Es scheint als werde in Athen und in Washington das Allerschlimmste verhindert. Doch im Grunde sind die Probleme nur aufgeschoben. Die Märkte sollten ihre Euphorie vor allem über eine sich abzuzeichnende Einigung über das Schuldenlimit in der US-Hauptstadt im Zaum halten. Erstens ist noch nichts unter Dach und Fach. Zweitens droht eine “kleine Lösung”, die ein beachtliches Potenzial hat, den Investoren nach der Party einen ordentlichen Kater zu verpassen.
Mal ehrlich, was ist wirklich passiert in den USA, das die Aktienmarktrally der vergangenen Tage rechtfertigt? Wenig, oder? Richtig ist, dass die mit Politikern von Opposition und Regierung besetzte “Gang of Six” einen Vorschlag für eine Haushaltskonsolidierung vorgelegt hat, der etwas mehr Aussichten auf Zustimmung von beiden Seiten hat, als die bisherigen Ideen. Das ist ne Menge, aber angesichts der immer knapper werdenden Zeit eigentlich sehr wenig.
Denn im Moment ist nicht abzusehen, wie dieser Vorschlag tatsächlich vor dem 2. August Gesetz werden kann, damit zeitgleich das Schuldenlimit angehoben und ein Zahlungsausfall der USA vermieden werden kann. Und das weiß auch der Präsident: Anders kann man sich seinen jüngsten Vorstoß nicht erklären. Plötzlich ist er bereit, das Schuldenlimit erst separat anzuheben und dann “ein paar Tage später” über eine Sanierung des Haushaltes zu entscheiden.
Je mehr Zeit verrinnt, desto wahrscheinlicher wird es, dass eine solche Minilösung gewählt wird. Denn mittlerweile fürchtet ein großer Teil des Wahlvolks einen Zahlungsausfall der USA mehr als eine Anhebung des Schuldenlimits, wie Umfragen belegen. Das bedeutet, dass selbst die Politiker, die die Warnungen vor den katastrophalen Folgen eines solchen Ereignisses für eine Erfindung der Ratingagenturen und der “bösen” Wall Street halten, unter Druck geraten.
Doch mit einer solchen Lösung des kleinsten gemeinsamen Nenners wäre das Desaster wieder nur auf die lange Bank geschoben. Die politischen Lager in Washington sind viel zu zerstritten, als dass man daran glauben mag, dass sie sich danach ohne den Druck eines Zahlungsausfalls auf eine Haushaltskonsolidierung einigen werden. Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass es zu einer endlosen, bis zur Präsidentschaftswahl im Winter 2012 andauernden PR-Schlacht kommen wird, deren einzige Resultat ist, dass nichts passiert und der US-Schuldenberg weiter wächst. Die Ratingagentur S&P sieht das ähnlich. Sie droht in einem solchen Fall binnen drei Monaten mit einer Herabstufung.
Die USA sollten sich die Lage in Griechenland genau ansehen. Auch dort wurde das Problem von der EU in den vergangenen Jahren zwar erkannt, aber eine echte Lösung immer wieder aufschoben. Nun brennt es an allen Ecken und Enden. Daher ist Euphorie angesichts der Lage in Washington derzeit zumindest mal verfrüht, eigentlich sogar Fehl am Platze.











3 Kommentare zu “Euphorie der Märkte ist verfrüht!”
Tja, China freut sich und wird in Griechenland und USA zuschlagen, wenn die Länder am Boden liegen.
Guten Tag
Beim Thema Griechenland fühle ich mich wie ein
Christi Wissenschaftler mit Blinddarmentzündung!
mfg herbert noelting
Die Erfindung des deficit spending fiel den Politikern ja wie Manna in den Schoß. Sie werden niemals mehr die Finger von dieser Droge lassen.