» 22. Juli 2011, 08:34 Uhr

Merkel – die Retterin, die Verräterin

Versucht man, sich ein Bild des beschlossenen Hilfspakets für Griechenland zu machen, fällt vor allem auf, dass viele Details offenar noch unklar sind. Das gilt vor allem für die viel besprochene “Beteiligung der Privaten” an der Rettungsaktion. Im Grunde haben die Europäer vor allem Tabus gebrochen und deutlich gemacht, dass sie künftig tatsächlich mit allen Mitteln arbeiten wollen, um den Euro zu retten – aber auch, um die Schuldenlast für Griechenland zu reduzieren.

Die Märkte reagieren zu Recht erleichtert. Aber das bezieht sich nur auf die Tatsache, dass die Europäer sich irgendwie zusammengerauft haben. Die Details dürften noch zu unklar sein, um am Markt tatsächlich bewertet zu werden.

Politisch dürfte eines jetzt schon klar sein: Angela Merkel steht auf einmal als Retterin des Euros da. Weil sie zugleich aber die Tür geöffnet hat für eine letztlich nicht mehr zu kontrollierende Ausdehnung von Garantien zu Lasten des deutschen Steuerzahlers, wird sie von vielen wahrscheinlich bald auch als Verräterin angesehen werden – als diejenige, die Deutschland verkauft hat. Das beinahe Tragische ist: Anders als in dieser Kombination ging es nicht, sie konnte nur Retterin und Verräterin zugleich sein – oder beides nicht. Jedenfalls ist in Europa auch eine neue politische Zeit angebrochen.

» 22. Juli 2011, 08:34 Uhr

    63 Kommentare zu “Merkel – die Retterin, die Verräterin”


  1. peter sagt:

    Nun wird erst mal weiter rein gepumpt bis das System kollabiert.
    Die Firmen wird die Umschuldung erst einmal erfreuen. EU Bürger zahlen für sie, ob privat oder staatlich.

    Ein Notfallplan für danach liegt bereits in der Schublade und wird durchgesetzt auch gegen den demokratischen Grundgedanken.

    “Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.” – Merkel

    Der Amtseid ist vergessen, die Hand wurde ja ohnehin nicht gehoben.

    Nach der Auffassung der Bundeskanzlerinl ist es recht in einer Demokratie gegen die Mehrheit zu entscheiden. So wie es schon mehrfach passiert ist.

    “- fast alle diese Entscheidungen sind gegen die Mehrheit der Deutschen erfolgt.” – Merkel (http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2010/03/2010-03-03-merkel-allensbach.html)

  2. [...] über Meinungsblogs der Zeitungen, aber immerhin. Ein Beispiel ist der Beitrag vom 22.07.2011 im Handelsblatt Global Markets: Politisch dürfte eines jetzt schon klar sein: Angela Merkel steht auf einmal als Retterin des [...]

  3. [...] die Schuldenkrisen das beherrschende Thema, zum einen was das Thema Griechenland betrifft: “Merkel – die Retterin, die Verräterin” und zum anderen auch zum Thema US-Staatspleite: “Euphorie der Märkte ist [...]

  4. [...] – die Retterin, die Verräterin, so schreibt das Handelsblatt am Tag nach dem Rettungsgipfel. Was bloß hat die Frau da gerettet? „Was wir für den Euro aufwenden, bekommen wir um ein [...]

  5. badsch sagt:

    @nobum
    Ist das, was Sie hier gesagt haben, jetzt ein neuer Linkspopulismus? Und dann noch “stramm” in Großbuchstaben, um ja klar zu machen, für was für Burschen Sie die Leute halten, die nicht Ihrer Meinung sind.

    “Die Deutschen, die am meisten vom Euro profitieren, sind hier (fast) alle STRAMM antieuropäisch. Nach dem 2. Weltkrieg hätten sie alle für die Neuauflage des Versailler Vertrags gestimmt.”

    Selbst die Wochenzeitung DIE ZEIT, eine Publikation, die nun wirklich derart pro-europäisch ist, dass kritische Argumente gegen die aktuelle Politik der Rettungsschirme und Dauer-Rettungsfonds, wie sie sich uns jetzt darbietet, so gut wie gar nicht vorkommen, kann nicht umhin zuzugeben, dass der Euro nicht in jedem Fall und immer positiv für die Deutschen war. Vielleicht schauen Sie da mal rein und lesen einfach:
    http://www.zeit.de/2011/30/Euro-5-Fragen

    Ihre Vereinfachung, dass alle anti-europäisch sind, wenn sie sich nur kritisch gegenüber der aktuellen Politik der Kanzlerin und ihrer europäischen Kollegen äußern, ist oberflächlich und nicht zutreffend. Differenzierung tut not. So etwas könnte der Diskussionskultur in Deutschland helfen. Es wird sowieso m.E. künftig im Lande etwas mehr diskutiert werden, z.B. dann, wenn uns die etablierten Parteien im Bundestag erklären müssen, wie sie weitere Schulden, Sparmaßnahmen am Sozialsystem und Steuererhöhungen begründen, obwohl immer mehr Geld in südliche Randländer abfließt, ohne dass auch nur eine Lösung und ein Ende abzusehen ist. Es wäre besser, wenn es dann noch eine Diskussionskultur bei uns gäbe. Ihre Schwarz-Weiß-Denke trägt leider nicht dazu bei.

    Und schließlich Versailler Vertrag. Seltsam, dass dieser Unglücksvertrag nach dem 1. Weltkrieg immer wieder ins Spiel gebracht wird. Der VV war nichts Gutes, weil er die Fortsetzung des Krieges nur mit anderen Mitteln darstellte. Er war nicht zukunftsträchtig, wie man ja spätestens in den 30er-Jahren gesehen hat. Was sollen wir Kritiker der Bail-out-Politik nun mit einer solchen Aussage anfangen? Ich hätte ganz bestimmt nicht nach dem 2. WK für einen VV gestimmt. Aber was hat das mit Griechenland zu tun? Wir hatten keinen Krieg, niemand ist besiegt worden und es gibt keinen Gewinner. Eigentlich gibt es in der derzeitigen Situation nur Verlierer. Griechenland hat sich aus eigenem Verschulden durch eine halbsozialistische Wirtschafts- und Sozialpolitik in diese Lage gebracht, der Euro hat das Ganze noch verstärkt. Ihr Bild vom VV ist deshalb sinn- und nutzlos und emotionalisiert die Diskussion.
    Wenn wir mal die unglückselige Politik des 20. Jahrhunderts beiseite lassen, kann man nur sagen:
    Eine zukunftsträchtige und nachhaltige Politik für Griechenland ist nun einmal der klare Schnitt und das in jeder Hinsicht: Es müssen die Schulden weg und Griechenland muss aus dem Euro austreten, weil es nur so wettbewerbsfähig wird und wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt. Ein dauerndes Weiterwurschteln, wie es jetzt geschieht, vertieft nur die Probleme. Lösen wir die nicht, dann wird es nicht nur den Euro, sondern auch die EU zerreißen.

  6. SystemSturz sagt:

    @ Knut34

    “Jedenfalls ist in Europa auch eine neue politische Zeit angebrochen.
    Die aktuelle Konstellation ist idealer Nährboden für Krieg”

    So ähnlich sehe ich das auch – nicht´ganz so negativ. Wir sollten uns aber im Klaren sein, dass kein Vielvölkerstaat der Welt lange Bestand hatte. Ich will als Beispiele nur die Sowjetunion, Jugoslawien oder die Tschecheslowakai aufführen. Oder wer es aktueller haben will: Belgien.

    Warum wollen unsere falschen Staatslenker nicht aus der Vergangenheit lernen? Es hat noch nie geklappt und wir sind wieder unfreiwilliger Teilnehmer eines Riesenexperiments mit vorhersehbaren negativen Ausgang.

    VG SystemSturz

  7. SystemSturz sagt:

    @ Ulrich Zimmermann

    “Am Ende werden die EU und auch Deutschland gewinnen, wenn sie Europa als Gesamtkonzept retten. Hat irgendeiner bei euch eine Idee ueber den psychologischen Vorteil den die EU jetzt geniesst? …die den internationalen Frieden als Grundsatz haetten, den sie nicht nur durch leere Versprechungen zu erhaltenn versuchen, sondern durch die vorherrschende wirtschaftliche Macht und die Integration anderer Regionen gewaehrleisten koennten. Ist es da zuviel verlangt, ein paar Euros mehr abzudruecken als es geplant war? Die Maerkte geben gruenes Licht, was wollen denn die ewigen Mauler noch?”

    Jaja, das kennen wir: wenn die Faktenlage dünn wird, dann wird Pathos und Polemik ausgepackt… Bürger der ehemaligen Sowjetzone kennen solche Aussagen, hat man dort am Ende auch so propagiert.

    VG SystemSturz

  8. Machiavelli sagt:

    Zu spät und zu wenig!

  9. [...] – die Retterin, die Verräterin, so schreibt das Handelsblatt am Tag nach dem Rettungsgipfel. Was bloß hat die Frau da [...]

  10. badsch sagt:

    @nobum
    Ach nein, was soll das denn. Jetzt muss ich sie schimpfen, weil Sie hier m.E. dumpfen Linkspopulismus pflegen. Und dann noch “stramm” in Großbuchstaben, um ja klar zu machen, für was für Burschen Sie die Leute halten, die nicht Ihrer Meinung sind.

    “Die Deutschen, die am meisten vom Euro profitieren, sind hier (fast) alle STRAMM antieuropäisch. Nach dem 2. Weltkrieg hätten sie alle für die Neuauflage des Versailler Vertrags gestimmt.”

    Selbst die Wochenzeitung DIE ZEIT, eine Publikation, die nun wirklich derart pro-europäisch ist, dass kritische Argumente gegen die aktuelle Politik der Rettungsschirme und Dauer-Rettungsfonds, wie sie sich uns jetzt darbietet, so gut wie gar nicht vorkommen, kann nicht umhin zuzugeben, dass der Euro nicht in jedem Fall und immer positiv für die Deutschen war. Vielleicht schauen Sie da mal rein und lesen einfach:
    http://www.zeit.de/2011/30/Euro-5-Fragen

    Ihre Vereinfachung, dass alle anti-europäisch sind, wenn sie sich nur kritisch gegenüber der aktuellen Pollitik der Kanzlerin und ihrer europäischen Kollegen äußern, ist kühn und nicht zutreffend. Versuchen Sie doch wenigstens etwas zu differenzieren. So etwas könnte der Diskussionskultur in Deutschland helfen. Es wird sowieso m.E. künftig im Lande etwas mehr diskutiert werden, z.B. dann, wenn uns die etablierten Parteien im Bundestag erklären müssen, wie sie weitere Schulden, Sparmaßnahmen am Sozialsystem und Steuererhöhungen begründen, obwohl immer mehr Geld in südliche Randländer abfließt, ohne dass auch nur eine Lösung und ein Ende abzusehen ist. Es wäre besser, wenn es dann noch eine Diskussionskultur bei uns gäbe. Ihre Schwarz-Weiß-Denke trägt leider nicht dazu bei.

    Und schließlich Versailler Vertrag. Seltsam, dass dieser Unglücksvertrag nach dem 1. Weltkrieg immer wieder ins Spiel gebracht wird. Der VV war nichts Gutes, weil er die Fortsetzung des Krieges nur mit anderen Mitteln darstellte. Er war nicht zukunftsträchtig, wie man ja spätestens in den 30er-Jahren gesehen hat. Was sollen wir Kritiker der Bail-out-Politik nun mit einer solchen Aussage anfangen? Ich hätte ganz bestimmt nicht nach dem 2. WK für einen VV gestimmt. Aber was hat das mit Griechenland zu tun? Wir hatten keinen Krieg, niemand ist besiegt worden und es gibt keinen Gewinner. Eigentlich gibt es in der derzeitigen Situation nur Verlierer. Griechenland hat sich aus eigenem Verschulden durch eine halbsozialistische Wirtschafts- und Sozialpolitik in diese Lage gebracht, der Euro hat das Ganze noch verstärkt. Ihr Bild vom VV ist deshalb sinn- und nutzlos und emotionalisiert die Diskussion.
    Wenn wir mal die unglückselige Politik des 20. Jahrhunderts beiseite lassen, kann man nur sagen:
    Eine zukunftsträchtige und nachhaltige Politik für Griechenland ist nun einmal der klare Schnitt und das in jeder Hinsicht: Es müssen die Schulden weg und Griechenland muss aus dem Euro austreten, weil es nur so wettbewerbsfähig wird und wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt. Ein dauerndes Weiterwurschteln, wie es jetzt geschieht, vertieft nur die Probleme. Lösen wir die nicht, dann wird es nicht nur den Euro, sondern auch die EU zerreißen.

  11. Quart sagt:

    Was soll die Merkel auch machen? Die Guthaben stellen sich nur für Investitionen zur Verfügung wenn sie verzinst werden und das geht nur über höhere Schulden. Wenn Griechland keinen Kredit mehr bekommt muss es ein anderer tun, jemand der noch solvent ist wie Deutschland. Oder das ganze Kartenhaus fällt bereits heute zusammen. So eben später.