Die Herabstufung von Frankreich durch die Ratingagentur S & P ist gefährlich für Europa. Gerade haben schwache Länder wie Italien und Spanien wieder etwas mehr Vertrauen bei den Investoren gefunden, da kommt so eine schlechte Nachricht dazwischen. Aber der Effekt dürfte begrenzt bleiben.
Artikel aus dem Januar 2012
Das ist die Wende
Die großen Anleihe-Auktionen in den ersten Wochen des Jahres sind der entscheidende Test für die Kapitalmärkte. Letztlich entscheidet sich hier auch das Schicksal der Aktienbörse. Und mit den heutigen Auktionen von Italien und Spanien scheint dieser Test gut zu laufen. Damit dürften die Sorgen über den Euro deutlich leichter werden.
Traurige Bilanz – neue Hoffnung
Um fast 15 Prozent ist der Dax im abgelaufenen Jahr gesunken. Der Eurostoxx 50, der wegen des hohen Gewichts der Banken noch stärker unter der Eurokrise leidet, musste sogar rund 18 Prozent abgeben. Der amerikanische S & P 500 lag dagegen mit plus 2,3 Prozent wenigstens leicht im Plus.
Das Minus beim Dax wiegt besonders schwer, weil dieser Index ja, anders die meisten anderen, auch die Ausschüttungen berücksichtigt. Schaut man etwas weiter zurück, so zeigt sich: Der Dax liegt zwar über zehn Jahre deutlich im Plus, über zwei und fünf Jahre hingegen auch unter Wasser. Der Eurostoxx schneidet sogar in der Zehnjahresbilanz schlecht ab. Die US-Aktien dagegen sehen zwar über fünf Jahre schlecht aus, aber liegen über zwei und über zehn Jahre im grünen Bereich. Hinzu kommt noch, dass über ein und zwei Jahre der Dollar stärker war als der Euro – jenseits der fünf Jahre sieht das freilich umgekehrt aus. Insgesamt ergibt sich ein Bild, dass wir freilich früher schon häufiger hatten: Deutschland brummt wirtschaftlich, aber an der Börse kommt das nicht wirklich an. Der US-Aktienmarkt scheint dagegen doch noch mehr zu bieten, obwohl viele Amerikaner unter der Krise leiden.
Wie sind die Aussichten für das Jahr 2012? Mit den üblichen Verfahren, Aktienmärkte zu analysieren, kommt man seit einiger Zeit nicht mehr weit. Fundamentale Faktoren, etwa die Bewertung gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle gegenüber dem Einfluss der Politik. Selbst die Konjunkturaussichten stehen nicht mehr im Vordergrund. Und bei den ausgefuchsten, per Computer gesteuerten Trendfolgemodellen, den modernen Nachfolgern der alten Chart-Analyse, dürfte es auch einige Probleme geben. Es sei denn, die Computer erkennen bestimmte Muster, nach denen die Börse auf bestimmte Arten von politischen Nachrichten reagieren, und verschaffen sich dadurch kurzfristig einen Vorsprung.
Hoffnung für 2012 ergibt sich nur aus einem Szenario: dass die Politik die Eurokrise nach und nach doch in den Griff bekommt. Wenn man bedenkt, dass im abgelaufenen Jahr hin und wieder ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu drohen schien, sollten dann Kursgewinne zu sehen sein. Allerdings hat sich eine gewisse Beruhigung der Situation auch schon gegen Ende des Jahres 2011 ergeben und ist daher bereits in den Kursen enthalten.
Wer die Aktienbörse verfolgt, muss daher vor darauf schauen, was am Bondmarkt passiert – der gibt letztlich den Takt vor. Wenn Franzosen und Italiener ihre Anleihen in den nächsten Wochen zu erträglichen Konditionen überrollen können, dürfte auch an der Aktienbörse etwas mehr Optimismus zu spüren sein. Ich persönlich glaube, dass 2012 die Eurokrise weiter schwelt, dass es auch keine “durchgreifende” Lösung gibt, aber dass sich wenigstens der Eindruck verfestigt, dass der Politik und der Europäischen Zentralbank die Entwicklung auch nicht außer Kontrolle gerät. Daher halte ich vorsichtigen Optimismus für berechtigt.

