»Rolf Benders 30. Juli 2010, 16:30 Uhr

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Die 10-Millionen-Frage zum “Double-Dip” der USA

Die Erholung der US-Wirtschaft schwächelt. Das Wachstum war im zweiten Quartal mit 2,4 Prozent noch etwas niedriger als die bereits drastisch reduzierten Erwartungen. Auf der Suche nach Hinweisen, was diese eine Zahl nun für die Zukunft der weltgrößten Volkswirtschaft bedeutet, reklamieren Optimisten und Pessimisten die unterschiedlichsten Details aus dem zughörigen Datensatz der US-Regierung für sich. Die Schwarzmaler verweisen auf den noch schwächer als erwartet ausgefallenen Konsum. Notorische Optimisten feiern den drastischen Anstieg von Wirtschaftsinvestitionen und der Aktivität in der Bauwirtschaft. Die vermutlich wichtigste Zahl fehlt aber in der heutigen Veröffentlichung.


Seit dem Beginn der Krise sind 8,5 Millionen Stellen gestrichen worden, gleichzeitig wuchs die arbeitsfähige Bevölkerung um 2,5 Millionen. Unter dem Strich fehlen den USA also ungefähr zehn Millionen Stellen, von denen keiner weiß, wo sie herkommen sollen. Die Krise hat zu einer weiteren Deindustrialisierung der USA geführt, die wanderten ins Ausland ab. Im wachsenden Dienstleistungssektor zeigt sich ein Trend hin zu mehr flexiblen, schlecht bezahlten und zeitlich befristeten Stellen. Das Alles lastet auf dem privaten Verbrauch, wie die jüngste Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts PEW zeigt. Das sind schlechte Nachrichten, denn bekanntlich steht der private Konsum für rund 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung. Unter dem Strich bedeutet das wohl, dass die Schwarzmaler die Lage realistischer Einschätzen, als die notorischen Optimisten.

Droht den USA also der viel diskutierte “Double Dip”? Das kommt vermutlich darauf an, was man darunter versteht. Formal betrachtet ist ein “doppeltes Abrutschen” die kurze Abfolge zweier Schwächeperiode. Demnach ist der “Double-Dip” bereits Realität.
Viele verstehen darunter aber das erneute Abrutschen in eine Rezession. Derzeit halten die meisten Auguren das für unwahrscheinlich. Aber die Tatsache, dass das Weiße Haus seit Wochen für eine weiteres Konjunkturpaket trommelt und die US-Notenbank gestern – just vor den BIP-Zahlen – sich lautstark zu möglichen weiteren geldpolitischen Stützungsmaßnahmen äußert, lässt vermuten, dass man sich da nicht mehr so sicher ist.

Es wird auf die Arbeitsmarktstatistiken der nächsten Wochen ankommen. Wenn nicht bald ausreichend viele neue Stellen geschaffen werden, wird das Wachstum weiter auf die Nullinie zurutschen. Denn am Ende muss es sich jemand leisten können, in den Häusern wohnen, die im zweiten Quartal gebaut wurden und die Produkte kaufen für die die Industrie mit ihren Investitionen in Vorleistung gegangen ist.

»Rolf Benders 30. Juli 2010, 16:30 Uhr

    5 Kommentare zu “Die 10-Millionen-Frage zum “Double-Dip” der USA”


  1. morchel sagt:

    Double Dip = Turbokapitalismus,Ausbeutung,Umverteilung,Die Vorraussetzung wurden von leute geschaffen die zusammenhänge so verstehen.nach unten die Leistungsträger einer Gesellschaft so zu schröpfen und deren ergebniss von arbeit so umzuverteilen damit sie in den taschen weniger gelangen.nun steht die ernte ihre entscheidungen bevor,bei genauer betrachtung kann das nur heissen Modell auf ganzer linie gescheitert schlimmer noch.es gibt keine reale lösung ausser bei null anzufangen.weder bringt uns der big stick weiter ,noch die europäische union,weltweit ist ein punkt erreicht wo ein wachstum wo immer es auch herkommen könnte,sofort zur tilgung aufgewendet werden muss,Derivate die leichen in den kellern der Banken bedeuten eine hyperinflation.wir müssen den weg nicht gehen wenn resetet wird,nur der glaube fehlt es zu machen,da steckt noch zu viel gier im system.also Die dummheit der agenda schröder,die transfergesellschaft EU sind zum scheitern verurteilt die soziale schieflage geschaffen von unfähigen bürokraten,und möchte gern grossen ist gescheitert,sie sind an den punkt rette sich wer kann.

  2. [...] Handelsblatt Global Markets: Die 10-Millionen-Frage zum “Double-Dip” der USA [...]

  3. no.7 sagt:

    Es ist das system des kurzfristigen Ausbeutens, Turbokapitalismus genannt, das eben nicht auf dauer funktionieren kann. Da wird schröder Bauklötze staunen, wenn er nun sieht, das die damals so tollen USA auf dem weg ins ökonomische desaster sind. Alles nur heiße Luft und blenderei und schröder fiel voll drauf rein. dann machte er seine “Agenda zwanzig zehn”, um anschluß an den verheißungsvollen turbokapitalismus zu finden. Ja, so kann es gehen, so urteilsschwach und verblendet sind die Leute, daß sie sich auch den größten schmarrn als erstrebenswertes Modell vorgaukeln lassen.
    Die USA sind weithin kaum mehr wettbewerbsfähig, so scheint es. Der Konsum wird bald nach unten schnurren, der dollar womöglich zum fetzen Papier werden, dessen Wert verfällt. Hochmut kommt eben vor dem Fall, nicht ? -Der Volksmund weiß es besser als Schröder.

  4. herbert ax sagt:

    Das ist doch nur die Folge einer verfehlten Politik.
    Sowohl auf Politischer als auch auf Unternehmensseite.
    Lohndrücken immer billiger immer billiger!!!
    Wie soll das denn funktionieren, das ich Produkte aus dem Ausland zwar immer billiger kaufen könnte, aber verflixt wovon denn, wenn ich keine Arbeit mehr habe um vom Lohn etwas kaufen zu können.
    Nur den Nadelstreifendeppen scheint diese Logik nicht plausiebel zu sein.
    Nochmal für Dumme , Ich kann nichts kaufen wenn ich kein Geld verdiene.

  5. k.h.a. sagt:

    In der Tat ein lange vernachlässigter Aspekt – nicht allein in USA. Generell und auch aus Europa wandert Produktion für Asien nach dort aus, wie die Japaner es vormachten mit ihren Produkten für den chinesischen Markt. Diese werden lange bereits zunehmend in China selbst produziert – von japanischen Unternehmen. Wo sollen neue Stellen herkommen, wenn beinahe alles sich billiger herstellen läßt – anderswo. Die bittere Erkenntnis ist nicht zu vermeiden: unabhängig von der Finanzkrise driften die klassischen Industrieländer zunehmend ins Abseits. Auf diese Weise wird das zweite Eintauchen, der double dip, unvermeidlich. Erst später anschließen wird sich das, was viele voraussagen, nämlich eine mühsame leicht geneigte Seitwärtsbewegung. Ob sich daraus jemals noch ein ausreichendes Wachstum entwickeln wird, läßt sich aus heutiger Sicht kaum beurteilen.