Der mit Spannung erwartete Arbeitsmarktbericht aus den USA ist raus. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat im Juli weitere 131.000 Jobs verloren – ein klares Signal dahingehend, dass mit der nett erzählten Erholungs-Story in Amerika irgendwas nicht stimmen kann.
Stell Dir vor es ist Aufschwung (das Konjunkturplus liegt nach offiziellen Angaben >2%), aber keiner arbeitet mehr mit. Die gefährlichste Botschaft des jüngsten Arbeitsmarktberichts: 45 Prozent der Jobsuchenden, also 6,6 Millionen Menschen, sind bereits seit mehr als sechs Monaten nicht mehr in Lohn und Brot. Dabei gilt die Faustregel: Je länger die Zeit der Arbeitslosigkeit, umso geringer sind die Chancen der Anwärter, überhaupt noch einmal den Weg zurück in den Jobmarkt zu finden. Der Arbeitsmarktbericht zeigt darüber hinaus aufs Neue, wie sehr Washington seine Zahlen verbiegt, um nicht das ganze Debakel offenlegen zu müssen: Die Arbeitslosenquote U3 etwa, die offiziell nach wie vor mit 9,5 Prozent angegeben wird, zeichnet ein viel zu optimistisches Bild der Lage. Weshalb sollen in den USA angeblich „nur“ 15 Millionen Menschen arbeitslos sein, wenn sich auf der anderen Seite inzwischen 40,8 Millionen Menschen mit Essensmarken des Landwirtschaftsministeriums über Wasser halten. Eine Voraussetzung für den Bezug von Essensmarken ist – Surprise, Surprise – die Arbeitslosigkeit. Der Regierungs-Haushalt sieht für das Verteilen dieser Nahrungsmittelkärtchen im laufenden Jahr 72,5 Milliarden Dollar vor, fast doppelt so viel wie 2008.
Zum Thema Esensmarken schrieb Bloomberg gestern: „The number of Americans who are receiving food stamps rose to a record 40.8 million in May as the jobless rate hovered near a 27-year high, the government reported yesterday. Recipients of Supplemental Nutrition Assistance Program subsidies for food purchases jumped 19 percent from a year earlier and increased 0.9 percent from April, the US Department of Agriculture said in a statement on its website. Participation has set records for 18 straight months.
Zurück zu den Statistiken der US-Regierung: Eine zweite Arbeitslosenquote (U6) findet in der Öffentlichkeit seit Jahren weniger Beobachtung, weil sie Washingtons PR-Maschine sorgsam versteckt. Sie schließt auch jene Menschen ein, die eigentlich einen Job suchen, aber in den vergangenen vier Wochen nicht beim Arbeitsamt vorstellig wurden. Diese Qutoe liegt derzeit bei 16,5 Prozent. Experten, die sich ausführlich mit Regierungs-Statistiken befassen, halten auch diese breiter gefasste Arbeitslosenquote noch für geschönt. Denn auch U6 berücksichtigt nur jene Arbeitslosen, die sich im vergangenen Jahr um eine Stelle beworben haben.
Amerika hat viele Probleme: Der desolate Jobmarkt ist das mit Abstand drängendste.











4 Kommentare zu “Geschönt noch schlecht”
[...] Handelsblatt Global Markets: Arbeitsmarkt, Konjunktur, Statistiken, USA – Geschönt noch schlecht [...]
Ein schönes Beispiel für das gängige Sprichwort in der Welt der Werbeagenturen “Wer nicht wirbt der….”. Bereits seit dem letzten Quartal 2009 sind die Investitionen die US-Unternehmen in Ihre Kommunikation und Marketing tätigen unter 9% des Turnovers gefallen. Selbst große Werbeagenturen in den USA leider darunter und die Marktbereinigung in unserer Branche hat spätestens 04/2010 mit dem Konkurs/Aufgabe/Übernahmen von den 4 großen in CA begonnen.
Gegenläufig zu diesem Trend ist hier interessanter Weise die Investition in Online Werbung – nur werden hiermit, wenn ich mir die Zahlen aus dem Beitrag ansehen, offenbar nicht die benötigten B2B Umsätze generiert.
Volker Berlin
Werbeagentur Berlin
Man kann es auch anders ausdrücken: 40,8 Millionen Amerikaner sind restlos überzeugt, dass die in den vergangenen Jahren maßgeblichen Politiker, Ökonomen und Notenbanker von der Wirtschaft nichts verstehen. 40,8 Millionen – wie lange schon muss vieles völlig falsch gelaufen sein, bis sich diese Zahl ergab? Das ist insofern auch ein schockierendes Zeugnis für Ignoranz.
[...] This post was mentioned on Twitter by Jan Ruehmling and Jens, Alexander Felde. Alexander Felde said: Geschönt noch schlecht: Der mit Spannung erwartete Arbeitsmarktbericht aus den USA ist raus. Die größte Volkswirts… http://bit.ly/9qQWG4 [...]