» 27. April 2011, 08:10 Uhr

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Ihr Auftritt, Mister Bernanke!

Und die US-Notenbank ist doch lernfähig. Sie lernt von der EZB. Nicht etwa, dass Ben Bernanke dem geldpolitischen Kurs von Jean-Claude Trichet folgen würde. Aber am Mittwoch wird der Fed-Chef erstmals in der Historie nach einer Zinsentscheidung vor die Presse treten. Bei der EZB ist das seit Jahren ein Ritual.

Hoffen wir mal, dass Bernanke die Auftritte seines EZB-Präsidenten im Vorfeld nicht zu genau studiert hat. Denn Trichet ist ein Meister in der Kunst des Nichts-Sagens. Von Bernanke erhoffen sich die Märkte heute abend genau das Gegenteil. Er soll Auskunft geben, welchen geldpolitischen Kurs die Fed künftig fahren will.

Doch die Erwartungen dürften enttäuscht werden. Viele von Bernankes Antworten sind vorhersehbar:

  • Wird die Fed die Zinsen erhöhen? Natürlich nicht.
  • Sorgt sie sich vor Inflation? Nur kurzfristig.
  • Wird das Anleiheaufkaufprogramm (QE2) Ende Juni enden? Ja.

Damit bleiben vor allem zwei Fragen offen: Wagt die Fed zumindest den Einstieg in den Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik? Und wie  schätzt sie aktuelle Wirtschaftslage ein?

Die beiden Fragen sind untrennbar miteinander verbunden. Zuletzt gab es wieder einige schwächere Konjunktursignale wie etwa den stark rückläufigen Immobilienpreisindex Case Shiller. Befürchtet wird nun, dass die US-Konjunktur wie im vergangenen Jahr im zweiten Quartal Schwäche zeigt.

Sollte auch die Fed Zweifel an der nachhaltigen Erholung der Wirtschaft hegen, wird sie einen Teufel tun, die Stimuli auch nur ansatzweise zurückzufahren. Dies könnte sie tun, indem sie das so genannte “QE lite” stoppt, also frei werdende Gelder aus auslaufenden Anleihen und Hypothekenpapieren nicht mehr reinvestiert, sondern ihre massiv ausgeweitete Bilanz nach und nach auf Normalmaß zurückführt. Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt scheint allerdings gering.

Bleibt die Frage, wie die Märkte auf Bernankes Äußerungen reagieren werden. Schwer vorstellbar ist, dass die Fed dem taumelnden Dollar auf die Füße hilft. Dafür bräuchte es wohl schon einWas sich die Investoren an den Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten wünschen, ist klar: Sie hoffen darauf, dass die Fed die Liquiditätsschleusen ganz weit offen lässt und den Anleihemarkt mit Folgekäufen weiter antreibt. Jeder noch so zarte Hinweis auf eine geldpolitische Straffung dürfte daher auf die Kurse drücken. Aber auch ein Verzicht darauf muss nicht zwangsläufig als Kursstimulus wirken, sofern dieser als Zeichen für Konjunkturskepsis ausgelegt wird.

Und dann ist da ja auch noch der Dollar. Der steht seit Wochen unter Druck. Dass sich das nach der Fed-Sitzung ändert, erscheint wenig wahrscheinlich. Dafür bräuchte es schon eines starken geldpolitischen Signals. Aber richtig unglücklich dürfte die Fed darüber nicht sein. Angesichts der Debatte, ob und wie sie die Konjunktur in Zukunft weiter stützen kann, kommt ihr ein Export-stützender niedriger Außenwert des Dollars durchaus gelegen. Auch wenn die USA natürlich niemals aktiv eine Politik des schwachen Dollars betreiben würden, wie Finanzminister Timothy Geithner gestern erneut betont hat.

Was andere Blogs und Finanzseiten zum Thema schreiben:

WSJ Deal Journal: Get ready for the Bernanke Stock Market Selloff
WSJ Market Beat: Don´t expect “Few Good Men” Moment from Fed
Market Beat 2: Ahead of the Fed – Seven quick Takeaways
FT Alphaville: What to expect from Chairman Bernanke
Money Morning: The Death of the Dollar
Business Insider: Fed to confirm End of QE2
Market Watch: Central Bank Voodoo isn’t working

» 27. April 2011, 08:10 Uhr