepublik austreten, Zölle einführen oder…. ? Und was wird dann besser.
Gleiches in den USA.
Andere Lebens- und Arbeitsbedingungen erfordern andere Lösungen. Löhne, Renten und Sozialleistungen müssen diesen anderen Bedingungen angepasst sein, dann gibt es keine Probleme.
Arbeitsplätze hier mit Münchner Lohnniveau funktionieren genau so wenig, wie unser Lohnniveau in München.
Der Wahnsinn beginnt dort, wo über Schulden, d.h. über nicht erwirtschaftetes Geld, eine Bedingungsgleichheit herbei geführt wird.
Mir scheint, meine Nachbarn haben längst verstanden, was alle “Finanzdenker” bis heute nicht kapiert haben. Sie bauen ihre einfachen Häuser auf billigstem Grund, haben keine Mietkosten, heizen mit Holz, Jahreskosten 600,– € statt mit Öl für 3000,– € usw usw
So leben sie besser als die Münchner. So klappt es und nur so.
Die Idee wird schon seit Monaten in Wirtschaftsblogs diskutiert, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Griechenland-Krise (siehe dazu z.B. http://klauskastner.blogspot.de/2011/09/endspiel-um-griechenland.html sowie http://stefanleichnersblog.blogspot.de/2011/11/antwort-auf-den-brief-von-herrn-kastner.html). Sie ist also so neu nicht. Spätestens seit Friedrich List (1841) ist klar, dass unter Freihandelsbedingungen nur wirtschaftlich starke Staaten gewinnen können und zeitlich begrenzt angewendete “Schutzzölle” ein probates Mittel für wirtschaftliche Aufholprozesse in schwachen Volkswirtschaften darstellen.
Viele Grüße
SLE
Herr Wiebke weiß und spricht aus, dass administrierte Wettbewerbsfähigkeit mittels Zöllen gegen den Grundgedanken der EU verstößt – also zu einem Widerspruch führt (dies auch dann, wenn diese Lösung zeitlich „begrenzt“ werden sollte, was bei den Lösungsmechanismen der EU eher Wunschdenken sein dürfte).
Konsequenterweise müsst er also für die Aufgabe der Währungsunion plädieren als einzig verblieben Alternative, weil ja interne Abwertung wegen der begrenzten Leidensfähigkeit der Bevölkerung nicht hinreichend möglich sei.
Alles andere ist unlogisch.
Er plädiert nicht dafür, sondern er entflieht seiner eigenen Logik indem er die Akzeptanz des Widerspruchs damit rechtfertigt, dass die Aufgabe der Währungsunion zu teuer sei.
Das kann man so machen, wenn ein Widerspruch als Problemlösung angesehen wird.
Es ist auch nicht ungeschickt wie auch andere schon gemerkt haben, die mit dieser Rechtfertigung argumentieren. Schließlich ist sie nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfbar und damit auch nicht widerlegbar.
Und warum also nicht so mit dem Widerspruch umgehen – offensichtlich ist das akzeptiert in der öffentlichen Debatte. Es wird jedenfalls keinen Aufschrei geben bei Vorschlägen wie diesem.
Herr Wiebe sollte mir lieber erklären, welchen Vorteil ein weiterer Verbleib in einer gemeinsamen Währung für Deutschland bleibt, wenn die EZB krisenstaatengesteuert zur Inflationsmaschine wird und unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand stiehlt. Über eine neue DM hätten wir dagegen Lufthoheit, könnten selbst entscheiden und Werte erhalten.
Öha.
In 4 Jahren Krise die erste kreative Idee.
Na, da hat Herr Wiebe aber ein Fass aufgemacht. Wir dürfen gespannt sein, ob damit eine Diskussion eröffnet wird , oder ob tiefes Schweigen im Wald als angemessene Antwort, das natürlich keine Antwort hergibt, als angemessen erscheint.
Es nutzt der exportstarken deutschen Wirtschaft (Deutschland porofitiert vom Euro am Meisten) am Ende nicht viel, wenn sie die schwächeren Euro-Länder zu Tode exportiert. Deshalb ist der Vorschlag einer temporären Einführung von Zöllen, was man auch über die Mehrwertsteuer machen könnte, nicht zuletzt um den Euro als verbindende Währung zu erhalten, etwas Nachdenkenkens+wertes, das aber wahrscheinlich den neoliberalen Ideologen überhaupt nicht gefallen wird und die wahrscheinlich alles dafür tun werden, dies vernünftige Idee wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen.
Schade, sollte es so kommen.
Es ist ja mehr als bekannt, dass die Euro-Zone ein suboptimaler Währungsraum ist. Herr Wiebe hat hinreichend beschrieben, dass der Euro-Raum, mit derart unterschiedlich starken Ländern, nicht wirklich funtionieren kann und als Abhilfe die zumindest zeitweilige Einführung von Zöllen vorgeschlagen.Wie sich dieser Vorschlag mit dem EU-Regelwerk verträgt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Trotzdem ist es dieser unorthodoxe Gedankengang wert , diskutiert zu werden.
Der Vorschlag hört sich “vernünftig” an, steht aber im krassen Gegensatz zu dem, was man “neoliberal” nennt, als dem “Recht” des “Marktes”, frei alle Ressourcen des Planeten zu plündern und die Regierungen den Dreck wegräumen zu lassen, den dieser “Markt” vorher angerichtet hat.
Aber, immerhin ein eigener und “neuer” Gedanke in der Debatte
Hier erweist sich Herr Wiebe mal wieder als kreativer unorthodoxer Denker, der seinen Verstand nicht nur dazu benutzt ,um Dinge nachzubeten , die andere vorgebetet haben. Temporär begrenzte Zölle einzuführen, ist in der Tat ein Vorschlag, der Hand und Fuß hat.
Glückwunsch Herr Wiebe, ich hatte schon immer vermutet, dass in Ihnen mehr steckt als das, was die Orthodoxen, der beiden von Ihnen benannten Lager so “drauf” haben.