Vergebens haben die Märkte weltweit heute auf eine klare Ansage von US-Notenbankchef Ben Bernanke zu baldigen, die schwächelnde US-Konjunktur stützenden Maßnahmen gehofft. Bei seiner mit Spannung erwarteten Rede auf dem Treffen der internationalen Währungshütergemeinde im US-Wintersportort Jackson Hole legte er zwar im Detail dar, wie sich die Fed weitere Notfallmaßnahmen vorstellt. Auch bekannte er sich erneut zu sofortigem Eingreifen, falls die Lage schlimmer werde. Bernanke spielte aber auch auf Zeit und nahm die Regierungen weltweit mit deutlichen Worten in die Pflicht: „Die Zentralbanker allein können die ökonomischen Probleme der Welt nicht alleine lösen“, sagte er.
Insgesamt malt Bernanke ein weniger negatives Bild von der US-Wirtschaft als viele Volkswirte in den vergangenen Wochen und hofft dabei auf den US-Verbraucher. Er räumt ein, dass sich die US-Konjunktur weniger schnell erholt, als Anfang des Jahres gedacht. Auch die Arbeitslosigkeit verharre länger auf einem sehr hohen Niveau, als zuvor erwartet. Anders als Nobelpreisträger Paul Krugman oder gar “Dr. Doom” Nouriel Roubini erwartet aber er keinen Rückfall in die Rezession und sogar wieder ein stärkeres Wachstum in 2011.
Eines seiner zentralen Argumente ist, dass sich der private Konsum – wenn auch langsam – erholen wird. Die Ausgaben der Verbraucher sind für die USA so wichtig, weil sie rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen. Bernankes Argument: Die Sparquote sei stärker als erwartet auf fast sechs Prozent gestiegen. Dies zeige zwar einerseits, dass die Menschen ihr Geld derzeit zusammen hielten statt es auszugeben. Aber gleichzeitig bedeute dies auch, dass die US-Bürger mit der Entschuldung schneller vorankämen als bislang prognostiziert. Daher könnten sie den Konsum also demnächst auch schneller wieder hoch fahren, so der Notenbankchef der weltgrößten Volkswirtschaft.
Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. So recht mag man aber daran nicht glauben. Die Arbeitslosenquote in den USA verharrt weiter deutlich über neun Prozent und die Preise für Wohnhäuser fallen weiter. Das heißt, die Einnahmen der Bürger sind weiter in Gefahr und ihr beliebtestes Sparschwein leert sich, ohne dass sie etwas dagegen tun können. Es fällt schwer zu glauben, dass sie in einer von fallendem Wachstum geprägten Lage den Zukunftsoptimismus aufbringen, der nötig ist, um das verbliebene Geld in die Geschäfte zu tragen.
Zudem werden die Menschen nicht begeistert davon sein, dass Politiker und Zentralbanker sich gegenseitig die Verantwortung für weitere Konjunkturmaßnahmen zuschieben. Im Kern hat Bernanke zwar Recht. Die Parteien in Washington haben die Pflicht, trotz des Wahlkampfes – im November werden Teile des Parlaments neu gewählt – weiter ihre Arbeit zu tun. Tatsächlich blockieren sie sich gegenseitig, so dass ein neues Konjunkturprogramm nicht zu erwarten ist. Genauso wäre es sinnvoll und in Bernankes Sinne, wenn Europa und die USA wieder zu einer gemeinsamen Linie im Kampf gegen eine Abkühlung der Weltwirtschaft zusammenfänden.
Aber wie soll der Verbraucher Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung fassen, wenn alle Beteiligten die Füße still halten und sich gegenseitig zum Handeln auffordern? Auf Dauer werden vermeintlich Überraschungen wie heute nicht reichen. Die Märkte freuen sich heute darüber, dass das Wachstum der USA im zweiten Quartal nicht wie erwartet auf 1,4 Prozent, sondern “nur” auf 1,6 Prozent nach 3,7 Prozent im ersten Quartal fiel. Früher oder später werden die Investoren aber merken, dass man auch auf einer weniger steilen Rutschbahn in die Tiefe gleitet. Bernanke und die Politiker weltweit könnten schneller zum Handeln gezwungen werden, als ihnen lieb ist.











Ein Kommentar zu “Bernanke hofft auf den US-Verbraucher”
Der Konsument wird nicht kommen, er wird sich und uns alle in die Defaltion sparen wollen (ist ja klar – nur immer weiter so auf Konsum zu leben funktioniert einfach auch nicht oder nur schlecht als recht) …. .
Die Börsen, das Geldkreislaufsystem und die Wirtschaft müssen alle auch, genauso wie lebende Organismen EIN- UND AUSATMEN können (also an Wert gewinnen, Wachstum erzielen und dann wieder an Wert verlieren, Wachstum wieder etwas abgeben). Bauscht man das irgendwie auf oder versucht es aufzubauschen, dann kann man die Nachfolgen nicht mehr kontrollieren und es kommt zu einem Chaos (Die Chaos-Theorie) …. …. .
Entschuldungsprozess wäre empfehlenswert.
Für Foren Beiträge und Beitritt auf:
http://groups.myspace.com/BoerseApplikationForYou
und einer vielseitigen, von mehreren Teilnehmern geführten Diskussion/Debatte würde ich mich sehr freuen ….
Dazu ist jeder herzlichst eingeladen.
Schöne Grüße
:)