Der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan soll aus dem Land geflohen sein, um woanders ein besseres Leben zu beginnen. So lautet ein Gerücht, das seit vorgestern im Internet grassiert. Der tiefere Grund sein ein Milliardenverlust der People’s Bank of China (PBoC), wegen dem Zhou eine schreckliche Strafe drohe – was andererseits auch die Märkte in Aufruhr versetzen könnte, geht die Geschichte weiter. Was ist dran an dem beunruhigenden Gerede?
Wegen Investitionen in US-Staatsanleihen habe die Notenbank in Peking 430 Mrd. Dollar Verlust eingefahren; die Führung des Kommunistischen Landes tobe und wolle unbedingt jemanden bestrafen, deshalb sei Zhou ins Ausland geflohen. — Diese Version verbreitet sich noch in diesen Stunden immer weiter in Blogs und Foren.
Als Quelle nennen die Netzbürger einen Hongkonger Nachrichtendienst. Tatsächlich decken die Medien der freiheitlicheren Enklave in Südchina oft Missstände in der Volksrepublik auf. Der betreffende Nachrichtendienst Ming Pao reagierte jedoch schnell und stellte einen Hinweis auf seine Homepage: Die betreffende Meldung gibt es nicht.
Dazu kommt die Sache mit dem hohen Verlust der Zentralbank wegen Geschäften mit US-Staatsanleihen. In der Krise sind die Kurse von Anleihen gestiegen, nicht gefallen. Analysten sind überzeugt, dass die jüngste Runde von Umschichtungen aus Dollar-Papieren in Euro- oder Yen-Anleihen der PBoC einen satten Gewinn gebracht hat. Ein dreistelliger Milliardenverlust erscheint sehr unrealistisch.
Zudem meldete sich heute der japanische Minister für Finanzaufsicht zu Wort. Shozaburo Jimi war gestern zu Gesprächen in Peking und ist unter anderem mit Zentralbankchef Zhou zusammen getroffen. Der Japaner schwört hoch und heilig, wirklich im echten Peking mit dem echten Zhou zusammen gesessen zu haben.
Die Märkte können also beruhigt sein. Zhou kann es dagegen nicht. Denn etwas wird hängenbleiben an dem Gerücht. “Wo Rauch ist, da wird wohl auch Feuer sein”, sagte ein Pekinger Finanzbeobachter sinngemäß. Wie in China üblich, ist Zhou kein unabhängiger Notenbanker, sondern als Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei selbst ein Top-Kader. In so einer Position sind negative Gerüchte sehr schlecht für die Karriere.










