»Ralf Drescher 29. April 2011, 09:20 Uhr

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Vertrauenskrise in den USA? Von wegen

Eigentlich ist in den USA diese Woche gar nichts passiert. Notenbankchef Ben Bernanke bewegte die Märkte, obwohl er nichts tat und auf seiner Debüt-Pressekonferenz nach einer Fed-Sitzung auch nichts sagte – abgesehen davon, dass sich das US-Wachstum im zweiten Quartal verlangsamt hat. Das kam einen Tag später mit der Veröffentlichung der offiziellen BIP-Zahlen aber ohnehin raus. Auch aus dem Finanzministerium gab es eine Nicht-Nachricht: Timothy Geithner erklärte, dass die USA an ihrer Politik des starken Dollars festhalten. Dumm nur, dass ihm das niemand glaubt.

Die Konsequenz des Ganzen: Der Dollar stürzt weiter ab. Die Talfahrt der US-Währung wird von Marktteilnehmern gerne als nachlassendes Vertrauen der Anleger in die USA gedeutet. Gründe dafür ließen sich ohne Probleme finden, wenn man auch noch die  Drohung von S&P, den Vereinigten Staaten ihr Top-Rating zu entziehen, und den Käuferstreik von prominenten Anleiheinvestoren wie Pimco berücksichtigt.

Doch in der Realität ist von einer heraufziehenden Vertrauenskrise nichts zu spüren. Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen haben im April rund ein Prozent zugelegt. Und bei der jüngsten Emission neuer Treasuries mit siebenjähriger Laufzeit griffen die Anleger beherzt zu: Ohne Probleme brachte das amerikanische Finanzministerium Papiere im Wert von 29 Mrd. Dollar locker am Markt unter.  Die Nachfrage war zwar leicht niedriger als bei den letzten drei Auktionen, sie übertraf das Angebot aber immer noch um das 2,6-Fache. Und die Zinsen waren so niedrig wie im laufenden Jahr noch nicht.

Auffällig ist, dass die “indirekten Bieter”, zu denen unter anderem die globalen Notenbanken zählen, deutlich weniger kauften. Bei den letzten zehn Anleihe-Auktion war im Schnitt rund die Hälfte der Papiere an diese Investorengruppe gegangen. Leider gibt es bisher keine genaue Aufschlüsselung, wer sich aus dieser Gruppe diesmal zurückgehalten hat. Das lässt Raum für Spekulationen: Wenden sich vielleicht die Chinesen doch von den USA ab – oder hat Japan angesichts der immensen Kosten für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben sein Pulver trocken gehalten?

Fakt ist: Die US-Notenbank steht als Käufer von amerikanischen Staatsanleihen lange nicht so alleine da, wie Skeptiker gerne behaupten. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht, da die USA allein im laufenden Quartal insgesamt mehr als 300 Milliarden Dollar am Anleihemarkt aufnehmen will. Für die Fed selbst ist es aber auch ein wichtiges Signal: Dass die Investoren das Vertrauen in Amerika offenbar noch nicht verloren haben, dürfte ihr den Ausstieg aus dem 600 Milliarden schweren Anleihekaufprogramm erleichtern.

Wer weiß: Vielleicht könnte es sich Ben Bernanke sogar erlauben, frei werdende Mittel aus auslaufenden Anleihen nicht erneut in den Markt zu pumpen. Aber davon will der Fed-Chef ja nichts wissen.  Das zumindest haben wir diese Woche gelernt.

»Ralf Drescher 29. April 2011, 09:20 Uhr

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