Es tobt ein Meinungskrieg: Sitzen wir auf einer Bond-Blase oder nicht? Dabei trennen die Fronten nicht etwa ein typisch angelsächsisches von einem eher kontinentaleuropäischen Lager. Sondern die britischen und amerikanischen Kommentatoren sind sich untereinander höchst uneins.
Für die “Blasen-Theorie” spricht, dass die Renditen “guter” Staatsanleihen, etwa der deutschen, so niedrig sind wie kaum je zuvor, umgekehrt also die Preise entsprechend hoch. Dafür spricht auch, dass im Moment viel “Fluchtgeld” in diese Märkte fließt, das sich rasch wieder verabschieden könnte, wenn sich bessere Anlagemöglichkeiten bilden.
Gegen die Theorie spricht aber, dass nach Meinung einiger Kommentatoren eine echte Blase immer mit irrationalen Gewinnerartungen einher geht. Die hat aber im Moment niemand, die Leute wollen ihr Geld sichern und spekulieren nicht auf Traumrenditen. Gegen die Theorie spricht auch, dass bei einer echten Blase ein sehr schneller, erheblicher Zusammenbruch des Kursniveaus zu erwarten ist, möglicherweise noch mit einer Kettenreaktion in andere Märkte hinein. Eine derartige Kettenreaktion wäre allenfalls zu erwarten, wenn einzelne Hedgefonds extrem hoch gehebelte Zinswetten eingegangen sein sollten. Aber selbst wenn das der Fall wäre und die Sache schief geht, dürften die Auswirkungen auf die Breite der Märkte überschaubar bleiben.
Einen regelrechten Einbruch im Anleihenmarkt könnte man nur dann vermuten, wenn es tatsächlich einen Kapitalschnitt gäbe, also Anleihen nur noch zu einem Teil bedient oder zurückgezahlt würden. Das wäre aber, wenn überhaupt, nur bei Anleihen schwacher Staaten zu erwarten, also gerade nicht in dem Segment, wo die Kurse gerade besonders hoch sind. Deswegen wäre von einer wirklichen Bond-Blase nur auszugehen, wenn tatsächlich Staaten wie die USA, Großbritannien und Deutschland einen Teilbankrott erklären würden. Das halte ich für extrem unwahrscheinlich. Eher würde man dann doch versuchen, das Problem wegzuinflationieren – was ich aufsehbare Zeit auch nicht sehe. Vielleicht sitzen wir langfristig betrachtet auf einer Geldblase, die sie irgendwann in Inflation auflösen muss. Aber selbst das wird nicht von einem auf den anderen Tag passieren.
Deswegen: Klar, Bundesanleihen und ähnliche Papiere können deutliche Kursrückschläge erleben. Aber von einer Blase zu reden, was ja die Assoziation erweckt, sie könnte mit einem Knall zerplatzen, halte ich für ein Märchen.











7 Kommentare zu “Das Märchen von der Bond-Blase”
Also ich muss Japan Fan zustimmen. Schon seit August 2010 gab es bemerkbare Veränderungen in Japan. Somit ist ein Japan Szenario sehr wahrscheinlich.
Ich halte hier eher ein Japan Szenario für wahrscheinlich. In Japan sind die Zinsen seit vielen Jahren noch deutlich niedriger als in Deutschland und den USA. Außerdem haben wir in Europa derzeit eine ähnliche Situation wie in in Japan: 1. Demografische Entwicklung 2. Finanzkrise (in Japan geplatzte Immobilienblase) 3. Völlige Überschuldung des Staates. Meines Erachtens ist zu erwarten, dass die Zinsen weiter sinken
[...] Handelsblatt Global Markets: Das Märchen von der Bond-Blase [...]
Falsche Daten, herr Repke: weder 2.7%, sondern um die 4%. Und auch nicht 20%, aber gern ein paar % mehr. Bei 30 Jahren Laufzeit wuerde das ein Blutbad anrichten.
Regierungen freuen sich, wenn’s billiges Geld gibt. Doch wird auch diese Party enden. Was dann? Hoehere Steuern & Zinsen!
Entschuldigung, nie gab es 30 jaehrige T-Bonds mit \2.7%\. Sie meinen wohl die 10-Jahrigen? Statt \20%\ halte ich ein paar % mehr fuer gerechtfertigt. Derzeit sind es ~ 4%, bei 6-7% wuerden diese lang laufenden Bonds fuer Viele wieder interessant.
Wenn der Markt hoehere Zinsen verlangt, gibt es ein Blutbad am langen Ende. 30% Verlust ist dann schnell Realitaet!
Klar, die FED und U.S. Treasury wollen die Zinsen zo niedrig wie moeglich halten. Und die Refinanzierung am kurzen Ende ist ja seit Jahren spottbillig. Doch wird der Tag kommen, an dem das Pendel ins andere Extrem schwingt. Dann werden die Steuern brutal erhoeht – warten Sie’s ab!
ist ein Maerchen.
Wenn man bedenkt, dass die “guten” Staaten (gibt es die noch) die Bonds auflegen um Rechnungen zu bezahlen, dann steigen die Schulden und die Einkommen ganz augenscheinlich nicht. Es sei denn, man rationalisiert. Und wer tut das? Und so steigen die Schulden und die Relation zwischen Einkommen und Zinslast wird schlechter und schlechter. Nun stelle man sich vor, die Zinsen steiegn um sagen wir nur 2%. Dann koennen die Staaten (und viele Banken) ihre Kosten nicht mehr decken. Und alle, die Staatsanleihen besitzen sehen massive Kursrueckgaenge. Das ist de facte einen Enteignung. Der Erfolg davon ist? Da die Staaten keine Reserven haben, die Banken auch nicht, kann niemand auffangen. Und das Karusell, dass zB Treasury bonds auktioniert, und die Fed den Markt reguliert, in sie nicht verkaufte Bonds uebernimmt, hat auch ein Ende. Da viele Investoren mit kurzem Geld finanzieren, um so die Marge einzustecken, waere jeder Anstieg der kurzen Zinsen einen Katastrophe. Kennt jemand noch Muennemann?
Eigentlich sollte das Handelsblatt neutrale informieren.
Euer
Rainer
Der Zins fuer 3o Jahres US T Bonds muesste bei 2o% sein. Das wurder das Risiko fair bewertebn. 2.7% ist ein Witz und ein schlchter dazu.
[...] [...]