Es ist schon auffällig. Genau einen Monat lang Zeit hatte die Agricultural Bank of China (ABC), um ihre Mehrzuteilung an Aktien loszuwerden. Und nur mit der Mehrzuteilung erreichte sie den Titel des größten Börsengangs aller Zeiten (mehr dazu hier). Doch trotz der bekannt zweifelhaften Qualität des Papiers blieb der Kurs vier Wochen lang auf Ausgabeniveau. Obwohl er immer wieder abzusacken droht, schwenkte die Kurslinie immer wieder knapp ins Plus, was die Mehrzuteilung schließlich rechtfertigte.
Ohne Verschwörungstheorien zu bemühen: Ganz offenbar wollte hier jemand einen Rekord auf Biegen und Brechen. Im Hintergrund steht der Eigner der Bank, die chinesische Regierung. Doch auch Goldman Sachs war wohl an der Kurszauberei beteiligt.
Es muss für die Beteiligten wirklich mühsam gewesen sein, diesen Börsengang im derzeit pessimistischen Marktumfeld durchzuziehen. Als der Kurs in Hongkong unter den erwünschten Kurs fiel, griffen die Ausgabepartner des Instituts ein und kauften die Papier so lange auf, bis der Trend drehte. Das wichtigste Mitglied des Konsortiums: Goldman Sachs. Auch die Deutsche Bank ist dabei.
Die Berater hatten schon vorher dafür gesorgt, dass sich nicht allzu viel bewegt. Zwei Fünftel des Aktien darf die Gruppe bevorzugter Erstinvestoren ein Jahr lang nicht verkaufen – so sehen es die Verträge vor. Außerdem konnten die Finanzkünstler eine Reihe zuverlässiger Langfristanleger wie arabische Staatsfonds zum Einstieg bewegen.
Die chinesische Regierung trug ebenfalls ihren Teil zum Erfolg der Operation “Rekordbörsengang” teil. Auf dem chinesischen Festland kontrolliert Peking die Finanzbranche praktisch flächendeckend. Staatseigene Banken sollen am Markt Shanghai kräftig zugegriffen haben, um den Kurs gegen den Verkaufsdruck skeptischer Privatinvestoren zu stützen.
Doch die Kommunistische Partei konnte mit Ihrem Einfluss noch mehr tun, um dem Sorgenkind unter den vier großen Staatsbanken unter die Arme zu greifen. Kaum war das Papier draußen, musste die Börse Shanghai es auch schon in den Leitindex aufnehmen. Das wiederum hat Anbieter von Indexfonds weltweit gezwungen, zuzugreifen und damit kurzfristig Nachfrage erzeugt.
Was hat die ABC von all der Mühe? Eines ganz bestimmt: Einen Haufen frischen Geldes in der Kasse. Und durch den Rekord erhält die zuvor unbekannte Bauernbank internationale Aufmerksamkeit, die sie als moderner Finanzdienstleister in spe gut brauchen kann.











2 Kommentare zu “Rekord auf Biegen und Brechen”
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